Lebensdaten
vermutlich zwischen 1510 und 1515 bis 1582
Geburtsort
Westfrankreich
Sterbeort
Lausanne
Beruf/Funktion
Karmeliter ; reformierter Theologe
Konfession
katholisch,reformiert
Normdaten
GND: 128978678 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Boucquin, Pierre
  • Boquin, Pierre
  • Bouquin, Peter
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Bouquin, Pierre, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128978678.html [20.01.2019].

CC0

  • Leben

    1539 als Karmeliter von der Universität Bourges zum Doktor der Theologie promoviert, floh Bouquin 1541 wegen seiner evangelischen Gesinnung nach Deutschland. Durch Melanchthons Vermittlung wurde er zur Fortsetzung von Calvins Lehrtätigkeit nach Straßburg berufen, kehrte aber bald nach Bourges zurück, unter den Schutz der Königin Margarete von Navarra. 1555 floh er von neuem nach Straßburg; seit 1557 war er in Heidelberg ( 1558 theologische Professur) und hatte am Umschwenken der pfälzischen Kirche zum Calvinismus unter Friedrich III. maßgeblichen Anteil. Seit 1560 war er Dekan der theologischen Fakultät und Mitglied des Kirchenrates; er nahm an den Disputationen mit den Lutheranern über die Realpraesenz bzw. die Ubiquitätslehre (1560 Heidelberg, 1564 Maulbronn) teil und setzte sich in dieser Zeit auch in gut ½ Dutzend Schriften mit der lutherischen Abendmahlslehre auseinander. Nach dem Tode Kurfürst Friedrichs III. (1577) abgesetzt, führte er seine Predigt- und Lehrtätigkeit bis zu seinem Tode in Lausanne fort; die Polemik der letzten Jahre ist gegen den römischen Katholizismus gerichtet. Das Schwankende in seiner Haltung (in Frage kommen die Jahre 1542–57) ist nicht als Schwäche, sondern als langsames Reifen zu deuten.

  • Literatur

    ADB III (unter Boquin);
    PRE (W);
    Dict. de Biogr. Franç. VI, 1954, Sp. 1066 f. (unter Boquin), u. Sp. 1382 (unter Bouquin, L).

  • Autor/in

    Heinz Kraft
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraft, Heinz, "Bouquin, Pierre" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 492 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128978678.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Boquin: Peter B. (Bouquin), aus der Guyenne gebürtig, machte seine theologischen Studien auf der Universität Bourges, wo mehrere Lehrer zur Reformation hinneigten, und wurde daselbst Doctor der Theologie 1539. Er trat aber bald darauf, wie es scheint, in den Karmeliterorden und wurde zum Prior seines Klosters erwählt. Doch die evangelischen Anregungen, die er während seiner Studienzeit empfangen, und die fortgesetzte Beschäftigung mit der heiligen Schrift ließen ihm keine Ruhe, bis er im J. 1541 das Kloster und sein Vaterland verließ. Nach einigem Herumirren übernahm er für kurze Zeit eine Stelle als Lehrer der Theologie in Straßburg, kam darauf nach Bourges zurück, wo er unentgeltlich die hebräische Grammatik lehrte und Theile des A. T. auslegte. Nachdem er durch die Vermittlung der Königin von Navarra einige Zeit eine Predigerstelle an der Kathedrale von Bourges bekleidet hatte, mußte er diese Stelle wieder aufgeben und aufs neue den Wanderstab ergreifen. Nachdem er seit 1555 zwei Jahre lang in Straßburg an der dortigen französischen Gemeinde als Prediger gewirkt hatte, berief ihn der pfälzische Kurfürst Otto Heinrich 1557 als Professor der Theologie nach Heidelberg; das wieder auftauchende ubiquistische Lutherthum vertrieb ihn von Heidelberg, wo er nahe an zwanzig Jahren gewirkt hatte. Eine Stelle als Professor der Theologie in Lausanne vertrat er nur ganz kurze Zeit; er starb daselbst plötzlich 1582. Der größere Theil seiner Schriften betrifft den Sacramentstreit zwischen Lutheranern und Reformirten; eine ist gegen die Jesuiten gerichtet, eine andere gegen den dem Pharisäismus ähnlichen Papismus.

    • Literatur

      France protestante. M. Adam, Vitae eruditorum cum germanorum tum exterorum.

  • Autor/in

    Herzog.
  • Empfohlene Zitierweise

    Herzog, Johann Jakob, "Bouquin, Pierre" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 150 unter Boquin, Peter [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128978678.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA