• Genealogie

    V Simon;
    M Marie Guyot.

  • Leben

    Seine Studien der Philosophie und Theologie begann M. 1763 als Zögling des von St. Sulpice geleiteten Konvikts „aux Robertins“ und beendete sie mit dem vom König durch eine Pension ausgezeichneten Lizentiat und mit der Promotion an der Sorbonne 1775. 1770 war er in Paris zum Priester geweiht worden. Als Lehrer im Hause Talleyrand-Périgord (und damit des späteren Bischofs von Autun und Ministers Charles-Maurice de Talleyrand) eröffnete sich ihm bald eine glänzende kirchliche Laufbahn. Der Onkel seines Schülers, Erzbischof Alexander-Angélique de Talleyrand von Reims, machte ihn 1778 zum Generalvikar und Domkapitular, sein Schüler selbst ernannte ihn 1780 zum Vizeagenten des Klerus und vermittelte für ihn beim König als Benefizien das Priorat von Conflans-Saint-Honorine und das von Laloye. Dem Eid auf die Zivilkonstitution entzog sich M. 1790 durch ein Exil in England und Schottland.

    Den nach dem Abschluß des Konkordats von 1801 nach Frankreich Zurückgekehrten nominierte Napoleon am 12.7.1802 auf Talleyrands Vermittlung zum Bischof von Trier. M. erhielt sechs Tage später die Bischofsweihe und wurde am 26. September in sein|Bistum eingeführt; die päpstl. Bestätigung folgte am 13.11.1802. Sein Werdegang und noch mehr seine Ergebenheit Napoleon gegenüber machten ihn für einen Teil seiner Zeitgenossen zu einer problematischen Gestalt, aber gerade dadurch gewann er Einfluß, den er zugunsten seines Bistums einsetzte. Hatte M. sofort nach seiner Ankunft schon den Trierer Dom aus der unwürdigen Zweckentfremdung gerettet, so erreichte er bei Napoleon 1804 die Rückgabe der säkularisierten Stiftungsvermögen des Domes, der Domkurien, der ehemaligen Jesuitengüter (Gymnasium und Seminar) und der noch nicht veräußerten Pfarrgüter (Kirchenfabriken), was die auch heute noch einmalige Kirchengütersituation in Trier begründete. Seine Visitationsreisen, auf denen er den Großteil der Pfarreien des durch die Organischen Artikel neu umschriebenen und auf das Saardepartement begrenzten Bistums kennenlernte, schufen ihm, obwohl er des Deutschen nicht mächtig war, Sympathien beim Volk. Dies war erst recht der Fall, als er nach Unruhen bei der Militäraushebung 1809 durch Kniefall vor Napoleon den Vollzug der Höchststrafen abwendete. Auch die Gründung des Priesterseminars und die Unterstützung für die 1810 von Dewora gegründete Normalschule für die Lehrerausbildung sind ihm zu verdanken. Für die 1806 entstandenen Vereinigten Hospitien in Trier konnte M. 1811 Barmherzige Schwestern (Borromäerinnen) aus Nancy gewinnen, deren Wirken Anregungen für ähnliche weitere Gründungen in Deutschland gab. 1809 wurde er Mitglied des franz. Kirchenrates, verhandelte als solches im Auftrag Napoleons 1811 mit Papst Pius VII. in Savona und nahm am Nationalkonzil 1811 in Paris und der anschließenden erneuten Gesandtschaft zum Papst nach Fontainebleau teil. Die Aufnahme in die Ehrenlegion 1807 und die Ernennung zum Baron 1809 und zum Offizier der Ehrenlegion und Staatsrat 1813 waren die Anerkennung seitens des Staates.

    Nach dem Einmarsch der preuß. Truppen 1814 gestattete die Administrationskommission M. die Fortführung der Amtsgeschäfte, verwies ihn aber nach Napoleons Rückkehr nach Aschaffenburg, wo er nach dessen Sturz am 4.8.1816 auf sein Bistum verzichtete. Eine Pension Friedrich Wilhelms III. von Preußen erleichterte ihm das Leben, bis er 1820 als Bischof von Rennes erneut wirkungsvoll tätig werden konnte.

  • Literatur

    J. Ch. Lager, Der Trierer Bischof Ch. M., in: Trier. Chronik 13, 1916/17;
    Frdr. Schmitt, Die provisor. Verwaltung d. Gebietes zw. Rhein, Mosel u. franz. Grenze durch Österreich u. Bayern in d. 1.1814-16, 1962;
    E. Zenz, Gesch. d. Stadt Trier im 19. Jh. I, 1979;
    A. Thomas, Das Bistum Trier unter Bischof K. M. (1802-16) u. unter d. Apostol. Vikar Anton Cordel (1816–24), in: Kurtrier. Jb. 1982, S. 163-83;
    ders., in: Die Bischöfe d. dt.sprachigen Länder 1785/1803 bis 1945, hrsg. v. E. Gatz, 1983, S. 473-75.

  • Portraits

    Ölgem. v. L. Neureuther, 1868 (Bischöfl. Generalvikariat Trier).

  • Autor

    Wolfgang Seibrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Seibrich, Wolfgang, "Mannay, Charles Baron" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 58 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116733799.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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