Lebensdaten
1796 bis 1876
Geburtsort
Steinau (Hessen)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Komponist ; Musikgelehrter
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119059231 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Breidenstein, Heinrich Karl
  • Breidenstein, Heinrich Carl
  • Breidenstein, Heinrich Karl
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Zitierweise

Breidenstein, Heinrich Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119059231.html [20.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Ernst, Mädchenschullehrer und Organist in Steinau, S des Lehrers Georg in Kilianstädten bei Hanau;
    M Juliane Jakobine Frieder., T des Apothekers Johann Heinrich Wagner in Steinau.

  • Leben

    B. studierte seit 1815 in Berlin, dann in Heidelberg Rechtswissenschaft, Philologie und Philosophie (bei Schleiermacher und Hegel). In Heidelberg empfing er entscheidende Anregungen von A. F. J. Thibaut, in Darmstadt von J. Ch. H. Rinck. 1821 promovierte er in Gießen mit einer Abhandlung „Über das Schöne in der Musik“. 1822 berief ihn Bonn auf die Stelle des Universitätsmusikdirektors. 1823 wurde er Dozent und 1826 unbesoldeter außerordentlicher Professor der Musikwissenschaft. Neben seiner Vorlesungstätigkeit, die sich auf Geschichte und Theorie der Musik, auf Musikästhetik und -psychologie erstreckte, war B. vielseitig als Organisator und Dirigent im Bonner Musikleben tätig, zog sich aber 1854 ganz aus dem öffentlichen Musikleben zurück. Maßgebende Bonner Kreise, an der Spitze der Altphilologe F. Heimsoeth und später der Historiker H. von Sybel, hatten ihn, der in einer stark reaktionären Umgebung stets den musikalischen Fortschritt vertrat, in Einsamkeit und Verbitterung gedrängt. Seine Lehrtätigkeit an der Universität war deshalb von hoher Bedeutung, weil hier zum erstenmal in der neueren deutschen Universitätsgeschichte eine Hochschule einen musikwissenschaftlichen Lehrstuhl errichtet hat. B. hat sich zeitlebens bemüht, der Musikwissenschaft als Hochschuldisziplin ihr altes Ansehen wiederzugewinnen. Seine Kompositionen sind bedeutungslos.

  • Werke

    Prakt. Singschule, 6 Hh., 1831;
    Festgabe z. Inauguration d. Beethoven-Monuments, 1845;
    Zur Jahresfeier d. Inauguration d. Beethoven-Monuments, 1846;
    Btrr. in: Ersch-Gruber, 1818 ff., u. in: Köln. Ztg.;
    Mss. üb. Orgelbau u. -spiel (verwertet v. H. Riemann in: Katechismus d. Orgel, 1901).

  • Literatur

    R. Eitner, in: ADB XLVII;
    C. Steven, H. C. B., Diss. Bonn 1924 (W, Ölgem. v. C. Tischbein, 1825);
    H. Hüschen, in: MGG (W, L).

  • Autor/in

    Willi Kahl
  • Empfohlene Zitierweise

    Kahl, Willi, "Breidenstein, Heinrich Carl" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 572 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119059231.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Breidenstein: Heinrich Karl B., Doctor der Philosophie, kgl. Musikdirector und Professor der Musik, geboren am 28. Februar 1796 zu Steinau in Hessen, am 13. Juli 1876 zu Bonn. Nach vollendeten Gymnasialstudien zu Hanau, studirte er Jura zu Berlin und Heidelberg, wandte sich aber auf letzterer Universität der Philologie zu, wurde Hauslehrer beim Grafen von Wintzingerode in Stuttgart, nahm als freiwilliger Jäger an den Befreiungskriegen gegen Frankreich theil und wurde darauf Oberlehrer am Gymnasium zu Heidelberg. Mit Musik hatte er sich nur in seinen Mußestunden beschäftigt, erst der Umgang mit Thibaut in Heidelberg, in dessen privaten Gesangverein er eingetreten war, wo er öfter Thibaut's Platz am Claviere einnehmen mußte, regte ihn mächtig an, in die Geheimnisse der Musiktheorie einzudringen. Im J. 1821 war er soweit vorbereitet, daß er im Herbste nach Köln ging und dort bis 1823 Vorträge über das System der Harmonie hielt. Ein Artikel der Allgemeinen Leipziger Musikzeitung vom Jahre 1823, Bd. 25, Spalte 300 berichtet: „Herr Dr. Karl Breidenstein, welcher sich aus Neigung zur Musik ganz dieser Kunst widmet, kam im Herbst 1821 nach Köln und kündigte Vorlesungen über das System der Harmonie an. Dieselben waren recht gut besucht. B. verfolgte in gewandter Darstellung einen bisher noch nicht betretenen Weg. Sein System erklärt er durch die Grundlehren der Philosophie und durch die Erscheinungen des Lebens und der Natur, und macht eines durch das andere begreiflich und anschaulich. Seine Entwicklung der Accorde aus dem Einklange (der Monas) ist neu und eröffnet ein weites Feld von Beziehungen und Verhältnissen“ u. s. w. Auch mit Compositionen trat er auf, die obiger Referent lobt, indem er an ihnen besonders die geschickte Verwendung des Contrapunktes hervorhebt; ferner veröffentlichte er in der Kölner Zeitung ein Gedicht und eine Recension über Weber's „Freischütz“. Im J. 1823 siedelte er nach Bonn über und wurde zum Universitätsmusikdirector ernannt, habilitirte sich als Docent für Musik und wurde später zum Professor ernannt. 1827 hielt er in Berlin ähnliche Vorlesungen wie einst in Köln, doch blieb er Bonn getreu. Seiner Anregung und seinem unermüdlichen Eifer ist auch das 1845 in Bonn errichtete Standbild Beethoven's zu danken. Ueber das Monument und über die Festlichkeit bei seiner Enthüllung veröffentlichte B. nachträglich eine actenmäßige Schrift, wohl hauptsächlich deshalb, weil das Arrangement des Festes vielfachen Angriffen ausgesetzt war. (Siehe den Bericht in der Neuen Zeitschrift für Musik, Bd. 25, S. 111 von|Brendel.) Um die Bonner Musikverhältnisse erwarb er sich noch das Verdienst ein stehendes Orchester und einen Gesangverein zu gründen, die er beide zeitlebens leitete und mit denen er die bedeutendsten Werke der Classiker zur Aufführung brachte. An Compositionen sind einige Lieder, Männerchöre, Orgelstücke und eine mehrfach aufgelegte Singschule erschienen. Als seine Dichtung wird das Lied „Was schimmert dort auf dem Berge so schön“ genannt, welches als Chorlied eine weite Verbreitung fand. Seine unvollendete Orgellehre ist in den Besitz des Herrn Dr. Hugo Riemann in Leipzig übergegangen.

    • Literatur

      Riemann's Musik-Lexikon, Mendel-Reißmann's Lexikon und die oben erwähnten Zeitschriften.

  • Autor/in

    Rob., , Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Breidenstein, Heinrich Carl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 217-218 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119059231.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA