Lebensdaten
1631 bis 1699
Geburtsort
Aviano (Friaul)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Kapuziner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118731076 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marco
  • Cristofori, Carlo Domenico (eigentlich)
  • Marco d’Aviano
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Zitierweise

Marco d’Aviano, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118731076.html [18.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Marco Cristofori ( 1657);
    M Rosa N.N.;
    B Giovanni Battista, Pfarrer in Vignazzo.

  • Leben

    Der Sohn einer angesehenen Familie aus Aviano studierte zunächst im Görzer Jesuitenkolleg und trat, begeistert von der Idee der Türkenmission, 1648 in Conglione in den Kapuzinerorden ein. 1655 in Chioggia zum Priester geweiht, machte er als begabter Prediger, der frühzeitig als Wundertäter angesehen wurde, von sich reden. Als Guardian wirkte M., dessen Tätigkeit im Orden auch auf Kritik stieß, 1672 in Belluno, 1674 in Oderzo, 1676 in Padua – er glänzte mehr durch eine schlichte und mitreißende Frömmigkeit als durch theologischen Tiefgang. Bereits 1676 nahm er Verbindung zum Nuntius in Venedig auf, der seine Missionsreisen unterstützte. Bei einer Reise ins Reich 1680 lernte er Herzog Karl V. von Lothringen, damals Statthalter in Innsbruck, kennen, den er tief beeindruckte; die nachfolgende Begegnung mit Kaiser Leopold I. (7. Sept. 1680) führte zu einem dauernden Kontakt. Die Missionsreise von 1681 mußte er auf die Span. Niederlande und das Reich beschränken, da ihn Ludwig XIV. als offensichtlichen Anhänger des Kaisers aus Frankreich ausweisen ließ. M.s Missionsreisen nach Deutschland riefen eine umfangreiche, auch kontroverse Publizistik hervor.

    Mit seinem Besuch in Wien im Juli 1682 gewann M. endgültig maßgeblichen Einfluß auf den Kaiser. Dieser schlug sich in einem intensiven mündlichen und schriftlichen Austausch nieder, wobei M. nicht mit Kritik und Anregungen sparte und die Politik des Nuntius Buonvisi bei einer starken Loyalität zu Leopold I. unterstützte. Mit zahlreichen Persönlichkeiten des Reiches, vor allem aus dem Verwandtschafts- und Klientelkreis des Kaisers, und der Kirche führte er eine umfangreiche Korrespondenz. Angesichts der Türkenbedrohung Wiens auf Leopolds I. Wunsch nach Linz gekommen (1.9.1683), vermochte M. die Kriegsplanung beträchtlich zu beeinflussen, wobei er sich erfolgreich als Schlichter zwischen den prestigebewußten Feldherren betätigte. Für den siegreichen Ausgang der Schlacht am Kahlenberg maß nicht nur der engagierte Ordensmann selbst seiner anfeuernden seelsorgerischen Tätigkeit entscheidende Verdienste bei. Um sein Wirken rankten sich fromme Legenden, etwa daß erst M. durch einen Exorzismus die bis dahin kugelfesten Türken verwundbar gemacht habe. In der Folge wurde er zum Anwalt eines entschlossenen Vorgehens gegen die Türken, das von einem engen kaiserlich-päpstlichen Zusammengehen getragen sein sollte. Die Jahre bis 1688 verbrachte M. als päpstlicher Legat an der Türkenfront, wo er auf ein entschlossenes Vorgehen drängte. Er sparte nicht mit Kritik am Hof und an wichtigen Ratgebern Leopolds I., vor allem am Hofkanzler Strattmann. Nach der Einnahme von Buda (1686) und Belgrad (1688) zog er sich in die klösterliche Stille zurück, engagierte sich aber für die Königswahl Josephs I. und für dessen Eheschließung mit Amalie Wilhelmine von Braunschweig-Wolfenbüttel. 1697 reiste M. wieder nach Wien, wo er im Streit um die Reichslehen in Italien zwischen Leopold I. und dem Papst zu vermitteln suchte; zugleich sorgte er für die Finanzierung des erfolgreichen Türkenfeldzugs des Prinzen Eugen. Bei einem Besuch in Wien 1699 starb der Pater in Gegenwart des Kaiserpaares.

    Obgleich M. nur italienisch sprach und schrieb, hatte er seine wichtigsten politischen und seelsorgerlichen Erfolge im deutschen Raum. Sein Auftreten gehört in den Umkreis einer erneuerten barocken Frömmigkeit; in Österreich erhielt vor allem die Marienverehrung durch ihn wichtige Anstöße. Der Seligsprechungsprozeß, bereits von Leopold I. ins Auge gefaßt und im Gefolge des 200jährigen Jubiläums der Wiener Türkenbelagerung 1883 wieder aufgenommen, kam bislang nicht zum Abschluß.

  • Werke

    Hertz-schmerzliche Buss u. Leyd-Thränen e. reuigen Sünders…, 1680;
    Seelen-Kleinod d. göttl. Gnad, 1680/81;
    Autentischer Begriff d. wunderthätigen Glaubens Heyl wirkenden Seegens…, 1681;
    Kurtzer Begriff u. Erzelung d. H. Benediction u. Segens v. d. Gottseeligen P. Marco de Aviano…, in d. Churfurstenthumb Bayern, 1681;
    Drey Trewhertzig-christl. Ermahnungen d. Gottseligen P. Marcus de Aviano, 1681;
    Flammen d. Liebe Gottes, 1683;
    Frühlings-Seelen-Artzney … Sieben Buß-Sermones, 1684;
    Kurtzer Begriff…, was P. Marcus Aviano … im Jahr G. 1684 eyfrigst vorgetragen, 1684;
    M. v. A., Corrispondenza epistolare tra Leopoldo I Imperatore ed il P. M., 1888;
    M., Lettere inedite scritte|negli anni 1682-83 all … Conte Francesco Della Torre Ambasciatore Imperiale a Venezia, 1893.

  • Literatur

    P. Fedele da Zara, Notizie Storiche concernenti l'illustre Servo de Dio M., 2 Bde., 1798;
    N. Stock, P. M. v. A., 1899;
    M. Heyret, P. M. v. A., Der geistesgewaltige Bußprediger in Krieg u. Frieden, 1915;
    dies., P. M. v. A., 2 Bde., 1931;
    dies., P. M. v. A., Einführung in s. Korr., 4 Bde., 1937/46;
    L. Tinti, Vita del Servo di Dio Padre M., 1908;
    K. J. Grauer u. a. (Hrsg.), M., OFM Cap., Sein Leben u. s. Zeit, 1933;
    V. O. Ludwig, M. v. A., Der Retter Europas, 1935;
    G. C. da Cittadella, Il Ven. P. M. nella sua predicazione, 1943;
    A. Coreth, Das Eindringen d. Kapuzinermystik in Österreich, in: Mystische Theol. 3, 1957, S. 9-95;
    dies., Pietas Austriaca, Österr. Frömmigkeit im Barock, 21982;
    E. Patriarca, M., Predicatore e taumaturgo, diplomatico e stratega, coartifice di vittorie, 1963;
    ders., Il padre cappuccino M., Nella sua opera apostolica sociale nel quadrante della storia, 1963;
    F. Röhrig, M., in: Die Türken vor Wien, 1982, S. 193-96;
    J. D. Hamminger (Hrsg.), Dokumentation z. Hist. Messe vor d. Entscheidungsschlacht um Wien, 12. Sept. 1683, 1983.

  • Autor/in

    Volker Press
  • Empfohlene Zitierweise

    Press, Volker, "Marco d’Aviano" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 128 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118731076.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA