Lebensdaten
1796 bis 1840
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Astronom ; Kartograph
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118728903 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lohrmann, Wilhelm Gotthelf

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Zitierweise

Lohrmann, Wilhelm Gotthelf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728903.html [18.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm Gotthelf ( 1817), Ziegelmeister in D.;
    M Sophie Michaelis ( 1812);
    1) Dresden 1819 Christiane Amalie (1796–1827), T d. Bäckermeisters Seifert, 2) Dresden 1828 Henriette (1800–78), T d. Christoph Eusebius Raschig (1766–1827), Dr. med., Gen.stabsmedikus, Prof. a. d. Med.-chirurg. Ak. in D. (s. BLÄ), u. d. Joh. Juliane Hempel;
    4 S, 2 T aus 1), 3 S, 1 T aus 2), u. a. Wilhelm Ferdinand (1830–82), Architekt, Ernst Julius (1835–79), Rechtsanwalt u. Stadtrat in D.

  • Leben

    L. besuchte 1802-10 die Garnisonschule und danach bis 1814 die Bauschule an der Kunstakademie Dresden. 1815 trat er als Landmesser bei der neugegründeten Kameralvermessungsanstalt in Dresden ein, die von W. E. A. v. Schlieben geleitet wurde. Seit 1818 Cameralvermessungsconducteur, nahm er an der Vermessung der sächs. Kammergüter (1815–22) teil; gemeinsam mit Rüdrich bearbeitete er 1818-21 die Blätter Tharandt, Grillenburg, Freiberg und Dresden der Kameralkarte von Sachsen i. M. 1:19 200. Auch an der Aufnahme der Eibstromkarte und an den Floßtraktmessungen war er 1820-23 beteiligt. Im Sommer 1822 besuchte er mit Schlieben zahlreiche auswärtige Vermessungsanstalten. 1823 wurde L. mit der Leitung der neu geschaffenen Lithographischen Gravier-Anstalt als Vermessungsinspektor betraut. 1826 begann er mit der Bearbeitung der topographischen Grundlage der 1836-45 erschienenen „Geognostischen Specialkarte des Kgr. Sachsen“ (Maßstab 1:120 000), für die C. F. Naumann die geologische Kartierung besorgte; sie gilt noch heute als Meisterwerk der Kartographie. – Als es 1828 endlich, vor allem auf Schliebens Anregungen hin, zur Eröffnung der Technischen Bildungsanstalt in Dresden (der Vorgängerin der Technischen Hochschule) kam, wurde L. deren Leitung übertragen. Ebenfalls 1828 übernahm er als Oberinspektor die Leitung des Kgl. Mathematisch-Physikalischen Salons im Zwinger. Als solcher ordnete er die Stellung aller öffentlichen Uhren Sachsens nach mittlerer Zeit an, richtete ein kleines Observatorium ein und bezeichnete die Mittagslinie durch Sandsteinsäulen bei Rähnitz-Hellerau und Rippchen b. Dresden. 1828 begann er mit meteorologischen Beobachtungen und organisierte ein Beobachtungsnetz für ganz Sachsen. In dem 1831 unter Schliebens Leitung bestätigten „Statistischen Verein für das Kgr. Sachsen“ war er Schriftführer und publizierte wertvolle Beiträge zur Topographie und Wetterkunde des Landes. – Vermessend und beratend war L. an der Trassierung der Eisenbahnlinien Leipzig – Dresden (1834/35), Dresden – Chemnitz – Zwickau (1835), Riesa – Chemnitz (1836) und Dresden – Görlitz (1837) beteiligt. Mit F. G. Wieck bereiste er 1836 England zum Studium des Eisenbahnwesens.|– Bereits seit 1821 betrieb L. von seinem Hause aus astronomische Studien. Vor allem befaßte er sich mit der Topographie des Mondes. 1824 erschienen die ersten 4 Sektionen seiner „Topographie der sichtbaren Mondoberfläche“, bis 1836 waren die restlichen Blätter gezeichnet. 1839 erschien seine „Kleine Karte des Mondes“ (38, 5 cm Ø). Seine große „Mondkarte in 25 Sektionen und 2 Erläuterungstafeln“ wurde erst 1878 von Julius Schmidt bei J. A. Barth in Leipzig herausgebracht (21963, hrsg. v. P. Ahnert). L.s reichen wissenschaftlichen Nachlaß wertete f. Schmidt in seinem Werk „Der Mond“ (1856) aus. Nach dem Tode Schliebens wurde noch auf dessen Vorschlag L. 1840 zum Direktor der Kameralvermessung ernannt, starb jedoch, ehe er das neue Amt antreten konnte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Das Planetensystem d. Sonne, 1822;
    Sternschnuppen-Beobachtungen, in: Gilberts Ann. d. Physik 75, 1823, S. 215 f.;
    Meteorolog. Beobachtungen im Kgr. Sachsen, 3 Hh., 1831-33.

  • Literatur

    ADB 19;
    H. Hartenstein. Notizen üb. W. G. L. … in: 5. Jber. d. Städt. Realschule Dresden-Johannstadt, 1895, S. 3-54 (W);
    W. Scheffler, Sachsens TH zu Dresden, 70 J. ihrer Entwicklung, 21899 (P);
    Ein Jh. Sächs. TH 1828-1928, 1928;
    H. Pleiss, Die 1. wetterkundl. Beobachtungen in Sachsen u. d. Verdienste W. G. L.s um d. Meteorol., in: Wiss. Zs. TH Dresden 5, 1955/56, S. 929 f.;
    H. Grötzsch, Staatl. Math.-Physikal. Salon. Gesch., Gestaltung u. Inhalt, in: Dresdner Wiss. Museen 1956, S. 161 f.;
    P. Ahnert, W. G. L., d. Begründer d. modernen Selenographie, in: Kal. Sternfreunde 1957, S. 156 f. (P);
    Lebenserinnerungen d. Kg. Johann v. Sachsen, hrsg. v. H. Kretzschmar, 1958;
    H. U. Sandig, in: Univ.-Ztg. TU Dresden Nr. 1, 1961, S. 4 f. (P);
    A. Weichold, W. G. L., Lb. e. hervorragenden Geodäten, Topographen, Astronomen …, 1985 (W-Verz., L, P);
    Pogg. I, VII a Suppl.

  • Portraits

    Ölgem. v. E. Weser (bis 1945 TH Dresden;
    Aufn. Landesbildstelle Sachsen Nr. 63 011), Abb. in: Personal- u. Vorlesungs-Verz. Med. Ak. C. G. Carus Dresden 1963/64, S. 18 f.;
    Lith. v. L. Stichling n. Gem. v. J. K. Rößler, Abb. b. Weichold, s. L.

  • Autor/in

    Walther Fischer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Walther, "Lohrmann, Wilhelm Gotthelf" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 137 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728903.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lohrmann: Wilhelm Gotthelf L., Astronom, geb. den 31. Jan. 1796 zu Dresden, ebenda den 20. Febr. 1840. Er war der Sohn eines wenig bemittelten Zieglermeisters, erhielt aber doch in der Garnison- und Bauschule eine gute Bildung und ward 1817 als Conducteur bei der sächsischen Landesvermessung angestellt. Zehn Jahre später ward er, als Schmidt's Nachfolger, Inspektor des mathematischen Salons in Dresden und bald nachher auch Vorstand der dortigen technischen Anstalt, aus welcher die heutige technische Hochschule sich entwickelt hat. L. hat in drei Heften (Dresden 1831—33) meteorologische Beobachtungen veröffentlicht, er hat eine populäre astronomische Schrift ("Das Planetensystem der Sonne“, Dresden 1822) verfaßt und sich eingehend mit der Beobachtung der Sternschnuppen beschäftigt. Nicht minder beschrieb er die seiner Obsorge anvertraute Sammlung in einer besonderen Schrift (Dresden 1822). Im J. 1836 ertheilte ihm die königlich sächsische Regierung den ehrenvollen Auftrag, die englischen Eisenbahnen zu studiren, und da er sich dieses Auftrages mit gewohntem Geschicke entledigte, so ward er häufig bei Eisenbahnbauten, z. B. bei Anlegung der oberlausitzischen Bahn, zu Rathe gezogen. Noch am 17. Januar ward ihm durch die Ernennung zum Director der Cameral-Vermessung ein neuer Vertrauensbeweis, allein schon wenige Wochen darauf erlag der völlig gesunde Mann der herrschenden Typhus-Epidemie, betrauert von seiner zweiten Gattin und fünf Kindern. — Lohrmann's Name wird in der Geschichte der beschreibenden Astronomie stets mit hohen Ehren genannt werden. Er hatte sich den Plan gebildet, die sichtbare Oberfläche des Mondes in kleinen Bezirken und mit höchster Genauigkeit darzustellen, und wenn auch, von einer ausgezeichneten Generalkarte des Mondes abgesehen, nur vier Sectionen des großen Werkes von L. selbst der Oeffentlichkeit übergeben werden konnten, so ward doch einerseits Plan und Methode von Beer und Maedler in deren „Mappa selenographica“ vollständig wieder aufgenommen, und andererseits war Julius Schmidt, jetzt in Athen, damals in Olmütz, in der Lage, die nachgelassenen Arbeiten Lohrmann's über die Mondgebirge in seiner schönen Monographie „Der Mond“ (Leipzig 1856) zu verwerthen. Eben derselbe führte auch die unvollkommen gebliebene Mondaufnahme ganz im Geiste des ersten Autors zu Ende, so daß ein hervorragender Astronom der Neuzeit, Simon Newcomb, mit Recht sagen konnte: „Die von Lohrmann 1821 begonnene und nach Zeichnung und Messung durchgeführte, aber jetzt erst durch Julius Schmidt fertig gestellte und herausgegebene „Mondkarte in 25 Sectionen etc.“ (Leipzig 1875) stellt ersteren den tüchtigsten neueren Selenographen ebenbürtig zur Seite.“

    • Literatur

      Grunert's Archiv d. Mathem. u. Phys., liter. Bericht CIII, CVII. — Newcomb, Populäre Astronomie, deutsch von Engelmann, S. 656.

  • Autor/in

    Günther.
  • Empfohlene Zitierweise

    Günther, "Lohrmann, Wilhelm Gotthelf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 138 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728903.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA