Lebensdaten
1838 bis 1904
Geburtsort
Retzow (Mecklenburg)
Sterbeort
Berlin-Charlottenburg
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116442603 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hammerstein-Gesmold, Wilhelm Joachim August Karl Alexander Emil Freiherr von
  • Hammerstein-Gesmold, Wilhelm Freiherr von
  • Hammerstein-Gesmold, Wilhelm Joachim August Karl Alexander Emil Freiherr von
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Zitierweise

Hammerstein-Gesmold, Wilhelm Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116442603.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1793–1862), auf Retzow usw., S d. sachsen-meining. Regierungsrats Friedrich (1756–1827), auf R. (s. NND V, S. 1064–66), u. d. Frieder. Christine Sophie v. Lowtzow;
    M Melusine (1809–91), T d. Georg v. Arenstorff, auf Krümmel, u. d. Magdalena v. Zülow;
    Vt Ludwig (1832–1905), 1855 konvertiert, seit 1859 Jesuit, 1868 Priester, 1870/74 Prof. d. Kirchenrechts in Maria Laach u. Dilton Hall, Vf. zahlr. apologetischer u. aszet. Schrr. (Ausgew. Werke, 6 Bde., 1898–1900; s. L. Koch, Jesuiten-Lex., 1934, W, L);
    - Berlin 1864 Charlotte verw. v. Glöden (1824–1904), T d. Dr. med. Hans Frdr. Maaßen in Wismar u. d. Sophie v. Ladiges; Schwägerin Mathilde Christine ( Aug. Drechsler, 1821–97, Präs. d. Reichsgerichts, s. L);
    2 T;
    N Arnold ( 1936), k. u. k. Gesandter, Hans (1867–1933), preuß. Gen.-Major, Vorsitzender d. Waffenstillstandskomm. 1918/19, Olga (Ps. O. Martell, (1866-1908), Romanschriftstellerin (s. BJ, 18, Tl. 1908).

  • Leben

    Nach dem Tod des Vaters übernahm H. 1863 die Bewirtschaftung des Gutes Schwartow in Pommern. Er heiratete 1864 die Witwe des Forstmeisters von Glöden, der ihn als Forstpraktikant ausgebildet hatte und in dessen pietistischem Hause er sich evangelisch-orthodoxen Grundsätzen zugewandt hatte.

    1876 wurde H. vom pommerischen Wahlkreis Stolp-Lauenburg in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis 1893 angehörte. 1881-90 und 1892-95 war er Mitglied des Reichstags. Innerhalb der deutsch-konservativen Partei wurde H. neben Hofprediger Stöcker ein Führer der um die Kreuz-Zeitung gruppierten antisemitisch-christlich Konservativen. 1881-95 leitete er die Redaktion der Kreuz-Zeitung. Dort nahm er eine unabhängige Position ein, da der Chefredakteur die im Besitz der Zeitung befindliche Aktienmehrheit vertrat. Mit großem journalistischem Talent hob er das Ansehen und die Auflagenzahl der Kreuz-Zeitung. Mit den Methoden moderner Parteiorganisation – den christlich-konservativen Volksvereinen – suchte H. die historisch überlebte Idee des monarchisch-christlichen Staates in einer zunehmend von materiellen Interessen bestimmten Politik durchzusetzen. Hierbei geriet er in einen prinzipiellen Gegensatz sowohl zur Realpolitik Bismarcks als auch zum agrarischen Flügel der Deutsch-Konservativen Partei, was allerdings eine zeitweilige Zusammenarbeit nicht ausschloß. Auf dieser Grundlage bekämpfte H. die Kirchenkampfpolitik, war an den kirchenpolitischen Friedensgesetzen von 1882 führend beteiligt und bemühte sich, als die Trennung von Staat und Kirche offenbar nicht mehr aufzuhalten war, auch die evangelische Kirche vom Staat zu emanzipieren (1886). Im Verein mit Stöcker suchte er die Sozialpolitik zu fördern und die Arbeiterschaft für einen christlich-monarchischen Staat zu gewinnen. Dabei unterstützte er jedoch auch die Staatsstreichpläne von 1890. Den Höhepunkt seines Einflusses in der konservativen Partei erreichte er 1892 auf dem Tivoli-Parteitag. Nachdem er mit Hilfe der Agrarier die gouvernementale Führung Helldorff-Bedras ausgeschaltet hatte, setzte er ein antisemitisch christlich-soziales Programm durch.

    Als H. zur Aufrechterhaltung der finanziellen Basis seines politischen Einflusses betrügerische Manipulationen anwandte, riß er 1895 den gesamten christlich-sozialen Flügel der Deutsch-Konservativen Partei in seinen moralischen und finanziellen Bankrott hinein. Er wurde 1896 zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. Stöcker schied aus der Partei aus. Die Agrarier übernahmen die Führung.

  • Literatur

    H. Leuß, W. Frhr. v. H., 1905;
    H. Heffter, Die Kreuzztg.spartei u. d. Kartellpol. Bismarcks, 1927;
    BJ X (Tl. 1904, L). - Zu A. Drechsler: Dt. Juristen-Ztg. 2, 1897, S. 338 f.

  • Autor/in

    Wolfgang Hofmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hofmann, Wolfgang, "Hammerstein-Gesmold, Wilhelm Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 597 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116442603.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA