Lebensdaten
1865 bis 1923
Geburtsort
Mielnica (Galizien)
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Bakteriologe ; Zionistenführer
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 137363389 | OGND | VIAF: 81564219
Namensvarianten
  • Marmorek, Alexander

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Zitierweise

Marmorek, Alexander, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137363389.html [12.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Josef (1838–1900), aus Tarnopol (Galizien), Feldarzt 1859–61, seit 1875 prakt. Arzt in Wien, S d. Sender u. d. Mirel;
    M Friederike Jacobson (1838–1921) aus Brody (Galizien);
    B Oskar (1863–1909), Architekt u. Zionistenführer, bes. Leistungen u. Erfolge auf d. Gebiet d. Ausstellungsarchitektur, daneben Villenbauten u. Synagogenentwürfe, seit Erscheinen d. „Judenstaat“ enger Mitarbeiter Theodor Herzls, Mitbegr. d. „Welt“, auf d. ersten sechs Zionistenkongressen ins Engere Aktions-Komitee gewählt, Mitgl. d. zionist. El-Arisch-Expedition, in Wien Führer (u. Kandidat) d. Zionisten in d. ersten Kultuswahlkämpfen, 1904 im Kompromißwege in d. Wiener Kultusvorstand gewählt (s. ÖBL), Isidor (* 1870), Rechtsanwalt in Wien, Schiller Jacob Saul (1878–1943), Jus-Studium an d. Sorbonne, Schriftsteller (erster großer Roman üb. s. B Alexander), Sozialist, Redakteur in Wien u. in d. Emigration (Brünn, Paris, New York);
    Paris 1910 Rachel Steinberg (* 1878) gesch. Gridschewski, aus Tonsora (Bessarabien), Dr. med., Leiterin d. orthopäd. Abt. im größten Pariser Kinderspital.

  • Leben

    M. studierte nach Absolvierung einer Wiener Mittelschule seit dem Wintersemester 1883/84 an der Wiener Universität Medizin und wurde 1889 zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Seine klinische Ausbildung führte ihn über die Dermatologie (I. Neumann) und Innere Medizin (H. Nothnagel) als Operateur in die geburtshilflich-gynäkologische Klinik von R. Chrobak; hier beschäftigte er sich intensiv mit der Sepsis und der Bedeutung der Lymphknoten bei der Abwehr der Bakterien. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen, in Buchform veröffentlicht unter dem Titel „Versuch einer Theorie der septischen Krankheiten“ (1894), brachten M. 1893 eine Berufung an das Pariser Institut Pasteur, wo er mit 28 Jahren eine eigene Abteilung und den Titel „Chef des travaux“ erhielt. 1893-1900 arbeitete er an der Entwicklung eines Antistreptokokken-Serums, das M.s Weltruf als Bakteriologe begründete. 1898 Ritter der Ehrenlegion, wurde er im selben Jahr (u. a. für seinen Einsatz bei der Bekämpfung von Pestfällen in Wien) mit dem Ritterkreuz des Franz-Josephs-Ordens ausgezeichnet. Seine zweite große Arbeit, nach der Trennung vom Institut Pasteur in einem eigenen privaten Laboratorium in der Nähe von Paris weitergeführt, galt der Tuberkulosebekämpfung; sein erstmals 1903 vorgestelltes Tuberkulose-Serum löste eine jahrelange medizinische Diskussion aus, erwies sich aber letztlich als unbrauchbar. Bei Kriegsausbruch wurde M.s Institut geschlossen, er selbst mußte mit seiner Frau Frankreich verlassen. In Österreich arbeitete er zunächst als Bakteriologe am Reservespital (Epidemiespital) Nr. 7 in Kagran, dann als landsturmpflichtiger Zivilarzt im Kriegsspital Nr. 6 Simmering und schließlich vom Sommer 1916 bis Kriegsende als Leiter des bakteriologischen Laboratoriums des k. u. k. Garnisonsspitals Nr. 21 in Temesvar, wohin ihm seine Frau, die zunächst in Wien als Leiterin der orthopädischen Abteilung des Kriegsspitals Nr. 3 (Baumgarten) fungiert hatte, als Laborhilfskraft folgte. Nach Kriegsende hielt sich M. in Genf auf, kehrte 1920 nach Paris zurück und beschäftigte sich bis zu seinem Tode vor allem mit neuen Methoden der Bekämpfung von Typhus und Zuckerkrankheit.

    M. war als Student in Wien Mitglied des 1883 gegründeten ersten österr. und ersten westeurop. zionistischen Studentenvereins „Kadimah“ und gehörte seit 1896 zusammen mit seinem Bruder Oskar in Wien und seinem Freund Max Nordau in Paris zum engsten Freundes-, Berater- und Helferkreis um Theodor Herzl. Für ihn führte er wichtige Verhandlungen (u. a. im April 1898 mit Edmond Rothschild), er begleitete ihn auf Reisen und verfocht Herzls Grundsätze propagandistisch und in den zionistischen Körperschaften (so seit 1899 im Aufsichtsrat der „Jüdischen Kolonialbank“) mit großem Einsatz: Er vertrat die Grundsätze eines radikalen „politischen“, d. h. jede „praktische“ kolonisatorische Arbeit der Zionisten in Palästina vor Erlangung ausreichender völkerrechtlicher Garantien strikt ablehnenden Zionismus. M., der auf den ersten elf Zionistenkongressen (1897–1913) ins Große Aktionskomitee gewählt wurde, war auf dem VI. Zionistenkongreß (Basel 1903) einer der wirkungsvollsten Redner gegen das brit. „Uganda“-Angebot. Auf dem stürmischen VII. Zionistenkongreß (Basel 1905) war er einflußreicher Vorsitzender des Permanenzausschusses und – neben David Wolffsohn, dem neuen Präsidenten der Weltorganisation, und Max Nordau – Hauptsprecher der „politischen“ Zionisten, als deren Repräsentant er 1905-07 auch dem Engeren Aktionskomitee angehörte. Nach dem endgültigen Sieg der „praktischen“ Zionisten (1911) Exponent der schrumpfenden „politischen“ Opposition, verlangte er auf dem XI. Zionistenkongreß (Wien 1913) noch einmal die Bewahrung aller finanziellen Mittel der Organisation für den Augenblick der völkerrechtlichen Übereignung Palästinas an die Juden. Auf der ersten Nachkriegs-Jahreskonferenz der zionistischen Organisation (London 1920) erklärte er die Balfour-Deklaration und das Palästina-Mandat für völlig unzureichend im Hinblick auf die Schaffung eines Judenstaates, trat in scharfe Opposition zur darauf basierenden Politik Weizmanns und blieb dem|XII. Zionistenkongreß (Karlsbad 1921) aus Protest fern. M. schuf in Paris karitative Einrichtungen und eine „Jüdische Volksuniversität“ (analog den österr.-zionistischen „Toynbeehallen“) für zuwandernde Ostjuden. Er war Mitbegründer der Pariser zionistischen Monatsschrift „L'Echo Sioniste“ und Vorsitzender der zionistischen Landesorganisation Frankreichs.

  • Werke

    Weitere W u. a. Traitement de la scarlatine par le sérum antistreptococcique, in: Inst. Pasteur, Ann. 10, 1896;
    La toxine streptococcique, ebd. 16, 1903;
    Sérum et vaccin antituberculeux, in: Archives générales de Médecine, Nr. 17, 1903 (dt. in: Berliner Klin. Wschr., 1903, Nr. 48;
    engl. in: The Lancet v. 12.12.1903);
    Les Résultats cliniques et l'application du sérum antituberculeux, in: Bull. général de Thérapeutique, Nr. 24, 1905, u. Revue internal. de la Tuberculose, Jan. 1906 (dt.: Klin. Resultate d. Antituberkulose-Serums u. s. Anwendung, in: Med. Klinik, 1906, Nr. 3);
    Weitere Unterss. üb. d. Tuberkelbacillus u. d. Antituberkulose-Serum, in: Berliner Klin. Wschr., 1907, Nr. 20;
    Diagnostic de la tuberculose par la méthode de la déviation du complément, in: Presse médicale 17, 1909;
    Immunité passagère et immunité durable, ebd. 30, 1922;
    Le sérum tuberculeux, ses effets et son application, 1910;
    Experimenteller Typhus abdominalis b. Tieren, in: Dt. Med. Wschr., 1916. – Zahlr. Btrr. in Ztgg. u. Zss., bes. in d. zionist. Presse.

  • Literatur

    D. Jacobson, A. M., 1923 (P);
    R. Savor, Klin. Beobachtungen üb. d. Wirksamkeit d. Antistreptococcenserums von M. b. Puerperalerkrankungen, 1896;
    H. Weitling, Das M.sche Antituberkuloseserum u. s. Anwendung, 1910;
    H. Frey, Das Antituberkuloseserum M.s, in: Zs. f. Tuberkulose-Heilstätten 13, 1908, S. 142 ff.: Neue Freie Presse v. 16.7.1923 (Nachmittagsbl.), S. 6;
    Leipziger Jüd. Ztg., 1923, Nr. 31;
    Jüd. Rdsch. Nr. 57 v. 17.7.1923;
    Jüd. Volksztg. v. 3.8.1923;
    Wiener Morgenztg. v. 15.7.1923;
    The Jewish Chronicle v. 20.7.1923;
    S. Wininger, Große Jüd. Nat.-Biogr., 1925-36;
    Jüd. Lex. 1927-30;
    The Universal Jewish Encyclopedia, 1940-44 (P);
    Enc. lud. 11, 1971 (P);
    ÖBL. – Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Adolf Gaisbauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Gaisbauer, Adolf, "Marmorek, Alexander" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 230-232 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137363389.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA