Lebensdaten
1872 – 1940
Geburtsort
Bern
Sterbeort
Genf
Beruf/Funktion
Bauingenieur
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118730266 | OGND | VIAF: 35251528
Namensvarianten
  • Maillart, Robert

Quellen(nachweise)

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Maillart, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118730266.html [19.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. kam 1852 aus Belgien in d. Schweiz;
    V Edmond (1834–74), Bankier in B., S d. Hector (1803–65), Domäneneinnehmer in Fauquemont (Limburg), u. d. Petronille Schirmer;
    M Berta (1842–1932), T d. Rittmeisters Joh. Ferdinand Küpfer (1812–82) in B. u. d. Rosette verw. Bachmann geb. Frank;
    B Alfred (1869–1941), Dozent d. Zahnmedizin an d. Univ. Bern;
    Vt Hector Adolphe (1866–1932), Dr. med., Promotor d. Volkssanatoriums f. Genf in Clairemont-sur-Sierre, verantwortl. Sanitätsoffz. f. d. in d. Schweiz internierten Kriegsgefangenen 1916–18, dann Präs. e. franz.-dt. Komm. f. d. Mil. Pensionen v. Elsaß-Lothringen (s. L);
    - 1901 Maria (1872–1916), T d. Benedetto Ronconi aus Vicenza (Italien) u. d. Adelaide del Santo;
    2 S, 1 T.

  • Biographie

    M. begann 1890 sein Studium an der ETH Zürich, das er 1894 mit dem Diplom als Bauingenieur abschloß. Seine Fachausbildung wurde insbesondere durch Wilhelm Ritter beeinflußt. 1894-96 arbeitete er in der Berner Firma Pümpin & Herzog, 1897-99 im Tiefbauamt der Stadt Zürich und 1899-1901 in der Ingenieur- und Bauunternehmung Froté & Westermann, die auf Eisenbetonbauten spezialisiert war. In dieser Firma projektierte er 1901 die erste mit Kastenquerschnitt ausgeführte Bogenbrücke über den Inn bei Zuoz. Anfang 1902 gründete M. unter dem Namen Maillart & Cie mit Max v. Müller und Adolf Zarn eine eigene Firma in Zürich, mit der er bis zum 1. Weltkrieg Pionierbauwerke in Eisenbeton plante und ausführte. Noch im selben Jahr erbaute er für das Gaswerk der Stadt St. Gallen den weltweit größten Wasserbehälter in Eisenbeton, für den er die erste einwandfreie Schalenberechnung für Eisenbetonkonstruktionen durchführte. 1905 wurde die von ihm projektierte Brücke über den Rhein bei Tavanasa (Kt. Graubünden) ausgeführt, ein Dreigelenkbogen, der erstmals die typische Form mit sichelförmigen Bogenscheiben aufwies (1927 durch Felssturz zerstört). Nach umfangreichen Versuchen an Eisenbetonmodellen ließ M. 1908 seine neuartigen Pilzdeckenkonstruktionen patentieren, und 1910 übernahm er die Projektierung und Ausführung des ersten Pilzdeckengebäudes, eines vierstöckigen Lagerhauses in Zürich. In der Folge erstellte er nach eigenen Plänen in der Schweiz über 100 verschiedenartige Eisenbetonbauwerke. Inzwischen hatte er seine Tätigkeit auch nach Spanien, Frankreich, Ägypten und Rußland ausgedehnt, wo er große Industriebauten ausführte. Einen Lehrauftrag an der ETH Zürich im Fach Eisenbetonbau, der ihm 1911 erteilt worden war, konnte er deshalb nicht regelmäßig wahrnehmen. 1914 wurde er in Rußland vom Kriegsausbruch überrascht, blieb wegen seiner Arbeit und der Erkrankung seiner Frau im Lande und konnte erst 1919 völlig mittellos in die Schweiz zurückkehren. Er nahm seine Tätigkeit im Ingenieurbüro Maillart & Cie wieder auf, das er 1920 nach Genf verlegte und 1924 um Filialen in Bern und Zürich vergrößerte. Von 1920 bis zu seinem Tode (1940) entwarf er in diesem Büro über 200 Bauten.

    Besondere Bedeutung erlangte M. als Brückenbauer. Insgesamt projektierte er 47 Brücken, von denen 44 noch heute (1985) in Betrieb stehen. Die meisten seiner außergewöhnlichen Brückenkonstruktionen gelangten aufgrund von Wettbewerben wegen ihrer besonderen Wirtschaftlichkeit zur Ausführung. M. bevorzugte Tragsysteme wie Stabbogen und Dreigelenkbogen mit aufgelöstem Querschnitt. Diese ließen sich mit außerordentlich leichten und wirtschaftlichen Lehrgerüsten ausführen. M. besaß einen genialen Sinn für die Synthese von Brückengeometrie, Form und Konstruktion. Er verstand es meisterhaft, Schiefe oder Krümmung der Brücke zwanglos und formal überzeugend in das an sich nur für gerade Brücken geeignete Bogentragwerk zu integrieren. 1923 entwarf M. die erste Stabbogenbrücke in Eisenbeton über den Flienglibach im Wäggital (Kt. Schwyz), und dasselbe Tragsystem verwendete er auch für die Val-Tschiel-Brücke (1925) bei Donath (Kt. Graubünden), die Eisenbahnbrücke über die Landquart (1930) bei Klosters (Kt. Graubünden), die im Grundriß stark gekrümmte Schwandbachbrücke (1933) bei Hinterfultigen (Kt. Bern) sowie eine Fußgängerbrücke über die Töss (1934) bei Winterthur. Im Stil der Tavanasabrücke – als Dreigelenkbogen – projektierte M. die Salginatobelbrücke (1930) bei Schiers (Kt. Graubünden),|die Thurbrücke (1933) bei Felsenegg (Kt. St. Gallen), die Vessybrücke (1936) über die Arve bei Genf und die schiefe Straßenüberführung (1940) über die Bahn bei Lachen (Kt. Schwyz).

    M. entwickelte auch zahlreiche neue Tragwerksformen für Hochbauten, u. a. für eine Filteranlage (1912) in Goldach (Kt. St. Gallen), eine Rahmenschedhalle (1925) bei Chiasso (Kt. Tessin), einen Aquädukt (1925) bei Châtelard (Kt. Wallis) und die Zementhalle der Landesausstellung in Zürich (1939). 1921-24 publizierte er eine Reihe von Forschungsarbeiten über Statik, Tragfähigkeit von Eisenbeton, Druckstollen und Gebirgsdruck. Mit seiner Studie über den Schubmittelpunkt leistete er einen wichtigen Beitrag zur Theorie der Verdrehung von Profilstäben.

    An fast allen größeren Brücken M.s wurden Belastungsversuche durchgeführt, die seine einfachen und eleganten Berechnungen durchwegs bestätigten. Mit seinen außergewöhnlichen und originellen Brücken und Hochbauten gehört M. zu den größten Konstrukteuren und Künstlern im Eisenbetonbau. Das Museum of Modern Art in New York zeigte 1947 eine Ausstellung seiner Werke, die erste Einzelausstellung, die dieses Museum einem Ingenieur widmete.|

  • Auszeichnungen

    Honorary Member d. Royal Inst. of Brit. Architects, London;
    Ehrenmitgl. d. Schweizer Ingenieur- u. Architekten-Ver.

  • Werke

    u. a. Die Sicherheit d. Eisenbetonbauten, in: Schweizer Bauztg. 53, 1909, Nr. 9, S. 119 f.;
    Zur Frage d. Biegung, ebd. 77, 1921, Nr. 18, S. 195-97;
    Über Gebirgsdrudk, ebd. 81, 1923, Nr. 14, S. 168-71;
    Der Schubmittelpunkt, ebd. 83, 1924, Nr. 10, S. 109-11;
    Zur Entwicklung d. unterzugslosen Decke in d. Schweiz u. Amerika, ebd. 87, 1926, Nr. 21, S. 263-65;
    Gekrümmte Eisenbeton-Bogenbrücken, ebd. 103, 1934, Nr. 11, S. 132 f.;
    Aktuelle Fragen d. Eisenbetonbaues, ebd. 111, 1938, Nr. 1, S. 1-5;
    De la construction de galeries sous pression intérieure, in: Bull. technique de la Suisse romande 48, 1922, S. 256-60, 271-74, 290-93, 49, 1923, S. 41-45, 53-58;
    Leichte Eisenbeton-Brücken in d. Schweiz, in: Der Bauing. 12, 1931, Nr. 10, S. 165-71;
    La construction des ponts en béton armé, envisagée au point de vue esthétique, in: Le Génie civil 106, 1935, Nr. 11, S. 282. |

  • Nachlass

    Nachlaß: ETH-Bibl. Zürich.

  • Literatur

    M. Ros, Versuche u. Erfahrungen an ausgeführten Eisenbeton-Bauwerken in d. Schweiz (EMPABer. Nr. 99), = Beil. z. XXVI. J.ber. d. Ver. schweizer. Zement-, Kalk- u. Gipsfabrikanten, 1937;
    S. Giedion, Space, Time and Architecture, 1941, ⁵1967;
    M. Bill, R. M., 1949, ³1969;
    ders., in: Künstler-Lex. d. Schweiz II, 1967 (W, L);
    F. Zago, in: L'Industria Italiana del Cemento 42, 1972, Nr. 12, S. 885-914 (P);
    D. P. Billington, R. Mark, J. F. Abel (Hrsg.), Maillart Papers, 1973;
    D. P. Billington, R. M.s Bridges: the Art of Engineering, 1979;
    ders., in: Schweizer Pioniere d. Wirtsch. u. Technik 41, 1985, S. 129-50 (W, L, P);
    Neue Zürcher Ztg. v. 8.2.1972 (P). - Zu Vt Hector Adolphe: Documents pour servir à l'hist. de l'Univ. de Genève V, 1909;
    Revue médicale de la Suisse romande 53, 1933;
    HBLS.

  • Autor/in

    David P. Billington
  • Zitierweise

    Billington, David P., "Maillart, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 707-708 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118730266.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA