Lebensdaten
1610 bis 1644
Geburtsort
Liebstadt bei Pirna (Sachsen)
Sterbeort
Insel Luanda vor Angola
Beruf/Funktion
Forschungsreisender ; Naturforscher
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118941011 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marcgraf, Georg
  • Marcgravius de Liebstadt, G.
  • Marggraf, Georg
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Zitierweise

Marggraf, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118941011.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1584–1634), Rektor in L., seit 1620 Pfarrer in Döbra, S d. Pfarrers Georg in Pappendorf.

  • Leben

    M. verließ mit 17 bahren seinen Heimatort, um an verschiedenen deutschen und ausländischen Universitäten Botanik, Astronomie, Mathematik und Medizin zu studieren. Sechs Jahre lang soll er nach einer Aussage Pisos die Mittelmeerländer durchstreift haben. 1636 kam er nach Leiden, um Botanik bei Adolphus Vorstius und Mathematik, Astronomie und Arabisch bei Jacob Gool zu studieren. 1638 begab er sich als Gehilfe von Willem Piso, der von der Niederländ.-Westind. Compagnie als Leibarzt des Gouverneurs in Brasilien, Gf. Johann Moritz von Nassau-Siegen, auserwählt worden war, nach Recife, wo er zunächst noch in Pisos Diensten begann, die brasilian. Pflanzen- und Tierwelt zu studieren. Seit 1640 oder 1641 gehörte er zur Privathofhaltung des Gf. Johann Moritz, als dessen „Mathematiker“, Geograph, Kartograph, Astronom und Meteorologe er wirkte. Der Gouverneur richtete für M. auf seinem Landhaus Vrijburg bei Recife die erste Sternwarte auf der südlichen Hemisphäre ein, damit die für November 1640 erwartete Sonnenfinsternis mit wissenschaftlicher Genauigkeit beobachtet werden konnte. M. erhielt von seinem Mäzen die Möglichkeit zu Reisen ins Innere des Landes, auf denen er eine bedeutende botanische und zoologische Sammlung anlegte, die später auf verschiedene mitteleurop. Universitäten, vor allem Leiden und Kopenhagen, verstreut wurde. Außerdem zeichnete er mehrere Landkarten, von denen vier Franz Post ausschmückte und Johannes Blaeu in Amsterdam druckte (z. T. mit mehreren Nachdrucken). Als der Statthalter 1644 Brasilien zusammen mit Piso verließ, um in die Niederlande zurückzukehren, reiste M. vermutlich in seinem Auftrag nach Afrika, um weitere naturkundliche Beobachtungen in den Tropen zu machen, verstarb aber bereits bei seiner Ankunft. Aus seinen umfangreichen Aufzeichnungen gab Johannes de Laet die „Historia Naturalis Brasiliae“ heraus (1648). Dieses Werk enthält im 1. Teil einen bedeutenden tropenmedizinischen Traktat von Willem Piso, im 2. Teil M.s Naturgeschichte Brasiliens und im 3. Teil Anmerkungen und Zusätze von de Laet.

  • Literatur

    Th. J. Mejer, De omstreden nalatenschap van een avontuurlijke geleerde, in: Jaarboekje voor geschiedenis en oudheidkunde van Leiden en omstreken 64, 1972;
    L. Wiesinger, Erhaltene Abb. verschollener Zeichnungen d. 17. Jh. aus Brasilien, in: Med.hist. Journal 11, 1976;
    D. de Andrade Lima, A. Fox Maule, T. M. Pedersen, K. Rahn, Marcgrave's Brazilian herbarium collected 1638-44, in: Botanisk Tidskrift 71, 1977;
    D. Moulin, Med. u. naturwiss. Aspekte d. Reg.zeit d. Gf. Johann Moritz v. Nassau als Gouverneur in Brasilien (1637–44), in: Soweit d. Erdkreis reicht, Johann Moritz v. Nassau-Siegen (1604–79), 1979, 21980;
    Pogg. II.

  • Autor/in

    Uta Lindgren
  • Empfohlene Zitierweise

    Lindgren, Uta, "Marggraf, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 167 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118941011.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Marcgraf: Georg M. (Markgraf), Naturforscher und Reisender, geb. zu Liebstadt (M. zeichnete sich G. Marcgravius de Liebstad, Germanicus Misnensis) am 20. Sept. 1610, ging nach Vollendung der medicinischen Studien und ausgedehnten Reisen in Europa, und nachdem er auch in der mathematischen Wissenschaft und der Naturgeschichte sich beträchtliche Kenntnisse erworben, in Begleitung Piso's, des Leibarztes des Grafen Moritz von Nassau, Statthalters der niederländischen Besitzungen in Südamerika, nach Brasilien und bereiste mit Unterstützung des Grafen das Land vom Rio Grande bis südlich von Pernambuco. Als er zu demselben Zwecke die Guineaküste besuchte, raffte ihn im J. 1644 das Fieber hin. Jan de Laet veröffentlichte 4 Jahre später G. Marggravi Historiae RerumNaturalium Brasiliae Libri VIII. Marcgraf's Arbeiten sind durch Text und Abbildungen gleich ausgezeichnete Beiträge zur Kenntniß Südamerika's und blieben bis auf des Prinzen von Wied Reise nach Brasilien der vorzüglichste Schatz von Thatsachen zur Naturgeschichte dieses Landes. Inwieweit der Herausgeber Marcgraf's Handschriften vollständig gegeben oder aber ergänzt hat, ist nicht zu bestimmen. Leider hat M. aber seinen Plan einer großen Beschreibung Südamerika's, zu welcher die von Laet veröffentlichten Capitel nur die Bausteine darstellen, nicht selbst durchführen können, und wir vermögen uns nur aus dem über die durchschnittliche Länderbeschreibung jener Zeit hoch hervorragenden VIII. Buch: De ipsa regione et indigenis eine Vorstellung von dem zu machen, was von einem so kritischen Beobachter und guten Beschreiber zu erwarten gewesen wäre.

    • Literatur

      de Laet's Einleitung. Zedler. Lichtenstein, in d. Abhandl. d. Berl. Akad., Physik. Cl., 1814 S. 201.

  • Autor/in

    Friedrich , Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Marggraf, Georg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 295-296 unter Marcgraf [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118941011.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA