Lebensdaten
1778 - 1844
Geburtsort
Wassersuppen Bezirk Taus (Böhmen)
Sterbeort
Annathal Bezirk Schüttenhofen (Böhmen)
Beruf/Funktion
Glasfabrikant ; Unternehmer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13785319X | OGND | VIAF: 86027393
Namensvarianten
  • Lötz, Johann
  • Lötz, Johann

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Zitierweise

Lötz, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13785319X.html [18.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Martin ( 1819), Uhrglasschleifer, S d. Glasschneiders Christoph in Roding (Bayern) u. d. Barbara N. N.;
    M Maria Magdalena, T d. Georg Adam Simml u. d. Anna Margarethe N. N., 2) Cäcilia (1752–1808), Uhrglasschleiferin, T d. Eisenschmiedes Andreas Bock u. d. Magdalena N. N.;
    1) Bergreichenstein 1798 Theresia (1774–1828?), T d. Stadtbeamten Anton Mischel, 2) ebd. 1834 Susanna (1809–87), 1845-79 Leiterin d. L.schen Unternehmens ( 2] 1845 Dr. iur. Franz Xaver Gerstner, 1816–55, Rechtsanwalt u. Notar, Gesellschafter d. Glasfabrik, 1848 Abg. z. Frankfurter Parlament), T d. Hafnermeisters Joh. Georg Hus(s)ka in Kuttenplan Bez. Plan (Böhmen) u. d. Franziska Tischler;
    3 S, 1 T aus 2) Johann Baptist (1835–81), Glasmeister in Neu Hurkenthal Bez. Schüttenhofen, Anton (1838–77), Betriebsleiter d. L.schen Glasfabrik, Ernst (1842–83/84), Rechtsanwalt u. Notar, Karoline (1836–99, ⚭ Maximilian Rr. v. Spaun, 1827–97, Notar);
    E Maximilian Johann Rr. (seit 1902 Frhr.) v. Spaun (1856–1909), Glasindustrieller, seit 1879 Leiter d. Unternehmens;
    Ur-E Maximilian Robert Frhr. v. Spaun (1883–1944), Glasindustrieller, seit 1909 Leiter d. Unternehmens;
    Urur-E Marie Luise Freiin v. Spaun (1918–83, Dipl.-Ing. Kurt Altmann-Althausen, 1917-74 [S d. Industriellen Julius Altmann-Althausen, 1890-1962], 1939-45 Leiter d. Unternehmens, d. er u. sein Vater 1948 in Kufstein neu begründeten).

  • Leben

    L. lernte bei seinem Vater die Glasschleiferei. 1797 finden wir ihn als „Glasschneider“ (Glasschleifer) in Böhmerwälder Glashütten der Herrschaft Bergreichenstein. 1824 ist er neben Josef Schmid mit einem Anteil von 50% Glashüttenpächter und -meister der 1799 von Josef und Ignaz Eisner errichteten Glashütte Goldbrunn bei Innergefild und der Glashütte Vogelsang, Gemeinde Rothsaifen (errichtet vor 1584), beide im Besitz der Herrschaft Bergreichenstein. L. erwarb sich auf diesen Hütten einen Namen mit der Herstellung von veredeltem farbigem und weißem Hohlglas, auch Kreideglas genannt, das, mit „Lötz“ signiert, in vielen Ländern Absatz fand. Dabei waren anfangs vor allem die Türkei und die Vorderasiat. Herrscherhäuser wichtige Kunden. Die vorzügliche Reinheit, die feurigen Farben des Glases und das Weiß der sog. Eisvasen sowie die Zierlichkeit des Schliffes waren L.s Spezialität. Seine Gläser übertrafen ähnliche Konkurrenzerzeugnisse und brachten der Firma „Johann Lötz, Schmid & Sohn“ schon 1829 bei der öffentlichen Ausstellung der Industrieerzeugnisse Böhmens in Prag eine Bronzemedaille ein.

    L. verkaufte 1836 seinen Geschäftsanteil an Schmid und dessen Sohn und pachtete in Annathal eine größere Glashütte, die von Augustin Müller, Hüttenmeister, Ratsherr und Bürgermeister von Bergreichenstein, um|1798 vergrößerte, wegen ihrer Lage an der Wottawa so benannte „Wasserhütte“ mit Glasschneider-, Vergolder- und Malerwerkstätten. Der Pachtvertrag war bis 1849 befristet. L.s Unternehmen erlangte nun Weltruf mit der Herstellung von feinstem Tafelglas und künstlerisch gestaltetem Hohlglas. Schwer erkrankt, verfaßte L. am 5.3.1844 sein Testament. Sein Vermögen betrug zu diesem Zeitpunkt 103 600 Goldgulden; hinzu kam eine Forderung von 10 000 Gulden an die Glasmacherfamilie Abele. Damit gehörte L. zu den reichsten Glasfabrikanten im Böhmerwald.

    Seine Witwe führte das Unternehmen bis 1879 weiter, seit 1863 unter der Firma „Johann Lötz Witwe“. Sie übernahm Anteile der Abeleschen Glashütte in Hurkenthal, Gemeinde Stadeln. Nach ihrer Wiederverehelichung (1845) erwarben sie und ihr zweiter Mann die Ferdinandshütte bei Markt Eisenstein. Nach Beendigung der Pacht in Annathal (1849) pachteten sie die 1836 von Johann Christoph Eisner errichtete Glashütte mit Glasfabrik in Klostermühle, Gemeinde Unterreichenstein, und kauften diese 1851. Die Erzeugung wurde nach und nach dorthin verlegt. L.s Schwager Michael Huska war 1836-63 Betriebsleiter der Glasfabrik. Das Unternehmen wurde 1879 von L.s Enkel Maximilian Johann Ritter v. Spaun übernommen, konnte zunächst weiter ausgebaut werden, geriet jedoch nach der Jahrhundertwende wegen zu hoher Entnahmen in Schwierigkeiten. L.s Urenkel Maximilian Robert Frhr. v. Spaun mußte 1911 Konkurs anmelden, doch konnte der Betrieb mit Krediten und öffentlichen Mitteln aufrecht erhalten werden. 1939 gelangte das Unternehmen in den Besitz der mit den Spauns verschwägerten Familie Altmann-Althausen, die es bis zur Vertreibung 1945 weiterführte, wobei noch immer hochwertige, mit „Lötz“ signierte Gläser das wichtigste Erzeugnis waren. Die weltbekannte Signatur wurde auch beibehalten, als der Betrieb verstaatlicht wurde. Doch nach wenigen Jahren wurde die Produktion in Klostermühle eingestellt und die Firma gelöscht (1951).

    Ende 1948 gründeten Kurt und Julius Altmann in Kufstein die Firma „Tiroler Glashütte Altmann-Althausen, Johann Lötz Enkel KG“ neu. Das Unternehmen erzeugte „Glas und Glaswaren in Kristall und Bleikristall, weiß und farbig, mundgeblasenes Hohlglas“, signiert mit „Lötz“. Die Firma wurde 1954 durch Zwangsvergleich beendet. Die Kufsteiner Glashütte wurde von Walter Riedel aus Polaun Bez. Gablonz übernommen und entwickelte sich seither zu einem weltbekannten Unternehmen.

  • Literatur

    Ber. d. Beurteilungs-Comm. üb. d. im J. 1829 unter d. Leitung d. böhm. k.k. Landesguberniums stattgefundene öffentl. Ausstellung d. Industrie-Erzeugnisse Böhmens, 1831, S. 44, 148;
    Die Großunternehmen Österreichs II, 1898, S. 178, 1909, S. 126;
    J. Blau, Die Glasmacher im Böhmer- u. Bayerwald II, 1956, S. 151 f., 200, 202;
    Biogr. Lex. z. Gesch. d. böhm. Länder II, 1983, S. 483;
    F. Stieß, Lötzová sklárna v Klášterském Mlýně u. Rejstejna (Die Glashütte Lötz in Klostermühle b. Unterreichenstein), in: Časopis Společnosti přátel starožitností (Zs. d. Ges. d. Freunde f. Altertümer) Jg. 59, 1951, S. 201-20;
    ders., Sklárna v Klášterském Mlýně v letech 1928-47 (Die Glashütte in Klostermühle in d. J. 1928–47), in: Sklář a keramik (Glasmacher u. Keramiker), Jg. 18, 1968, S. 235 ff.;
    A. Adlerová, Secesní sklo sklárny Loetz, in: Sborník vlastivědných prací o Šumavě k 650. výročí města Kašperské Hory (Sezessionsglas d. Glashütte Lötz, in: Sammelbd. heimatkundl. Arbb. (Aufsätze) üb. d. Böhmerwald zum 650. Gründungsj. d. Stadt Bergreichenstein), 1980, S. 165-70;
    R. Mattula, Klostermühle, Gemeinde Unterreichenstein, in: Festschr. z. Gründung d. Patenschaft d. Stadt Regen üb. Böhmerwäldler aus d. Kr. Bergreichenstein u. d. Gemeinde Seewiesen, 1984, S. 45, 47.

  • Autor/in

    Erhard Marschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Marschner, Erhard, "Lötz, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 67-68 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13785319X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA