Lebensdaten
1899 - 1969
Geburtsort
Ulm
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Flugzeugkonstrukteur ; Flugzeugführer ; Ingenieur ; Konstrukteur
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 137891776 | OGND | VIAF: 86061374
Namensvarianten
  • Lusser, Robert

Quellen(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Lusser, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137891776.html [08.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Eugen Theodor Albert, Kaufm., S d. Eduard u. d. Henriette Härle;
    M Auguste, T d. Robert Benz u. d. Hulda Möllenhoff;
    Feuerbach 1926 Hildegard Fichter.

  • Leben

    L. studierte 1919-24 an der TH Stuttgart Elektrotechnik. Er schloß sein Studium mit der Diplom-Prüfung ab. 1925 ging er, nach einer kurzen Tätigkeit bei Siemens-Schukkert in Berlin, zu der Flugzeugbau-Firma Klemm in Böblingen und wurde dort Leiter des Konstruktionsbüros. 1932 wechselte er zu den Ernst-Heinkel-Flugzeugwerken in Warnemünde, wo er für die Konstruktion der dort entwickelten Sportflugzeuge verantwortlich war. Mit dem von ihm entworfenen Sport- und Ausbildungsflugzeug He 71, einem kleinen, einmotorigen Tiefdecker, führte Elly Beinhorn 1938 einen aufsehenerregenden Afrika-Rundflug durch. 1934 trat L. in die Bayer. Flugzeugwerke, die spätere Firma Messerschmitt, ein, mit der Aufgabe, ein Projektbüro aufzubauen und zu leiten. In dieser Stellung hatte er bedeutenden Einfluß auf die Flugzeugentwicklungen der Fa. Messerschmitt, wie z. B. die Me 108, ein überaus erfolgreiches Reiseflugzeug, das 1938 bei verschiedenen internationalen Flugwettbewerben erste Plätze erreichen konnte, und die Me 109, das Standard-Jagdflugzeug der deutschen Luftwaffe, das in über 30 000 Exemplaren produziert wurde und damit bis heute zu den am häufigsten gebauten Flugzeugtypen zählt. 1938 wurde L. vom Reichsluftfahrtministerium als Entwicklungschef von Messerschmitt beauftragt, Studien über strahlgetriebene Flugzeuge durchzuführen, die nach L.s Weggang von Messerschmitt zum Bau des Düsenjägers Me 262 führten.

    L., der wiederholt Lehrbeauftragter für Flugzeugkonstruktion an der TH Stuttgart war, kam im Juni 1938 als technischer Direktor zu den Ernst-Heinkel-Werken nach Rostock. Unmittelbar nach seinem Eintritt übernahm er die Entwicklung eines zweimotorigen Düsenjägers, der He 280. Dieses Flugzeug zählt, obwohl das Konkurrenzmuster Me 262 für die Serienfertigung vorgezogen wurde, zu den fortschrittlichsten Entwicklungen des deutschen Flugzeugbaus während des 2. Weltkriegs. Me 262 und He 280 waren die ersten serienreifen Düsenflugzeuge der Welt. Außerdem war die He 280 als erstes deutsches Flugzeug mit einem Bugrad versehen, wodurch ein einwandfreies Starten von Düsenflugzeugen erst möglich wurde. Eine weitere Weltneuheit war die Ausrüstung dieses Flugzeugs mit einem Schleudersitz. Probleme bei der Entwicklung von Kampf-Flugzeugen wie He 177 und He 219 führten dazu, daß sich Heinkel 1941 von seinem tech|nischen Direktor trennte. Der Staatssekretär und Generalluftzeugmeister Erhard Milch betraute ihn dann bis Kriegsende mit der Durchführung der Entwicklung der fliegenden Bombe Fi 103, die als „V 1“ (Vergeltungswaffe 1) bekannt wurde, bei den Fieseler-Werken in Kassel.

    1948-58 war L. zunächst im Auftrag der US Navy in Kalifornien und anschließend bei der US Army in Huntsville, Alabama, als Sachverständiger für Raketentechnik tätig. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er 1959 technischer Geschäftsführer beim Entwicklungsring Süd, einer Arbeitsgemeinschaft der Firmen Bölkow, Heinkel und Messerschmitt. Hier beteiligte er sich noch an der Entwicklung des ersten deutschen Senkrechtstart-Flugzeuges, der VJ 101. L.s maßgebliche Mitwirkung bei der Entwicklung und Konstruktion zahlreicher zukunftweisender Flugzeugtypen weist ihm eine führende Rolle im deutschen Flugzeugbau zu. Zudem war er einer der erfolgreichsten Piloten nach dem 1. Weltkrieg, was durch zahlreiche Siege bei internationalen Flugwettbewerben belegt wird.

  • Werke

    Gedanken d. Konstrukteurs z. Thema Auftriebs- u. Leistungssteigerung, in: Lilienthal-Ges. f. Luftfahrtforschung, Ber. 099/006, 1938 (München, Dt. Mus.-Sonderslg., Luftfahrtarchiv);
    Die Rolle d. Strahltriebwerkes im Flugzeugbau, in: Dt. Ak. d. Luftfahrtforschung, Ber. 1034/41, 1941 (ebd.).

  • Literatur

    R. Kosin, Die Entwicklung d. dt. Jagdflugzeuge, 1983;
    H. D. Köhler, Ernst Heinkel, Pionier d. Schnellflugzeuge, 1983 (P).

  • Autor/in

    Hans Holzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Holzer, Hans, "Lusser, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 534-535 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137891776.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA