Lebensdaten
1883 bis 1963
Geburtsort
Buchwald Kreis Koschmin (Provinz Posen)
Sterbeort
Windhoek (Namibia/Südwestafrika)
Beruf/Funktion
Industrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 133571564 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lübbert, Erich

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Zitierweise

Lübbert, Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133571564.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Erich (1849–1936), Gutsbes. in B., S d. August Friedrich (1817–66) in Breslau u. d. Angelika Nöldechen;
    M Martha (1852–1953), T d. Robert Gottlieb Rohrmann (1824–1900) u. d. Elisabeth Auguste Grossmann;
    1) Elsa (1889–1918), T d. Rechtsanwalts Mestern in Hamburg, 2) Irmela Wagener (1898–1983), 5 T aus 1), 1 S, 3 T aus 2), u. a. Erich (* 1931), seit 1959 Gesellschafter u. Mitgl. d. Geschäftsleitung d. Dyckerhoff & Widmann KG.

  • Leben

    Nach dem Gymnasiumsbesuch in Liegnitz und Posen studierte L. Rechtswissenschaft in Berlin und Breslau, legte dort 1905 das Referendarexamen ab und promovierte 1906 in Hamburg zum Dr. iur., wo er auch das 2. Staatsexamen bestand. 1909 trat er in die Hamburger Anwaltskanzlei Semler & Mestern ein, knüpfte Kontakte zu Kolonialgesellschaften und war als Berater des Reichskolonialamts tätig. 1910 ließ er sich als Rechtsanwalt und Notar in Lüderitzbucht (Südwestafrika) nieder, wo im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahn ins Landesinnere 1908 erste Diamantenfunde gemacht worden waren. Als geschätzter Fachmann in bergrechtlichen Fragen, Vorsitzender der Lüderitzbuchter Minenkammer und Syndikus mehrerer Diamantengesellschaften sowie der Kolonialen Bergbau-Gesellschaft trat L. über die am Eisenbahnbau beteiligten deutschen Firmen in Verbindung zu einflußreichen Wirtschafts- und Finanzkreisen. Vor allem der Kontakt zur AG für Verkehrswesen, die über die von ihr gegründete Deutsche Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft einen Großteil der Eisenbahnen in den Kolonien gebaut hatte, sollte für sein späteres unternehmerisches Wirken wichtig werden.

    L. nahm 1914-16 als Leutnant der Schutztruppe am Krieg in Südwestafrika teil. 1919 gründete er gemeinsam mit Ernest Oppenheimer die Consolidated Diamond Mines of South West Africa Ltd. in Kapstadt, die das Vermögen der meisten deutschen Diamantengesellschaften übernahm und so vor der Beschlagnahme rettete. L. war bis 1924 Direktor dieser Gesellschaft, übersiedelte dann nach Deutschland, blieb aber weiterhin auch in Südwestafrika geschäftlich tätig. Er hatte inzwischen die Aktienmehrheit bei der AG für Verkehrswesen erworben, trat in deren Vorstand ein und wurde 1926 Generaldirektor. L. leitete jahrzehntelang dieses Unternehmen, das eine der größten Neben- und Kleinbahn-Betriebsgesellschaften in Europa war und dessen Streckennetz er durch Fusionen auf schließlich mehr als 4000 km (1939) vergrößerte. Nachdem die AG für Verkehrswesen von der Dresdner Bank eine maßgebliche Beteiligung an der Wiesbadener Baufirma Dyckerhoff & Widmann (Dywidag) übernommen hatte, wurde L. 1928 deren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. In den folgenden Jahren erhöhte er die Dywidag-Beteiligung, erwarb 1937 die Aktienmehrheit und wandelte das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft um, der er als Hauptinhaber und persönlich haftender Gesellschafter vorstand. Nach schweren Kriegsschäden und dem Verlust der Niederlassungen in Mittel- und Ostdeutschland leitete L. gemeinsam mit seinen Mitgesellschaftern schon 1945 den Wiederaufbau des Unternehmens in den Westzonen ein. Der Firmensitz der Dywidag wie auch der AG für Verkehrswesen wurde von Berlin nach Hamburg verlegt. Am Wiederaufbau der Nachkriegszeit war die Dywidag als ein führendes Bauunternehmen der Bundesrepublik in einer Vielzahl von Sparten beteiligt. Gleiches gilt für die AG für Verkehrswesen und Industrie (Firmenname seit 1954) als Mischkonzern mit Beteiligung an mehreren großen Baufirmen (neben Dywidag vor allem Lenzbau AG, Wayss & Freytag, Norddeutsche Portlandcementfabriken AG).

    L., der mit außergewöhnlichem Organisations- und Finanzierungsgeschick seine Firmengruppe auch durch schwierige Zeiten zu steuern verstand, war einer der wenigen Konzerngründer der Jahre nach dem 1. Weltkrieg, denen dauerhafter Erfolg beschieden war. Als Gründer und Mäzen zahlreicher wissenschaftlicher Institutionen erwarb er sich Verdienste vor allem um die Erforschung von Kultur und Geschichte Südwestafrikas. Seine Farm Erichsfelde bei Okahandja war während seiner letzten Lebensjahre sein bevorzugter Wohnsitz.|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (TU Berlin 1954); Ehrensenator d. TH München (1961).

  • Werke

    Die kaiserl. Bergverordnungen f. d. dt. Schutzgebiete, 1914;
    Zur Ästhetik d. Betonbaues, Ein Essay, 1954;
    AG f. Verkehrswesen u. Industrie 1901–31, 1963 (mit L. Utsch).

  • Literatur

    K. Pritzkoleit, Wem gehört Dtld.?, 1957;
    Wiss. Forschung in Südwestafrika, Referate u. Vorträge vor d. 1. Kongreß d. S.W.A. Wiss. Ges. in Swakopmund v. 21.-23.4.1962, o. J. (1962), S. 6-11 (P);
    Frankfurter Allg. Ztg. v. 5.1.1963 (P);
    G. v. Klass, Weit spannt sich d. Bogen, 100 J. Dyckerhoff & Widmann 1865-1965, 1965, bes. S. 299-302, 323-29 (P);
    Rhdb. (P);
    Wenzel.

  • Autor/in

    Hans Jaeger
  • Empfohlene Zitierweise

    Jaeger, Hans, "Lübbert, Erich" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 439 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133571564.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA