Lebensdaten
1765 bis 1854
Geburtsort
Pettau (Untersteiermark)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Mediziner ; Homöopath
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117544795 | OGND | VIAF: 25382862
Namensvarianten
  • Marenzeller, Matthias

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Zitierweise

Marenzeller, Matthias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117544795.html [15.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Peter ( 1785), Handwerksmeister in P.;
    M Catharina Wahser ( 1800);
    Pardubitz 1812 Franziska, T d. Kaufm. Joseph Lechky in Prag u. d. Maria Philippine Kunz;
    3 S, 1 T (Edler bzw. Edle v. M. 1854), u. a. Gustav (1815–94), Ministerialrat im Ackerbaumin., Adolf (1820–1907), homöopath. Arzt in W., Anna ( Emanuel Frhr. Komers v. Lindenbach, 1810–89, Justizmin. im Kab. Belcredi, s. ÖBL);
    E Edmund v. M. (1855-1930), Beamter, Bildungspolitiker (s. ÖBL), Emil v. M. (1845-1918), Kustos d. zoolog. Abt. d. Naturhist. Mus. u. Prof. d. Zool. a. d. TH Wien (s. ÖBL).

  • Leben

    Nach Abschluß der Gymnasialzeit in Marburg a. d. Drau belegte M. zunächst einen Philosophischen Lehrkurs in Graz, um dann Vorlesungen über Medizin in Wien zu hören. Schon mit 21 Jahren hielt er als Privatdozent Lehrveranstaltungen über Anatomie und Operationslehre ab, bevor er 1788 promoviert wurde. In der Folge finden wir ihn als Oberarzt am Hauptfeldspital in Agram sowie 1788-1815 als Vorstand mehrerer Kriegsspitäler u. a. in Italien, Deutschland, Böhmen, Mähren und Ungarn. Seit 1804 widmete er sich ausschließlich der exspektativen Methode und begann gleichzeitig die üblichen Behandlungsmethoden mit Aderlaß und Purgantien vehement zu bekämpfen und seine programmatische Schrift „Konstitutionseintheilung samt Tabelle“ auszuarbeiten. Die unüberwindliche Abneigung gegen die herkömmlichen Methoden der Medizin war ein Hauptgrund für seine Bitte um Entlassung aus dem Militärdienst und für seine Anstellung am Invalidenhaus in Prag. Hier beschritt er einen neuen Heilweg, indem er mit minimalen Dosen von Arzneimitteln die gleichen Symptome am Kranken bekämpfte, die diese Heilmittel am Gesunden hervorgerufen hatten. Dies ist ein Vorgehensprinzip der Homöopathie. 1791 aber, nachdem er die Systeme von Röschlaub und Brown genauestens studiert hatte, wurde er erst recht zum Verfechter der Homöopathie. Das Jahr 1823 brachte für ihn einen Höhepunkt seines Lebens, nämlich das persönliche Zusammentreffen mit dem von ihm hochverehrten Homöopathen Samuel Hahnemann in Leipzig. M.s neu entwickelte Kur- und Heilmethode hatte einen enormen Patientenzustrom zur Folge; er behandelte in zwölf Jahren ca. 10 000 Kranke. Durch diesen Erfolg aufmerksam geworden, ordnete Kaiser Franz I. eine genaue Prüfung dieser Lehre am Krankenbett an; die Untersuchung sollte von M. an der Wiener Josephs-Akademie durchgeführt werden, wofür man zwölf Betten im Garnisonsspital zur Verfügung stellte. Aus diesem Grund übersiedelte er von Prag nach Wien, wo er im Zuge der Forschungstätigkeit in der Zeit von Anfang April bis Mitte Mai 1828 (?) 46 Kranke behandeln und beobachten konnte. Immer mehr Menschen hofften nun auf Heilung und Hilfe durch neue Methoden, und bald konnte er Mitglieder höchster Kreise zu seinen Patienten zählen. 1832 hob Kaiser Franz I. das von Joseph Andreas v. Stifft verhängte Verbot der Ausübung der Homöopathie in Österreich auf, was nicht zuletzt auf die Erfolge M.s zurückzuführen war. 1842 ernannte Erzhzg. Johann M. zu seinem Leibarzt, und Kaiser Ferdinand erteilte ihm die Konzession zur Gründung eines Vereins homöopathischer Ärzte.

    M. galt als fleißiger und überaus disziplinierter Arbeiter, Forscher und Arzt, der sich nur wenige Stunden Schlaf gönnte. Die Bewältigung des enormen Arbeitspensums war auch der Grund für die geringe Zahl von Publikationen. Zahlreiche sorgfältig angelegte Krankengeschichten und -Protokolle geben allerdings Aufschluß über seine wissenschaftliche und praktische Tätigkeit. Die Arbeit über eine Konstitutionseinteilung mit Tabelle, die er, angeregt durch Lavaters „Physiognomik“, verfaßte, und in der er zwischen schlanken, muskulösen und fettleibigen Typen unterschied, kann als sein Hauptwerk bezeichnet werden.

  • Literatur

    Adolf v. Marenzeller, in: Zs. d. Ver. d. homöopath. Ärzte Österreichs, Jg. 1, Bd. 1, 1857;
    R. Tischner, Gesch. d. Homöopathie, 1939;
    E. Lesky, M. M.s Kampf f. d. Homöopathie in Österreich, in: Sudhoffs Archiv 38, H. 2, 1954;
    Wiener med. Wschr. 4, 1954;
    Wurzbach 16;
    ÖBL.

  • Portraits

    Lith. v. Machek (Bildarchiv d. Inst. f. Gesch. d. Med. d. Univ. Wien).

  • Autor/in

    Judith Bauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bauer, Judith, "Marenzeller, Matthias" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 148 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117544795.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA