Lebensdaten
1808 bis 1886
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Hotelier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137363648 | OGND | VIAF: 81564453
Namensvarianten
  • Marquardt, Wilhelm

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Zitierweise

Marquardt, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137363648.html [10.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Wendelin (1770–1850), Oberzunftmeister d. Bäckerinnung in St., S d. Bauern Eberhard in Dagersheim u. d. Walpurga Widmann;
    M Sophie Sibylle Kampfmüller (1770–1842) aus Stuttgarter Bäckersfam.;
    Stuttgart 1834 Caroline (1810–89), T d. Küfermeisters Joh. Beck u. d. Barbara Elisabeth Klinger;
    2 S, 4 T, u. a. Hermann (1837–1913), Hotelier, Otto (1847–1911), Hotelier in St., Elisabeth ( Heinrich Spitta, 1849–1929, Prof. d. Philos. in Tübingen), Amalie ( Joh. Josef Abert, 1915. Hofkapellmeister, Komponist, s. NDB I);
    E (S d. Otto) Wilhelm (1882–1965), Ernst (1885–1963) u. Otto (1892 1984). alle Hoteliers.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums bis zur 6. Klasse und einer dreijährigen Lehrzeit im Gasthof „Zum Wilden Mann“ in Stuttgart arbeitete M. in erstklassigen Hotels in Frankfurt a. M., Genf und Brüssel. Nach Stuttgart zurückgekehrt, pachtete er 1834 zusammen mit seiner Ehefrau den Gasthof „Zum König von Württemberg“ und brachte ihn zur Blüte. Er erkannte bald, daß die Stuttgarter Gasthöfe dem einsetzenden Fremdenverkehr nicht mehr gewachsen waren, und beschloß, ein zeitgemäßes Hotel zu bauen. 1839 erwarb er in der Königstraße das ehemalige Palais des preuß. Gesandten v. Madeweis und die angrenzende Hofprädikatur und ließ die beiden Häuser zum „Hotel Marquardt“ umbauen. Das neue Haus, das bald führend unter den Stuttgarter Gasthöfen war, profitierte von der Nähe zum Postplatz, dem damaligen Verkehrsmittelpunkt der Residenzstadt. Nach der Eröffnung des ersten Stuttgarter Bahnhofs 1846 beschloß M., das Hotel in dessen Nachbarschaft zu verlegen. Zu diesem Zweck erwarb er 1855 und 1857 zwei Gebäude in unmittelbarer Bahnhofsnähe und 1871 ein weiteres, das direkt an den Bahnhof angrenzte. Dort ließ er nach Plänen des späteren Ulmer Münsterbaumeisters Beyer einen modernen Hotelbau errichten. Im Mittelpunkt des Stuttgarter Verkehrs stehend, nahm das Hotel in reichem Maße am Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens in der 2. Hälfte des 19. Jh. teil. 1888 wurde der Wert des Gesamtbesitzes auf 3 Mill. Mark veranschlagt. Zahlreiche prominente Gäste stiegen im Laufe der Jahre im Hotel Marquardt ab, darunter die Mitglieder des Rumpfparlaments der Frankfurter Nationalversammlung (1849), Bismarck, Napoleon III., Zar Alexander II. und Richard Wagner. M. machte die kostenlose Essensausgabe an Minderbemittelte zu einer festen Einrichtung, die auch von seinen Söhnen und Enkeln beibehalten wurde.

    Nach M.s Tod übernahmen seine beiden Söhne die Leitung des Hotels, das sie 1895/96 ausbauten und modernisierten. Es verfügte nun über 330 Zimmer und war ausgestattet mit allen Annehmlichkeiten, die der technische Fortschritt bot (Zentralheizung, elektrisches Licht, Klingelanlage, Aufzug, auf jedem Stockwerk zwei Badezimmer). 1892 wurde ein direkter Zugang zum Bahnhof geschaffen. Die Generation der Enkel M.s, die 1913 das Erbe antrat, wurde durch den rückläufigen internationalen Reiseverkehr nach dem 1. Weltkrieg, die Verlegung des Bahnhofs (1922), die Inflation und die zunehmende Konkurrenz so geschwächt, daß sie die erforderlichen Investitionen für Modernisierungsmaßnahmen nicht mehr vornehmen konnte. In der Weltwirtschaftskrise wurde das insolvente Familienunternehmen 1931 unter Zwangsverwaltung gestellt und 1938 aufgelöst. Das Hotel wurde von der kreditgebenden Hypothekenbank und der Stadt Stuttgart übernommen und unter seinem alten Namen weiterbetrieben. Im Juli 1944 wurde es bei einem Bombenangriff völlig zerstört. – Das Hotel Marquardt zählte zu den ersten großen Hotels, die Mitte des 19. Jh. in Deutschland gegründet wurden und auch international Maßstäbe setzten. Es war bis Anfang der 1930er Jahre das bedeutendste in Württemberg.

  • Literatur

    Schwäb. Merkur – Schwäb. Chronik v. 1.8.1886, S. 1421 (Nekr.);
    E. Dolmetsch, Bilder aus Alt-Stuttgart, 1930;
    F. Rauers. Kulturgesch. d. Gaststätte, 1942, S. 483, 568 f.;
    G. Wais. Alt-Stuttgarts Bauten im Bild, 1951;
    M. Hoffmann, 2000 J. Gaststätte, 1954, S. 105;
    E. Marquardt, in: Lb. aus Schwaben u. Franken IX, 1963 (P);
    ders., Das Hotel Marquardt in Stuttgart 1840-1935, in: ZUG 10, 1965,|S. 49-66 (P), 127-42 (P d. Söhne), 11, 1966, S. 70-89 (P d. Enkel).

  • Autor/in

    Anneliese Hermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hermann, Anneliese, "Marquardt, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 246 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137363648.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA