Lebensdaten
1771 bis 1826
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Dichter ; Redakteur ; Zeitungsverleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11941077X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mahlmann, Siegfried August
  • Mahlmann, August
  • Mahlmann, Siegfried August
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Zitierweise

Mahlmann, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11941077X.html [15.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Siegfried Martin (1705–80), aus angesehener Handwerkerfam. in Aschersleben, seit 1734 Kaufm. (Tuchsorten, Rauch- u. Schnupftabak) in L.;
    M Wilhelmine Augusta (1746–82), T d. Pfarrers Gottheit Müller (1711–58) in Wuzen;
    1) 1801 Ernestine Mayer (1779–1805), 2) 1807 Johanne Christiane Ertell (* 1773); Schwäger d. 1. Ehefrau Karl Spazier (1761–1805), Schriftsteller u. Komponist, Jean Paul ( 1825), Dichter (s. NDB X); 1. Ehe kinderlos, 2 S (früh †), 2 T aus 2).

  • Leben

    M. erhielt Unterricht von Hauslehrern. Nach dem Tod der Eltern kam er 1782 mit seinen Geschwistern vorübergehend in das Haus des Vormunds Krumbhaar, im Sommer desselben Jahres wurde er in eine Privatschule nach Borna gegeben. Rektor Korbinski führte diese Anstalt pietistisch, allerdings nach freiheitlichen philanthropischen Ideen. 1785 trat M. in die Fürstenschule in Grimma ein. In dieser Zeit legte Krumbhaar die Vormundschaft nieder, die der Buchhändler und Verleger Zacharias Remigius Fritsche übernahm. M. erreichte 1789 die vorzeitige Entlassung aus der schulischen Anstalt aus gesundheitlichen Gründen, immatrikulierte sich im folgenden Jahr als Student der Rechtswissenschaft an der Univ. Leipzig und wohnte wieder im Haus seiner Eltern. Sein Studium interessierte ihn wenig, und als ihm durch Vermittlung von Christian Felix Weiße, in dessen Haus er verkehrte, die Stelle als Hofmeister eines livländ. Edelmannes angeboten wurde, brach er das Studium ab, ging 1792 nach Riga und begleitete seinen nur wenig jüngeren Zögling seit 1794 an die Universitäten Leipzig, Göttingen und wahrscheinlich auch Halle. Während eines Aufenthaltes in Berlin (1796/97) wurde er an dessen Seite in die höheren Kreise eingeführt und lernte dort seine spätere Frau kennen. Weitere Reisen führten ihn durch Deutschland, nach Stockholm und St. Petersburg. Aus unbekannten Gründen wurde er aus Rußland ausgewiesen; 1798 kehrte er nach Leipzig zurück. Hier ließ er sich auf geschäftliche Unternehmungen ein, die ihm schwere finanzielle Verluste brachten: 1799 beteiligte er sich mit 10 000 Talern an der Georg Voß'schen Buchhandlung und kaufte 1802 mit dem Verleger Salomon Linke die Junius'sche Buchhandlung. Erst die Übernahme der Redaktion der „Zeitung für die elegante Welt“ 1805 mit einem jährlichen Gehalt von 1500 Talern, die M. die ersten Jahre allein, 1810-16 dann gemeinschaftlich mit Methusalem Müller führte, stellte ihn finanziell einigermaßen sicher; die 1810 übernommene Pacht der „Leipziger Zeitung“ brachte ihn zu Wohlstand. M. führte diese einzige täglich erscheinende politische Zeitung Sachsens mit Geschick, aber auch unter Vermeidung jeglichen Risikos durch extrem schwierige und politisch wechselhafte Zeiten, in denen sie nacheinander unter sächs., franz., russ., preuß. und schließlich wieder sächs. Kontrolle und Zensur stand. 1813 wurde er von den Franzosen trotz seiner vorsichtigen Berichterstattung wegen einer vom Zensor genehmigten, aber angeblich preußenfreundlichen Annonce eingekerkert; nach der Völkerschlacht mußte er vor schwed. Nachstellungen fliehen. Dank der umfangreichen Privilegierung der „Leipziger Zeitung“ wurden dadurch jedoch seine Einkünfte nicht geschmälert, so daß er 1814 das Rittergut Ober- und Unter-Nitzschka, 1815 das sog. Brandvorwerk bei Leipzig kaufen konnte. Sein Gut bewirtschaftete M. selbst. Er trat in die Leipziger Oeconomische Societät ein, deren Vorsitzender er 1821 wurde.

    Seine journalistische Tätigkeit brachte ihn in Kontakt mit vielen Autoren der Zeit. Besonders eng war sein Verhältnis zu W. G. Becker, in dessen „Taschenbuch zum geselligen Vergnügen“ und den „Erholungen“ seit 1796 seine ersten literarischen Versuche erschienen, sodann zu Matthisson, Laun, Friedrich Kind und Böttiger. Er verkehrte mit Friedrich Schlegel, verehrte Ludwig Tieck und öffnete die „Zeitung für die elegante Welt“ der romantischen Schule, ohne aber selbst zu einem ihrer Anhänger zu werden. Vielmehr beendete seine redaktionelle Tätigkeit seine freie literarische Produktion, wobei wohl nicht nur zeitliche Gründe, sondern auch die unsicheren Zensurverhältnisse eine Rolle spielten. 1801 erschien anonym sein erstes Lustspiel in Knittelversen, „Der Hausbau“ (21806); 1803 folgte „Herodes vor Bethlehem, oder der triumphirende Viertelsmeister. Ein Schau-Trauer- und Thränenspiel in drey Aufzügen. Als Pendant zu den vielbeweinten Hussiten vor Naumburg“ Kotzebues (1803, 51837). Diese parodistische Satire auf eine der beliebtesten zeitgenössischen dramatischen Gattungen machte M. in ganz Deutschland bekannt. Ihr folgte das satirisch-humoristische „Marionettentheater oder Sammlung lustiger und kurzweiliger Actionen für große und kleine Puppen“ (1806).

    M.s Lyrik wirkt dagegen konventionell; sie ist von der zeittypischen Religiosität geprägt, aber mit einem sicheren Empfinden für Rhythmik und Melodik geschrieben. Mehrere Gedichte wurden populär und von Johann Friedrich Reichardt, Johann Nepomuk Hummel, Johann Gottlieb Naumann u. a. vielfach vertont; daneben schrieb M. Gelegenheitsgedichte zu politischen Ereignissen. Seine Prosaerzählungen verfolgten didaktische Ziele, die anhand bekannter Motive und Erzählformen entwickelt wurden.

    1817 lief die Pacht der „Leipziger Zeitung“ aus. Als Privatier kümmerte M. sich noch um das Leipziger Theater, an dessen Errichtung (1817) er beteiligt war, wirkte in der Freimaurerloge „Minerva zu den drei Palmen“, in die er 1796 eingetreten war, und erprobte auf seinem Gut neue Anbaumethoden.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Dt. Ges.; Ehrenmitgl. d. Naturforschenden Ges.; Meister v. Stuhl d. Loge „Minerva“ (alle Leipzig); sachsen-gotha. u. kgl. Sächs. Hofrat (1806 bzw. 1810); russ. Wladimir-Orden (1813).

  • Werke

    Weitere W Gedichte, 1825, 21835, u. d. T. Gesammelte Gedichte, 31834, 41847, 51863;
    Liederbuch f. d. Minerva zu d. 3 Palmen in Leipzig, 1822. -
    „Narrheit u. Vernunft“ od. „Jedem das Seine“, Ein moral. Kinderbuch, 1802, 21819;
    Albano d. Lautenspieler, Roman, 2 Bde., 1802;
    Die Lazzaroni, Roman, 1803;
    Erzählungen u. Märchen, 2 Bde., 1802, 21812. -
    Die Maske, Ein Journal, 1803, u. d. T. Hanswurst u. seine Fam., Lustspiel in 4 Akten, 1806;
    Neue Originallustspiele, 1806, 21810;
    Der Geburtstag, Lustspiel in 3 Aufzügen, 1810, 21815;
    Sämmtl. Schrr., 8 Bde., 1839-40, 21859. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Dresden, Landesbibl. (Briefe an C. A. Böttiger).

  • Literatur

    ADB 20;
    H. Fratz, Stud. u. Materialien zu S. A. M.s Lyrik, Diss. Greifswald 1913;
    E. B. Richter, S. A. M., e. sächs. Publizist am Anfang d. 19. Jh., Diss. Leipzig 1934;
    Goedeke V, XI, 1;
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Autor/in

    Reinhart Meyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Meyer, Reinhart, "Mahlmann, August" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 690 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11941077X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mahlmann, Siegfried August M., Dichter, geb. zu Leipzig (laut Taufbuchs der Nikolaikirche Bl. 726, nach dessen Zeugniß er die Namen Gottfried August, nicht Siegfried August erhalten hätte) am 18. Mai (nicht März) 1771, daselbst am 16. Decbr. 1826, war ein Sohn des Kramers Siegsried Martin M., der aus einer angesehenen Ascherslebener Familie stammte, aber schon in jungen Jahren, um den Nachstellungen preußischer Werber zu entgehen, nach Leipzig übergesiedelt war. M. wurde seinem Vater in einer zweiten Ehe, welche dieser noch in höherem Lebensalter mit Wilhelmine Auguste Müller, einer Tochter des Diaconus M. Müller in Wurzen, eingegangen war, geboren. Er wurde zu Borna in der Privatlehranstalt des Rectors Korbinsky, später in der Fürstenschule zu Grimma, deren Schüler er in der Zeit vom 30. Novbr. 1785 bis 26. August 1789 war, unterrichtet und bezog im letztgenannten Jahre die Universität Leipzig, um sich dem Studium der Rechte zu widmen, was er, wie er später in einem Briefe an Böttiger äußerte, „leider nicht blos obenhin“ that, sondern so, daß er „viele Zeit mit dieser elenden Wissenschaft verlor“. Im J. 1792 übernahm er in Livland die Stelle eines Hofmeisters bei dem Sohne eines Herrn von Zimmermann, dem er Unterricht in Sprachen und Mathematik ertheilte und mit welchem er später, an dessen Studium der Jurisprudenz und Cameralwissenschaften theilnehmend, die Universitäten zu Leipzig und Göttingen besuchte, alsdann den Winter von 1796 auf 1797 in Berlin verbrachte und endlich eine Reise durch Deutschland, Dänemark und Schweden nach Petersburg ausführte. Kaiser Paul trieb ihn aus Rußland. 1798 nach Leipzig zurückgekehrt, kaufte M. hier 1802 die Juniusische Buchhandlung, gab dieselbe jedoch schon im Januar 1896 nach beträchtlichen Geldverlusten wieder auf. Ursprünglich in der Absicht, der Wittwe und den Kindern Spaziers, des mit ihm verschwägerten Begründers der Zeitschrift, eine Einnahme zu sichern, leitete er in den Jahren 1805—1810 allein, 1810—1816 gemeinschaftlich mit Methusalem Müller die Herausgabe der „Zeitung für die elegante Welt“. In der Zeit von 1810 bis 1818 war er Pachtinhaber und Redacteur der „Leipziger Zeitung“, in welcher Stellung er in Folge der politischen Ereignisse große Schwierigkeiten und selbst Gefahren zu bestehen hatte, aber auch reichen Geschäftsgewinn erzielte. Er konnte 1814 das Rittergut Ober- und Unter-Nitzschka, im folgenden Jahre das sogenannte Brandvorwerk bei Leipzig kaufen und sich während seiner letzten Lebenszeit ganz seinen Lieblingsbeschäftigungen hingeben. Unter diesen nahmen Studien aus den Fächern der Naturkunde, Physik, Chemie und Astronomie die oberste Stelle ein, was es erklärlich macht, daß ihn die Leipziger Oekonomische Societät 1821 an ihre Spitze berief. Im J. 1810 war ihm vom Könige von Sachsen, schon 1806 vom Herzoge von Sachsen-Gotha der Hofrathstitel verliehen worden. Nach dem Tode seiner ersten Frau, einer Schwägerin Spazier's und Jean Pauls, hatte er sich 1807 mit einer Tochter des Kaufmanns Erttel in Leipzig vermählt. — Mahlmann's lyrische Poesien, ausgezeichnet durch echten dichterischen Schwung und eine edle formgewandte Sprache, gleich fähig den Empfindungen religiöser Weihe, wie der Stimmung frischer Lebensfreude innigen und beredten Ausdruck zu geben, fanden im Publicum die entgegenkommendste Aufnahme. Wie er selbst die Genugthuung erlebte, 1813 als Verhafteter an den Wänden seines Erfurter Gefängnisses, in welchem vor ihm Gefangene von Lützow's Corps gelegen hatten, Lieder von sich angeschrieben zu finden, so können noch jetzt mehrere seiner Lieder den beliebtesten Gesängen auch der heutigen deutschen Jugend beigezählt werden. Am meisten machte er sich jedoch durch das Stück „Herodes vor Bethlehem, oder der triumphirende Viertelsmeister“ (1803) bekannt, eine Parodie der Kotzebueschen „Hussiten vor|Naumburg“, in welcher er dieses Schauspiel und seine thränenseligen Bewunderer mit Witz und Humor verspottete und dadurch auf die Verbesserung des herrschenden Zeitgeschmacks erfolgreich einwirkte. Gesammtausgaben seiner Schriften erschienen 1839 und 1859. Das von ihm bereits im Jahre 1801 herausgegebene Lustspiel „Der Hausbau“ erschien ohne seinen Namen; unter dem Namen „Julius Heiter“ veröffentlichte er „Narrheit und Vernunft. Jedem das Seine. Ein moralisches Bilderbuch für alte Kinder, frei aus dem Französischen übersetzt“ (1802). Als Mitglied der Loge Minerva zu den drei Palmen in Leipzig, der er 1796 beigetreten war und von 1813 bis zu seinem Tode als Meister vom Stuhl vorstand, gab er heraus „Liederbuch der Loge Minerva“ (1822). Mehrere seiner in der Loge gehaltenen Reden finden sich im Jahrgang 1859 der Freimaurerzeitung.

    • Literatur

      Mahlmann's Briefe an Böttiger in der k. öffentl. Bibliothek zu Dresden.
      Joh. Friedr. Köhler in der Handschrift L. 446 derselben Bibliothek (Nr. 1008).
      Meusel, G. T.
      Zeitung für die elegante Welt, 1827, Nr. 3, 4. Januar, Sp. 17 ff.
      Neuer Nekrolog 1826, S. 724 ff.
      Mahlmann's sämmtliche Schriften nebst Mahlmann's Biographie. Bd. 1, Leipzig 1839, S. V ff.
      C. D. v. Witzleben, Geschichte der Leipziger Zeitung, Leipzig 1860, S. 82 ff. 192.
      Briefe an Ludwig Tieck, herausgegeben von K. v. Holtei, Bd. 2, Breslau 1864, S. 285—289.
      Allgemeines Handbuch der Freimaurerei, Bd. 2, Leipzig 1865, S. 269.

  • Autor/in

    Schnorr von Carolsfeld.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnorr von Carolsfeld, Franz, "Mahlmann, August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 97-98 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11941077X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA