Lebensdaten
1833 bis 1897
Geburtsort
Herkulesbad bei Mehadia (Südungarn)
Sterbeort
Frauenfeld (Schweiz)
Beruf/Funktion
Maschinenfabrikant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119257904 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Martini, Friedrich von
  • Von Martini, Friedrich

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Zitierweise

Martini, Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119257904.html [21.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. stammt aus Regensburg. V Johannes (* 1785, österr. Adel 1859), aus Regensburg. Oberfeldarzt d. österr.-ungar. Armee, Badearzt in H;
    M Aloisia v. Droits;
    Frauenfeld 1864 Eleonore (1842–1906, ev.), T d. Arztes Adolf Keller in F.;
    3 S, 4 T, u. a. Adolf (1865–1926), Maschinenfabr. in F., Max (1879–1953), Automobilbauer in St. Blaise, Rennfahrer.

  • Leben

    M. wuchs in Mehadia auf. Seit 1844 besuchte er in Wien, seit der Versetzung des Vaters (1847) in Hermannstadt das Gymnasium. Der Ausbruch der Revolution in Ungarn (1849) vertrieb die Familie nach Kroatien. 1850 begann M. mit einem Technikstudium in Wien, das er seit 1854 am Polytechnikum in Karlsruhe fortsetzte. Nach Abschluß des Studiums trat er 1857 in die Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe und 1858 als Konstrukteur in die Firma Gebr. Sulzer in Winterthur ein. 1859 nahm er als österr. Leutnant am Feldzug in der Lombardei (Schlacht von Solferino) teil, kehrte 1860 zur Firma Sulzer zurück und trat 1862 in die Maschinenbauanstalt Frauenfeld ein, um bei der Entwicklung einer Falzmaschine des Winterthurer Mechanikers Graf mitzuarbeiten. 1863 übernahm M. gemeinsam mit dem technischen Leiter der Maschinenbauanstalt Frauenfeld, Heinrich Tanner, die unwirtschaftlich arbeitende Firma Sulzberger & Pfister und gründete am 1.8.1863 die Firma Martini & Tanner, Frauenfeld. Mit ca. 25 Arbeitern wurde im Nebengebäude der Walzmühle die Fabrikation von Falzmaschinen aufgenommen. Mit hydraulischen Pressen eigener Konstruktion wandte sich M. 1865 auch der Fabrikation gepreßter Eisenwaren zu und begann mit der Entwicklung eines auf dem System Peabody basierenden Hinterladegewehrs. Er vergrößerte die Firma 1867 durch den Kauf der Maggi-Mühle in Frauenfeld. Otto Linnekogel, ein Schwager Julius Maggis, des Begründers der Maggi-Würzefabrik in Kempthal, und der aus Böhmen stammende Wilhelm Knoll traten als Teilhaber in das Unternehmen ein, das nun Martini, Tanner & Cie. hieß. 1869 erwarb M. das Schweizer Bürgerrecht.

    Ende 1868 reichte M. aufgrund einer Ausschreibung des brit. War Office eine Gewehrkonstruktion ein, die nach langwierigen|Erprobungen in Verbindung mit dem Henry-Lauf und der Boxer-Patrone 1870 als Martini-Henry-Gewehr bei Heer und Marine in Großbritannien eingeführt wurde. Vom Martini-Gewehr, das in der brit. Armee bis 1891 verwendet und auch in Portugal und der Türkei eingeführt wurde, wurden insgesamt 3,5 Mill. Stück hergestellt. 1870 wurde bei Martini, Tanner & Cie. die erste Stickmaschine gebaut. 1883 zeigte M. auf der Landesausstellung in Zürich eine neue Stickmaschine mit rotierenden Greifer-Schiffchen sowie einen Gasmotor. Eine weitere Spezialität des Unternehmens waren Buchbindereimaschinen. 1878-98 war der bedeutende Konstrukteur Paul Haenlein bei M. tätig. Von dem deutschen Erfinder Christian Reithmann (1818–1909) wurde 1888 das Recht zur Herstellung von Gaserzeugungsapparaten erworben. Im selben Jahr begann die Firma mit der Produktion von Ligroin- und Petroleum-Motoren und wandte sich noch vor der Jahrhundertwende als erste in der Schweiz dem Automobilbau zu. 1902 wurde die erste Serie von 30 Automobilen gebaut, 1903 die Personenwagenfertigung in ein neuerbautes Werk in St. Blaise am Neuenburgersee verlegt.

    In seinen beiden letzten Lebensjahrzehnten beteiligte sich M. intensiv an den Aktivitäten der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft und der Schweizer. Naturforschenden Gesellschaft. Seit 1879 gehörte er der Bürgerversammlung von Frauenfeld an. Nach M.s Tod übernahm sein ältester Sohn Adolf die Leitung der Firma, die 1897 in eine Privat-AG umgewandelt wurde, aber wenig später in Schwierigkeiten geriet, als die Schußwaffen-Patente abliefen, und sich – nach dem Ausscheiden von Adolf Martini (1905) und dem Verkauf der Werke – bis 1916 auflöste. Es bestanden jedoch mehrere Betriebe als nun selbständige Unternehmen fort, so ein Eisenwerk in Frauenfeld-Kurzdorf (1909–83), die Automobilfabrik in St. Blaise (bis 1934) und die Buchbindereimaschinenfabrik in Felben bei Frauenfeld, die 1969 von der Grapha-Holding übernommen wurde, aber den Namen „Martini“ noch heute führt.

  • Werke

    Zahlr. Vorträge vor d. Thurgau. Naturforschenden Ges. u. d. Schweizer. Naturforschenden Ges., z. T. abgedr. in: Jbb. d. Thurgau. Naturforschenden Ges., Bde. 5-13, 1876-98.

  • Literatur

    Jb. d. Kantonsschule Frauenfeld 1876-87;
    Automobil-Revue v. 5.1.1949;
    HBLS. |

  • Quellen

    Qu.: Staatsarchiv d. Kt. Thurgau; Archiv d. Martini Buchbindereimaschinenfabrik AG, Felben (P).

  • Autor/in

    Hans Brüderlin
  • Empfohlene Zitierweise

    Brüderlin, Hans, "Martini, Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 298 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119257904.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA