Lebensdaten
1781 bis 1857
Geburtsort
Erfurt
Sterbeort
Klein-Ballhausen bei Tennstedt (Thüringen)
Beruf/Funktion
Textilkaufmann ; Textilfabrikant
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 137876130 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lucius, Sebastian

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Zitierweise

Lucius, Sebastian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137876130.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (1742–1810), Fabr. v. Baumwollwaren, 1763 Gründer d. Fa. J. A. Lucius in E., S d. Wollwarenhändlers Michael (1719–1806) in E. u. d. Anna Dorothea Schmerbauch aus E.;
    M Klara (1741–1810, kath.), T d. Pächters Konrad Rosenstengel in Kirchheim b. E., späteren Gastwirts in E., aus Hüpstedt (Eichsfeld), u. d. Anna Margarethe Kaufhold aus Hüpstedt;
    Erfurt 1815 Maria Anna (1795–1861), T d. Weinhändlers Jakob Hebel in E. u. d. Maria Anna Ritzer aus E.;
    6 S, 5 T, u. a. Ferdinand (1830–1910), Garngroßhändler u. Inh. d. Fa. J. A. Lucius in E., Stadtverordneter u. Stadtrat in E., Mitgl. d. Reichstags (1890–93) u. d. preuß. Abgeordnetenhauses (1885–1903, freikonservativ) (s. BJ 15, Tl.), GKR, Eugen (s. 2). Robert (s. 3).

  • Leben

    L. besuchte seit 1792 das Gymnasium und eignete sich nebenbei franz. und ital. Sprachkenntnisse an. Gegen seinen Willen mußte er 1797 die Schule verlassen und auf ein Studium verzichten, weil der Vater ihn für den Kaufmannsberuf bestimmte und zu dessen Erlernung nach Höchst am Main schickte, wo L.s ältester Bruder Michael ein Handelsunternehmen führte. Die kritische Lage, in die der väterliche Betrieb infolge der Kriegsereignisse geraten war, nötigte L. jedoch bereits 1799 zur Rückkehr nach Erfurt. Trotz ungünstiger Verhältnisse, die sich durch die Inbesitznahme Erfurts durch Preußen (1802), die Kriegsereignisse des Jahres 1806 und die nachfolgende franz. Besatzung noch verschärften, gelang es L., mit Fleiß, Sparsamkeit und kaufmännischer Wendigkeit, die auch betriebsfremde, aber geldbringende Nebengeschäfte, zumal die Vermittlung von Geld-, Wechsel- und anderen Bankgeschäften nicht verschmähte, dem väterlichen Betrieb über die Fährnisse dieser Jahre hinwegzuhelfen und dabei sogar dessen Kapitalbasis erheblich zu verbessern.

    Nach dem Tod der Eltern (1810) und nachfolgender Erbteilung übernahm L. die Firma allein. Durch die von Napoleon gegen England verhängte Kontinentalsperre wurde der Baumwollhandel stark behindert, auch erlitt L. durch die Beschlagnahme bei ihm lagernder engl. Baumwolle erhebliche finanzielle Einbußen. Er konnte sie aber durch die Übernahme von Speditionsgeschäften für die Verpflegung und Ausrüstung der franz. Armeen mehr als ausgleichen, so daß im Kriegsjahr 1813 entstandene schwere finanzielle Verluste ebenfalls verkraftet werden konnten. Die Waren, mit denen er handelte, ließ er teils von in Erfurt tätigen Webern in Heimarbeit herstellen, teils im eigenen Unternehmen, das er in der Folgezeit laufend erweiterte. Dazu kam eine lebhafte Reisetätigkeit, durch die er ältere Geschäftsverbindungen erneuerte und neue knüpfte. Seine Reisen führten ihn auch nach Frankreich, in die Schweiz und nach England, wo er 1825 die erste mechanische Baumwollspinnerei und die erste Eisenbahn mit Lokomotivbetrieb kennenlernte. Den Konkurs des bisher größten Unternehmens seiner Branche in Erfurt 1831 nutzte er zu dessen Aufkauf und zur Bildung einer neuen Firma, Lucius u. Co., an der er zwei Neffen beteiligte, denen er sie 1837 ganz überließ, um seine Kraft völlig dem vom Vater übernommenen Unternehmen widmen zu können. Dabei behielt er stets auch das wirtschaftliche Wohl seiner Vaterstadt im Auge. So setzte er sich seit 1841 erfolgreich für die Streckenführung der geplanten Eisenbahnlinie Halle/Saale-Kassel über Erfurt ein; er betätigte sich in der 1844 gegründeten Erfurter Handelskammer, deren Präsident er 12 Jahre lang war, sorgte in den Teuerungsjahren 1843 und 1847 für den billigen Verkauf von Lebensmitteln an die ärmere Bevölkerung und verfügte zahlreiche Schenkungen, denen u. a. die Entstehung des Kath. Krankenhauses und des Lucius-Hebel-Stifts (Altenheim) zu danken waren. Während der Revolution von 1848, die er ablehnte, mußte er mancherlei Anfeindungen ertragen; er spielte damals sogar mit dem Gedanken, sein Unternehmen nach Hamburg oder England zu verlegen. Eine ihm angetragene Kandidatur für die Frankfurter Nationalversammlung lehnte er ab. Angesichts seit 1850 rückläufiger Geschäfte im Baumwollhandel nahm er auch den Handel mit Strümpfen, Handschuhen und Wäschestoffen auf, die er vor allem in eigens dafür geschaffenen Faktoreien im Thüringer Wald und auf dem Eichsfeld herstellen ließ. Dies geschah zu einer Zeit, als er bereits von wiederholten Krankheitsanfällen geplagt wurde. 1851 erwarb er das Rittergut Klein-Ballhausen b. Tennstedt, wo er sich seitdem während des Sommers zumeist aufhielt. – Nach L.s Tod übernahm seine Witwe die Führung des Unternehmens, eine Aufgabe, die sie bei Abwesenheit ihres Mannes auch früher schon häufig wahrgenommen hatte.

  • Literatur

    Die Erfurter Fam. Sebastian Lucius, 1894, S. 12 ff. (P);
    K. Trutz, in: Mitteldt. Lb. III, 1928, S. 362-72 (P);
    Ahnenliste Lucius-Hebel, in: H. F. v. Ehrenkrook, Ahnenlisten aus allen dt. Gauen III, 1937 ff., S. 39 ff.;
    J. Biereye, Erfurt in seinen berühmten Persönlichkeiten, Sonderschr. d. Ak. gemeinnütziger Wiss. zu Erfurt, H. 11, 1937, S. 66 ff.;
    W. Huschke, Forschungen üb. d. Herkunft d. thür. Unternehmerschicht d. 19. Jh., in: ZUG, 2. Beih., 1962, S. 19.

  • Autor/in

    Wolfgang Huschke
  • Empfohlene Zitierweise

    Huschke, Wolfgang, "Lucius, Sebastian" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 276 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137876130.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA