Lebensdaten
um 1165 bis 1224
Sterbeort
Speyer
Beruf/Funktion
Bischof von Speyer und Metz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137951795 | OGND | VIAF: 86113267
Namensvarianten
  • Konrad III.
  • Konrad
  • Konrad III. von Scharfenberg
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Konrad von Scharfenberg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137951795.html [29.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Reichsministerialien v. Scharfenberg (Vorburg des Trifels);
    V Berthold.

  • Leben

    K., zum Geistlichen bestimmt, besuchte die Domschule von Speyer. 1186-96 ist er als Propst des Stiftes Sankt German vor Speyer, danach als Domdekan bezeugt. Von Juni 1198 bis März 1200 diente er König Philipp von Schwaben als Protonotar; im Frühjahr 1200 wurde er zum Bischof von Speyer gewählt. Auch als Bischof weilte er oft am Hofe Philipps und war für ihn als Ratgeber und Diplomat in den Wirren des staufisch -welfischen Thronstreits tätig. Er war auch zugegen bei der Ermordung des Königs in Bamberg (21.6.1208), nahm die Reichsinsignien in seine Obhut und brachte sie auf den Trifels. Im Interesse des Friedens drängte er nun bei der staufischen Partei auf Anerkennung Ottos IV.; im November übergab er in Frankfurt diesem die Reichsinsignien und übernahm die Leitung der Reichskanzlei. Im Sommer 1209 begleitete er Otto auf dessen Italienzug und bereitete in Verhandlungen mit Innozenz III. die Kaiserkrönung in Rom (4.10.) vor. Im September 1210 kehrte er nach Deutschland zurück, doch im Februar 1212 finden wir ihn noch einmal in der Umgebung des Kaisers in Oberitalien. Dann aber schloß sich auch K. der Opposition gegen den inzwischen vom Papst gebannten Herrscher an. Wohl zum Dank bestätigte Innozenz III. die im Sommer 1212 erfolgte, kirchenrechtlich unzulässige Wahl K.s zum Bischof von Metz. Im Oktober begegnete er in Hagenau erstmals dem staufischen Gegenkönig Friedrich II., der ihn sogleich im Amt des Reichshofkanzlers bestätigte. In den folgenden Jahren war K. eine der politisch einflußreichsten Persönlichkeiten am Hofe des jungen Königs. Im Juli 1220 ging er als Reichslegat nach Italien, um die dortigen Reichsrechte wahrzunehmen und die Kaiserkrönung Friedrichs II. vorzubereiten. Nach der Krönung in Rom (22.11.) war K. noch bis zum Februar 1221 in Mittel- und Oberitalien tätig. Dann kehrte er nach Deutschland zurück, wo er bis zu seinem Tode maßgeblich an der Reichsregierung für den unmündigen Heinrich (VII.) beteiligt gewesen zu sein scheint. – K. gehörte noch zu den bedeutenden geistlichen Fürsten der alten Art, die dem Königtum treu ergeben waren und denen die Reichspolitik mehr am Herzen lag als ihr geistliches Amt. Seine Stellung und sein Ansehen bei Königen und Päpsten hat er allerdings auch dazu benutzt, seinen beiden Bistümern Vorteile zu verschaffen. Für seine persönliche Frömmigkeit dürfte sprechen, daß er der Niederlassung der Franziskaner und Dominikaner in Deutschland den Weg bereitet hat.

  • Literatur

    ADB 16;
    Regg. Imp. V, S. CXXXVI f. u. ö. -
    F. Bienemann, Conrad v. Sch. Bischof v. Speier u. Metz u. kaiserl. Hofkanzler 1200-1224, Diss. Straßburg 1886;
    A. J. Walter, Die dt. Reichskanzlei während d. Endkampfes zw. Staufern u. Welfen, 1938 (dagegen jedoch P. Zinsmaier, in: ZGORh 97, 1949, S. 369 ff.;
    100, 1952, S. 445 ff., u. Die Urkk. Philipps v. Schwaben u. Ottos IV. [1198-1212], 1969);
    P. Acht, Stud. z. Urkundenwesen d. Speyerer Bischöfe im 12. u. im Anfang d. 13. Jh., in: AUF 14, 1936, S. 262-306;
    ders., Die Cancellaria in Metz, 1940;
    F. Schoenstedt, K. v. Sch., in: Westmärk. Abhh. z. Landes- u. Volksforschung 4, 1940, S. 9-21;
    L. Stamer, KG d. Pfalz II, 1949, S. 5-8;
    K. Bosl, Die Reichsministerialität d. Salier u. Staufer I, 1950, S. 220 f. u. 230-33;
    H. Issle, Das Stift St. German vor Speyer, 1974, S. 179-81;
    R. M. Herkenrath, Zwei Urkk. z. Gesch. Reichsitaliens unter d. Staufern, in: Grundwiss. u. Gesch., Festschr. f. P. Acht, 1976, S. 112-19.

  • Autor/in

    Hans Martin Schaller
  • Empfohlene Zitierweise

    Schaller, Hans Martin, "Konrad von Scharfenberg" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 528 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137951795.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Konrad III., Bischof von Speier und Metz, dort Nachfolger des am 3. März 1200 gestorbenen Bischof Otto, 24. März 1224, stammte aus dem Ministerialengeschlechte v. Scharfenberg, welches zur Burgmannschaft des Trifels gehörte, und war vor seiner Erwählung Protonotar König Philipps, dem er als Bischof wie sein Vorgänger und seine Bürgerschaft treu anhing. Ein schöner eleganter Mann, nach Glanz und Genuß begierig, in den Händeln des Staates mehr zu Hause als in den Pflichten seines kirchlichen Amtes und durchaus nicht devot. Einen Courier des Papstes nahm er gefangen, einen anderen wollte er hängen lassen. Mit einigem Grunde wird er für den geistigen Urheber der gegen die Eingriffe des Papstes in das fürstliche Wahlrecht erlassenen Erklärung der Fürsten vom Mai 1200 aus Speier angesehen. Er hat wol auch, um der drohenden Absetzung zu entgehen, wie andere staufische Bischöfe sich 1203, als Philipps Angelegenheiten schlecht gingen, zu dem vom Papste verlangten Reverse in Bezug auf politische Fügsamkeit verstanden, aber dann doch wieder das Möglichste zur Förderung Philipps gethan, dazu geholfen, daß im November 1204 der Erzbischof Adolf von Köln auf dessen Seite übertrat, an Philipps Krönung zu Aachen im Januar 1205 sich betheiligt und im April 1207 für ihn die Huldigung der kölnischen Stadtgemeinde empfangen. An allen Verhandlungen dieses Jahres, welche zur Aussöhnung Philipps mit dem Papste führten, war er betheiligt, aber auch erschreckter Zeuge der Ermordung Philipps durch den Wittelsbacher in Bamberg am 21. Juni 1208. Es scheint, daß der König schon früher für den Fall seines Todes ihn zum Vormunde der Königin Irene-Maria und seiner Kinder bestimmt hatte; jene machte nach Speier Stiftungen und als Philipps Tochter Beatrix auf dem Reichstage zu Frankfurt im November 1208, wo Otto IV. allgemein erwählt wurde, vor diesem gegen den Mörder ihres Vaters Klage erhob, stand Bischof K. ihr zur Seite. Er hatte sich sehr früh, sobald Otto für die Fortsetzung der stauftschen Politik gewonnen worden war, für ihn erklärt und empfing nun, als er ihm zu Frankfurt die auf dem Trifels verwahrten Reichsinsignien auslieferte, das Amt des Hofkanzlers, das er dann bis an seinen Tod behalten hat und vermöge dessen er eine sehr bedeutende Einwirkung auf die jeweilige Regierung auszuüben vermochte. In Otto's IV. Gefolge kam er 1209 nach Italien, hatte als Gesandter desselben im September bei Innocenz III. in Viterbo um die Kaiserkrönung anzuhalten und in Rom die Vorkehrungen für dieselbe (4. Oct. 1209) zu treffen. Als er|im September 1210 nach Deutschland zurückkehrte, war die Agitation gegen Otto schon im Gange; er betheiligte sich an ihr jedoch noch nicht, ging vielmehr im Januar 1212 im Dienste Otto's als Kanzler nochmals nach Italien. Unmittelbar nach seiner Rückkehr von dort ist aber auch K. der Opposition beigetreten und seine angeblichen Enthüllungen über Otto's Pläne in Bezug auf Einziehung oder Besteuerung der Kirchengüter trugen sehr viel dazu bei, die Stellung des Kaisers nachhaltig zu untergraben. Dieser Uebertritt auf die Seite des Papstes verschaffte ihm die damals selten gewährte Erlaubniß, sein bisheriges Bisthum neben dem reicheren Bisthum Metz behalten zu dürfen, zu welchem er im Frühlinge 1212 erwählt worden war: des Papstes Schützling Friedrich II. belehnte ihn gleich, nachdem er an den Oberrhein gekommen war, mit den Regalien von Metz und bestätigte ihm auch das Kanzleramt. In dieser Stellung hat dann K. Friedrichs Bündniß mit dem Könige von Frankreich vermittelt, welches ersterem die nothwendigen Gelder verschaffte, mit denen die förmliche Königswahl in Frankfurt am 5. December und die Krönung in Mainz am 9. December 1212 ins Werk gesetzt wurde, — Vorgänge, über welche K. nicht verfehlte, dem französischen Könige Bericht zu erstatten. Liegt aus den nächsten Jahren kein ausdrückliches Zeugniß über seine Thätigkeit außerhalb der Kanzlei vor, so war und blieb er doch recht eigentlich der vertraute Rath Friedrichs, der ihn am 17. April 1220 zum Reichslegaten für Italien ernannte und ihn mit der Vorbereitung der Krönungsfahrt, den Auseinandersetzungen mit den italienischen Gemeinden und der Kirche und den bedenklichen Verhandlungen mit der Curie über die gegen ihren Willen erfolgte Erwählung seines Sohnes Heinrichs VII. zum römischen Könige beauftragte. Letzteren entging K. übrigens durch eine rechtzeitig sich einstellende Krankheit. Bei der Kaiserkrönung Friedrichs am 22. Novbr. 1220 gelobte er wie dieser eine Kreuzfahrt, die jedoch nicht zur Ausführung kam. Denn die Legatengeschäfte fesselten ihn noch bis zu Ende Februar 1221 an Oberitalien und dann, als er nach Deutschland heimkehrte, wieder die Theilnahme an der Regentschaft für den unmündigen Heinrich VII., in welcher die Kanzlei zu Zeiten wol ihre eigenen Wege ging; endlich am 24. März 1224 ist er gestorben. Für seine Bethätigung als Landesfürst in zwei Bisthümern und als Bischof war ihm wenig Zeit gelassen; Erwähnung verdient jedoch noch sein Bestreben, den Dom zu Speier wieder zur Kaisergruft zu erheben, indem er durchsetzte, daß die Leiche Philipps am 25. Decbr. 1213 dorthin übergeführt wurde. Für seinen überwiegend weltlichen Charakter ist es bezeichnend, daß die Einkünfte seiner beiden Bisthümer und der Kanzlei, vermehrt durch mancherlei Geschenke, für die er sehr empfänglich war, nicht zur Bestreitung seines Aufwandes ausreichen wollten.

    • Literatur

      Remling, Gesch. der Bischöfe von Speyer; Winkelmann, Philipp von Schwaben und Otto IV; dessen Gesch. K. Friedrichs II. und über Konrads italienische Legation besonders Ficker, Forsch, z. Reichs- u. Rechtsgeschichte Italiens, II. 156 ff.

  • Autor/in

    Winkelmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkelmann, Eduard, "Konrad von Scharfenberg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 620-621 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137951795.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA