Lebensdaten
1890 bis 1952
Geburtsort
Butzbach (Hessen)
Sterbeort
Klagenfurt
Beruf/Funktion
Bauingenieur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 140034919 | OGND | VIAF: 166273736
Namensvarianten
  • Loos, Wilhelm
  • Loos, W.

Orte

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Zitierweise

Loos, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140034919.html [06.12.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf, Pfarrer in B., S d. Lehrers Wilhelm in Södel (Hessen);
    M Wilhelmine Bapst, T e. Richters;
    1918 Aenne Heienbrock;
    3 S.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung am Realgymnasium in Gießen 1908 studierte L. an der TH Darmstadt Bauingenieurwesen und legte dort 1912 die Diplom-Hauptprüfung ab. Zwei Jahre war er danach im Tiefbautechnischen Büro Heyd in Darmstadt mit Entwürfen und der Bauleitung von Kanalisations- und Kläranlagen, Wasserversorgungseinrichtungen und Pumpstationen befaßt. Im Krieg 1914-18 war L. u. a. als Eisenbahnpionier im Eisenbahn- und Brückenbau in Polen, Rußland, Frankreich und Belgien eingesetzt. Im Juli 1918 bestand er die Prüfung als Regierungsbaumeister, ließ sich dann aber aus dem Staatsdienst beurlauben, um bei Privatfirmen weitere Erfahrungen zu sammeln. So arbeitete er 1918-20 bei der Firma Carl Brand in Düsseldorf, zuletzt als Leiter der Niederlassung in Holland, und anschließend bei Dyckerhoff & Widmann, vorwiegend als Entwerfer und Bauleiter großer Stahlbetonkonstruktionen. Danach ging er für 10 Jahre nach Niederländ.-Indien. Dort war er zunächst als Beratender Ingenieur in Batavia (Djakarta) für ein Ingenieurbüro tätig, dann für zwei Schiffahrtsgesellschaften in den Häfen von Java, Sumatra und Celebes und schließlich für eine große Pflanzungsgesellschaft, in der er für Bau und Unterhaltung von Bahnen, Brücken, Kanälen und Fabriken zuständig war. Spezielle Erfahrungen sammelte er in dieser Zeit auf dem Gebiet der Gründung von Bauwerken, besonders bei Hafenanlagen. Er verarbeitete sie in seiner Dissertation „Kritische Betrachtung von Flach- und Pfahlgründungen besonders in den Hafenplätzen Niederländisch-Indiens“, mit der er während eines Heimaturlaubs 1930 an der TH Berlin zum Dr.-Ing. promovierte.

    Nach der Rückkehr aus den Tropen 1932 arbeitete L. für kurze Zeit am Lehrstuhl für Erd- und Grundbau an der TH Wien als Assistent bei Karl v.von Terzaghi, dem Begründer der Bodenmechanik. Im folgenden Jahr wurde er zum Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Bodenmechanik in Berlin bestellt. 1934 habilitierte er sich an der dortigen TH und erhielt 1937 einen Lehrauftrag für Baugrunduntersuchungen. 1938 wurde er an derselben Hochschule als o. Professor auf den neuen Lehrstuhl für Wehrbautechnik an der Wehrtechnischen Fakultät berufen. Im Dienste der Baugrundforschung, der stets seine besondere Neigung galt, errichtete L. 1939 in Berlin ein leistungsfähiges Erdbaulaboratorium, dessen wertvolle Bestände über den 2. Weltkrieg hinweg gerettet werden konnten und später die Grundlage für den Aufbau einer großen Forschungsanstalt werden sollten.

    Nach dem Krieg war L. zunächst Beratender Ingenieur in Lüneburg und Hamburg, wo er mit den geretteten Berliner Beständen in einem Hochbunker ein neues Erdbauinstitut einrichtete. 1947 beschloß die Verwaltung für Verkehr des Vereinigten Wirtschaftsgebiets (Brit. und US-Zone), eine überregionale Anstalt für Wasser-, Erd- und Grundbau zu schaffen, in die L.s Erdbauinstitut integriert werden sollte. Heinrich Wittmann, Professor für Wasserbau an der TH Karlsruhe, schlug|vor, diese Anstalt dort zu errichten, zumal in leerstehenden Kasernen geeignete Räume zur Verfügung standen. L.s Institut übersiedelte daher nach Karlsruhe, wo am 1.2.1948 die Forschungsanstalt für Wasser-, Erd- und Grundbau gegründet wurde, aus der später die Bundesanstalt für Wasserbau hervorging. L. übernahm die Abteilung Erd- und Grundbau, Wittmann die Gesamtleitung und die Abteilung Wasserbau. 1951 wurde L. als Honorarprofessor auch mit der Vertretung des durch den Tod von Richard Schaffhauser verwaisten Lehrstuhls für Grundbau, Tunnelbau und Baubetriebswissenschaft an der TH Karlsruhe betraut. Kurz vor seiner Ernennung zum Ordinarius verstarb er während eines Urlaubs.

    Die Ergebnisse von L.s Forschungsarbeit sind in 5 Monographien und ca. 50 Aufsätzen niedergelegt. Besondere Beachtung fand sein Buch „Praktische Anwendung der Baugrunduntersuchungen“ (1935), das mehrere Neuauflagen und Erweiterungen erfuhr. Seine praktische Begabung bewahrte ihn aber davor, sich ausschließlich in der Theorie zu verlieren. Mit seiner Arbeit als Forscher und Lehrer verband er eine umfangreiche beratende und gutachterliche Tätigkeit für Industrie und Behörden. Er gehörte zahlreichen Fachvereinigungen an, u. a. dem niederländ. Koninklijk Institut van Ingenieurs, dem Highway Research Board (USA) und dem Forschungsbeirat der Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen. Seit 1950 war L. Vorsitzender des Deutschen Architekten- und Ingenieur-Verbandes (DAI). Es ist vor allem seinem Wirken zu danken, daß die Deutsche Gesellschaft für Erd- und Grundbau bereits 1951 Anschluß an die International Society of Soil Mechanics and Foundation Engineering fand.

  • Literatur

    H. Wittmann, in: Der Bauing. 25, 1950, S. 112 (P);
    O. Luetkens, ebd. 27, 1952, S. 223 f. (P);
    Die Bauwirtschaft 6, 1952, S. 426;
    W. Strickler, in: Die Bautechnik 29, 1952, S. 172 f. (P);
    Aenne Loos (Ehefrau), Lebenswege, Die Gesch. e. dt. Großfam. im 19. u. 20. Jh., 1974;
    Pogg. VII a. -
    Angaben z. Lebenslauf in L.s Diss. (s. o.).

  • Autor/in

    Rolf Fuhlrott
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuhlrott, Rolf, "Loos, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 155 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140034919.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA