Lebensdaten
1649 bis 1716
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Politiker ; Schriftsteller ; Operndichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 123383927 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bostel, Lucas von
  • Bostel, Lukas von
  • Bostel, Lucas von
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Zitierweise

Bostel, Lukas von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123383927.html [16.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Basilius (1599–1669), Hamburger Seidenkrämer und Ratsherr, S des Landmanns Johann;
    M Magd., T des Seidenkrämers Hermann Sickmann;
    Hamburg 1679 Gesa (1657–1723), T des Johann Braun und der Anna Stampeel.

  • Leben

    B. studierte seit 1670 in Heidelberg, später in Leyden die Rechte, erwarb 1674 den Doktorgrad und unternahm anschließend eine fünfjährige Bildungsreise durch ganz Europa. 1679 in die Vaterstadt zurückgekehrt, stürzte er sich als Anhänger der aristokratischen Ratspartei alsbald in die innenpolitischen Wirren, die damals Hamburg erschütterten, ebenso aber auch in das literarische Leben, das mit Begründung der Hamburger Oper aufblühte. 1682 und 1683 war er Präses des Niedergerichts. Gleichzeitig verfaßte er nach italienischen und französischen Vorbildern Singspiele aus der antiken Geschichte und Sage, die von Wolfgang Franck und Nikolaus Adam Strungk vertont wurden. Durchschlagenden Erfolg erzielte 1686 seine Oper „Der glückliche und unglückliche Cara Mustapha“ auf Grund seines gegenwartsnahen Textes und seiner niederdeutschen Coupleteinlage der lustigen Person, die als ein in Hamburg geborener Leibsklave des Großveziers eingeführt wurde. Seine Liebe zur heimatlichen Sprache bewies B. weiter durch seine plattdeutsche Übersetzung der Satiren des Boileau. Bis in sein Alter blieb er Kenner und Gönner der Poesie und Förderer junger Talente.

    Nachdem Hamburg die gefährliche dänische Belagerung von 1686 überstanden und der siegreiche Bürgermeister Heinrich Meurer die Macht wieder übernommen hatte, wurde B. zum Syndikus erwählt und verfaßte die offizielle Justifikation des Verfahrens gegen die „Stadtverräter“ (1687). Im selben Jahr zum Bürgermeisteramte vorgeschlagen, hatte er sowohl damals wie bei den folgenden fünf Neuwahlen das Los gegen sich, so daß er erst als 60 jähriger 1709 die höchste Würde errang. Gesandtschaften führten ihn 1688-94 während des Koalitionskrieges gegen Frankreich wiederholt nach Berlin, zu den Konföderierten, in den Haag und nach London zu König Wilhelm von Oranien, auch nahm er 1697 an den Verhandlungen zu Rijswijck teil und erreichte hier den Einschluß der Hansestädte in den allgemeinen Frieden. Liebenswürdig und geistreich, klar im Vortrag und durch ein untrügliches Gedächtnis unterstützt, mit außergewöhnlicher Redegewalt begabt, wußte er im Rate der Großen die Stimme seines kleinen Gemeinwesens wirksam zur Geltung zu bringen; es wird berichtet, der große Oranier habe unter dem Eindruck seiner Rede spontan einen kostbaren Ring vom Finger gezogen und dem Sprecher angesteckt. Als Führer der B.schen Partei im Rat suchte er die in erneuten Wirren seit den letzten Jahren des 17. Jahrhunderts fast zugrunde gerichtete Autorität der regierenden Körperschaft auf alle Weise zu stützen und war wohl nicht unbeteiligt an der Einsetzung einer kaiserlichen Kommission unter dem Grafen Damian Hugo v. Schönborn 1708 zur Wiederherstellung der Ordnung. In seinem Auftrag verfaßte 1710 Barthold Hinrich Brockes jene „extraordinäre Serenata“, in der die allegorische Gestalt der „Hammonia“ zur offiziellen Schutzgöttin der Stadt proklamiert wurde. In der Folge wurde er der Haupturheber und Mitverfasser des hochbarocken Verfassungskunstwerks der Jahre 1710–12, das den inneren Unruhen ein Ende setzte und als unübertreffliches Muster einer „gemischten“ Verfassung in ganz Europa angestaunt wurde.

  • Literatur

    ADB III;
    A. Fabricius, Memoriae Hamburgenses, Bd. 5, Hamburg 1723, S. 298-321;
    Goedeke III, 1887, S. 333 f. (W);
    K. Th. Gaedertz. Das niederdt. Drama v. d. Anfängen bis z. Franzosenzeit, 1894, S. 81 ff. - Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Heinrich Reincke
  • Empfohlene Zitierweise

    Reincke, Heinrich, "Bostel, Lukas von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 486 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123383927.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bostel: Lucas v. B., geb. 11. Octbr. 1649 zu Hamburg, daselbst 15. Juli 1716. Als er nach Beendigung seiner juristischen Studien und einer fünfjährigen Reise durch Deutschland, England, Frankreich und Italien nach Hamburg zurückgekehrt war, nahm er lebhaften Antheil an den Arbeiten Postel's, Hunold's, Feind's u. A. für die hamburgische Oper, welcher Musiker wie Lully, Keyser, Mattheson und der berühmte Händel ihre Kräfte widmeten. Fünf Operntexte von ihm sind erhalten, die theils aus dem Französischen, theils aus dem Italienischen übersetzt sind. Der umfangreichste ist der letzte von 1686, „Der glückliche und unglückliche Cara Mustapha“, componirt von Francke, zu dessen Aufführung 48 verschiedene Decorationen und Maschinen nöthig waren. B. ward 1687 Syndicus und übernahm als solcher verschiedene wichtige Gesandtschaften, u. a. zum Ryswyker Friedenscongreß; 1709 ward er Bürgermeister. Man darf ihn nicht verwechseln mit dem Stader Rathsherrn Nicolaus v. Bostel, geb. 6. Octbr. 1670, 13. Jan. 1704, von dem lateinische und deutsche Gedichte unter dem Titel: „Poetische Nebenwerke“, Hamburg 1708, gedruckt sind.

    • Literatur

      Schröder, Hamb. Schriftst.Lex. Zeitschrift des Vereins für hamb. Geschichte III. 34 ff.

  • Autor/in

    Redlich.
  • Empfohlene Zitierweise

    Redlich, "Bostel, Lukas von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 192 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123383927.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA