Lebensdaten
1901 bis 1975
Geburtsort
Saarburg
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Nationalökonom
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118729810 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lutz, Friedrich August
  • Lutz, F. A.
  • Lutz, Friedrich

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lutz, Friedrich August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729810.html [14.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich ( 1901), Brauereibes.;
    M Amélie Metzger;
    London 1937 Vera Constance Smith (1912–76), Dr. phil., Nat.ökonomin; kinderlos.

  • Leben

    L. legte nach dem Einzug der Franzosen in Lothringen das Abitur 1920 in Stuttgart ab. Er studierte Nationalökonomie in Heidelberg und Berlin, wo er Walter Eucken kennenlernte, bei dem er 1925 in Tübingen promovierte. Nach dreijähriger praktischer Tätigkeit beim Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten in Berlin wurde L. 1929 Assistent bei Eucken in Freiburg i. Br. und habilitierte sich dort 1932. Als Rockefeiler Fellow verbrachte er Studienaufenthalte in England (1934/35) und den USA (1937/38). Seiner liberalen Gesinnung wegen war ihm unter der nationalsozialistischen Herrschaft eine akademische Laufbahn in Deutschland verwehrt. L. übersiedelte 1938 in die USA, wo er, als Instructor nochmals von vorn beginnend, an der Univ. Princeton in New Jersey lehrte, 1947-53 als Füll Professor. 1951/52 weilte er als Gastprofessor in Freiburg i. Br., 1953 folgte er einem Ruf an die Univ. Zürich. Dort wirkte er bis 1972 als o. Professor für theoretische Sozialökonomie und Geschichte der Sozialökonomie. Im Winter 1962/63 war er Gastprofessor an der Yale University in New Haven, Connecticut, USA.

    Die Begegnung mit Eucken war für L. richtungweisend. Er folgte seinem Lehrer, der sich von der damals an deutschen Hochschulen in der Nationalökonomie vorherrschenden historischen Methode abwandte, auf den Weg der Theorie und gehörte zum engeren Kreis der um Eucken und Franz Böhm sich bildenden neoliberalen Freiburger Schule, die ihre Arbeit auf die Grundfragen der Marktwirtschaft und auf deren Ausgestaltung als Wettbewerbswirtschaft richtete. L. stellte sich mit einem umfangreichen wissenschaftlichen Werk beiden Aufgaben. Die Kapital- und Zinstheorie verdankt ihm wesentliche Beiträge; als Geldtheoretiker und einer der besten Kenner der internationalen Währungsordnungen seiner Zeit untersuchte er, welche Geldordnung und welche Geldpolitik mit der Marktwirtschaft vereinbar sind.

    In der „Theory of Investment of the Firm“ (1951, Neudr. 1969), mitverfaßt von seiner Frau Vera C. Lutz, wird die Nachfrage nach Kapital seitens einer typischen Produktionsunternehmung untersucht und eine Methode zur Verbindung der Kapitaltheorie mit der Theorie der Produktion und der Kosten entwickelt. Die in Zürich entstandene „Zinstheorie“ (1956, 21967, japan., engl. u. span. Übers.) gilt als Standardwerk. Das Buch enthält eine Darstellung und Kritik der wichtigsten seit Böhm-Bawerks großem Werk vorgelegten Zinstheorien. Seine eigene Sicht entwickelt L. zunächst anhand einer möglichst wirklichkeitsnahen Untersuchung der Vorgänge am Geld- und Kapitalmarkt und des Einflusses, den das Banksystem auf die Zinssätze ausübt; abschließend zeigt er die Zinsbildung im allgemeinen Gleichgewicht am Modell einer Wirtschaft, das bei aller gebotenen Vereinfachung den aus der Geschichte der Zinstheorie gewonnenen Einsichten Rechnung trägt.

    Im „Grundproblem der Geldverfassung“ (1936) geht L. den Ursachen der Bankenkrise der frühen 30er Jahre nach. Anhand eines Vergleichs des englischen Geldsystems mit dem deutschen und amerikanischen zeigt er die Mängel der beiden letzteren auf und fordert, das Kreditgeschäft dem freien Wettbewerb unter den Banken zu überlassen, ihre Buchgeldschaffung hingegen wie schon früher das Notengeld der staatlichen Kontrolle, etwa durch die Zentralbank, zu unterstellen. Viele seiner zahlreichen kleineren Arbeiten zu Geld- und Währungsfragen waren veranlaßt durch die drängenden Probleme seiner Zeit: Zusammenbruch der Goldwährung, Dollarknappheit, Konvertibilität der Währungen, Zahlungsbilanzungleichgewichte, Inflation. Nach genauer Erfassung der wesentlichen Tatsachen stieß L. stets zu den grundsätzlichen Fragen vor und erarbeitete Lösungsvorschläge. Ein wichtiges Anliegen war ihm die Suche nach einer Geld- und Währungsordnung, die die Stabilisierung des Geldwertes bei freiem internationalem Güter- und Kapitalverkehr ermöglicht. Die Erkenntnis der Unverträglichkeit des Währungssystems von Bretton Woods mit autonomer einzelstaatlicher Geld- und Konjunkturpolitik sowie die damit einhergehende weltweite Inflation machten ihn früh zum Befürworter flexibler Wechselkurse.

    Neben der Forschungs- und Lehrtätigkeit war L. bestrebt, enge Verbindung mit der wirtschaftlichen Praxis zu wahren und seine Kenntnisse in den Dienst der Erhaltung einer freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu stellen. In der 2. Hälfte der 50er Jahre war er mehrere Jahre Berater der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Von der Mitte der 60er Jahre bis zu seinem Tode war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft in Bonn; ebensolange leitete er das Schweizer. Institut für Auslandforschung in Zürich. Er war Mitherausgeber von „Ordo“, dem von Eucken und Böhm begründeten Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, Vorstandsmitglied des Walter-Eucken-Instituts in Freiburg i. Br. sowie Mitbegründer und 1964-67 Präsident der Mont-Pèlerin-Gesellschaft, die auf ihren Tagungen liberal gesinnte Gesellschaftswissenschaftler aus aller Welt zusammenführt.|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. pol. h. c. (Tübingen 1967).

  • Werke

    Weitere W u. a. Das Konjunkturproblem in der Nat.ökonomie, 1932 (Habil.schr.);
    Corporate Cash|Balances 1914–43, Manufacturing and Trade, 1945;
    Geld u. Währung, Ges. Abhh., 1962 (W-Verz.);
    Polit. Überzeugungen u. nat.ökonom. Theorie, Zürcher Vorträge, 1971 (W-Verz.).

  • Literatur

    W. Bickel, Zum Geleit, in: Verstehen u. Gestalten d. Wirtsch., Festgabe f. F. A. L., 1971, S. VII-X (W-Verz., P);
    F. Ritzmann, in: J.ber. 1975/76 d. Univ. Zürich, S. 79-81 (P);
    H. O. Lenel, in: Ordo, Jb. f. d. Ordnung v. Wirtsch. u. Ges. 27, 1976, S. 3-5;
    G. Haberler, Vera e F. L., Una famosa coppia di economisti dei nostri tempi, in: Moneta, dualismo e pianificazione nel pensiero di Vera C. Lutz, 1984, S. 47-53 (W-Verz. f. Vera C. Lutz);
    J. Niehans, in: The New Palgrave, A Dict. of Economic Theory and Doctrine (in Vorbereitung);
    BHdE II.

  • Autor/in

    Verena Veit-Bachmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Veit-Bachmann, Verena, "Lutz, Friedrich August" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 565-567 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729810.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA