Lebensdaten
1762 bis 1802
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
jüdischer Exeget ; Aufklärer ; Hebraist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117165859 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Löwe, Joel
  • Bary''L, Yo'el
  • Bril
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Zitierweise

Löwe, Joel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117165859.html [26.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Juda, verlor als Wechsler 1764 s. Vermögen, eröffnete dann e. Schule f. Talmudunterricht;
    M N. N.;
    B Elean, Privatlehrer, kaiserl. Zensor in Riga;
    1792 Bella Sina aus Breslau;
    1 S.

  • Leben

    Der Vater eines Mitschülers mit Namen Aharon Meyer nahm L. um 1772 in sein Haus auf. Mit dessen Söhnen erhielt er durch Privatlehrer neben dem Unterricht in hebrä. Sprache und Literatur die allgemeine Schulbildung. 1777 wurde er Handlungsgehilfe im Geschäft seines Pflegevaters, gab aber die kaufmännische Laufbahn 3 Jahre später auf, um bei David Friedländer eine Hauslehrerstelle anzunehmen. Über Friedländer kam er in nahe Verbindung mit Moses Mendelssohn und so unter den Einfluß der jüd. Aufklärung. Zu seinen Freunden im Kreis um Mendelssohn gehörten Isaak Satanow und Isaak Euchel. 1784 gründete L. mit anderen jüd. Hauslehrern die „Gesellschaft der Hebrä. Literatur-Freunde“. 1786 war er deren Vorsitzender und hat mit Aharon Wolfssohn mehrere Jahre lang die Monatsschrift der Vereinigung „Der Sammler“ (1784-97) herausgegeben.

    Nach Gründung der „Kgl. Wilhelmsschule“ in Breslau 1790 wurde L. zum Inspektor und Oberlehrer an dieser Einrichtung für jüd. Kinder ernannt und in das Direktionskollegium berufen. Er wurde 1791 Professor und erhielt das Recht, öffentliche Vorlesungen über Kant zu halten. Als Lehrer in Breslau hat L. im Geist der Aufklärung gewirkt und im Streit mit der jüd. Gemeinde um den Talmudunterricht die Selbständigkeit der Schule verteidigt. 1794 griff er mit der Schrift „Schreiben an die würdigen Mitglieder der wohltätigen Beerdigungsgesellschaft“ in den Streit um die frühe Beerdigung der Juden ein, um eine längere Zeitspanne zwischen Tod und Begräbnis durchzusetzen.

    L.s Werk umfaßt neben zahlreichen Gedichten und Artikeln in „Der Sammler“ und Beiträgen in Eichhorns „Allgemeiner Bibliothek der biblischen Literatur“ Kommentare zu verschiedenen biblischen Büchern in hebrä. Sprache, insbesondere zu den Psalmen, zum Hohen Lied, zum Prediger und zum Buche Jona. Der Kommentar zu den Psalmen umfaßt auch Abhandlungen zur hebrä. Poesie und jüd. Musik. Von seiner ebenfalls hebrä. geschriebenen Grammatik „Elemente der hebrä. Sprache“ ist 1794 nur der 1. Teil erschienen. Weiterhin hat er deutsche Übersetzungen des Pentateuch, der Klagelieder und der Pesach-Haggadah veröffentlicht. Dazu kommen verschiedene Aufsätze in den von Campe herausgegebenen „Beiträgen zur Beförderung der fortschreitenden Ausbildung der deutschen Sprache“ (1795-97). Diese sind, wie das gesamte Werk, von Goethe und Schiller in den Xenien verspottet worden (vgl. E. Boas, Schiller und Goethe im Xenienkampf I [1851], Xenien 141 und 179). Unvollendet geblieben ist ein Wörterbuch zur deutschen Sprache, das unter dem Titel „Der Sprachforscher“ erscheinen sollte. Postum sind 1803 die „Beiträge zur Kritik der deutschen Sprache“ herausgegeben worden.

  • Literatur

    ADB 19;
    Literar. Beil. z. d. Schles. Provinzbll. 1802, S. 79-88;
    M. Freudenthal, Die ersten Emanzipationsbestrebungen d. Juden in Breslau, in: Mschr. f. Gesch. u. Wiss. d. Judenthums 37, 1893; W-Verz.:
    W. Zeitlin, Bibl. Hebraica, 1891, S. 215;
    J. Fürst, Bibl. Judaica I (Nachdr. 1960), S. 268 f.;
    Enc. Jud.

  • Autor

    Volkmar Fritz
  • Empfohlene Zitierweise

    Fritz, Volkmar, "Löwe, Joel" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 83 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117165859.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Löwe: Joel L., Exeget und Hebraist, am 11. Februar 1802 in Breslau. In seinen hebräischen Schriften nennt er sich J. Bril (d. i. Ben R. J. L.) nach seinem Vater Jehuda Löb, nach dessen Beinamen er den Familiennamen Löwe annahm. L. war das Kind armer Eltern, die er frühzeitig verloren zu haben scheint, denn als neunjähriger Knabe wurde er von einem wohlthätigen Manne adoptirt, in dessen Hause er in Wohlstand erzogen wurde und eine sorgfältige Erziehung genoß. In seinem 20. Lebensjahre scheint er nach Berlin gekommen zu sein, wo der Vielschreiber Isak Satanov sein Lehrer wurde. Dort lernte er Moses Mendelssohn kennen, zu dessen Freunden und Bewunderern er gehörte und wurde Erzieher im Hause David Friedländer's. In engem Freundschaftsbunde blieb er stets mit seinem Jugendgenossen Jsak Euchel, dessen Erstlingswerk, eine in hebräischer Sprache verfaßte ausführliche Biographie Mendelssohn's, ein Widmungsschreiben an ihn enthält. Sein Leben beschloß er als erster Oberlehrer an der jüdischen Wilhelmsschule in Breslau. Außer vielen Gedichten und Aufsätzen in der jüdischen Zeitschrift Hameassef, deren Mitredacteur er war, hat er auch Commentare zu mehreren biblischen Schriften veröffentlicht, die im Geschmacke der Mendelssohn'schen Schule gehalten sind. Sein Hauptwerk ist der an die Mendelssohn'sche Uebersetzung sich anschließende Commentar zu den Psalmen, dessen umfassende Einleitung auch eine Geschichte der biblischen Poesie darbietet. Der Plan eines vollständigen Lehrgebäudes der hebräischen Sprache ist nicht zur Ausführung gekommen und auch von dem Werke "Elemente der ibrischen Sprache" blos der erste Theil erschienen (1794). Seine sonstigen Schriften mit Ausnahme einzelner Arbeiten in Eichhorn's Allg. Bibl. d. biblischen Litteratur sind bedeutugslos.

    • Literatur

      Ueber seine Schriften s. Fürst, Bibliotheca judaica II, 268.

  • Autor

    Brüll.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brüll, Adolf, "Löwe, Joel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 297 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117165859.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA