Lebensdaten
1752 bis 1828
Geburtsort
Nennslingen bei Weißenburg (Mittelfranken)
Sterbeort
Sankt Polten (Niederösterreich)
Beruf/Funktion
österreichischer General ; Feldmarschalleutnant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116644109 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mack, Karl (bis 1791)
  • Leiberich, Karl Freiherr von (seit 1791)
  • Mack von Leiberich, Karl Freiherr (seit 1791)
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Zitierweise

Mack Freiherr von Leiberich, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116644109.html [19.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christoph M. (1722-95), Amtmann d. Frhrn. Schenk v. Geyern in N., S d. Kommissars Joh. Caspar in Crailsheim u. d. Maria Katharina N. N.;
    M Susanne Friedrike ( 1765), T d. Georg Simon Leiberich (1682–1754), Vogt in Leutershausen, Kastner in Windsbach u. Feuchtwangen, u. d. Sophie Juliane Knebel;
    Katharine Gabriel;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    Nach Besuch der Lateinschule in Weißenburg trat M. 1770 als Fourier (d. i. Schreiber) ins kaiserl. Karabinier-Rgt. Nr. 2 ein und wurde 1773 Offizier (Unterleutnant). Seinen schnellen Aufstieg verdankte er seinem Dienst als Sekretär des Feldmarschalls Moritz Gf. Lacy, mit dem er am Bayer. Erbfolgekrieg teilnahm, und seiner Funktion als Generalquartiermeister des Feldmarschalls Gf. Laudon im Türkenkrieg seit 1789. Für seine Verdienste bei der Eroberung Belgrads 1790 erhielt M. das Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens und wurde zum Oberstleutnant im Generalquartiermeisterstab befördert.

    Schon im Feldzug 1792 in den Niederlanden plante und leitete M. als Generaladjutant des Oberbefehlshabers der österr. Truppen, Prinz Josias von Coburg, erfolgreich die Offensive über die Roer. Er entwarf im folgenden Jahr die „Instrucktionspunkte für Generale“; in diesem gedruckten Reglement sind moderne Gedanken über das Funktionieren des Generalstabsdienstes enthalten. In seinen konkreten Planungen bevorzugte M. jedoch nach wie vor eher das Ziel, die Kontrolle über diverse strategische Punkte zu erlangen, und konzentrierte sich nicht, wie es von den Franzosen bald erfolgreich praktiziert wurde, auf eine rasche Zerschlagung der gegnerischen Streitmacht. Als M. sowohl 1794 als auch 1796 Generalquartiermeister der österr. Rheinarmee war, wirkten sich seine veralteten Schachzüge bereits ungünstig aus. 1796 zum Feldmarschalleutnant befördert, erhielt M. 1798 auf Betreiben der Engländer das Kommando über die neapolitan. Armee. Mit 38 000 Mann zog er in Rom ein, mußte sich jedoch nach einer vernichtenden Niederlage zu einem Waffenstillstand verstehen. Angesichts eines neapolitan. Aufstandes flüchtete M. sogar zu den Franzosen, wurde als Kriegsgefangener nach Paris gebracht, entzog sich aber 1800 dem Gewahrsam. Er blieb sodann, in Ungnade gefallen, bis 1804 auf seinem Gut in Böhmen.

    Als M. im November 1804 eine Denkschrift über einen Krieg an der Seite Rußlands einreichte, die bei Kaiser Franz Beachtung und Anklang fand, erschien er bald für die kriegswillige Fraktion der österr. Minister als der geeignete militärische Experte. Der Kaiser hörte schließlich mehr auf M. als auf seinen|Bruder Erzhzg. Carl, der seit 1801 als Kriegs- und Marineminister sowie Hofkriegsratspräsident höchst notwendige Armeereformen eingeleitet hatte. Doch obwohl sich die Armee erst in Reorganisation befand, war insbesonders der Hof- und Staatsvizekanzler Johann Ludwig Gf. Cobenzl bei den Bündnisverhandlungen gegenüber Rußland militärische Verpflichtungen eingegangen, deren Verwirklichung Erzhzg. Carl als unmöglich bezeichnete, für die Cobenzl jedoch in M. ein williges ausführendes Organ fand. Dieser überspielte durch nervöse Vielgeschäftigkeit und wortgewaltiges Auftreten den wesentlich fähigeren Erzherzog. Als Österreich mit England und Rußland die Dritte Koalition einging, rückten die Österreicher, gemäß den Plänen M.s, ohne die Verstärkung durch die Russen abzuwarten, am 8.9.1805 in Bayern ein. Durch den blitzschnell ausgeführten Rheinübergang Napoleons (25.-27.9.1805), der seine sieben Korps selbständig operieren ließ, gerieten die Österreicher bald ins Hintertreffen. Sie verfügten immer noch über eine veraltete „Regimentsarmee“, die M. noch im letzten Moment umorganisieren wollte. Abgesehen vom ital. Kriegsschauplatz, massierte M., der vom Kaiser außerordentliche Vollmachten gegenüber dem formellen Oberkommandanten Erzhzg. Ferdinand d'Este erhalten hatte, die Truppen zwischen Iller und Lech. Binnen zwölf Tagen waren diese bei Ulm in Einzelgefechten geschlagen und eingekreist. M. sträubte sich gegen jeden Ausbruchsversuch und kapitulierte mit 23 000 Mann am 20. Oktober. Für Napoleon war nun der Weg nach Wien frei. – M. wurde 1806 vor ein Kriegsgericht gestellt und zu acht Jahren Festungshaft verurteilt, die Kaiser Franz auf zwei Jahre milderte. Auf Bitten M.s setzte der Kaiser 1819 eine neuerliche Untersuchungskommission ein, auf deren Gutachten hin der General wieder seinen Rang erhielt.

  • Werke

    Instruktionspunkt f. ges. Herren Generals d. k. k. Armee u. andere Kommandanten kleinerer u. größerer detaschirten Korps, 1794;
    Verteidigung d. österr. Feldzuges v. 1805, 1806 (d. Vf.-schaft M.s zweifelhaft);
    Schriften-Nachlaß im Kriegsarchiv Wien.

  • Literatur

    ADB 20;
    G. v. Alten, Hdb. f. Heer u. Flotte VI;
    W. Frhr. v. Waldenfels, in: Ll. aus Franken IV, 1930, S. 276-83;
    O. Regele, K. Frhr. v. M. u. Joh. L. Gf. Cobenzl, Ihre Rolle im Kriegsj. 1805, in: Mitt. d. Österr. Staatsarchivs 21, 1968, S. 142-64;
    Ch. Duffy, Die Schlacht b. Austerlitz, Napoleons größter Sieg, 1977, S. 35 ff.;
    Wurzbach 16.

  • Autor/in

    Peter Broucek
  • Empfohlene Zitierweise

    Broucek, Peter, "Mack Freiherr von Leiberich, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 614 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116644109.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mack: Karl Freiherr M. von Leiberich, Ritter des Militär-Maria-Theresien-Ordens, Inhaber des k. k. Kürassierregiments Nr. 6, jetzt Dragoner Nr. 6, k. k. Feldmarschalllieutenant, geb. am 24. August 1752 zu Nenslingen in Baiern, am 22. October 1828 zu St. Pölten in Niederösterreich, war der Sohn eines Amtmanns und Lehnpropstes und wurde auf Wunsch des wissenschaftlich gebildeten und kriegserfahrenen Rittmeisters Leiberich, eines Oheims|Mack's mütterlicherseits, ausschließlich für den Militärberuf erzogen. 1770 begann M. unter Leiberich's sorgsam ernster Leitung seine militärische Laufbahn als Fourier in dem einer Elitetruppe gleich gehaltenen 2. Carabinierregimente Graf Althann, jetzt Dragonerregiment Nr. 1, rückte 1776 in die Lieutenants-, 1777 in die Oberlieutenantscharge vor und wurde als geistig befähigter, strebsamer, im Dienste erfahrener, im Schreibfache sowie im Situationszeichnen geschickter Offizier und guter Reiter, 1778 dem Divisionär, Feldmarschall-Lieutenant Josef Grafen Kinsky als Adjutant zugewiesen, an dessen Seite er an dem baierischen Erbfolgekriege Theil genommen. Bald hatte Mack's unermüdlicher Eifer und dessen mehrfache Verwendbarkeit die Aufmerksamkeit des Kaisers und Feldmarschalls Lacy auf sich gezogen, so daß letzterer nach dem Kriege M. zum persönlichen Dienste bei sich behielt. In dieser Stellung ergab sich M. eine für sein Alter außergewöhnliche lehrreiche Thätigkeit, und da er sich des ihm geschenkten Vertrauens in jeder Hinsicht würdig erwies, so genoß er auch die Ehre, der vorwiegendste Bearbeiter der vom Feldmarschall Lacy rücksichtlich der Armee gemachten Entwürfe und Vorschläge sein zu dürfen. Nicht minder befriedigend und hingebungsvoll war Mack's Verhalten, als er von 1783 an in der Charge eines Generalstabshauptmanns im geheimen Militärcabinet Studien und Voreinleitungen im Hinblick auf die Verhältnisse zur Türkei vorzunehmen hatte. Durch diese jahrelang andauernde, übermäßige Anspannung seiner geistigen Kräfte erlitt aber Mack's körperliches Wohlsein schon um jene Zeit die erste bedenkliche Erschütterung, welche in einem hochgradig nervösen Leiden zum Vorscheine kam. Dies hielt M. aber nicht ab bei Beginn des Türkenkrieges 1788 als Major und Flügeladjutant des Kaisers zur Armee zu eilen, wo er beim Feldmarschall Lacy Generalquartiermeisterdienste versah. In dieser Sphäre blieb M. auch bei den Nachfolgern Lacy's im Obercommando (Kinsky, Hadik, Loudon), jederzeit erfolgreich thätig sowol bei Ausarbeitung der Operationsanordnungen sowie im Kampfe selbst. Ganz besondere Anerkennung fanden des 1789 zum Oberstlieutenant beförderten Mack's Recognoscirung der feindlichen Stellung in Serbien, die Einleitungen für den Uebergang über die Save, sowie die zweckmäßig getroffenen Maßnahmen für die Erstürmung Belgrads und Mack's nachdrückliches Eingreifen bei Durchführung derselben am 30. September 1789. Loudon, dessen Gewogenheit sich M. erst durch letztere umsichtsvolle Leistung errungen hatte, empfahl selben zur Verleihung des ihm auch zuerkannten Ritterkreuzes des Militär-Maria-Theresien-Ordens. M. rückte noch 1789 zum Oberst vor, bereiste 1790 Mähren und Galizien behufs Wahl von Stellungen bei einem allenfallsigen Kriege mit Preußen, mußte aber hierauf einen längeren Urlaub antreten, um seine während des Türkenkrieges vollständig zerrütteten Gesundheitsverhältnisse einer geregelten Kur unterziehen zu können. Aus diesem Grunde lehnte er auch die ihm zugedachte Würde eines Generaladjutanten des Kaisers ab und bat dagegen um die Zuweisung eines Regimentscommandos. Er erhielt jenes des 3. Chevauxlegersregiments, jetzt Uhlanenregiment Nr. 8, welches er 1791 unmittelbar nach Beendigung der Vorträge übernahm, die er den Erzherzogen Karl und Josef über den letzten Türkentrieg zu halten hatte. Im Herbste 1792 wurde M., ungeachtet dessen, daß er auf sein noch nicht beseitigtes Kopfleiden und seine Hinfälligkeit wies, beim Feldmarschall Prinzen Coburg, dem Commandanten der Rheinarmee, die Stelle eines Generaladjutanten und Generalquartiermeisters anvertraut. Seine Aufgabe war eine sehr schwierige, da nächst dem keineswegs ausreichenden Auftreten der Allianzmächte auch die zur Verfügung gestandene Zahl k. k. Truppen eine ungenügende gewesen. Doch Mack's militärisches Verständniß, rastlose Vorsorge und zähe Selbständigkeit, welche ohne überzeugende Gründe nicht gebeugt werden konnte, ermöglichten die glänzenden|Resultate dieses Feldzugs: das überraschend durchgeführte Ueberschreiten der Roer, den Entsatz von Mastricht, die Schlacht von Neerwinden, die Erstürmung des Lagers von Famars. In Uebereinstimmung hiermit bezeichnen denn auch Prinz Coburg's Berichte wiederholt die Dispositionen Mack's als „trefflich“ und „höchst verdienstvoll"; Tauentzien meldet wörtlich: „Die Abreise des Obersten Mack ist ein unersetzlicher Verlust"; speciell mit Bezug auf den Uebergang über die Roer, 1. März 1793, findet sich aber in einem Briefe Erzherzogs Carl vom J. 1795, mit welchem er Mack's Gratulation zum Jahrestage von Aldenhoven beantwortet, folgende beachtenswerthe Stelle: „Nun, Thr Tag ist der 1. März, — Ihnen haben wir zu danken, daß wir die Roer nicht verlassen, — Ihnen, daß der Entschluß gefaßt wurde, über dieselbe zu gehen. Sie führten den so trefflich auseinander gesetzten Plan zum Uebergange, ein Vorbild aller Dispositionen zu gleichen Unternehmungen, aus. Ohne Sie hätten wir die Verschanzungen von Höningen nicht angegriffen, ohne Sie würde die Meinung derjenigen befolgt worden sein, welche diese Stellung für unüberwindlich hielten und unverrichteter Sache wieder abziehen wollten.“ Daß aber M. auch ritterlichen Sinnes und keineswegs leichthin bei seinen Handlungen zu Werke ging, ergibt sich aus seinen den 25. und 30. März 1793 im feindlichen Hauptquartier gehabten denkwürdigen Unterredungen mit Dumouriez, dem Feldherrn der gegnerischen Armee. Den schwachen Truppenstand des k. k. Heeres, die Ungewißheit rücksichtlich des Heranrückens der Hilfstruppen fest im Auge haltend, zeigte sich nämlich M. erst dann den Wünschen Dumouriez' nicht abgeneigt, als er erkannt hatte, der Gegner schätze die Zahl der k. k. Truppen viel zu hoch, beabsichtige nicht zum Nachtheil Frankreichs zu handeln, sondern strebe nur dahin, den Greuelscenen in seinem Vaterlande ein Ende zu machen. In Erinnerung soll endlich noch bleiben, daß M. trotz seines Besorgniß erregenden, von häufigen Ohnmachten begleiteten schweren Leidens erst vom Platze wich, als ihn eine bei Famars erhaltene Verwundung in der Achselhöhle hierzu nöthigte. Der Kaiser ehrte Mack's hervorragende Verdienste durch die in der Oberstencharge ungewöhnliche Verleihung der Inhaberswürde des Kürassierregiments Nr. 6 und berief ihn für den Feldzug 1794 als seinen Generalquartiermeister zum Heere. Mack's erste Sorge galt nun den Anordnungen für den Aufmarsch des Heeres, für dessen Ergänzung und Verpflegung. Hierauf begab er sich Mitte Februar nach London, regelte auch dort die Vorbereitungen zum neuen Feldzuge, erwirkte die Belassung des Herzogs von York im Oberbefehle der englisch-französischen Truppen sowie die Zuweisung eines Subsidienbetrages an das preußische Contingent. Ausgezeichnet durch die Verleihung eines prachtvollen Ehrendegens von Seite des Königs Georg von England betrat hierauf M. als Generalmajor den Kriegsschauplatz, sich unermüdlich nun den Operationsarbeiten widmend, welche zu den Siegen bei Landrecies, Tournay und Charleroi führten. Verfehlt war hingegen sein mit Jubel begrüßter Plan, die Franzosen von Lille abzuschneiden, denn die allzu künstlich combinirte Verwendung der Truppen veranlagte im Vereine mit der Unmöglichkeit, die Bewegungen des Heeres bis zum entscheidenden Momente zu verheimlichen, das Mißgeschick von Tourcoing am 17. und 18. Mai. Unmittelbar nach dem Tage von Charleroi kehrte der Kaiser nach Wien zurück, begleitet von M., welcher sich seines immer heftiger auftretenden nervösen Kopfleidens wegen erneut einen längeren Urlaub erbat. Doch auch dieses Mal war es ihm nicht vergönnt die gänzliche Herstellung seiner Gesundheit in Ruhe abzuwarten; das allgemeine Vertrauen in Mack's Befähigung und Opferwilligkeit gab 1796 vorerst den Anlaß zu dessen Berufung als Oberbefehlshaber der portugiesischen Armee. Zur Uebernahme dieses Postens kam es aber nicht, da M. als Feldmarschalllieutenant und Generalquartiermeister zur Rheinarmee beordert wurde, ohne jedoch zu nennenswerthen Leistungen zu gelangen. 1797 nahm M. lebhaften Antheil an den Studien zur Befestigung Wiens, dann an der Errichtung einer Flotte behufs Deckung Istriens und Dalmatiens; seine Vorschläge in letzterer Hinsicht scheiterten aber an dem unerschwinglichen Kostenpunkte. Nachdem M. noch sämmtliche Cavallerie am Lech befehligt hatte, wurde er im October 1798 dem Könige Ferdinand von Neapel zugetheilt, um dessen Heer zu organisiren und zu commandiren. Nur Pflichttreue gegen den Kaiser hatte M. zur Uebernahme dieses wenig günstige Aussichten bietenden Commandos bewogen. Durch Erfolge im Felde suchte er den Uebelstand abzuschwächen, der darin lag, daß es zur Organisation des Heeres an Zeit und Mitteln mangelte. Er sammelte in engen Kantonirungen rasch alle verfügbaren Truppen, mit welchen er dann in schnellen Märschen den noch zerstreut postirten Franzosen entgegentrat und nachdem er selbe zurückgedrängt hatte, mit König Ferdinand in Rom einzog. Die Unverläßlichkeit der Seitencolonnencommandanten bereitete jedoch Mack's geschickt und glücklich eingeleitetem Unternehmen ein baldiges Ende. Er mußte Rom verlassen, später sogar die feste Stellung zwischen Capua und Neapel aufgeben und endlich mit den Franzosen den 10. Januar 1799 einen Waffenstillstand abschließen. Dies führte aber zur Katastrophe. Sowol der Pöbel als ein Theil des Heeres nahmen eine solche feindselige Haltung gegen M. ein, daß er selber in das französische Hauptquartier flüchten mußte, wo dessen freiwillige Uebergabe seines englischen Ehrendegens vom General Championnet mit den Worten abgelehnt wurde: „die Gesetze meiner Republik verbieten mir den Gebrauch englischer Waare.“ Auf der Rückreise nach Oesterreich begriffen, wurde M. zu Bologna als kriegsgesangen erklärt und nach Paris gebracht, worauf er, nach vergeblichen Protesten gegen dieses Verfahren, 1800 sich der Gefangenschaft entzog. In den Jahren 1800—1805 blieb M. bei vollem Gehalte ohne Anstellung. 1805 übernahm er als Generalquartiermeister des Erzherzogs Carl den Vortrag in jener Commission, welche über Erleichterungen und Verbesserungen im Dienste, über Abrichtungs- und Uebungsvorschriften Vorschläge zu machen hatte, ferner führte er die Verhandlungen über den Marsch, die Verpflegung und Verwendung der herannahenden russischen Hilfstruppen. Nachdem M. auch noch an der Ausarbeitung des Operationsplanes für den bevorstehenden Feldzug in Deutschland sich betheiligt hatte, erhielt er in der Stellung eines Generalquartiermeisters des Kaisers, August 1805, den Befehl, mit dem Heere vom Inn nach Baiern vorzugehen. Er rückte bis an die Iller und dachte die Stellung von Ulm, Memmingen und Kempten zu einem unüberwindlichen Walle zu erheben, an dem des Feindes Kraft zerschellen müsse. Sein ehemaliges Glück stand aber nicht mehr an seiner Seite; der Erfolg lohnte nicht wie einst das Beharren auf der eigenen Anschauung, er erwies sich nachtheilig den Ansichten Mack's über die Zeit des Eingreifens der russischen Hilfstruppen, über die Unverletzlichkeit des neutralen preußischen Gebiets von Ansbach. Mit dem historisch genügend gekannten Falle von Ulm, der den Franzosen den Weg nach Wien eröffnete, fiel auf Mack's Persönlichkeit ein Schatten, der wol mit Unrecht nebst seinem Wirken im Feldzuge 1805 gleichfalls all' seine frühere Thätigkeit umdüstert. Denn wußte auch Mack's gründliches Wissen, trotz hinreichender Erfahrung, leider nicht immer mit jenen Factoren zu rechnen, durch welche das mathematisch schärfste Gebilde umgestoßen, das beste Wollen zu nichte gemacht werden kann, so war er gewiß ein tadellos loyaler, unantastbar rechtlicher Charakter, sowie ein für das Vaterland begeisterter, um den Staat hochverdienter Militär. Dennoch läßt sich das Geschehniß von Ulm keineswegs aus den Blättern der Geschichte streichen; ebenso wenig kann dies aber jemals mit Mack's unbestreitbar großen Verdiensten geschehen. Edelsinniger und gerechter als das Urtheil der Gegenwart lautete sohin|jenes seiner mitkämpfenden und mitleidenden Zeitgenossen. Nachdem M. seine unwissentlichen Irrungen des Jahres 1805 mit zweijähriger Festungshaft und dem Verluste aller Würden und Ehrenzeichen gebüßt hatte, wurde ihm nämlich 1819, basirt auf einen commissionell begründeten Beschluß, durch des Kaisers Gnade das Anrecht auf alle seine früheren Titel, Auszeichnungen und Bezüge zuerkannt. Immer blieben ihm aber gewahrt die Gewogenheit vieler Potentaten, die Zuneigung seiner Freunde und Waffengenossen, wie nicht minder die allgemeine Theilnahme. Dies bestätigen bis zur Stunde die Worte, welche Ladislaus Pyrker, der spätere Primas von Ungarn, auf Mack's Grabmal gesetzt hat:

    .... in des Glückes sonnenhellen Tagen Hat auf glänzender Bahn ein Hochgewitter Dich ereilt und niedergeschmettert Deine Segel und Maste! Aber gerettet blieb Dir nach dem Sturme Für die stillere Einsamkeit: Bewußtsein, Liebe, Achtung edler Menschen und die tröstende Freundschaft!

    Hiermit hat aber auch Mack's Mitwelt, was bei seiner Beurtheilung überhaupt nie übersehen werden sollte, unverhohlen zugestanden, es sei bei der wiederholten Berufung Mack's zu den schwierigsten Verwendungen keine Rücksicht genommen worden weder auf seine Leiden, noch auf seine darauf hinweisenden Bitten. Seine letzten Lebensjahre verbrachte M. ferne von jedem Verkehre; wol die härteste Sühne, die er sich bei seiner Thatenlust und seinem regen Geiste auferlegen konnte. Memoiren scheint M. nicht hinterlassen zu haben, — von den vielen schriftlichen Arbeiten aus der Zeit seiner militärdienstlichen Thätigkeit gelangten drei zur Veröffentlichung: „Instruktionspunkte für die Generale der k. k. Armee“, Frankfurt a. M. 1795; „Vertheidigung des österreichischen Feldzuges 1801“, Gotha 1802 und „Dumouriez' geheime Verhandlungen mit Oesterreich im Jahre 1793“, letztere abgedruckt in Streffleur's österreichischer militärischer Zeitschrift 1865, 3. Bd. Ob nachstehende, ihm zugemuthete Druckwerke aus seiner Feder stammen, ist sehr zweifelhaft: „Die Gefangenschaft des Generals Mack sammt der Offenbarung des Bonaparte, gedruckt in Jerusalem 1799"; ferner „Vertheidigung des österreichischen Feldzuges von 1805, dem Hoftriegsrath übergeben“, Wien 1806. M., welcher seit 1785 verehelicht gewesen, hinterließ einen durch die Gnade des Kaisers mehrfach ausgezeichneten Sohn.

    • Literatur

      Posselt, Europäische Annnalen, 1. Bd., 1800. Ritter v. Rittersberg, Biographien d. ausgezeichnetsten etc. Feldherren d. österr. Armee, Prag 1828. Schweigerd, Oesterreichs Helden etc., 3. Bd., Wien 1854. Witzleben, Prinz Friedr. Josias v. Coburg-Saalfeld etc. 2. Bd., Berlin 1859. Rüstow. Der Krieg von 1805 etc., 2. Aufl., Zürich 1859. Wurzbach, Biogr. Lexikon d. Kaiserth. Oesterr., 16. Thl., Wien 1867. Janko, Laudon's Leben, Wien 1869. (Schönhals,) Der Krieg von 1805 in Deutschland, Wien 1873. Porth, Die Schlacht bei Neerwinden am 13. März 1793 und Angeli, Ulm und Austerlitz. Beide abgedruckt in Mittheilungen des k. k. Kriegsarchivs, 2. Jahrg., Wien 1877. Boguslawski, Das Leben des Generals Dumouriez, 2. Bd., Berlin 1879. Löffler, Geschichte der Festung Ulm, Ulm 1881. Geschichte der k. k. Kriegsmarine, 1. Bd., Wien 1882. (Heller,) Friedrich Freiherr v. Bianchi etc., Wien 1857.

  • Autor/in

    Schz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schz., "Mack Freiherr von Leiberich, Karl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 8-12 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116644109.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA