Lebensdaten
um 1300 bis 1381
Sterbeort
Udine
Beruf/Funktion
Elekt von Bamberg ; Bischof von Augsburg ; Patriarch von Aquileja
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 121463435 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marquard
  • Marquard von Randegg
  • Marquard I.
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Zitierweise

Marquard von Randeck, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121463435.html [20.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Fam. d. Randecker, d. im Tal v. Kirchheim/Teck ihre Burg hatten u. e. Seitenzweig d. Herren v. Neidlingen bildeten. Ihre Angehörigen waren zunächst Ministerialen d. Herzöge v. Teck, dann d. Grafen v. Aichelberg. V Heinrich;
    M stammte aus d. benachbarten Geschl. d. Tumnau;
    Ov Konrad ( wohl 1346), Domkustos in Augsburg;
    1 S. 1 T (beide wohl aus s. vor-bischöfl. Zeit), Marquard ( 1394). 1370 zum Priester geweiht, dann Augsburger Domkanoniker: N Walter v. Hochschlitz ( 1369), Bischof v. Augsburg (seit 1365), Marquard ( 1406), Bischof v. Minden (seit 1398) u. v. Konstanz (seit 1398/99) (s. NDB 16).

  • Leben

    Erzogen wurde M. im Hause seines Onkels, des Augsburger Domkustos Konrad v. Randeck, ehe er 1317 in Bologna das Rechtsstudium aufnahm. Die Natio Germanica wählte ihn dort 1322 zum Prokurator. Mit dem Grad eines Lizentiaten des kanonischen Rechts und möglicherweise ausgestattet mit einer Lehrbefugnis in dieser Wissenschaft verließ er die ital. Universität. 1331 kam er in den Genuß eines Kanonikats am Augsburger Dom. Vermutlich auf Anraten des kaiserl. Protonotars Ulrich Hofmaier aus Augsburg wurde M. für eine Gesandtschaft Ludwigs des Bayern ausgewählt, die im Frühjahr 1335 unter Leitung des Grafen Ludwig von Öttingen zu Aussöhnungsverhandlungen an die Kurie von Avignon reiste. Es war die erste von insgesamt sieben – letztlich erfolglosen – Gesandtschaften, denen M. im Laufe von zehn Jahren angehörte. Im Rahmen einer Gesandtschaft, die von Herbst 1335 bis Lichtmeß 1336 im Auftrag des Kaisers mit Papst Benedikt XII. verhandelte, trat M. mit einer eindrucksvollen, mit kanonistischen Zitaten gespickten Rede (9.10.1335) in den Vordergrund. Eine Einigung kam allerdings wegen des Einspruchs franz. Kardinäle und der franz. Krone nicht zustande. Während einer erneuten Mission an die Kurie (Dezember 1336 bis Ende April 1337) hielt M., inzwischen zum Dompropst von Bamberg erhoben, in einem feierlichen Konsistorium am 11.4.1337 eine vielbeachtete, mit Zitaten aus Gratians Dekret überfrachtete Rede, durch die er den Papst vergebens zur Versöhnung bewegen wollte. Das von Ludwig dem Bayern daraufhin mit dem engl. König geschlossene, gegen Frankreich gerichtete Bündnis scheint M. nicht befürwortet zu haben. Deshalb wurde er erst im Herbst 1341, als der Kaiser erneut einen Versuch unternahm, sich mit der Kurie auszusöhnen, einer|Gesandtschaft zugeteilt, die allerdings im Februar 1342 an dem Ehehandel Ludwigs mit Margarete Maultasch scheiterte. Seit dem Frühsommer 1343 Elekt von Bamberg, bemühte er sich von Herbst 1343 bis Januar 1344 auf einer weiteren Gesandtschaft in Avignon um eine Verständigung zwischen Papst und Kaiser. Nach dem Scheitern seiner Hoffnungen auf den Bamberger Bischofsstuhl hielt sich M. im folgenden Thronstreit zurück. Karl IV. wollte auf die Dienste des gewandten Juristen nicht verzichten und betraute ihn 1347/48 mit zwei Missionen an die Kurie.

    Auf Veranlassung Klemens' VI. wurde M. – bislang erst Subdiakon – am 30.5.1348 auf den Augsburger Bischofsstuhl erhoben. Es gelang ihm, dank entsprechender Privilegien des Königs und durch Zugeständnisse der Kurie die Schuldenlast der Diözese abzubauen. Reformen gegenüber aufgeschlossen, war er allerdings auch bereit, seine Politik mit Waffengewalt durchzusetzen. Diese Entschlossenheit des erst 1354 zum Bischof geweihten waffengewandten Mannes nutzte Karl IV., indem er ihn 1355 zunächst zum Generalkapitän von Pisa und Tuszien und 1356 zum Statthalter und Generalkapitän für ganz Reichsitalien erhob. Von November 1356 bis Mai 1357 war der streitbare Kirchenfürst nach einer militärischen Niederlage Gefangener der Visconti.

    Vom Kaiser eigentlich für die Leitung des Erzbistums Salzburg vorgesehen wurde M. am 25.8. desselben Jahres durch Papst Urban V. auf den Patriarchenstuhl von Aquileja erhoben. Nachdem er die Wahl seines Neffen Walter v. Hochschlitz zum Bischof von Augsburg gesichert hatte, trat er im Dezember 1365 sein neues Amt an. Zu seinen wichtigsten Verdiensten gehört der Neubau der durch ein Erdbeben zerstörten Kathedrale, der Erlaß eines Zivil- und Strafgesetzbuches, der Constitutiones patriae Foriiulii (1366), und die Verteidigung des territorialen Bestandes des Patriarchats gegen die nordital. Herrschaften, vor allem die sich immer expansiver gebärdende Republik Venedig.

    M. war fraglos einer der bedeutendsten Kirchenfürsten seiner Zeit, juristisch versiert, geschickt im Verhandeln und militärischen Aktionen gegenüber, bei denen er mehrmals schwer verwundet wurde, nicht abgeneigt. Ob er die drei großen, in Avignon gehaltenen Reden (1335, 1337, 1344) selbst verfaßt hat. ist umstritten.

  • Literatur

    ADB 20 u. 27 (unter Randeck); arkundl. Qu.:
    Mon. Boica 33a u. 33b;
    Die Urkk. d. Hochstifts Augsburg 769-1420, bearb. v. W. E. Vock, 1959;
    Vatikan. Akten z. dt. Gesch. in d. Zeit Kaiser Ludwigs d. Bayern, hrsg. v. S. Riezler, 1891;
    F. X. Glasschröder, Urkk. z. Gesch. d. Augsburger Bischofs M. I. v. R., in: Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 20, 1893, S. 1-24;
    Parlamento Friulano. vol. 1 (1228-1420), hrsg. v. P. S. Leicht, 1917. – Erzählende Qu.: Heinrich v. Diessenhoven, Chronik, hrsg. v. A. Huber, in: Fontes rerum Germanicarum 4, 1868 (passim);
    Johann v. Viktring, Liber certarum historiarum. hrsg. v. F. Schneider, in: MGH SS rer. Germ., 1909-10 (passim);
    Johann v. Winterthur. Chronik, hrsg. v. F. Baethgen, in: 3, 1924 (passim);
    Mathias v. Neuenburg, Chronik, hrsg. v. A. Hofmeister, ebd. 4, 1924-40 (passim);
    Matteo Villani. Cronica lib. 6-7, tom. 3, 1825 (Nachdr. 1980);
    Ranieri Sardo, Cronaca Pisana. in: Archivio Storico Italiano VI/2, 1845 (passim). - Lit.:
    F. C.(oronini), Aquileja's Patriarchengräber, 1867, S. 213-56;
    F. X. Glasschröder, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 15, 1888, S. 1-88. u. 22.1895, S. 97-160;
    K. H. Schäfer, Dt. Ritter u. Edelknechte in Italien III, 1914 (passim);
    G. Pirchan, Italien u. Kaiser Karl IV. in d. Zeit d. zweiten Romfahrt, T. 1-2, 1930 (passim);
    A. Hämmerle, Die Canoniker d. hohen Domstifts zu Augsburg b. z. Säcularisation, 1935, Nr. 632;
    F. Pelster, Die zweite Rede M.s v. R. f. d. Aussöhnung d. Papstes mit Ludwig d. Bayern (Konsistorium Benedikts VIII. am 11.4.1337), in: HJb. 60, 1940, S. 88-114;
    P. Paschini, Storia del Friuli II. 21954, S. 161-94;
    F. Zoepfl. Das Bistum Augsburg u. s. Bischöfe im MA, 1955, S. 295-314;
    G. Wunder, in: Lb. aus Schwaben u. Franken VII, 1960, S. 1-17;
    H. O. Schwöbel. Der diplomat. Kampf zw. Ludwig d. Bayern u. d. röm. Kurie im Rahmen d. kanon. Absolutionsprozesses 1330–46, 1968, S. 25-39, 191 ff., 247-54, 357-61, 458-60;
    A. Schütz, Die Prokuratorien u. Instruktionen Ludwigs d. Bayern f. d. Kurie (1331–45), Ein Btr. zu s. Absolutionsprozeß, 1973, bes. S. 302-09;
    F. Cusin, Il confine orientale d'Italia nella politica europea del XIV e XV secolo. 21977, S. 65-87.

  • Portraits

    Gem. (Dom Augsburg, Westchor).

  • Autor

    Georg Kreuzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Kreuzer, Georg, "Marquard von Randeck" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 236-237 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121463435.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Marquart (Markwart) von Randeck (Randegg), Propst von Bamberg, dann Bischof von Augsburg, schließlich Patriarch von Aquileja, am 3. Januar 1381, stammte aus dem altbairischen an der Altmühl und im sog. Ries, in der Ebene zwischen Ulm und Ingolstadt begüterten Adelsgeschlechte, das schon im 16. Jahrhunderte erlosch, sofern wir nicht zwei verschiedene, namensgleiche Familien annehmen wollen, was jedoch keineswegs historische Dringlichkeitsgründe für sich hat. Zunächst begegnen wir dieser geschichtlich namhaften Persönlichkeit als Propst der Bamberger Hochkirche und Führer der Gesandtschaft, welche K. Karl IV., der Luxemburger, im Spätjahre 1347 an den päpstlichen Hof zu Avignon abgehen ließ, um dem Papst Clemens VI. das Ableben seines Gegners Kaiser Ludwigs (V.), des Baiers ( am 11. October) zu melden und um die Rücknahme der während der Regierung des letzteren gebannten Herrschers über Deutschland verhängten kirchlichen Censuren zu bitten. Zu Anfang des letzten Jahres kam M. zum Könige nach Basel zurück und erlangte 1348 das Bisthum Augsburg als Nachfolger Heinrichs von Schoeneck, der um diese Zeit auf sein Bisthum verzichtete. Eine Urkunde K. Karls IV. vom 22. Decbr. 1348 empfiehlt den Bürgern Augsburgs, dem neuen Bischofe die schuldige Loyalität zu beweisen. Weniger als Augsburger Bischof denn als kaiserlicher Diplomat und Gewaltträger tritt M. vor die Oeffentlichkeit. Als der Luxemburger, König Karl IV. seine erste Romfahrt antrat (1354), befand sich auch M. dabei. Seine Unterschrift folgt unmittelbar der des Königs auf der Schlußseite jenes Evangelienbruchstückes, das König Karl IV. zu Udine im Friaul'schen (14.—17. October) von seinem unechten Bruder, Patriarchen Nicolaus ( 1358), einem natürlichen Sohne König Johanns I. von Böhmen, zum Geschenke erhielt und dessen angebliche Provenienz aus der Feder des h. Markus, des Lehrers des h. Hermagoras, in ziemlich ausführlichen Lateinworten eigenhändig einzeichnete. Bei dem Einzuge Karls IV. in Rom (5. April 1355) führte M. mit dem Prager Erzbischof den zweiten Heerhaufen an. — Sein ritterliches Wesen bethätigte er jedoch vor Allem zu Pisa, als hier (21. Mai 1355) jener gefahrvolle Aufstand der nationalen Oppositionspartei gegen den Kaiser losbrach. Patriarch Nicolaus und M. schwangen hier die Waffe gleich den besten Streitern und blieben vom frühen Morgen bis in den Abend im Harnisch. — Als am 27. Mai Karl IV. das rasch bezwungene Pisa verließ, blieb M. als königlicher Statthalter (Capitaneus generalis, vicarius imperii) in Pisa zurück, hatte die Stadt mit 13 000 Goldgulden Bußgeld zu belasten und das Untersuchungsgericht über die Anstifter des Aufruhrs zu halten, von denen 7, darunter drei Brüder Gambacurti, Führer des Patriziats (popolo grasso) und Gegner der Raspanti, den Tod von der Hand des Scharfrichters fanden. Alsbald begegnen wir unserm M. auch als Generalcapitän in Tuscien, mit der Aufgabe, die Gegner der dem Kaiser feindlichen Brüder und Gewaltherren Mailands, Barnabò und Galeazzo Visconti, somit die Dynastien Carrara, della Scala, Este, Gonzaga, Montferrat — zu einem starken Bündnisse zu vereinigen. Dies gelang wohl, und man nahm auch den Söldnerführer Grafen Konrad von Landau (Lando) in Dienst, um die Entscheidung mit dem Schwerte auszufechten, da die Visconti's dem Edicte Marquart's (vom 1. Oct. d. Bologna) und der Vorladung auf den 11. October mit verächtlichem Trotze begegneten. Aber der kaiserlichen Partei erging es schließlich so, wie es die Gegner mit Zuversicht erwartet hatten. Sie erlitt den 13. November eine schwere Niederlage, und der kaiserliche Reichsverweser fiel den Visconti's in die Hände. — 1357 bereits auf freien Füßen, mochte M. doch seine Stellung in Italien als unhaltbar betrachtet haben. Er zog sich augenscheinlich auf sein deutsches Bisthum zurück, da wir ihn seither bis zum Jahre 1365 nicht wieder|auf dem Boden Welschlands vorfinden. Als Bischof von Augsburg erhielt er (1362) gleich den Amtsgenossen zu Regensburg und Gurt den päpstlichen Auftrag, den Herzog Stephan (II.) von Niederbaiern-Landshut, einen der Söhne König Ludwigs des Baiern unter gewissen Bedingungen vom Banne loszusprechen. Dann und wann begegnen wir ihm auch als Besucher der kaiserlichen Reichs- und Hoftage. — Daß er der Gunst Karls IV. nicht verlustig geworden, beweist seine Erhebung auf den Patriarchenstuhl Aquileja's, und mit ihr am 23. August 1365 beginnt die bedeutendere Schlußhälfte des Geschichtslebens Marquart's. Es war dies zugleich eine der schwierigsten Doppelstellungen, und daß er, der Fremdbürtige, den unbotmäßigen Vasallen seines Friauler Machtgebietes Achtung einzuflößen, Gehorsam abzuringen verstand und sowohl dem Paduaner Carraresen-Hofe als auch Venedig gegenüber seine politische Stellung zu wahren wußte, erweckt in uns von seiner Tüchtigkeit und Umsicht keine geringe Meinung. Allerdings hatte sein Vorgänger im Patriarchate, Ludovico delle Torre nach harten Demüthigungen, denen er durch die Politik Herzogs Rudolf IV. von Habsburg-Oesterreich ausgesetzt war, die Macht gegnerischer Adelsfamilien gründlich bewältigt; immerhin blieb die Gefahr neuer Bewegungen in dieser Richtung vorhanden. M. war erst vier Monate nach seiner Ernennung nach Udine gekommen und hatte hier den feierlichen Einzug mit allem herkömmlichen Gepränge gehalten. Ein Sendschreiben König Karls IV. vom 17. Januar 1366 empfiehlt den neuen Patriarchen der freundschaftlichen Gesinnung des mantuanischen Dynastenhauses Gonzaga. Den 19. April d. J. fand das erste feierliche Hochamt des Patriarchen statt. Mit den Habsburgern, Herzogen Albrecht III. und Leopold III. wurde am 30. Mai der letzte Streitpunkt, Pordenones Huldigung betreffend, ausgetragen. Die kaiserliche Investitur erlangte M. zu Frankfurt a. M. und eine Urkunde darüber am 7. September sammt der Reichssteuer der Stadt Florenz als kaiserliches Gnadengeschenk. Von dem ganzen Ernste seiner neuen landesherrlichen Aufgaben durchdrungen und vom Hause aus ein rechtserfahrener Mann, sorgte M. zunächst für ein neues Friaul'sches Gesetzbuch, das unter dem Titel: Marquardi Patriarchae Aquilejensis "Constitutiones patriae Forojuliensis" auf Grundlage der alten longobardischen Königsedicte und des römischen Rechtes, soweit beides dort zu Lande Uebung geblieben war, von rechtskundigen Leuten geistlichen, adeligen und bürgerlichen Standes ausgearbeitet, civile und criminelle Legislation umfaßte und später — in der venetianischen Epoche — 1484 italiänisch und 1497 (lateinisch) gedruckt wurde. Dies Gesetzbuch konnte Patriarch M. bereits am 11. Novbr. 1366 dem Friauler Ständeparlamente zur Bestätigung vorlegen, und wir finden es nicht blos in Friaul, sondern auch in den Gebieten aquilejischer Oberhoheit, so in Görz, Istrien und Krain angewendet. 1371 wurden diese Constitutiones erweitert. Auch für die Erweiterung und Befestigung Udines, des friaul'schen Vorortes, und für die Restauration der Basilica, des Domes von Aquileja sorgte M. Bemerkenswerth für seine administrative Thätigkeit ist noch der Umstand, daß M. bei dem Papst Urban V. ein Breve vom 20. Juli 1367 erwirkte, das dem Patriarchen und dessen Beamten in Anbetracht der vielen ins Gerichtswesen eingeschlichenen Mißbräuche die Befugniß ausschließlicher Gerichtsbarkeit einräumte und M. demzufolge die herkömmlichen Schöffengerichte oder laudamenta der Arrenghi oder Astanti — wie hierzulande die Schössen hießen — abschaffte. Die neue Thätigkeit Marquart's in den Angelegenheiten Italiens als Gewaltträgers König Karls IV. knüpft sich an die neue Welschlandfahrt dieses Herrschers (April 1368 bis August 1369), der diesmal mit bedeutender Heeresmacht auftrat, die Demüthigung Barnabò's Visconti und dessen Verbündeten, Can Grande von Verona, vor hatte und das kaiserliche Ansehen den großen italienischen|Communen gegenüber zu festigen unternahm. Ende April begrüßte Patriarch M. den Kaiser zu Udine und bereitete dem Hofe sieben Tage hindurch glänzende Festlichkeiten. Dann gab er der Heerfahrt Karls IV. das Geleite bis Modena und wurde vom Kaiser (Ende August) zur Occupation der Städte Pisa und Lucca entboten, deren Gesandte dem Herrscher Deutschlands die freiwillige Unterwerfung angetragen hatten. Urkundlich (so 8. Octbr. 1368 d. Pisa) erscheint M. als "Generalcapitän von Thuscien, kaiserlicher Sendbote (nuntius) und Sachwalter (procurator)". Karl hatte ihn mit 500 Rittern in Pisa zurückgelassen, woselbst er vom 3.—8. October geweilt, um dann den Weg nach Rom einzuschlagen. M. war dann eifrig bemüht, die Florentiner durch Feindseligkeiten aller Art mürbe zu machen, bis sich auch dieser Hauptort der thuscischen Mark, selbstbewußt und abgeneigt der Anerkennung der kaiserlichen Gewalt, zu einer Zahlung von 50 000 Goldgulden an die Kammer Karls IV. (4. März 1369) bequemte. Damals muß bereits M. den Boden Mittelitaliens verlassen haben und in sein Patriarchat zurückgeeilt sein. Der Krieg zwischen Venedig und Triest (1368—69), wobei der Patriarch als "Markgraf" (marchio) von Istrien nicht gleichgültig sein konnte, der Streit über das Vasallenverhältniß der Herren von Tybein oder Duino, welche sich dem aquilejischen Feudalverbande ganz zu entziehen versuchten und dennoch (unter Hugo VI. von Duion) sich bewogen fanden, ein solches Rechtsverhältniß dem Patriarchen M. gegenüber anzuerkennen, — dies und anderes erheischte die Rückkehr des Kirchenfürsten. Allerdings konnte er es nicht hindern, daß einige Wochen nach der Ankunft Karls IV. auf dem Heimwege in Udine, wo (11.—20. August 1369) dem Kaiser die Gastfreundschaft des Patriarchen wieder zu Theil wurde, die Venetianer Triest trotz dessen tapferer Gegenwehr und des Entsatzversuches der Oesterreicher, zur Uebergabe zwangen (18. November), denn er mußte jeden Conflict mit der mächtigen Lagunenrepublik vermeiden, — aber er wahrte dennoch seine Hoheitsrechte auch in dieser kritischen Epoche nicht ohne Erfolg, da es ihm gelang, die Gemeinden Muggia und Portogruaro (in Friaul) zur Anerkennung des patriarchalischen Schutzdominiums zu Verhalten. — Als dann bald der unvermeidliche Zusammenstoß Venedigs und der paduanischen Carraresen erfolgte (1372—73) und auch den Habsburger, Herzog Leopold III. in seine Kreise zog, suchte sich M. mit den Herzogen von Oesterreich, alsbald Erben der görzischen Besitzungen in der windischen Mark und in Istrien, gut zu stellen. Dafür spricht insbesondere sein Bündniß zu S. Veit in Kärnthen (18. Januar 1374) mit Albrecht III. und Leopold III., welcher letztere mit dem Carraresen gegen Venedig zusammenging und die Besitzergreifung der trevisanischen Mark plante. Die Vordermänner des friauler Adels waren vorwiegend venetianisch gesinnt, dennoch kam es zu keiner Auflehnung gegen den Patriarchen, der seinerseits von der allerdings richtigen Anschauung durchdrungen war, daß Venedig der gefährlichste Gegner Friauls sei und die Vernichtung der weltlichen Macht der Patriarchates plane. Deshalb schloß M. den 21. Juni 1376 zu Vissegrad, oder auf der Plintenburg an der Donau, sein Bündniß mit dem mächtigsten Gegner Venedigs, König Ludwig I. von Ungarn und mit Francesco I. von Carrara auf fünfzig Jahre, worin der Ungarkönig und der Paduaner dem Patriarchen und dessen Nachfolgern alle Hülfe und die Revindication sämmtlicher Besitzungen und Rechte verbrieften. Der ungemein blutige und verheerende Krieg der seit 1377—78 Verbündeten: Ludwig I., M., Genua, Carrara und Görz, gegen die Republik des h. Marcus, läßt den Patriarchen gleich nach der Kriegserklärung des Carraresen gegen Venedig (Juni 1378) die Waffen seinerseits ergreifen, in das Trevisanische einfallen und andererseits die Straße von Cadore über den Monte Croce (Kreuzberg) ins Pusterthal sperren, um die|Bellunesen als Freunde Venedigs, zu züchtigen. Im Jahre der höchsten Bedrängniß der Venetianer (1379), als auch Leopold III. von Oesterreich mit ihnen brach, erlebte M. die freiwillige Unterwerfung Triests unter seine Herrschaft (24. Mai), und als diese Stadt, abermals von den Venetianern für kurze Zeit bewältigt, denselben durch den genuesischen Admiral Maruffo wieder entrissen, neuerdings unter die Herrschaft des Patriarchen zurücktrat, empfing M. den 26. Juni 1380 zu Triest in der Kathedrale den Lehenseid des Bischofs Angelus und der Bürgerschaft, wogegen er die Rechte und Freiheiten der Stadt beschwor. Das Erschöpfende dieses Krieges, aus welchem Venedig Dank seiner zähen Ausdauer und der Unersättlichkeit Genuas, ungebrochen hervorging, hatte auch die finanziellen Kräfte des Patriarchates stark in Anspruch genommen. In einer Urkunde vom 16. Mai 1379 rechtfertigt M. seine finanzielle Lage, die ihn bestimme, das Gebiet von Tolmein der Stadt Cividale auf 6 Jahre für 6000 Mark zu verpachten. Für die Schulden seines Vorgängers habe er 24 000 Goldgulden, für Rücklösungen, Neubauten und Restaurationen 34 000, insbesondere für die Herstellung des durch ein Erdbeben geschädigten Doms von Aquileja 9000 Goldgulden auslegen müssen. Das Ende des Krieges und der Turiner Friede (vom 8. Aug. 1381) fallen über das Leben Marquart's hinaus; er starb noch während der letzten Zuckungen der großen Fehde den 3. Jan. 1381 und fand, der letzte der Patriarchen, seine Beisetzung in der Basilika von Aquileja. Er ist auch der letzte der Kirchenfürsten von Aglei, die machtgebietend auftraten; seine fünf Nachfolger schlossen in Wirren und erfolglosen Kämpfen um ihre politische Existenz die Tage.

    • Literatur

      Plac. Braun, O. S. B., Gesch. der Bischöfe von Augsburg (4 Bde., Augsburg 1813—1815. II. Bd.). Vgl. auch die bez. Mongraphien von Strichele. Regesten zur Gesch. Karls IV. in d. Nachl. Böhmer's hrsg. v. A. Huber (Innsbr. 1877). Gf. Franz Manzano, Ann. del Friuli, 5. Bd. F. C. (Gf. Coronini), Aquileja's Patriarchengräber (Wien 1867). Czörnig, Das Land Görz und Gradiska (1873). Romanin, Cappeletti (storia di Venezia), Leo, Geschichte Italiens. — Cipolla, Storia delle signorie italiane 1313—1530 (Milano 1881).

    • Korrektur

      S. 409. Z. 3 v. o. ff.: Nach Stälin, Wirt. Gesch. III, 203 ff. stammt M. v. Randeck nicht aus dem bairischen, sondern aus dem schwäbischen Geschlecht, welches seinen Namen von Randeck bei Kirchheim unter Teck führt. J. H.

    • Korrektur

      S. 409. Z. 3 f. v. o. (vgl. auch Bd. XXI, S. 797): Daß B. Marquard von Randeck O. A. Kirchheim stammt, wird dadurch bezeugt, daß er zu Plochingen (nahe bei Kirchheim) begütert erscheint, der dortigen Gemeinde eine Schenkung machte und daher auch in der dortigen Kapelle durch eine Inschrift verherrlicht wurde. (Vgl. Beschreib. des O-A. Eßlingen, S. 232.) Stälin.

  • Autor

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von; Huber, A., "Marquard von Randeck" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 409-412 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121463435.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Randeck: Marquard v. R., Bischof von Augsburg (1348—1365) und Patriarch von Aquileja (1365—1381). M. stammte aus einer Familie, die ihren Sitz bei Kirchheim in Schwaben hatte. Er widmete sich den theologischen Studien und erwarb die Magisterwürde. Schon am Anfange des Jahres 1331 erscheint er als Chorherr oder Canonicus in Augsburg, wo damals auch ein Konrad v. R., wahrscheinlich ein naher Verwandter, die Stelle eines Custos, sein mütterlicher Oheim Eberhard von Tummenau die Würde eines Domherrn und Kellners bekleidete. Im Herbste 1335 finden wir ihn als Domherrn in Bamberg und schon im April 1337 als Propst dieser Kirche, welche Würde ihm der Papst verliehen hatte, obwohl er sich auch in hohem Grade des Vertrauens Ludwig's des Baiern erfreute. Bei den Verhandlungen, welche dieser in den Jahren 1335 und 1336 mit dem Papste Benedict XII. und 1343 und 1344 mit Clemens VI. führte, um seine Aussöhnung mit der Kirche zu erwirken, ist Marquard v. R. fast immer Mitglied der kaiserlichen Gesandtschaften, die nach Avignon geschickt wurden. Wiederholt war er der Sprecher der Gesandtschaft, und seine im Consistorium der Cardinäle gehaltenen Reden werden von verschiedenen Schriftstellern, die selbst gebildete Geistliche waren, als höchst bedeutungsvoll bezeichnet, wenn sie auch bei der Stimmung der Curie keinen Erfolg hatten. Auch an den König von Frankreich wurde Marquard im October 1341 mit Anderen gesendet, um dessen Vermittelung beim Papste durchzusetzen.

    Wie er aber trotz seines Eintretens für den gebannten Kaiser sich auch die Achtung des Papstes erwarb, so ward ihm auch die Gunst des Nachfolgers Ludwig's, Karl's IV. zu theil, der ihn schon im J. 1347 mit einer Sendung an den Papst betraute und ihm im folgenden Jahre das Bisthum Augsburg verschaffte, das durch die Abdankung des Bischofs Heinrich erledigt worden war. Am 13. October 1348 urkundet er bereits als "erwählter und bestätigter" Bischof von Augsburg. Auch die zahlreichen Privilegien, die Karl IV. seiner Kirche verlieh, und die wiederholten Schenkungen, die er derselben machte, beweisen, wie sehr dieser ihm zugethan war, Er war auch unter den deutschen Bischöfen, die mit Karl IV. im Herbst 1354 nach Italien zogen, wo dieser am 5. April 1355 in Rom die Kaiserkrone empfing. Doch war Marquard hierbei nicht anwesend, da ihn Karl mit 600 Reitern als Generalcapitän von Pisa und Lucca in ersterer Stadt zurückgelassen hatte. Bei dem wüthenden Aufstande, den die Pisaner am 20. Mai gegen den Kaiser erhoben, empfing der Bischof, der sich als Führer einer Heeresabtheilung selbst mit Erfolg am Kampfe betheiligte, nicht weniger als drei, allerdings nicht gefährliche Wunden. Bei der sieben Tage später erfolgenden Abreise des Kaisers aus dieser Stadt wurde er wieder zum Reichsvicar daselbst wie in Lucca und dann am 25. Juli 1356|zum kaiserlichen Legaten und Statthalter und zum Generalcapitän in Italien überhaupt ernannt und ihm die ausgedehntesten administrativen, richterlichen und militärischen Befugnisse übertragen. Als er aber in Verbindung mit dem Markgrafen von Montferrat und den Herren von Mantua, Ferrara und Bologna gegen die Visconti auftrat, die er für Reichsrebellen erklärte, und mit dem Söldnerführer Grafen von Landau in das Mailändische einfiel, wurde er am 13. (oder 14.) November 1356 zwischen Pavia und Abbiate grasso mit Uebermacht angegriffen und mit anderen Führern gefangen. Erst im Mai des folgenden Jahres erhielt er seine Freiheit wieder, worauf er Italien verließ und nach Deutschland zurückkehrte. Auch die Reisen, welche der Kaiser im Frühjahr 1365 nach Avignon und nach Arles unternahm, wo er sich am 4. Juni die Krone des Reiches Arelat auffetzen ließ, machte Marquard mit. Seine vielseitige Thätigkeit im Dienste des Kaisers hat Marquard nicht gehindert, auch seinem Bisthum seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Obwol hier nicht der Ort ist, im einzelnen zu schildern, was er für dasselbe gethan hat, muß doch im allgemeinen bemerkt werden, daß er viele veräußerte Besitzungen zurückgekauft und mehrere Herrschaften und Schlösser, theilweise mit bedeutenden Geldsummen, für dasselbe erworben hat.

    Sein Verhältniß zum Kaiser blieb das gleiche, als er am 23. Aug. 1365 nach dem Tode des Patriarchen von Aquileja Ludwig della Torre, eines Mailänders, zu dessen Nachfolger gewählt ward. Er weigerte sich anfangs, die Wahl anzunehmen, da Ludwig durch seine übertriebenen Ansprüche einen Krieg mit Oesterreich veranlaßt und auch mit mehreren Adeligen Friauls sich verfeindet hatte. Doch gab er endlich den Bitten der Friauler nach, kam um Weihnachten 1365 in das Patriarchat und ergriff Besitz von der weltlichen Gewalt. Schon im Juni 1366 machte er sich an die Restauration des Domes, der durch das furchtbare Erdbeben des Jahres 1348 beschädigt worden war. Auch mehrere Burgen wurden wiederhergestellt oder neu erbaut. Der Krieg mit Oesterreich wurde durch einen Waffenstillstand beendet, den er am 30. Mai 1366 auf Wunsch des Kaisers schloß und dann wiederholt verlängerte. Als er sein Patriarchat beruhigt und nach allen Seiten gesichert hatte, konnte er sich im Frühjahr 1368 dem Kaiser auf seinem zweiten italienischen Zuge anschließen. Nachdem er den Feldzug gegen Cangrande della Scala als Verbündeten der Visconti mitgemacht hatte, begleitete er den Kaiser, der sich zum Papste nach Rom begab, über die Apenninen und wurde nun wieder zum Generalcapitän in Tuscien ernannt und als Statthalter in der wichtigen Stadt Pisa zurückgelassen. Doch scheint er diese Würde nicht lange bekleidet und sich überhaupt von da an von der Theilnahme an den Reichsgeschäften zurückgezogen zu haben. Dagegen schloß er am 21. Juni 1376 mit dem Könige Ludwig I. von Ungarn ein Bündniß, das deutlich genug gegen Venedig gerichtet war, und betheiligte sich auch am Kriege, den der König im Bunde mit den Genuesen und Franz von Carrara, Herrn von Padua. im J. 1378 gegen die Inselrepublik begann und der diese an den Rand des Verderbens brachte. Marquard hat das Ende des Kampfes nicht mehr erlebt. Noch vor dem Abschlusse des Friedens schied er am 3. Januar 1381 aus dem Leben.

    • Literatur

      Neben zahlreichen zerstreuten Nachrichten bei Chronisten und in Urkunden s. über ihn: Placidus Braun, Geschichte der Bischöfe von Augsburg. 2. Bd. und De Rubeis, Monum. ecclesiae Aquilejensis (Argentinae 1740).

  • Autor

    A. Huber.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von; Huber, A., "Marquard von Randeck" in: Allgemeine Deutsche Biographie 27 (1888), S. 227-228 unter Randeck [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121463435.html#adb2content

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