Lebensdaten
1627 bis 1667
Geburtsort
Den Haag
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Kurfürstin von Brandenburg
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118969080 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Luise Henriette von Nassau-Oranien (geborene)
  • Luise Henriette von Brandenburg
  • Luise Henriette
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Zitierweise

Luise Henriette, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118969080.html [18.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Prinz Friedrich Heinrich v. N.-O. (1584–1647), Statthalter d. Niederlande (s. ADB VII), S d. Prinzen Wilhelm I. v. N.-O. (1533–84), Statthalter d. Niederlande (seit 1560, s. ADB 43), u. d. Luise v. Coligny;
    M Amalie (1602–75), T d. Gf. Johann Albert I. v. Solms-Braunfels (1563–1623) u. d. Juliane Gfn. v. Nassau-Dillenburg;
    B Wilhelm II. v. N.-O. (1626–50), Statthalter d. Niederlande (seit 1647, s. ADB 43), Schw Henriette Katharina (1637–1708, 1659 Johann Georg II. Fürst v. Anhalt-Dessau, 1693, s. NDB X);
    - Den Haag 1646 Kf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg ( 1688, s. NDB V);
    5 S (2 früh †), 1 T (früh †), u. a. Kurprinz Karl Emil (1655–74), Kg. Friedrich I. in Preußen ( 1713, s. NDB V).

  • Leben

    L. erlebte in ihrer Jugend noch die Endphase des Kampfes um die Unabhängigkeit der Generalstaaten von der span. Krone, eine Epoche, die gleichzeitig den Höhepunkt holländ. Kultur, das „Golden Eeuw“, bedeutete. Zunächst war an eine Vermählung L.s mit dem Prinzen Charles of Wales gedacht, um die Verbindung der Häuser Oranien und Stuart zu vertiefen. L. selbst hegte Zuneigung zu Henri Charles de Trémouille, einem franz. Hugenotten, der jedoch nicht als standesgemäßer Partner gelten konnte. Infolgedessen erschien im Herbst 1646 die Werbung des Kf. Friedrich Wilhelm von Brandenburg aussichtsreich, der sich zuvor mehrere Jahre lang vergeblich um die Hand der schwed. Kgn. Christine bemüht hatte. Durch die Eheverbindung mit L. erhoffte er sich die politische Unterstützung der Generalstaaten auf dem Westfäl. Friedenskongreß, den baldigen Abzug holländ. Besatzungstruppen aus seinen rhein. Besitzungen Kleve und Mark sowie eine Einigung im Streit um die Hofysersche Schuld.

    Während eines längeren Aufenthaltes des Kurfürstenpaares in Kleve bis Juni 1648 wurde das Berliner Schloß im holländ. Barockstil erneuert. L. und Friedrich Wilhelm verpflichteten im Lauf der Zeit verschiedene holländ. Künstler, so Gerard Honthorst d. Ä., Govaert Flinck, Daniel Mytens, Pieter Nason, Adriaen Hanneman, Jacob Vaillant. Direkt nach Brandenburg berufen wurden Willem van Honthorst (seit 1647 in Berlin tätig), Nicolaus Willing (Wieling), der von 1667 bis etwa 1682 für das Herrscherhaus arbeitete, Broderus Mathisen, der sich seit 1659 als Porträtist einen Namen machte, und Ottomar Elliger d. Ä., der aus Schweden stammte, aber in Holland seine Ausbildung genossen hatte. Das alte Schloß von Bötzow wurde abgerissen und von Joh. Gregor Memhardt durch einen Neubau im holländ. Stil ersetzt: 1651 wurden Schloß und Ort in „Oranienburg“ umbenannt, seit 1655 wurde es der bevorzugte Aufenthaltsort der Kurfürstin. Außerdem rief L. holländ. Wasserbauexperten und Siedler nach Brandenburg und unterstützte dadurch die Peuplierungspolitik ihres Gemahls sowie dessen Bestrebungen zur Neulandgewinnung. Das von L. persönlich verwaltete Mustergut Oranienburg wurde Vorbild für die Erneuerungsbestrebungen in den durch den Krieg verwüsteten mark. Landen. Die in ihrem Auftrag geschaffene Ziegelei verbesserte die Einkünfte des Amtes Bötzow.

    L.s Ehe mit Friedrich Wilhelm war glücklich. Die ursprünglich gehegten politischen Erwartungen erfüllten sich allerdings nicht, da das|Haus Oranien nach dem Tode Wilhelms II. 1650 in den Generalstaaten an Einfluß verlor. Dessen Sohn, Wilhelm III., der spätere König von England und Schottland (1689–1702), wurde erst eine Woche nach dem Tod des Vaters geboren, Friedrich Wilhelm von Brandenburg wurde sein Mitvormund. In dieser Eigenschaft konnte er seitens der republikanischen Fraktion wenig Entgegenkommen in politischen Fragen erwarten. Nachdem der erste Sohn Wilhelm Heinrich im Okt. 1649 im Alter von 17 Monaten gestorben war, schien die Thronfolge in Brandenburg einige Jahre lang gefährdet. Als Dank für die Erhörung ihrer Bitte um weitere Nachkommenschaft stiftete L. 1665 ein Waisenhaus in Oranienburg für je 12 Jungen und Mädchen, eine Institution, die sich über Jahrhunderte erhalten hat. Aufgrund ihrer tiefen Religiosität wurde L. in der älteren Literatur fälschlicherweise die Urheberschaft an verschiedenen geistlichen Liedern zugeschrieben, die jedoch von Johannes Crüger stammen, mit dem das Kurfürstenpaar in engem Kontakt stand.

    Die politische Wirksamkeit L.s ist nur schwer faßbar. Sie besaß jedoch ein starkes politisches Interesse, so daß ihr Einfluß auf den Kurfürsten, den sie trotz ihrer labilen Gesundheit wiederholt auf seinen Reisen und sogar einige Male auf seinen Feldzügen begleitete, keineswegs unterschätzt werden darf. Friedrich Wilhelm meinte in späteren Jahren, es sei ihm nie etwas mißlungen, wenn er ihrem Rat gefolgt sei. Der Sturz des rauhen Kriegsmannes Konrad v. Burgsdorff im Frühjahr 1652, eines Vertrauten und „Blutsbruders“ Friedrich Wilhelms, ist weitgehend ihren Bemühungen zuzuschreiben. Während des schwed.schwedisch-poln.polnisch Krieges 1655-60 setzte sich L. für eine Aussöhnung mit Polen und dem habsburg. Kaiserhaus ein. Im Vertrag von Wehlau (19.9.1657) wandte sich Friedrich Wilhelm von seinem bisherigen schwed. Bündnispartner Karl X. Gustav ab und erreichte die poln. Anerkennung der Souveränität des Hauses Hohenzollern über das Hzgt. Preußen. Das Engagement der Kurfürstin während der folgenden schwierigen Ratifikationsverhandlungen zu Bromberg Anfang Nov. 1657 trug wesentlich zur Annäherung der Standpunkte bei.

  • Literatur

    ADB 19;
    E. D. M. Kirchner, Die Churfürstinnen u. Königinnen auf d. Throne d. Hohenzollern …, 2. T., 1867, S. 221-302;
    B. Erdmannsdörfer, Gf. Georg Friedrich v. Waldeck, Ein preuß. Staatsmann im 17. Jh., 1869;
    ders., L. H. v. Oranien u. d. Prinz v. Tarent, in: Zs. f. Preuß. Gesch. u. Landeskde. 15, 1878, S. 242-71;
    K. Biltz, Wer ist d. eigentl. Vf. d. bisher d. Kfn. L. zugeschriebenen Lieder?, in: Zs. f. d. dt. Unterricht 7, 1893, S. 521-34;
    F. Hirsch, Die Erziehung d. älteren Söhne d. Gr. Kurfürsten, in: FBPG 7, 1894, S. 141-71;
    ders., Die Briefe d. Kfn. L. H. v. B. an d. Oberpräs. Otto v. Schwerin, ebd. 8, 1895, S. 173-206;
    ders., Ein Ber. üb. d. Ende d. Kfn. L. H. v. B., ebd. 9, 1896, S. 218-24;
    P. Seidel, Die Darst. d. Gr. Kurfürsten gemeinsam mit s. ersten Gemahlin L. H. v. Oranien, in: Hohenzollern-Jb. 7, 1903, S. 66-75 (P);
    L. Keller, Die Hohenzollern u. d. Oranier in ihren geistigen, verwandtschaftl. u. pol. Beziehungen, ebd. 10, 1906, S. 221-60 (P);
    K. Spannagel, Konrad v. Burgsdorff, in: Qu. u. Unterss. z. Gesch. d. Hauses Hohenzollern, Bd. 5, 1903;
    M. Lekus, Der Gr. Kurfürst u. d. poln. Thron, 1929;
    W. Boeck, Oranienburg, Gesch. e. preuß. Königsschlosses, 1938;
    T. Saring, L. H. v. Oranien, 21941;
    E. Opgenoorth, Friedrich Wilhelm d. Gr. Kf. v. Brandenburg, Eine pol. Biogr., 2 Bde., 1971/78;
    Ch. Avery, François Dieussart, Portrait Sculptor to the Courts of Northern Europe, in: Victoria and Albert Museum Yearbook 4, 1974, S. 63-99, bes. 86;
    L. Hüttl, Friedrich Wilhelm v. Brandenburg, d. Gr. Kurfürst 1620–88, Eine pol. Biogr., 1981.

  • Portraits

    Gem., Hochzeit 1646, v. J. Mijtens (Rennes, Musée des Beaux Arts), Abb. in: Hohenzollern- Jb. 7, 1903, b. S. 66 (Ausschnitt S. 68);
    Gem. (mit Kf. Friedrich Wilhelm) v. G. v. Honthorst, 1647 (Amsterdam, Rijkmus.), Abb. ebd. 10, 1906, b. S. 244;
    dass. v. M. Czwiczek (Königsberg, Schloß), Abb. ebd. 7, 1903, b. S. 72;
    Marmorrelief (mit Kf. Friedrich Wilhelm) v. F. Dieussart, 1647 (Doorn, Stichting Huis Doorn), Abb. ebd., b. S. 68;
    weitere Bildnisse ebd., S. 70-75, sowie in: Soweit d. Erdkreis reicht, Johann Moritz v. Nassau-Siegen 1604–79, Ausst.kat. Kleve, 1979, S. 16 f., 19, 343, 345.

  • Autor/in

    Ludwig Hüttl
  • Empfohlene Zitierweise

    Hüttl, Ludwig, "Luise Henriette" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 499 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118969080.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, erste Gemahlin des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, geb. am 27. Nov. 1627, am 18. Juni 1667, war die älteste Tochter des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien, des niederländischen Statthalters und seiner staatskundigen energischen Gemahlin, der Prinzessin Amalie, einer geborenen Gräfin von Solms. Der eine Zeit lang gehegte Plan, die Verbindung der Häuser Stuart und Oranien, die bereits durch die Ehe des|Prinzen Wilhelm mit einer Tochter Karls I. von England hergestellt war, durch die Vermählung des Prinzen Karl von Wales mit der Prinzessin L. H. zu einer noch engeren zu machen, scheiterte an den Siegen der Revolution in England, wodurch der Erbe der englischen Krone bald zum landflüchtigen Prätendenten wurde. Um so bereitwilligere Aufnahme fand bei den Eltern die um dieselbe Zeit an sie herantretende Bewerbung des jungen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, dessen politische Lage ihn eine möglichst enge Annäherung an die Niederlande und das oranische Haus wünschen ließ, sowie die Verbindung mit ihm auch dem oranischen Familieninteresse vortheilhaft erschien. Im December 1646 fand im Haag die Vermählung statt. Nicht gern, wie es scheint, folgte die junge Fürstin, die durch eine andere Neigung gebunden war, dem von der ehrgeizigen Mutter ihr aufgedrungenen Gatten zum Altare; aber die wesentlich politische Heirath ist dann doch der Anfang einer 20jährigen höchst glücklichen Ehe geworden. Die Kurfürstin L. H., die Mutter der preußischen Könige, hat in diesen zwanzig Jahren an der Seite ihres großen Gatten niemals eine nach außen sehr hervortretende, niemals eine eigentlich politische Rolle gespielt. Doch hat sie sich, soweit es in ihrer Natur lag, politischen Antheil zu nehmen, mit Interesse und Verständniß in die Angelegenheiten des Landes und des Hauses, dem sie nun angehörte, einzuleben und, wenigstens in manchen Fragen, auch einen gewissen Einfluß zu üben gewußt; niemals, betheuerte später nach ihrem Tode der Kurfürst, sei ihm etwas mißlungen, wenn er ihrem Rathe gefolgt. Vornehmlich aber liegen ihre Sorgen in der Sphäre der Gattin und Mutter. Zahlreiche Briefe von ihrer Hand, die uns erhalten sind, bezeugen die ernste und gewissenhafte Sorgfalt, womit sie die Erziehung ihrer Söhne überwachte; oft freilich aus der Ferne; denn sie pflegte den Kurfürsten auf seinen vielfältigen Reisen und selbst in Kriegszeiten als treue Gefährtin zu begleiten. Daneben nimmt sie besonders regen Antheil an den Landesculturbestrebungen ihres Gemahls. Als Tochter ihrer holländischen Heimath hat sie Verständniß für Ackerbau, Gartencultur, Viehzucht; sie befördert die Einwanderung holländischer Colonisten in die verödeten Strecken der Mark und die Begründung holländischer Mustermeiereien (der sog. Holländereien); in ihrem Garten soll sie die ersten Kartoffeln gezogen haben, die in der Mark gewachsen sind. Eine milde, sympathische, tief religiöse Natur; ihrem reformirten Glauben war sie aufs innigste zugethan und bethätigte denselben gern durch Werke hilfreicher Mildthätigkeit, wie in dem von ihr 1665 gegründeten Waisenhaus in dem Ort Bötzow an der Havel, welchem ihr zu Ehren der Name Oranienburg beigelegt wurde, den die Stadt seitdem trägt Man hat lange an der Tradition festgehalten, daß die Kurfürstin L. H. die Verfasserin mehrerer geistlicher Lieder sei, die zuerst in dem Runge'schen Gesangbuch von 1653 erschienen, namentlich des bekannten Liedes: „Jesus meine Zuversicht"; nach den kritischen Untersuchungen von Preuß, Medem u. a. muß diese Ansicht, trotz manchen Rettungsversuchen, als beseitigt betrachtet werden. Von den sechs Kindern, welche L. H. geboren, überlebten sie drei Söhne: der Kurprinz Karl Emil, der nachmals während des elsässischen Feldzugs im Jahre 1674 in Straßburg starb, der Prinz Friedrich, der nachmalige erste preußische König, und der Prinz Ludwig ( 1687). Das Testament ihres Vaters, des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien, welches für den Fall des unbeerbten Todes seines Sohnes Wilhelm II. der ältesten Tochter L. H. und ihrer Descendenz das oranische Hausvermögen zusprach, wurde für das preußische Königshaus weiterhin die Veranlassung zu vielfältigen diplomatischen Verwickelungen und zu mehreren wichtigen Erwerbungen.

    • Literatur

      Briefe u. a. Actenstücke von L. H. finden sich bei v. Orlich, Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst (Berlin 1836) und in desselben Geschichte d. preuß. Staates|im 17. Jahrh. (Berlin 1838 f.). — Biographie von Schoock (1667), Wegführer (1838), Knauth (1867). — Erdmannsdörffer, Louise Henriette von Oranien und der Prinz von Tarent (Zeitschr. f. preuß. Gesch. Bd. XV). v. Medem, Louise Henriette Kurfürstin zu Brandenburg. Ihr Antheil an dem geistlichen Liede der evangelischen Gemeinde (Homburg 1874) und zwei andere Schriften dess. Verf. aus d. J. 1878 u. 1880.

  • Autor/in

    Erdmannsdörffer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Erdmannsdörffer, Bernhard, "Luise Henriette" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 623-625 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118969080.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA