Lebensdaten
1606 bis 1681
Geburtsort
„Dahlem“ (Rheindalen bei Jülich?)
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Jesuit ; Dichter ; Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118782444 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Masen, Jakob
  • Masen, Jacob
  • Masen, Jakob
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Zitierweise

Masen, Jacob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118782444.html [17.06.2019].

CC0

  • Leben

    Nach dem Besuch des Kölner Collegium Tricoronatum, wo der Schüler schon mit lat. Gedichten und szenischen Arbeiten auf sich aufmerksam machte, trat M. im Mai 1629 als „artium et philosophiae magister“ in die Gesellschaft Jesu zu Trier ein. Im Anschluß an das Theologiestudium wurde er 1637 in Köln zum Priester geweiht, 1648 legte er dort seine Profeßgelübde ab. Seit 1641 lehrte er lat. Sprache, Literatur und Rhetorik am Tricoronatum sowie an anderen Jesuitenkollegien in Trier, Münster, Aachen und Düsseldorf. Seine philologischen Lehrerfahrungen flossen in zahlreiche Sprachlehrbücher ein, die zusammen mit den Aufführungen seiner Bühnenstücke in Köln, Emmerich und Münster bei Ordenskollegen und prot. Gelehrten des Spätbarocks M.s Ansehen als Philologe, Pädagoge und Dramatiker begründeten. 1647 hielt er sich anläßlich der Friedensverhandlungen in Münster auf. In dieser Zeit knüpfte er Kontakte mit Fabio Chigi, der seit 1639 als päpstl. Nuntius in Köln weilte und noch nach seiner Wahl zum Papst 1655 als Alexander VII. Adressat von Widmungen und Briefen M.s war, ferner mit Ferdinand v. Fürstenberg, dem späteren Bischof von Paderborn, der seit 1648 an der Kölner Universität Theologie und Jurisprudenz studierte. Als dieser 1652-61 auf Einladung Chigis, seit 1655 als dessen päpstl. Geheimkämmerer, in Rom war, versorgte ihn M. als Korrespondent mit Nachrichten über das Geschehen im Umkreis seines zukünftigen Paderborner Bistums und die internationale Politik. Für die Kurfürsten, die 1658 zum kaiserl. Wahltag in Frankfurt zusammenkamen, schrieb M. einen Aufruf „zur wohl bedachten Vereinigung der Protestirenden mit den Katholischen“. Nachdem sich der Nuntius Chigi in Münster mit der Konzeption eines politischen und religiösen Friedens unter röm.-kath. Vorherrschaft bei den Kurfürsten nicht durchsetzen konnte, sondern die Religionsparteien sich in den Friedensverhandlungen gegen den Willen der Kurie darauf geeinigt hatten, den Protestanten die private und öffentliche Religionsausübung überregional zu garantieren, appellierte M. noch einmal im Interesse der päpstl. Politik an die Kurfürsten, die kath. Kirche als alleinige Hüterin der christlichen Lehre anzuerkennen und dem Vorbild Kgn. Christinas von Schweden zu folgen, die 1654 in Rom konvertiert war. In den letzten Lebensjahren widmete sich M. der Regionalgeschichte. Er setzte die Arbeit seines Ordensbruders Christoph Brouwer über die Geschichte des Bistums Trier fort, die nur zum Teil 1671 und als Auszug 1676 gedruckt wurde. 1672 widmete M. seine Geschichte Karls V. seinem Freund und Gönner Ferdinand v. Fürstenberg, woraufhin ihn dieser 1676 zur Fortsetzung der „Annales Paderbornenses“ zu sich auf sein bischöfl. Schloß Neuhaus b. Paderborn berief. Dort bearbeitete M. als Nachfolger des verstorbenen Nikolaus Schaten SJ die Paderborner Bistumsgeschichte von 1546 bis 1618, die ebenso wie Schatens Anteil nur im Manuskript überliefert ist. Krankheit zwang M. 1679 zur Rückkehr an das Trierer Jesuitenkolleg und führte zwei Jahre später zu seinem Tod. Von seinem Predigtwerk, das als eine mehrbändige repräsentative Sammlung von Predigtstoffen und -gattungen geplant war, erschienen 1678 nur die ersten zwei Bände.

    M.s philologisch-pädagogische Leistung besteht in einer Synthese des Schulciceronianismus, der traditionellen Grundlage für das Disputationswesen und die theologische Kontroverse, mit den neuen Stilmoden attizistischer „breviloquentia“ und manieristischer „argutia“ in der Nachfolge von Emanuele Tesauro und Justus Lipsius. Mit einem Programm von Musteranthologien, Stilanalysen und Übungsaufgaben eröffnete M. den Jesuitenkollegien die Chance, im Sprachenstudium und in der dichterischen Produktion Anschluß an die neuen ästhetischen Normen der überkonfessionellen respublica literaria sowie der Höfe zu finden. Antike Rhetorik und mittelalterliche Bibelallegorese sind die beiden Grundpfeiler von M.s Dichtungs- und Emblemtheorie, die sich noch zur Grundlegung der deutschen Poetik (z. B. Georg Philipp Harsdörffer) bis zur Aufklärung als tragfähig erwiesen. Die Qualität eines Dramas, eines Gedichts oder eines Emblems hing nach M. von der Originalität der Gedankenverbindung und der Fähigkeit ab, über die literale Verständnisebene auf einen transzendenten Sinn zu verweisen. Dichtung, Emblematik und Predigt waren somit ingeniöses|Gedankenspiel und Mittel zur Gotteserkenntnis zugleich. M.s Schauspiele sind nicht nur Illustrationen seiner Poetik; sie verdanken ihren Erfolg der Aktualität ihrer Themen (Sozial- und Fürstenkritik, konfessionsübergreifende Friedensmotive) und bühnenwirksamer Komik. Sein heilsgeschichtliches Menschheitsepos „Sarcotis“ war ein Jahrhundert nach seiner Entstehung (1654) der Anlaß zu einer in engl. und franz. Zeitschriften geführten Kontroverse, ob Miltons „Paradise Lost“ (1669) lediglich ein Plagiat der Dichtung M.s sei. Im Verlauf des Streits, dessen Wortführer der klassische Philologe und Übersetzer William Lauder, John Douglas, der spätere Bischof von Salisbury, und Abbé Joseph-Antoine Toussaint Dinouart waren, erschienen zwei Neudrucke der „Sarcotis“ (1757 und 1771). Das Journal Étranger und die jesuitischen Mémoires de Trévoux rühmten 1754 ihre literarische Qualität nunmehr vor dem Hintergrund der klassizistischen Poetik. M.s z. T. polemische Widerlegung der „Confessio Augustana“ aufgrund der Überzeugung, allein die Kirche sei zur Bibelexegese autorisiert, war gegen den Leidener Theologieprofessor Johann Cocceius gerichtet und rief in Verbindung mit dem Appell zur Rekonversion heftige Proteste luth. Theologen in Jena, Wittenberg und Greifswald hervor. In der Historiographie hatte M. weniger quellenkritischen Ehrgeiz als Senaten, er blieb dem älteren humanistischen Ideal einer stilistisch gefälligen, panegyrisch auf den bischöfl. Auftraggeber bezogenen exempelhaften Darstellung verpflichtet.

  • Werke

    Ungedr. Qu.: Nachruf auf M. in den „Litterae annuae“ d. niederrhein. Ordensprovinz, 1681, fol. 147 r – v (Hist. Archiv d. Stadt Köln);
    M.s Briefe an Ferdinand v. Fürstenberg 1652-60 (Archiv d. erzbischöfl. Gen.vikariats Paderborn);
    Ann. Paderbornenses 1546-1618, libri XXI-XXIII (Erzbischöfl. Ak. Bibl. Paderborn). – W-Verz.: Sommervogel V, Sp. 681-96;
    N. Scheid, 1898, s. L.

  • Literatur

    ADB 20;
    J. Hartzheim, Bibl. Coloniensis, 1747, S. 147 f.;
    N. Scheid, Der Jesuit J. M., in: Ver.schr. d. Görres-Ges. z. Pflege d. Wiss. im kath. Dtld., 1898;
    B.Duhr, Chr. Brouwer u. J. M., in: Das Marzellengymnasium in Köln, Festschr. hrsg. v. J. Klinkenberg, 1911, S. 91-107;
    Duhr II, T. 1, S. 688-91, T. 2, S. 429, III, S. 586-89;
    W. Flemming, Gesch. d. Jesuitentheaters in d. Landen dt. Zunge, 1923, S. 76-82 u. 97 f.;
    J. Kuckhoff, Die Gesch. d. Gymnasiums Tricoronatum, 1931, S. 448-53;
    H. Lahrkamp, Ferdinand v. Fürstenberg in seiner Bedeutung f. d. zeitgenöss. Gesch.forschung u. Lit., in: Westfäl. Zs. 101/02, 1953, S. 301-400, bes. 310, 350 ff., 365;
    J.-M. Valentin, Le théâtre des Jésuites dans les pays de langue allemande (1554-1680), 1978, II, bes. S. 811-38, III, S. 1472 (L z. dramat. Werk M.s);
    ders., La „Meditata Concordia“ de J. M. et le rapprochement des églises en Allemagne au XVIIe siècle, in: Revue d'Allemagne et des pays de langue allemande 13, 1981, S. 238-69;
    ders., Le théâtre des Jésuites, Répertoire chronologique, 1983, I, S. 177 ff., u. II, S. 1082 f.;
    B. Bauer, Jesuitische „ars rhetorica“ im Za. d. Glaubenskämpfe, 1986, Kap. VI u. VII;
    M. C. Halbig (Hrsg.), The Jesuit Theatre of J. M., 3 Plays Translated with an Introduction, 1987;
    L. Koch, Jesuiten-Lex., 1934;
    G. Dünnhaupt, Bibliogr. Hdb. d. Barocklit., T. 2, 1981, S. 1124–44.

  • Portraits

    Kupf., Abb. b. Kuckhoff, S. 448.

  • Autor/in

    Barbara Bauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bauer, Barbara, "Masen, Jacob" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 353 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118782444.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Masen: Jakob M., Jesuit, geboren zu Dalem im Herzogthum Jülich am 23. März 1606, am 27. Septbr. 1681 zu Köln. Er hatte am Dreikönigsgymnasium zu Köln studirt, war am 14. Mai 1629 in die Gesellschaft Jesu eingetreten und hatte dort bis 1640 Rhetorik und Poetik gelehrt. Im J. 1648 legte er die großen Gelübde ab und wirkte dann als Prediger und theologischer Schriftsteller zu Köln, Paderborn und besonders zu Trier. Seine Schriften sind theils ascetischen, theils polemischen, theils rhetorischen Inhaltes, wie die s. Z. vielverbreitete „Palaestra Eloquentiae“ (Col. 1661), die „Palaestra Styli Romani“ (ib. 1659), die „Exercitationes oratoriae“ (ib. 1660), theils historisch. Um die Geschichte der Stadt und des Erzbisthums Trier hat er sich große Verdienste erworben, indem er die von seinem Ordensgenossen Christoph Brower bearbeiteten, 1626 gedruckten, aber dann durch die kurfürstliche Censur bis auf wenige Exemplare eingestampften Antiquitates et Annales Trevirenses herausgab und sowohl durch Zusätze bereicherte, als bis zum Jahre 1652 fortführte; diese seine Ausgabe von 1670, zu Lüttich erschienen, ist diejenige, welche als ein Hauptquellenwerk für Trier'sche Geschichte meist citirt wird. Ein anderes ebenfalls von Brower begründetes Werk hat er nicht minder fortgeführt und vollendet, die für die Kloster- und Kirchengeschichte des Kurfürstenthums so wichtige, erst in unserem Jahrhundert durch von Stramberg (Coblenz 1855. 1856) veröffentlichte „Metropolis ecclesiae Trevericae“. Weiter bearbeitete M. unter dem Titel „Epitome Annalium Treverensium“ (Trier bei Reulandt 1676) einen Auszug aus Brower's Annalen, der diese an Zuverlässigkeit der Angaben vielfach übertrifft und zu den besten Bearbeitungen der Trier'schen Geschichte zählt. Sehr werthvoll ist das diesem Werke zuweilen beigebundene aber seltene „Auctarium Historiae a philohistore datum quo ultimam Trevericae Urbis cladem paucis exposuit“ — eine Schilderung der von den Franzosen 1673—75 unter Vignoy und Crequi ausgegangenen Verwüstung und Brandschatzung der Stadt, welche M., freilich anonym, herausgab. Historischen Inhalts, aber zugleich panegyrisch ist die Schrift „Anima historiae in Carolo V et Ferdinando I etc.“ Als Dichter trat M. dann auf in der s. Z. vielberufenen „Sarcothea“, einem aus 2486 Versen bestehenden Gedicht, in welchem der Fall der menschlichen Natur, also der erste Sündenfall, behandelt wird und aus welchem vieles entlehnt zu haben der Schotte Lauder Milton vorwarf. Eine Reihe von Streitschriften betr. dieses angeblichen Plagiates, welches der Dichter des „verlorenen Paradieses“ an dem Jesuiten M. begangen haben soll, ist 1759 in einem Sammelwerke erschienen, welches Abbé Dinouart herausgab. Als Homilet hat M. sich in seinem Concionator orthodoxus gezeigt, in welchem viele seiner in Trier gehaltenen Predigten enthalten sind.

    • Literatur

      Vgl. Ribadeneira et Alegamde, Bibl. S. Jesu; Feller, Dict; und Baker, Bibl. des Ecrivains de la Comp. de Jésus, Liége 1858, s. v. Marx, Gesch. des Erzstiftes Trier, IV, 528 ff.

  • Autor/in

    F. X. Kraus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Franz Xaver, "Masen, Jacob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 558-559 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118782444.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA