Lebensdaten
1849 bis 1901
Geburtsort
Wolfenbüttel
Sterbeort
Goslar
Beruf/Funktion
Maschinenfabrikant
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 117667625 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Luther, Hugo

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Zitierweise

Luther, Hugo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117667625.html [23.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb (s. 1);
    B Oskar (1868–95), Mühlenbauer. - 1) Anna Zemikow (1859–95), 2) Lina Herpfer (* 1872), 3 S, 4 T aus 1), u. a. Gerhard (1883–1923), Dr. phil., Dr.-Ing., Mühlenbauer, seit 1914 techn. Leiter d. Mühlenbaufirma Gebr. Seck AG in Dresden, d. er zum leistungsfähigsten Betrieb ihrer Art im Dt. Reich machte, entwarf u. baute zahlr. große Mühlen u. Speicher, Stephan (1891–1944), Mühlenbauer, seit 1928 f. d. Mühlenbau- u. Industrie AG (Miag) in Braunschweig tätig, zu der auch d. Luther-Werke gehörten, seit 1935 kaufmänn. Leiter d. Miag, Präs. d. Wirtsch.kammer in Braunschweig, Ratsherr ebd., SS-Obersturmbannführer, Wehrwirtsch.führer, Ehrensenator d. TH Braunschweig.

  • Leben

    L. besuchte das Gymnasium in Wolfenbüttel und absolvierte ein dreijähriges Praktikum als Maschinenbauer in der Fabrik des Vaters. 1868-72 studierte er in Zürich und München Maschinenbau und arbeitete dann kurze Zeit in der Wiener Maschinenfabrik M. Schimmelbusch als Konstrukteur für Flußbagger, Schleusen und Kanäle. 1874 ging er nach Temesvar und beschäftigte sich als Vertreter der Firma seines Vaters mit Flußregulierungen in Ungarn. 1875 rief ihn der Vater zurück; 1879 – nach dessen Tod – übernahm L. die Firma, die er 1888 in eine Kommanditgesellschaft umwandelte und durch die Errichtung neuer Werkstätten modernisierte. Er nahm den Groß-Dampfmaschinenbau auf und lieferte außer Mühlen auch Wasserturbinen, Hafenkrane, Speicher und Silos in zahlreiche Länder Europas sowie nach Südamerika und Ostasien. Die Rüninger Mühle verwandelte er in eine Versuchsanlage. Hier liefen die ersten fabrikmäßig hergestellten Plansichter der Welt nach Patenten von Carl Haggenmacher; hier beförderte er auch erstmalig in Deutschland Getreide in Rohren mit Druckluft nach einem Patent des Engländers Frederick E. Duckham, dessen Verfahren er durch Staubbeseitigung und die Verwendung kleinerer Pumpen mit höherer Drehzahl verbesserte, ein wichtiger Fortschritt in der modernen Technik der Getreidelöschung. Für die Stettiner Dampfmühlen baute L. die erste Getreideförderanlage auf dem europ. Kontinent. Trotz einer Staubexplosion in einer zweiten Anlage in Passau 1895, bei der sein Bruder Oskar ums Leben kam, setzte L. diese Arbeiten fort. 1898 baute er eine Anlage zur Entladung großer Dampfer in Bremerhaven. Um zum Bau neuer Mühlen mit Plansichtern anzuregen, errichtete L. 1893-95 in Rüningen mit den Gebrüdern Berkenbusch eine Mühlenanlage, die mit ihren Silos und Großbodenspeichern das Vorbild für alle deutschen Großmühlen wurde. In Hameln baute er die Wesermühle als erste Mühle mit pneumatischer Löschung von Getreide aus Kähnen.

    Während L. in Galatz und Braila Riesenspeicher für die rumän. Staatsbahnen baute, wurde er auf das Projekt der Donauregulierung von Stenka zum Eisernen Tor bei Oršavá (99 km) aufmerksam. Hier waren 2 Mill. Kubikmeter Fels aus dem reißenden Strom zu räumen. L. gründete mit seiner Hausbank, der Disconto-Gesellschaft, 1890 die „Generalbauunternehmung für die Regulierung der Katarakte“, die unter 19 Anbietern den Zuschlag erhielt. Die Arbeiten, bei denen zwischen 4 000 und 9 000 Mann beschäftigt wurden, dauerten bis 1896. Da das Gestein im Bett der Donau besonders hart war, ließ L. in seiner Braunschweiger Maschinenfabrik neuartige Fallmeißel, Stoßbohrmaschinen, Bagger, Bohrschiffe und Pumpwerke herstellen. Die Erfahrungen bisheriger großer Flußregulierungs- und Kanalbauten konnte er kaum verwenden. Das schließliche Gelingen dieser L.schen Unternehmung erregte weltweites Aufsehen.

    L. mußte den großen Erfolg bei der Donau-Regulierung mit finanziellen Verlusten und einer Schwächung seines Unternehmens in Deutschland bezahlen. Wegen seiner häufig langen Abwesenheit vom Braunschweiger Werk entsandte die Disconto-Gesellschaft 1891 den Ingenieur Albert Lemmer von der Sächs. Maschinenfabrik in Chemnitz als weiteren Kommanditisten in L.s Firma. Dieser fand aber kein gutes Verhältnis zu den bewährten Ingenieuren des Unternehmens Ernst Amme ( 1930), Carl Giesecke und Julius Konegen ( 1916), die die Luther-Werke verließen und in Braunschweig eine|eigene Mühlenbau-Gesellschaft gründeten, die das L.sche Unternehmen bald überflügelte. L. konnte 1897 noch die Zweitälteste deutsche Mühlenbauanstalt erwerben, die 1873 gegründete Maschinenfabrik und Eisengießerei vorm. Gebr. Seck in Darmstadt. 1898 wandelte er seine eigene Firma in eine AG um, deren Aktien er selbst behielt. 1899 trat er wegen geschwächter Gesundheit aus der Geschäftsleitung in den Aufsichtsrat über und zog sich auf seinen Landsitz bei Goslar zurück.

    Seit 1907 war L.s Sohn Gerhard in der Luther AG tätig und bemühte sich, dem Unternehmen einen neuen Aufschwung zu geben. Seit 1914 lag jedoch der Schwerpunkt von dessen Wirken bei der Dresdener Seck AG. Bald nach Gerhards frühem Tod gingen 1925 beide Firmen in der Mühlenbau- und Industrie AG (Miag) auf, der seit 1935 ein weiterer Sohn L.s, Stephan, als kaufmännischer Leiter vorstand. 1941 wurde das Braunschweiger Unternehmen als „Luther & Co GmbH“ aus der Miag wieder herausgelöst. In 6 Werken wurden Flugzeuge und Flugzeugteile gebaut. Das Braunschweiger Werk wurde 1944 durch einen Luftangriff völlig zerstört. Stephan wurde dabei so schwer verletzt, daß er wenig später starb. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs kam es zu Demontagen und Stillegungen. In den 50er Jahren wandten sich die Luther-Werke dem Nutzfahrzeugbau zu. 1979 gingen sie in Konkurs.|

  • Auszeichnungen

    Grashof-Denkmünze d. VDI (1898).

  • Werke

    DRP 92 889 u. 93 170 v. 1896 (runder Lagersilo);
    128 004-007 v. 1900/01 (pneumat. Fördervorrichtung f. Getreide u. beliebige feste Stoffe).

  • Literatur

    H. Arnold, Die Regulierung d. Donau-Katarakte zw. Stenka u. d. Eisernen Tor, in: VDI-Zs. 39, 1895, S. 93, 159, 221, 273, 333;
    ders., Die Schiffbarkeit d. regulierten Donaukatarakte zw. Stenka u. d. Eisernen Tor, in: VDI-Zs. 42, 1898, S. 1373-82;
    ebd. 45, 1901, S. 1045 f. (P);
    VDI-Nachr. 1949, Nr. 23, S. 5.

  • Literatur

    zu 1) u. 2) Festschr. d. Firma G. Luther 1846-1896, 1896;
    Gerhard Luther (S Hugos), Die techn. u. wirtsch. Entwicklung d. dt. Mühlengewerbes im 19. Jh. (Diss. Berlin 1908), 1909;
    ders., Der dt. Mühlenbau, Diss. TH Darmstadt 1909;
    ders., Der Fabrikneubau d. Mühlenbauanstalt u. Maschinenfabrik vorm. Gebr. Seck in Sporbitz b. Dresden, in: VDI-Zs. 63, 1919, S. 795-802;
    ebd. 67, 1923, S. 882 (P v. Gerhard Luther);
    E. Meller, Aus d. Gesch. d. Getreidemühlenbaus, in: Btrr. z. Gesch. d. Technik u. Industrie 20, 1930, S. 111-18;
    C. Matschoss, Männer d. Technik, 1925;
    Stephan Luther (S Hugos), Die Gesch. d. Mühlenbaues, insbesondere d. Entstehung d. Großmühlenbaues in Braunschweig, Vortrag 1931 (Ms. im Stadtarchiv Braunschweig);
    A. Trapp, Zur Gesch. d. Braunschweiger Mühlenbauindustrie, in: Braunschweiger Bll. 1937, 1. Folge, S. 13-15 (P) u. 4. Folge, S. 3-5;
    50 J. Mühle Rüningen AG, 1948 (P v. Gerhard Luther);
    H. Tischert, 110 J. Luther-Werke Braunschweig, in: Stätten dt. Arbeit, o. J., S. 6-10 (P).

  • Autor

    Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß
  • Empfohlene Zitierweise

    Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, "Luther, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 543 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117667625.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA