Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Herren und Grafen von Manderscheid
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118730584 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Manderscheid

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Zitierweise

Manderscheid, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118730584.html [23.08.2019].

CC0

  • Leben

    Das Geschlecht der M. ist seit dem 12. Jh. in der Eifel nachweisbar. Es trägt seinen Namen von der Niederburg, die an der Lieser bei Manderscheid liegt und Luxemburger Lehen war. Das um 1200 ausgestorbene ältere Geschlecht wurde von der M.schen Nebenlinie der Herren von Kerpen beerbt. 1346-48 belagerte Erzbischof Balduin von Trier die M.sche Stammburg, in deren Sichtweite er die Oberburg als Zentrum des kurtrier. Amtes Manderscheid besaß; die Niederburg blieb jedoch Luxemburger Lehen. Anfang des 14. Jh. befestigten die M. den Gutshof Oberkail, der etwa 12 km südwestl. Manderscheid liegt und die Bindung an den Luxemburger Raum verstärkte. Eine Nebenlinie des Geschlechts findet sich seit Anfang des 14. Jh. als Herren von Nohfelden-Detzem im Hunsrück; diese Linie starb um 1400 aus. Seit 1381 besaß das Geschlecht Anteile am Reichslehen Steinkallenfels an der Nahe. Durch das Trierer Schisma 1430 zog der Domherr Ulrich ( 1438) seine Familie mit in die Auseinandersetzungen um das Bistum Trier. Ulrich und seine Familie unterlagen jedoch gegenüber dem Mitbewerber Jakob v. Sierck, 1420 erlangte das Geschlecht Anteile an Daun, 1434 an der Herrschaft Jünkerath, 1445 durch Erbfall die Herrschaft Schleiden in der Nordeifel, die damals bereits Zentrum der Eifeler Eisenindustrie war. Gegen andere Bewerber setzte sich die Familie 1468 durch, als sie die Gfsch. Blankenheim in der Nordeifel und die Herrschaft Gerolstein in der Zentraleifel an sich brachte. 1457 erfolgte die Erhebung in den Grafenstand. 1488 spaltete sich das Geschlecht in die Zweige Blankenheim, Schieiden und Kail. Alle Familienmitglieder erhielten jedoch das Recht, den Namen „Manderscheid-Blankenheim“ zu führen. Um 1540 kam eine weitere Linie Gerolstein hinzu, die sich von Blankenheim abspaltete. Die größte Macht erlangte das Geschlecht Mitte des 16. Jh., als es weite Teile der Eifel kontrollierte und noch einen festen Zusammenhalt zeigte. Zahlreiche kleinere Eifelherrschaften wurden erworben, wovon Neuerburg (1486), Kronenburg (1486), Kerpen (1506), Virneburg (1546) und Saffenburg (1546) die wichtigsten waren. Außerdem gelangte die Linie M.-Schleiden in den Besitz der Brabanter Herrschaften Grandlez, St. Nil und Ottignies sowie der Herrschaft Roussy im Grenzraum Luxemburg-Lothringen (1533). Damit wurde die Familie Lehnsträger Kurkölns, Kurtriers, Jülichs, Lothringens und Luxemburgs und vereinigte eine beachtliche wirtschaftliche Macht, die vor allem auf den Einkünften aus der Eifeler Eisenindustrie basierte. Mitglieder der Familie, so vor allem Dietrich der Weise und Hermann, waren Ratgeber in Jülich, Kurköln, Kurtrier und am Kaiserhof. Dietrich (1481–1551) gehörte 1540/41 beim Wormser bzw. Regensburger Religionsgespräch dem Präsidium an; er unterhielt gute Beziehungen zu Melanchthon und Martin Bucer, den er im Februar 1542 auf seiner Burg Schieiden beherbergte (s. L). Hermann (1535–1604) erwarb sich besondere Verdienste um die Neuordnung des Postwesens im Westen des Reiches; er unterstützte den Kölner Postmeister Jakob Henot, der sich jedoch gegen den späteren Generalpostmeister Leonhard von Taxis nicht durchsetzen konnte. 1583 erhielt Hermann von Kaiser Rudolf das Recht, silberne und goldene Münzen schlagen zu lassen, 1588 wurde ihm das Privilegium de non evocando gewährt. 1597 wurde Hermann vom Kaiser beauftragt, im Erzstift Trier und in benachbarten Provinzen 800 wallon. Reiter anzuwerben. In Blankenheim richtete Hermann für seine Kuriositäten- und Altertümer-Sammlungen ein Museum ein (s. L). Sein Bruder Johann ( 1592) wurde 1569 Bischof von Straßburg (s. 1).

    Gegenüber der Reformation nahmen alle Familienzweige eine tolerante Haltung ein, sie traten jedoch nicht offiziell zum neuen Glauben über. Wilhelm ( 1546) war seit 1499 Abt von Stablo-Malmedy, seit 1513 auch von Prüm; ihm folgte sein Neffe Christoph ( 1576) nach. Sehr viele M. erscheinen als Domherren, 1400-1620 allein in Köln einundzwanzig. Mitglieder der Familie residierten als Äbtissinnen von 16. bis 18. Jh. in Thorn, Essen, Elten, Freckenhorst und Gerresheim: Margaretha Elisabeth war Äbtissin in Elten und Vreden (1572–1604), gleichzeitig in Gerresheim (seit 1586), in Freckenhorst (seit 1591), in Schwarz-Rheindorf (seit etwa 1600) und in Essen (seit 1598), Maria Franziska in Elten und Vreden (1674–1708), Anna Salome in Thorn (1647–91), seit 1690 gleichzeitig in Essen, Anna Juliane in Elten und Vreden (1708–17), seit 1706 gleichzeitig in Thorn, Maria Eugenia (1717–27), Eleonora Maria (1727–40) und Maria Franziska (1740–84) leiteten die Abtei in Elten. Die Duldung ref. Prediger in Schleiden und Neuerburg führte um 1570/80 zu Auseinandersetzungen mit der span.-luxemburg. Regierung. Als Joachim von M.-Schleiden 1582 in Neuerburg starb, mußte seine Witwe wegen ihres Glaubens die Besitzungen in der Westeifel verlassen. Der Tod des in Schleiden residierenden Dietrich VI. 1593 führte zu einer Gegenreformation, die in der West- und Nordeifel von Luxemburg aus betrieben wurde. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen kam es 1615 zu einer Aufteilung des Erbes, einen Großteil der Güter erhielt der kath. Gf. Ernst von der Marck.

    Eine neue Blütezeit erlebte das Geschlecht in der 2. Hälfte des 17. Jh. Salentin Ernst (1630–1705) erwarb durch seine (1.) Heirat mit Ernestine v. Sayn-Wittgenstein die Gfsch. Hachenburg im Westerwald; er war Erbhofmeister in Köln, 1669 konnte er die Lehensabhängigkeit seines Stammlandes Blankenheim von Jülich durch eine Geldzahlung ablösen. Blankenheim entwickelte sich zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum der Eifel. Die Wirtschaft regelte der Graf in seinem Territorium nach merkantilistischen Grundsätzen. Sein Sohn Johann ( 1763) wurde 1733 Erzbischof von Prag (s. 2).

    Die Nebenlinie M.-Blankenheim-Gerolstein starb 1697 aus, ihr Erbe fiel dem Haus in Blankenheim zu. Der Zweig M.-Blankenheim-Kail, der die Bedeutung anderer Familienzweige nicht erreichen konnte, starb 1742 aus. Auch dieser Besitz fiel nach einem Vertrag (1628) der Linie in Blankenheim zu. Damit existierte seit 1742 nur noch ein M.sches Grafengeschlecht, das meist in Blankenheim residierte. Mit Franz Josef Ludwig (1713-80) starb die männliche Linie M.-Blankenheim aus. Erbin der umfangreichen Güter wurde Augusta (1744–1811), die durch Vermittlung ihres Onkels Johann, des Erzbischofs von Prag, Philipp Christian Gf. v. Sternberg heiratete. Zusammen mit ihrer Familie verließ die Erbin 1794 beim Anrücken der franz. Revolutionstruppen das Rheinland und zog nach Böhmen. Der letzte regierende Graf der Linie Sternberg-M., Franz Joseph ( 1830), hinterließ keine männlichen Nachkommen. Sein Bruder, Johann Wilhelm Gf. v. Sternberg-M., Domherr in Salzburg, Passau und Augsburg, starb als letzter männlicher Sproß des Geschlechtes 1847.

  • Literatur

    J. F. Schannat u. G. Bärsch, Eiflia illustrata od. geograph. u. hist. Beschreibung d. Eifel I-III. 1824-55;
    G. Strasser, Die Wappen d. Herren v. M. in d. Eifel, an d. Saar u. Mosel, in: Mitt. d. westdt. Ges. f. Fam.kde. 2, 1918-21, S. 110 ff.;
    W. Weins, Die Gfsch. M., Diss. Münster 1921 (ungedr.);
    ders., M., Bilder aus d. Vergangenheit d. Landes u. Adelsgeschl., 1926;
    P. Neu, Gesch. u. Struktur d. Eifelterritorien d. Hauses M. vornehml. im 15. u. 16. Jh., 1972;
    Isenburg V. – Zu Dietrich: N. Reinartz, Das Leichenbegräbnis d. Gf. Dietrich IV. v. M.-Schleiden, in: Ann. d. hist. Ver. f. d. Niederrhein 125, 1934, S. 111-16;
    ders., Neue Dokumente z. Gesch. Dietrichs IV. v. M.-Schleiden, ebd. 135, 1939, S. 82-93;
    Zu Hermann:
    P. Neu, Gf. Hermann v. M.-Blankenheim u. d. Reformen d. Postwesens in d. 2. Hälfte d. 16. Jh., in: Mittelrhein. Postgesch. H. 51, Jg. 25, 1977, S. 42-47;
    Zu Salentin Ernst:
    H. Neu, in: Heimatkal. Kr. Schieiden 2, 1952, S. 57-63.

  • Autor/in

    Peter Neu
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Neu, Peter, "Manderscheid" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 13 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118730584.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA