Lebensdaten
1877 bis 1962
Geburtsort
Königgrätz (Böhmen)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
katholisch,evangelisch Augsburger Bekenntnisses
Normdaten
GND: 118728709 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lodgman von Auen, Rudolf
  • Auen, Rudolf Lodgman von
  • Auen, Rudolph Lodgman von
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Zitierweise

Lodgman von Auen, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728709.html [18.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Josef (1839–87), Dr. iur., Landesadvokat in K., S d. Kameralverwaltungssekr. Karl in Pilsen u. d. Theresia Marie Elisabeth Payer v. Payersfeld;
    M Marie Alter (* 1843), T d. Vincenz Rr. Alter v. Waltrecht (1810–88), Wirtsch.rat d. Erzhzg. Ludwig Salvator, Mitgl. d. Zentralkomm. f. d. Grundsteuer, u. d. Anna Grimm;
    Wien 1909 Anny, T d. Juweliers Theodor Filipek in Wien u. d. Karoline Kern;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    Nach dem Tod des Vaters wurde L. in der Welt des Prager Deutschtums geistig und politisch geformt. Er studierte die Rechte in Prag und Wien (1901 Dr. iur. in Prag). Zunächst tätig bei den Bezirkshauptmannschaften in Prag, Aussig und Marienbad, lehnte er 1906 die Karriere eines österr. Staatsbeamten ab und trat als Kanzleivorstand in die „Zentralstelle der deutschen Verwaltungsbezirke in Böhmen“ (seit 1913 „Verband der deutschen Bezirke in Böhmen“) in Aussig ein. Im 1. Weltkrieg nahm er als Leutnant d. Res. an den Feldzügen in Galizien, Wolhynien, Südtirol und an der Isonzo-Front teil. Bereits 1911 war L. als unabhängiger Kandidat in das Abgeordnetenhaus des österr. Reichsrats, 1912 in den Böhm. Landtag gewählt worden. 1912-14 beteiligte er sich aktiv an den deutsch-tschech. Ausgleichsverhandlungen. 1917 überreichte er Kaiser Karl eine Denkschrift über „Die Autonomie und ihre Bedeutung für Österreich-Ungarn“, in der er einen Umbau der Doppelmonarchie in einen Nationalitätenbundesstaat vorschlug. Diese Gedankengänge kamen – zu spät – am 18.10.1918 im Manifest Kaiser Karls zum Tragen. L. gehörte damals zum Kreis der Kandidaten für das Amt des österr. Ministerpräsidenten.

    Nach der Gründung der deutsch-österr. Provinz Deutsch-Böhmen am 29.10.1918 wurde L. nach dem Rücktritt von Rafael Pacher zum Landeshauptmann dieser Provinz gewählt. Als tschech. Militär unter Mißachtung des Selbstbestimmungsrechts Deutsch-Böhmen besetzte, mußte er mit seiner Landesregierung über Sachsen nach Wien fliehen, nachdem vorher die Organisation einer Landesverteidigung gescheitert war. In Wien trat L. für einen gesamtdeutschen Volksstaat unter Einschluß der deutsch-österr. Gebiete ein, in dem Deutsch-Böhmen ein selbständiger Bundesstaat werden sollte. In diesem Sinn verhandelte er mit dem Vertreter der US-Friedensdelegation, A. C. Coolidge, in der Schweiz. Als Mitglied der österr. Friedensdelegation in St. Germain trat er, nachdem sein Plan einer Einbeziehung der sudetendeutschen Gebiete in das Deutsche Reich gescheitert war, mit dem österr. Staatskanzler Karl Renner für eine föderative Gestaltung der tschechoslowak. Verfassung nach Schweizer Muster ein. Auch dieser Vorschlag wurde zugunsten eines tschechoslowak. Nationalstaates verworfen.

    Nach der Rückkehr in seine Heimat im Okt. 1919 nahm L. den Kampf um die föderative Gestaltung der Tschechoslowakei wieder auf und verhandelte vergeblich mit dem tschechoslowak. Staatspräsidenten Masaryk. Auch sein Versuch, sudetendeutsche Vertreter an der verfassunggebenden tschechoslowak. Nationalversammlung zu beteiligen, scheiterte am Einspruch des Ministerpräsidenten Tusár. 1920 wurde L. zum Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Selbstverwaltungskörper in der Tschechoslowakei mit Sitz in Teplitz-Schönau bestellt und im selben Jahr als Kandidat der Deutschen Nationalpartei in das Prager Parlament gewählt. Bald darauf erfolgte durch ihn die Gründung des „Deutschen Parlamentarischen Verbandes“, der alle deutschen Abgeordneten in der Tschechoslowakei erfassen sollte. 1924 versuchte L., das Sudetendeutschtum in einer überparteilichen Einheitsfront, dem „Sudetendeutschen Verband“, zu einigen. Dieser Plan stieß jedoch auf den energischen Widerstand der Parteien. Nach dem schlechten Abschneiden L.s bei den Parlamentswahlen verzichtete er auf sein Mandat und zog sich aus der aktiven Politik zurück. Auch den Parteivorsitz der Deutschen Nationalpartei, den er seit 1922 innehatte, legte er 1926 nieder. Die aktive Mitarbeit von sudetendeutschen Parteien, auch der „Sudetendeutschen Partei“ (bzw. „Sudetendeutschen Heimatfront“) Konrad Henleins, in der tschechoslowak. Politik lehnte er entschieden ab. Nach dem Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich 1939 trat L. für eine Aufteilung des Sudetenlandes an die benachbarten deutschen Gebiete ein. Als auch dieser Vorschlag durch die Schaffung des Reichsgaus Sudetenland nicht verwirklicht wurde, zog er sich völlig aus der Politik zurück.

    1945 aus Teplitz-Schönau nach Sachsen vertrieben, konnte L. 1947 nach Freising übersiedeln. Er begann mit dem Aufbau der „Sudetendeutschen Landsmannschaft“, deren Sprecher er bis 1959 war, zu einer überparteilichen Volksgruppenvertretung. Innerhalb der Vertriebenenorganisationen setzte er sich mit der landsmannschaftlichen Gliederung der Vertriebenen durch gegenüber Linus Kather (CDU) und dessen „Zentralverband vertriebener Deutscher“. 1950 schloß L. mit dem Tschech. Nationalausschuß in London unter der Führung von General Lev Prchala das „Wiesbadener Abkommen“, das zur Bildung eines tschech.-sudetendeutschen Föderativausschusses führte. Da er die Lösung des Vertriebenenproblems als eine Aufgabe des gesamten deutschen Volkes betrachtete, lehnte er die Bildung einer eigenen Vertriebenenpartei (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten, BHE) ab. Auf den jährlich abgehaltenen Sudetendeutschen Tagen, zu denen bis zu 500 000 Sudetendeutsche kamen, blieb er bis zu seinem Rücktritt der unbestrittene Führer dieser Volksgruppe.|

  • Auszeichnungen

    Großes Bundesverdienstkreuz (1952). 1952 Gründer u. Vorsitzender d. Verbandes d. Landsmannschaften (VdL); Bayerischer Verdienstorden (1958).

  • Werke

    Das böhm. Bezirksvertretungsgesetz, 1913;
    Die Autonomie u. ihre Bedeutung f. Österreich, 1917;
    Abhh. üb. sudetendt. Städte, 1931 ff.;
    Reden u. Aufsätze, hrsg. v. A. K. Simon, 1955;
    - zahlr. Btrr. in Ztgg. u. Zss.

  • Literatur

    A. Harasko u. H. Kuhn (Hrsg.), R. L. v. A., Ein Leben f. Recht u. Freiheit u. d. Selbstbestimmung d. Sudetendeutschen, 1984;
    A. K. Simon, in: Ein Leben - drei Epochen, Festschr. f. Hans Schütz, 1971, S. 697-742;
    ders., in: Der europ. Osten 10, 1964, S. 577-81;
    ders., R. L. u. d. altösterr. Nationalitätenfrage, in: Der Donauraum 9, 1964, S. 77-82;
    ders., R. L. v. A. u. d. dt.-tschech. Verhältnis, in: Btrr. z. Dt.-tschech. Verhältnis im 19. u. 20. Jh., 1967, S. 47-78;
    ders. (Hrsg.), Festschr. R. L. v. A., 1953 (P);
    H. Partisch, R. L. v. A., 1963;
    Biogr. Lex. z. Gesch. d. Böhm. Länder II, hrsg. v. H. Sturm. 1982, S. 477 f.;
    V. Aschenbrenner, in: NÖB 17, 1968, S. 93-105;
    E. Franzel, Sudetendt. Gesch., 1958;
    F. Wertheimer, Von dt. Parteien u. Parteiführern im Ausland, 1927.

  • Autor/in

    Horst Glassl
  • Empfohlene Zitierweise

    Glassl, Horst, "Lodgman von Auen, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 10 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728709.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA