Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Zürcher Adelsgeschlecht
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13978862X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maneß
  • Manesse
  • Maneß

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Zitierweise

Manesse, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13978862X.html [24.05.2019].

CC0

  • Leben

    Die Zürcher Familie M., mit Otto 1219 erstmals urkundlich erwähnt, zählt zu den einflußreichsten und langlebigsten der rund 40 stadtsässigen Rittergeschlechter. Im 13. Jh. gingen aus ihr zahlreiche Geistliche, darunter die Pröpste Otto (1258–59) und Heinrich (1259–71), unter dem Konrad v. Mure als Kantor wirkte, sowie einige Ratsherren hervor. Unter letzteren war Rüdiger „der Ältere“ (s. u.) der bedeutendste; seine Nachkommen waren im Besitz der Burg Manegg am Fuß des Üetlibergs. Die Manesse „im Hard“, ein anderer Zweig der Familie, trugen ihren Beinamen nach dem Hardturm vor der Stadt.

    Im 14. und 15. Jh. stammten zwei Bürgermeister aus der Familie der M. Rüdiger ( 1384), Urenkel Rüdigers „des Älteren“, seit 1336 im Rat, stand in der Zunftrevolution Rudolf Bruns von 1336 auf der Seite des neuen Bürgermeisters. Er soll die Zürcher in der Schlacht von Dättwil (1352) zum Sieg geführt haben; die chronikalische Überlieferung dieser Nachricht ist jedoch unglaubwürdig. 1360 wurde er Nachfolger Rudolf Bruns als Bürgermeister auf Lebenszeit. Seine Abwendung von Österreich hin zu Kaiser und Reich brachte ihm 1360 die Reichsvogtei über die Stadt St. Gallen und der Stadt Zürich 1362 bedeutende kaiserl. Privilegien ein. Er erwies sich aber als unfähig, die geldbedürftigen und gewalttätigen Söhne Bruns unter Kontrolle zu halten, und mußte 1373 die Einschränkung seiner Machtbefugnisse zugunsten des Rates akzeptieren. Es kam mehrfach zu Konflikten mit dem erstarkten Rat, der das eigenmächtige Gebaren des Bürgermeisters nicht mehr hinzunehmen bereit war. Nach seinem Tod 1384 zwangen Schulden die Erben, Grundstücke zu veräußern und Darlehen bei Juden und Lombarden aufzunehmen, bis Ende des Jahrhunderts der Familienbesitz liquidiert werden mußte.

    Vom wirtschaftlichen Niedergang blieb ein Teil des Zweiges „im Hard“ verschont. Dessen bedeutendster Vertreter Felix ( 1436) bekleidete zahlreiche städtische Ämter, saß seit 1404 im Rat, war häufig Tagsatzungsbote, leitete 1417 als Bannerherr denZürcher. Feldzug gegen das österr. Feldkirch und war an Schiedsgerichten in der Ostschweiz beteiligt. 1427-35 bekleidete er das Amt des Bürgermeisters der zweiten Jahreshälfte, stand aber an politischer Wirksamkeit hinter dem dynamischeren Rudolf Stüssi, dem Bürgermeister der ersten Jahreshälfte, deutlich zurück.

  • Literatur

    G. v. Wyss, Btrr. z. Gesch. d. Fam. Maneß, Neuj.bl. d. Stadtbibl. in Zürich, 1849/50 (Stammtafel);
    W. Merz u. F. Hegi, Die Wappenrolle v. Zürich, 1930, S. 143-45;
    O. Mittler, Die Johanniterin Anna M. u. d. Schwesternhäuser d. Johanniterordens im 14. Jh., in: Zürcher Taschenbuch 1947, S. 13-32;
    U. Helfenstein, in: Helvetia Sacra II, 2, 1977, S. 573 f.;
    R. Sablonier, Adel im Wandel, 1979, S. 61 f., 123-29;
    X. Baumgartner, Namengebung im ma. Zürich, 1983, S. 202-06;
    HBLS.

  • Autor/in

    Rudolf Gamper
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Gamper, Rudolf, "Manesse" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 23-24 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13978862X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Manesse:Rüdiger M.Manesse (Maneß), Ritter. Rath und Gelehrter in Zürich; am 5. Septbr. 1304. M. war der Name einer patricischen Familie in Zürich, die vom Beginn des 13. bis Mitte des 15. Jahrh. blühte und mehrere bedeutende Männer in ihren Reihen zählte. Der hervorragendste unter denselben ist Ritter Rüdiger (II.). Während 38 Jahren ein angesehenes Mitglied des Rathes der Stadt, die er u. A. auch bei Abschluß des ältesten Bundes von Zürich mit Uri und Schwyz (1291) vertrat, erwarb er sich und seinem Geschlechte den dauernden Ruhm der Pflege edler geistiger Bildung. Der Schreiber einer Handschrift des Schwabenspiegels für M. pries den Gerechtigkeitssinn und die Rechtskunde des Mannes, für den seine Arbeit bestimmt war, und gleichzeitig feierte der Dichter Hadloub (Bd. X, 301) M. als Gönner und Freund der edlen Kunst des Gesanges, die „an des Manessen Hofe Stamm und Wurzeln hat“, und als den, der mit löblichster Anstrengung „das Liederbuch gewann“. Einen der Söhne des Ritters, Johannes M., Chorherr und Custos des Großmünsterstiftes in Zürich ( am 20. Mai 1297), rühmt Hadloub als den Mitarbeiter des Vaters in diesen Bestrebungen. Beide Männer gehörten zu dem gesellschaftlichen Kreise, in welchem in Zürich Sangeslust hochgehalten und geübt wurde, zu dem der Bischof Heinrich II. von Konstanz (Bd. XI, 511) und dessen Bruder Albrecht von Klingenberg, die zürcherische Fürstäbtissin Elisabeth, die Aebte von Einsiedeln und von Petershausen, Graf Friedrich (III.) von Toggenburg, ein Freiherr von Regensberg u. a. m. zählten. Bekanntlich betrachtete Bodmer die bildergeschmückte Pariser Liederhandschrift, aus welcher er 1758 die „Sammlung von Minnesängern aus dem schwäbischen Zeitpunkte“ herausgab, als das einstige „Liederbuch“ des M., von dem Hadloub spricht. Die Annahme entbehrt eines Beweises und mag, da gerade in jener Handschrift Hadloub's Worte stehen, eher etwas Unwahrscheinliches haben. Immerhin ist am Ursprunge der Handschrift aus der nordöstlichen Schweiz (Konstanz? Zürich?), aus einem Kreise wie der Manessische war, nicht zu zweifeln, und so mag ihr der von Bodmer gegebene Name ohne Bedenken belassen bleiben. M. besaß neben seinem „Hofe“ in der Stadt Zürich die Burg Manegg, deren Ruinen noch jetzt einen der schönsten Aussichtspunkte in der Nähe der Stadt krönen, der nach ihr benannt ist; über einem Brunnquell an ihrem Fuße steht ein einfaches Denkmal zu Ehren von M. — Ein Urenkel Ritter Rüdigers (II), Rüdiger (VII.), Bürgermeister in Zürich ( am 9. Novbr. 1383) befehligte die Züricher am 26. Dec. 1351 bei Tätwil in dem für sie siegreichen Treffen gegen die Oesterreicher unter Burkard von Ellerbach, dem Alten (Bd. VI, 53). — Aus andern Zweigen des Geschlechtes stammten die Brüder Otto (1258) und Heinrich M.Manesse (1259 bis 1271), Pröpste des Großmünsterstiftes in Zürich, von denen der letztere sich um die Verwaltung des Stiftes verdient machte und Karl den Großen als Gründer desselben durch Anbringung des Bildes des Kaisers am Thurm und im Siegel des Stiftes verherrlichte. Wieder zu einem andern Familienzweige gehörte der Zürcherische Bürgermeister Felix M.Manesse ( am 9. März 1436).

    • Literatur

      Litteratur der deutschen mittelalterlichen Dichtkunst seit Bodmer, insbes. Hadloub's Gedichte, herausg. von Ettmüller, Zürich 1840.— Beiträge zur Gesch. der Familie M. in den Neujahrsblättern der Stadtbibliothek Zürich f. 1849 und 1850 (von dem Unterzeichneten). — Dr. L. Rockinger, Ueber eine Handschrift des Schwabenspiegels und Ueber die oberpfälzische Familie von Präckendorf in den Sitzungsber. der kgl. bayer. Akademie der W., 1867 und 1868.— Anzeiger f. schweiz. Geschichte, Jahrg. 1870. S. 21 u. 49.— Dr. J. Rud. Rahn, Kunst- und Wanderstudien aus der Schweiz (künstlerische: „Studien über die Pariser Liederhandschrift"), Wien 1883. S. 79 ff.

  • Autor/in

    G. v. Wyß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyß, Georg von, "Manesse" in: Allgemeine Deutsche Biographie (), S. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13978862X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA