Lebensdaten
1842 bis 1917
Geburtsort
Rom
Sterbeort
Mérida de Yucatán (Mexiko)
Beruf/Funktion
Maya-Forscher ; Archäologe ; Photograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119067277 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maler, Teobert

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Zitierweise

Maler, Teobert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119067277.html [16.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1799–1875), Major, 1834-43 bad. Geschäftsträger in R. u. Neapel, erwarb i. A. d. Ghzg. Leopold Antiken f. d. Karlsruher Kunstslgg. (s. L), S d. Carl Maximilian (1758–1809), Oberamtsverweser in Müllheim, 1804-07 Besitznahmekommissar, dann GR u. Rentkammerpräs. in Karlsruhe, u. d. Rosa Christine Steinmetz;
    M Wilhelmine (1819–43), T d. Oberamtmanns Schwarz in Crailsheim.

  • Leben

    Nach dem Besuch der höheren Bürgerschule in Baden-Baden studierte M. am Polytechnikum in Karlsruhe Baukunst und Ingenieurwesen. Seit 1863 arbeitete er bei dem Architekten Heinrich v. Ferstel an der Errichtung der Votivkirche in Wien. Von dieser Arbeit offenbar wenig befriedigt, trat M. 1864 als Kadett ins Geniekorps von Erzhzg. Maximilian (Kaiser Maximilian von Mexiko) ein und diente in Mexiko zuletzt als Hauptmann im 18. Infanteriebataillon. Nach der Kapitulation der kaisertreuen Truppen am 19.6.1867 bereiste er Mexiko und begann 1874, Stadtansichten, Gebäude und Indianer in Guerrero und Oaxaca zu photographieren. 1875 führte er Ausgrabungen in Tehuantepec durch; die dort von ihm gemachten Goldfunde befinden sich heute im Berliner Museum für Völkerkunde. Anschließend erforschte er die Maya-Ruinen beim Dorf Palenque in Chiapas. Ein längerer Europaaufenthalt 1878-84 brachte M. Anerkennung in Pariser Gelehrtenkreisen aufgrund seiner hochwertigen Photographien. In dortigen Fachblättern erschienen seine ersten Forschungsberichte. In Deutschland erkannte Richard Andree die Bedeutung von M.s Arbeiten und veröffentlichte ausführliche, gut illustrierte Forschungsberichte in „Globus“. Seit 1887 setzte M. seine Forschungsreisen zuerst in Yucatán, später in den südlich angrenzenden mexikan. und guatemaltek. Urwaldprovinzen fort. Zeitweilig arbeitete er dabei im Auftrag des Peabody Museum of American Archaeology and Ethnology der Harvard University, das die Ergebnisse in seinen „Memoirs“ veröffentlichte. Ein Zerwürfnis mit dem Museum wegen anderweitiger Arbeiten von Edward H. Thompson, die M. wohl zurecht als Plünderungen und unsorgfältige Forschungen ansah, beendete die Zusammenarbeit und markiert zugleich das Ende von M.s Feldforschung, die mit der Erforschung des bedeutenden, heute völlig geplünderten Ruinenortes Naranjo 1905 abschloß. Verarmt und von nordamerikan. Kollegen gemieden, lebte M. fortan nur noch vom Verkauf seiner Photographien.

    M.s archäologische Arbeiten zeichnen sich durch den hohen technischen Stand seiner Photographien und durch maßgenaue Bauaufnahmen (Aufrisse, Grundrisse) aus. In der|Beschränkung auf nicht zerstörende Dokumentation bewährte M. sich als verantwortungsvoller und seiner Zeit weit vorausblikkender Forscher. Von bleibender Wirkung für die amerikan. Archäologie ist seine umfangreiche Dokumentation der Gebäude und Skulpturen von etwa 100 Ruinenorten des südlichen Mexiko und Guatemalas. Schon zu seinen Lebzeiten hat sich dies fruchtbar ausgewirkt, indem er zahlreichen Forschern Bildvorlagen für ihre Veröffentlichungen zur Verfügung stellte. Diese Nutzung von M.s Dokumentation für wissenschaftliche Zwecke ist noch heute ungebrochen, da inzwischen die meisten Gebäude und Skulpturen, die er aufgenommen hat, in schlechterem Erhaltungszustand sind. Auch durch die photographischen Aufnahmen von heute teilweise verschollenen schriftlichen kolonialzeitlichen Dokumenten, den sogenannten yukatek. Büchern des Chilam Balam, leistete M. Pionierarbeit zu einer Zeit, als die photographische Dokumentation von Handschriften noch keineswegs üblich war. Die Veröffentlichung und wissenschaftliche Auswertung seines Nachlasses ist noch nicht abgeschlossen. Sie wird vor allem vom Peabody Museum der Harvard University in Cambridge, Mass., USA, der Universität Yucatán in Mérida, México, und dem Iberoamerikan. Institut Preuß. Kulturbesitz in Berlin durchgeführt.

  • Werke

    Découverte d'un tombeau royal zapotèque à Tehuantepec en 1875, in: La Nature 7, 1879, S. 22-24;
    Yukatek. Forschungen, in: Globus 35, 1879, Nr. 3, S. 41-43, 68, 1895, Nr. 16, S. 247-59, Nr. 18, S. 277-92, 81, 1902, Nr. 1, S. 14-15, 82, 1902, Nr. 13/14, S. 197-230;
    Researches and Explorations in the Usumatsintla Region and the Department of Peten in Mexico and Guatemala, in: Memoirs of the Peabody Museum of American Archaeology and Ethnology, Harvard University, Bd. 2, 1901, Nr. 1, 1903, Nr. 2, Bd. 4, 1908-10, 1, 2, 3, Bd. 5, 1911, Nr. 1;
    Bauten der Maya, 1971 (P). - Nachlaß unter anderem in: Peabody Museum of Archaeology and Ethnology, Harvard University, Cambridge, Mass.;
    Iberoamerikan. Inst., Preuß. Kulturbes. in Berlin (West), vgl. dazu: mexicon 2, 1981, S. 91-93.

  • Literatur

    R. Andree, in: Globus 68, 1895, Nr. 16, S. 245-47 (P);
    J. L. Capitan, in: Journal de la Société des Américanistes de Paris, NS, 11, 1919, S. 636 f.;
    W. Pferdekamp, Auf Humboldts Spuren, 1958, S. 205-10;
    G. Kutscher, in: T. M., „Bauten d. Maya“, 1971, S. 9-19 (W-Verz., P);
    C. A. Echánove Trujillo, Dos héroes de la arqueología maya: Frédéric de Waldeck y T. M., 1974 (W-Verz., P). - Zu V Friedrich: A. v. Schneider, in: ZGORh NF 61, 1952, S. 692-714 (P).

  • Portraits

    Steinbüste (Museo Arqueológico in Mérida de Yucatán, Palacio Contón).

  • Autor/in

    Berthold Riese
  • Empfohlene Zitierweise

    Riese, Berthold, "Maler, Teobert" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 726-727 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119067277.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA