Lebensdaten
1892 – 1969
Geburtsort
Herford (Westfalen)
Sterbeort
Curitiba (Brasilien)
Beruf/Funktion
Geologe ; Geodät ; Geograph ; Umweltschützer ; Geodät ; Geograf ; Forschungsreisender
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 189561017 | OGND | VIAF: 44679014
Namensvarianten
  • Maack, Reinhard
  • Maack, R.

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Maack, Reinhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd189561017.html [23.07.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Peter (1861–1933), Lademeister, S d. Landwirts Joh. Peter (1831–98) in Bardowick u. d. Magdalena Körner;
    M Karoline (1862–1946), T d. Bauern Joh. Gg. Frdr. Klinge in Gierswalde am Solling u. d. Christine Schuhmacher;
    1) 1918 ( 1929) Lilli Mähler (* 1897), Farmers-T, 2) Rio de Janeiro 1930 Margarete (* 1895), Dr. rer. pol., T d. Kaufm. Paul Neussel u. d. Magdalena Marie Körper;
    2 T aus 1), 1 T aus 2).

  • Biographie

    M. besuchte 1899-1907 die Herforder Bürgerschule. Er zeigte zeichnerisches Talent und trat 1907 in die graphische Kunstanstalt seines Onkels in Lüdenscheid ein, die er allerdings schon nach wenigen Monaten wieder verließ. 1908-11 folgte eine Ausbildung im Katasteramt Herford. Als nunmehr ausgebildeter Landmesser ging er 1911 nach Südwestafrika, um bei der dortigen Landvermessung tätig zu werden, insbesondere bei der Küstenvermessung, der Großtriangulation und der Einteilung des Regierungslandes in Farmen und Weidereservate. Zu Beginn des 1. Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger bei der deutschen Schutztruppe. Im Juli 1915 wurde M. gefangengenommen und im Namaland interniert. Er konnte indes fliehen und verbrachte mehrere Monate unter abenteuerlichen Bedingungen in der Wüste Kalahari. Anschließend lebte er einige Zeit unter falschem Namen in Swakopmund. Ohne Auftrag unternahm er 1917 eine Expedition zu dem damals kaum bekannten Brandbergmassiv, das er kartographisch erfaßte und dessen Hauptgipfel er zuerst bestieg. Außerdem entdeckte M. eine nach ihm als „Maack shelter“ benannte Grotte mit prähistorischen Felszeichnungen 1918 wurde M. von den brit.-südafrikan. Behörden rehabilitiert und konnte wieder unter seinem tatsächlichen Namen leben; er verdiente seinen Lebensunterhalt in Swakopmund als Landschaftsmaler, ehe er 1920 in den Vermessungsdienst zurückkehrte. Zuvor hatte er 1919 noch zwei weitere private Expeditionen in das Naukluft Gebirge (Namib) unternommen. Unter außerordentlich schwierigen Bedingungen erforschte er allein, nur von einigen schwarzen Helfern begleitet, das Gebiet des Tsondab-Trockenflusses, das er kartographisch aufnahm. Im Dienst des Survey Service kartierte er Gold-, Eisenerz- und Kupfervorkommen im Kaoko-Veld und besorgte die Umschreibung der Besitztitel deutscher Farmer für den südafrikan. Kataster.

    1921 kehrte M. nach Deutschland zurück, das er aber 1923 wieder verließ, um an der Erschließung von Goldvorkommen in Minas Gerais, Brasilien, mitzuwirken. Bei der Bereisung des Hochlandes von West-Minas sah er im geologischen Bau dieser Gegend eine Entsprechung zum südafrikan. Kaoko-Veld, die sein wissenschaftliches Interesse an den Problemen des Gondwana-Landes und der Kontinentaldrift weckte. Weitere geologische Untersuchungen der tangentialen Krustenverschiebung machten M. zu einem der frühesten Verfechter der Kontinentaldrift-Theorie von A. Wegener. Die Hauptarbeit dieser Jahre war die 1927 u. a. im Auftrag deutschbrasilian. Bergwerks- und Hüttenunternehmen durchgeführte Triangulation und photogrammetrische Landesaufnahme des Eisenerzgebietes von Minas Gerais zwischen dem Pico de Itabira und dem Rio Paraopeba, das als „Eisernes Viereck“ bekannt wurde.

    1928 legte M. in Berlin ein Ergänzungsexamen als Hochbegabter ab und begann mit dem Studium der Geographie und Geologie. Seine akademischen Lehrer waren u. a. N. Krebs, A. Penck und J. Pompecki. Nach vier Semestern folgte er erneut einem Auftrag, der ihn nach Brasilien führte, diesmal um die Diamantenausbeute im Gebiet des Rio Tibagi zu organisieren. Seine Fazenda im nördlichen Paraná war die erste wissenschaftliche Beobachtungsstation im dortigen tropischen Regenwald. M. kartierte in den folgenden Jahrzehnten das Gebiet und erforschte den geologischen Bau, die Morphologie und Pflanzengeographie sowie die Siedlungsgeschichte dieses Landes. 1936/37 schloß er sein Studium in Berlin ab und ging als Prokurist der deutschen Bahnbau AG zurück nach Brasilien. Nach zweijähriger Internierung (1942/43) trat M. in den brasilian. Staatsdienst ein. 1946 erhielt er den Lehrstuhl für Geologie und Paläontologie, später den für Physische Geographie an der Universität in Curitiba, Brasilien, und wurde Direktor des geologischen und petrographischen Dienstes am Biologisch-Technologischen Institut. Im selben Jahr wurde er an der Univ. Bonn promoviert. M.s wissenschaftliche Tätigkeit nach dem 2. Weltkrieg war vor allem auf bodenkundliche und pflanzengeographische Studien in Paraná gerichtet. Seit 1941 warnte er vor den Folgen des Kahlschlags und der Brandrodung, der Vernichtung des natürlichen Landschaftshaushaltes und der Bodenerosion. Die Bedeutung dieses Kampfes gegen die Vernichtung des tropischen Waldes wurde von staatlichen Stellen erst viel später – und wohl zu spät – erkannt und unterstützt.

  • Werke

    u. a. Der Brandberg, Ein Btr. z. Landeskde. v. Südwestafrika, in: Zs. d. Ges. f. Erdkde. zu Berlin, 1923;
    Die Gondwanaschichten in Südbrasilien u. ihre Beziehungen z. Kaokoformation in Südwestafrika, ebd., 1934;
    Geogr. u. geolog. Forschungen in Santa Catharina (Brasilien), ebd., Erg. H. 5, 1937 (portugies. 1939);
    Geologia e geografia da região de Vila Velha, Estado do Paraná e considerações sôbre a glaciação carbonifera no Brasil, in: Arquiros do Museu Paranaense 5, 1945/46;
    Über Waldverwüstung u. Bodenerosion im Staate Paraná, in: Die Erde, 87, 1956;
    Sôbre o itinerário de Ulrich Schmidel através do Sul do Brasil (1552–1553), publ. do Conselho de Pesquisas da Universidade do Paraná, sér. II, Nr. 1, 1959;
    Erstbesteigung d. Brandberges u. Entdeckung d. „Weißen Dame“, Mit e. Nachwort v. E. Scherz, Tagebuchauszug Dez. 1917/Jan. 1918, in: Journal S.W.A. Scientific Society (Windhoek) 14, 1959/60;
    Die „Weiße Dame“ vom Brandberg, Bemerkungen zu d. Felsmalereien d. paläolith. Kulturkreises in Südwest-Afrika, in: Ethnologica NF 3, 1963;
    Geografia física do Estado do Paraná I, 1968;
    Kontinentaldrift u. Geol. d. südatlant. Ozeans, 1969;
    Notas preliminares sôbre as àguas do sub-solo da Bacia Paraná-Uruguai (Comissão Interestadual da Bacia Paraná-Uruguai), 1970. -
    Es begann in Herford, Der Weg durch e. bewegtes Leben, in: Herforder Jb. 8, 1967, S. 7-79 (Autobiogr.; P).

  • Literatur

    K. Beurlen, in: Geolog. Rdsch. 59, 1970, S. 1327-30;
    G. Kohlhepp, Das Geolog. Lebenswerk v. R. M., in: Geogr. Zs. 59, 1971, S. 165-76 (W-Verz.);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1950–70.

  • Autor/in

    Uta Lindgren
  • Zitierweise

    Lindgren, Uta, "Maack, Reinhard" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 594-595 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd189561017.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA