Lebensdaten
1768 bis 1838
Sterbeort
auf See vor Philadelphia
Beruf/Funktion
Musikinstrumentenbauer ; Mechaniker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118939874 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Melzl, Johann Nepomuk
  • Mälzel, Johann Nepomuk
  • Melzl, Johann Nepomuk

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Zitierweise

Mälzel, Johann Nepomuk, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118939874.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Nep. Melzl (1741–97), Mechaniker u. Orgelmacher in R., S d. Glasers Peter in Stadtamhof u. d. Katharina N. N.;
    M Katharina (174|-1824), T d. Bierbrauers Leonhard Förstl in Strahlfeld u. d. Katharina N. N.;
    B Leonhard (1783–1855), Mechaniker (s. Wurzbach 16).

  • Leben

    Von seinem Vater wurde M. im Klavierspiel unterrichtet und zum Musikinstrumentenbauer ausgebildet. 1792 ging er nach Wien, wo er bis 1814 blieb; die folgenden Jahre verbrachte er in Paris und London, seit 1826 lebte er in Nordamerika. Der erste große Erfolg M.s war das von ihm konstruierte Panharmonikon, eine Automatenorgel (das letzte erhaltene Exemplar verbrannte 1945 in Stuttgart). Während des Wiener Kongresses war M. Unterhaltungsunternehmer und führte z. B. Haydns Jahreszeiten mit Regen, Hagel, Schnee und sogar einer Lawine auf. Seine Freundschaft mit Beethoven und sein Drängen, von diesem eine Schlachtensymphonie für seine Automatenorgel zu bekommen, führten zur ersten stereophonischen Komposition für zwei Automaten, „Wellingtons Sieg“ (op. 91), die allerdings niemals von Automaten ausgeführt, sondern von Beethoven später für zwei Orchester umgeschrieben wurde. Die Uraufführung fand bei einem von M. organisierten Benefizkonzert für die Gefallenen der Schlacht von Hanau am 8.12.1813 im Festsaal der (alten) Wiener Universität statt, im Anschluß an Beethovens 7. Symphonie und zwei Märsche von Dussek und Pleyel, die von M.s Trompeterautomaten geblasen wurden. Eine Reihe von Aufführungen folgten, z. B. am 27.2.1814, zusammen mit der Uraufführung von Beethovens 8. Symphonie. Konzept und zitierte Musik der Schlachtensymphonie wurden von M. vorbereitet; er verhalf Beethoven in diesen Monaten zum größten Erfolg in Wien zu dessen Lebzeiten. Das Unternehmen führte, nicht ohne Schuld Beethovens, zu Auseinandersetzungen zwischen beiden, die jedoch am Ende des Jahres 1817 beigelegt wurden. M. hat mehrere Hörrohre für Beethoven gebaut, die bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufbewahrt werden.

    Die Idee des Metronoms, als eines Pendels mit zwei Gewichten, stammt von Diederich Nikolaus Winkel (1777–1826), einem in Amsterdam wirkenden Orgelmechaniker aus Lippstadt in Westfalen, der 1815 in Amsterdam M. seine Konstruktion zeigte und ihn um Unterstützung bat. M., der selbst schon seit Jahren an einem Taktgeber gearbeitet hatte, erkannte den Wert dieser Idee, meldete in London und Paris, später auch in Wien, Patente an und produzierte Metronome, ohne Winkel zu erwähnen. Eine Verhandlung vor der Akademie in Amsterdam, der Winkel seine Erfindung präsentiert hatte und die dessen Priorität bestätigte, änderte daran nichts. Auch in einer Zeit, in der Patente eher als Privilegien angesehen wurden, war dies ein inkorrektes Vorgehen. Dennoch überwog der schöpferische Anteil M.s: er hat den für den Erfolg sehr wichtigen Namen „Metronom“ erfunden und das Pendel mit einer 16teiligen logarithmischen Skala versehen, die es erst wirklich handhabbar machte. Die Hauptleistung M.s aber bestand in der Durchsetzung dieser Zahlenwerte als Norm, die er innerhalb weniger Jahre mit großem Geschick erreichte. M. verschenkte über 200 Metronome an führende Komponisten und Musiker.

    M. erfand außerdem ein Atemgerät für Feuerwehrleute in rauchgaserfüllten Räumen, das Kaiser Franz für die österr. Länder allgemein vorschrieb. Als 1804 der Konstrukteur des berühmten „Schachtürken“, W. von Kempelen, starb, kaufte M. dessen Sohn das Gerät ab und führte es 1809 in Wien Napoleon und seinem Gefolge vor. Eugène de Beauharnais kaufte M. den Scheinautomaten ab. 1817 erbat sich M. den Türken zurück und erhielt ihn gegen einen Einnahmeanteil geliehen. Von da an trat er damit als Schausteller auf. Ein Schachmeister war darin verborgen, und der Zaubertrick bestand vor allem im „Beweis“ am Beginn der Vorführung, daß der Kasten nur Mechanik enthielt. 1826 brachte M. den Schachtürken und seine anderen Automaten nach Amerika, wo er ebenso berühmt wurde wie in Europa; später erwarb er ein Haus in Philadelphia. Der Türke verbrannte 16 Jahre nach dem Tod M.s mit dem Chines. Pavillon, wo er abgestellt war.

    M. wird mitunter mit seinem Bruder Leonhard verwechselt, der ebenfalls Mechaniker und in Wien tätig war, auch Musikautomaten erfand – z. B. die „Orpheus Harmonie“, 1815 – und das Metronom unter einem kaiserl. Patent in Wien herstellte und vertrieb. Er soll während der Revolution von 1848 eine Schar von Revolutionären, die auf ihn losgehen wollten, durch das Abspielen eines Trompeter-Automaten vertrieben haben. Dieser war ein Nachbau, ebenso wie jener von J. G. Kaufmann (im Deutschen Museum in München), der bei M. in Wien zu einem Studienaufenthalt gewesen war.

  • Literatur

    ADB 20;
    Allg. Musikzs., Leipzig, 1813 ff.;
    E. A. Poe, M.s Chess Player, Essay, 1836;
    G. Haupt, M.s Briefe an Breitkopf & Härtel, in: Der Bär, Jb. v. Breitkopf & Härtel, 1917, S. 122-45;
    A. W. Thayer's Life of Beethoven (J. 1812-14 u. Appendix G), hrsg. v. E. Forbes, 1967;
    C. M. Carrol, Chess Automaton, 1975;
    Wurzbach 16;
    Pogg. III;
    MGG VIII;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Heinz Zemanek
  • Empfohlene Zitierweise

    Zemanek, Heinz, "Mälzel, Johann Nepomuk" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 634 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118939874.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mälzel: Johann Nepomuk M., Sohn eines Orgelbauers und Mechanikers in Regensburg, ist dortselbst am 15. August 1772 geboren. M. zeigte nicht nur für letztere Kunst schon in frühester Jugend großes Geschick und Talent, sondern auch hervorragende musikalische Begabung, so daß er im 14. Jahre bereits für einen der besten Clavierspieler seiner Vaterstadt galt. Sowohl durch sein Spiel als durch Clavierunterricht gründete er sich eine selbständige Existenz (1788—1792); die Liebhaberei für Mechanik und sein Erfindungstalent ließen ihn jedoch bald der Tonkunst den Rücken kehren und das Musikzimmer mit der Werkstätte vertauschen. Im Jahre 1792 ging er, um sich in der Mechanik noch weiter auszubilden nach Wien, später nach London und Paris. In ersterer Stadt erfand er (1800) das sogenannte Panharmonikon, ein Instrument, welches wie die Spieluhren durch einen inneren Mechanismus (Blasebalg und Walzen) zum Erklingen gebracht wird. Dasselbe vereinigte ein ganzes Orchester mit Pauken und Trompeten in sich und war 8 Fuß lang, 5 Fuß breit und 10 Fuß hoch. Im Jahr 1808 entstand ein neues vielfach verbessertes ähnliches Instrument, welches er an eine Gesellschaft in Boston um 400 000 Dollars verkaufte, nachdem er das erstere in Paris für 60 000 Franken angebracht hatte. Die Erfindung seines berühmt gewordenen Trompeter-Automaten verschaffte ihm vom Kaiser von Oesterreich den Titel eines Hofkammermaschinisten. In seiner in Stein's Pianofortefabrik am Glacis zwischen der Karlskirche und dem Gasthause zum „Mondschein“ gelegenen Werkstätte war es, wo er die häufigen Besuche Beethoven's erhielt. Er versuchte für letzteren ein Hörrohr zu construiren und fertigte deren vier an, von welchen der Meister gelegentlich eins benützt haben soll. M. hatte auf seinen Reisen durch Deutschland, Frankreich und Italien, da seine gründlichen Kenntnisse in der Mechanik und Musik bekannt waren, von den angesehensten Componisten und Conservatorien die Aufforderung erhalten, sein Talent auch einmal an einer gemeinnützigen Erfindung zu erproben, und eine Art Maschine zu construiren, durch welche die Componisten in den Stand gesetzt würden, die Geschwindigkeit der Ausführung eines Musikstückes genau zu bestimmen. Die erste Idee zu einem solchen Instrument hatte schon ein im Jahre 1702 gestorbener Pariser Tonkünstler Namens François Loulié“ gehabt, und die Versuche Saveur's und Anderer ein solches Instrument zu construiren, fanden keine weitere Verbreitung. Erst im Jahre 1796 construirte der Cantor Stöckel zu Burg im Magdeburgischen einen Chronometer, welcher die ganzen und halben Takte durch den Schlag eines Hammers an einer Glocke wahrnehmbar machte. Das Ganze sah einer gewöhnlichen Pendeluhr ähnlich,|an deren Zifferblatt die Zahlen von 0—84 angebracht waren, auf welche der Zeiger gerückt werden konnte, um das verlangte Tempo anzugeben. M. ging nun an die Verbesserung dieses Stöckel'schen Taktmessers, welcher nicht nur zu groß und zu schwerfällig, sondern auch zu complicirt und zu kostspielig war, um eine weitere Verbreitung zu finden. Er kam jedoch zu keinem Resultat und reiste daher Anfangs 1812 nach Holland, um mit dem berühmten Mechaniker Winkler Rücksprache zu nehmen. Winkler fand sofort das entscheidende Moment, indem er den Mittelpunkt der Schwere mit Hülfe eines Bleigewichtes verrückte, welches der Länge des Pendels entlang geschoben wurde, um die Bewegung des letzteren zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Winkler machte von seiner Erfindung M. gegenüber kein Hehl. Letzterer gab nun aber diese Erfindung als seine eigene aus, obwohl er nur die Gradtafel hinzufügte, und machte glänzende Geschäfte. Winklern blieb jedoch die Handlungsweise Mälzel's nicht verborgen und er erhob für sich den Anspruch der Priorität, und als einige Jahre später M. sich wieder in Amsterdam aufhielt, verlangte Winkler die Niedersetzung einer Commission, welche die Sache untersuchen solle; das Resultat der genauen Prüfung war, daß M. schließlich Winkler die Priorität der Erfindung zugestehen mußte. M. reclamirte nur das Eigenthumsrecht über die Construction des Pendels, welches ihm auch von keiner Seite bestritten wurde. Anfangs der 30er Jahre versah er seine Metronome mit Glockenwerk zur Markirung der vollen Takttheile. Er erfand noch mehrere mechanische Kunstwerke, von welchen namentlich sein Seiltänzer-Automat großes Aufsehen erregte. Nach längerem Aufenthalt in Paris und London, woselbst er durch die Ausstellung seiner mechanischen Kunstwerke große Summen verdiente, die er in wüsten Gelagen wieder vergeudete, ging er 1826 nach Amerika, und starb im August 1838 auf einer Reise von La Guayra nach Philadelphia, ein bedeutendes Vermögen hinterlassend.

    • Literatur

      Wiener Vaterländ. Blätter vom 13. October 1813. Leipz. Allg. Mus. Ztg. II, 414. 657, 784. A. W. Thayer, L. van Beethoven's Leben. Deutsch von Deiters, 1866. Bd. III.

  • Autor/in

    Sittard.
  • Empfohlene Zitierweise

    Sittard, Josef, "Mälzel, Johann Nepomuk" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 157-158 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118939874.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA