Lebensdaten
erwähnt um 725 , gestorben 782
Sterbeort
Schornsheim bei Mainz
Beruf/Funktion
Heilige ; Äbtissin von Tauberbischofsheim
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118728482 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leoba
  • Leobgytha (eigentlich, bedeutet Liebling)
  • Truthgeba (angeblicher Taufname)
  • mehr

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Zitierweise

Lioba, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728482.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus wohl adeligem angelsächs. Geschl.;
    V Dynne ( um 725);
    M Aebbe ( wohl nach 732); über ihre Mutter mit Bonifatius verwandt.

  • Leben

    Quelle zu L.s Leben ist – neben einem aufschlußreichen persönlichen Brief an Bonifatius (732?) – im wesentlichen die „Vita Leobae“, verfaßt auf Weisung des Abtes Hrabanus Maurus vom Fuldaer Mönch Rudolf anläßlich der Übertragung ihrer Gebeine auf den Petersberg bei Fulda 836. Die trotz konventioneller hagiographischer Züge einigermaßen anschauliche Darstellung stützt sich u. a. auf Notizen des Mönchs Mago ( 831), der darin Angaben von 4 Schülerinnen L.s festgehalten habe; doch ist auch starke Abhängigkeit von der Vita des Bischofs Germanus von Auxerre ( 448) nachzuweisen.

    L. war nach eigener Angabe (Brief an Bonifatius) das einzige Kind ihrer Eltern und wurde von diesen wohl schon in jungen Jahren der Äbtissin Tetta des Doppelklosters „Winbrunno“ (Wimborne im Kgr. Wessex) zur Erziehung übergeben. Zeitweilig scheint sie auch, wie aus einem Hinweis im Brief an Bonifatius hervorgeht, der Obhut der Äbtissin Eadburga ( 751) des Klosters Minster auf der Insel Thanet (Königreich Kent) anvertraut worden zu sein: einer hochgebildeten Frau, die am Missionswerk des Bonifatius lebhaft Anteil nahm. In „Winbrunno“ versah L. das Amt einer Klosterlehrerin, ehe sie, zusammen mit einigen anderen Frauen, um 735 dem Ruf des Erzbischofs Bonifatius nach Deutschland folgte. Dieser übertrug ihr als Wirkungsstätte das neugegründete benediktinische Frauenkloster Tauberbischofsheim. Das Kloster erblühte rasch unter ihrer tatkräftigen Leitung und entwickelte sich zu einem bedeutenden Kultur- und Bildungszentrum für das gesamte untere Maintal. Auch entstanden im Umkreis (wohl kleinere) Tochtergründungen, über die L. die Oberaufsicht behielt. In den letzten Lebensjahren|zog sich L., schon hochbetagt, nach Schornsheim b. Alzey zurück, wo ihr Karl d. Gr. auf Lebenszeit eine Kirche mit Hofgut überlassen hatte (Urkunde v. 782). Hier starb sie, bei den geistlichen und weltlichen Großen in höchstem Ansehen stehend. Dem Wunsch des Bonifatius ( 754) entsprechend, wurde ihr Leichnam nach Fulda überführt und bei seinem Grab bestattet.

    L., deren „Antlitz allzeit fröhlich war“, erscheint als eine Persönlichkeit von bemerkenswertem geistlich-geistigem Profil. Benediktinische Frömmigkeit und (vernünftiges Maß nie überschreitende) Askese verbanden sich bei ihr mit lebenslangem Bildungsstreben und erzieherischem Talent, aber auch mit handwerklicher Fertigkeit und Sinn für alle Fragen des praktischen Lebens. – Sie wird gewöhnlich dargestellt als Äbtissin mit einer Glocke in der Hand (in Anspielung auf einen ihre Geburt ankündigenden Traum ihrer Mutter).

  • Literatur

    ADB 18; Vita:
    Acta Sanctorum. Sept. VII, 1760, S. 748-69 (Vita S. 760-69), MG, SS XV/1, 1887, S. 118-31;
    Gesch.schreiber d. dt. Vorzeit 13, 21888, S. 51-72 (Auszug, übers. v. W. Arndt). - Briefe:
    MG, Epp. I, 1916, Nr. 29, 67, 97, 100. - Zur Kritik d. Vita:
    W. Levison, Bischof Germanus u. d. Qu. zu s. Zeit, in: NA 29, 1904, S. 153-56. -
    M. Jocham, Bavaria Sancta I, 1861, S. 277-84;
    K. Zell, Die hl. L., 21873;
    J. B. Stamminger, Franconia Sancta, Das Leben d. Heiligen u. Seligen d. Frankenlandes, 1881, S. 333-59;
    H. Hahn, Bonifaz u. Lul, 1883;
    Hauck I;
    L. Zoepf, L., Hathumot, Wiborada, Drei Hll. d. dt. MA, 1915, S. 5-35, I-IV;
    J. Grau, in: P. Herber/H.-M. Grisar, Charakterbilder d. kath. Frauenwelt III: Charakterbilder aus d. Anfängen d. abendländ. Kultur, 1916, S. 162-212;
    G. Schnürer, Kirche u. Kultur im MA I, 31936, S. 299;
    K. Lübeck, Fuldaer Hll., 1948, S. 107-39;
    Sainte L., in: Vies des Saintes et des Bienheureux selon l'ordre du calendrier avec l'hist. des fêtes IX (Sept.), 1950, S. 581-84;
    Th. Schiefler, Winfrid-Bonifatius u. d. christl. Grundlegung Europas, 1954, S. 162-66;
    LThK;
    Bibl. Sanctorum VIII, 1967, S. 60 f.;
    J. Leinweber, St. L., Leben u. Wirken, hrsg. v. Bistum Fulda z. 1200. Todestag d. hl. L., [1980].

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Lioba" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 640-641 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728482.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lioba (auch Leobgytha, früher Truthgeba genannt und lat. mit dilecta und caritas bezeichnet), gehört zu der nicht geringen Zahl angelsächsischer Frauen, die sich von Bonifaz besonders in seiner Jugendzeit mächtig angezogen fühlten und theils in engem Briefverkehr ihm ihr unbegrenztes Vertrauen bekundeten, theils als seine treuen Helferinnen bei seinem Bekehrungswerk in Deutschland wirkten. Sie stammt aus den südwestlichen Gebieten der Angelsachsen und zwar von edler Familie. Mit ihrem Vater Dynne, der ihr schon früh starb, und ihrer Mutter Aebba war Bonifaz verwandt; mit ihr selbst stand er in innigstem Freundschaftsverhältniß und in brieflichem Verkehr. Keinesfalls war sie, wie mitunter vermuthet wird, seine Schwester. Ihre Erziehung erhielt sie im Kloster Wimborn in Dorchester unter einer strengen Aebtissin Tetta. Nach der Sitte der Zeit empfing sie auch Unterricht in der Verskunst und zwar von Eadburga. Auch in der heiligen Schrift, wie in der Klosterregel zeigte sie sich stark bewandert. Sie vereinte mit einem schönen Aeußern hellen Verstand, rasche Entschlossenheit und edle Weiblichkeit. Durch alle diese Eigenschaften zu einem brauchbaren Werkzeug für Bonifaz geschaffen, wurde sie auf seinen Wunsch von Tetta nach Deutschland gesandt. Hier ward sie Aebtissin des Frauenklosters Bischofsheim an der Tauber und anderer Klöster und machte sich um die Erziehung vieler Töchter edler Familien verdient. Bonifaz, dem sie bis zu seinem Tode nahe stand, empfahl sie vor seiner letzten Missionsreise dem Schutze seines Lieblingsschülers Lul und wünschte eine gemeinsame Begräbnißstätte für sich und sie in Fulda. Wegen ihrer Weisheit und Liebenswürdigkeit wurde sie von Pippin, Karl und dessen Gemahlin Hildegard geschätzt und weilte öfters gegen ihre Neigung am Hofe. Wegen hohen Alters legte sie die Leitung der Klöster nieder und hielt sich in Schonersheim bei Mainz, einem Lehn Karls und Hersfelds, auf. Nach ahnungsvollem Abschied von ihrer königlichen Freundin, die ihr bald in den Tod folgte, starb sie am 28. September 782 (nach andern 779 oder 780). Sie ward Bonifaz' Wunsche gemäß in Fulda beigesetzt, ihre Gebeine aber später von Rhabanus nach dem Petersberge übertragen. Ihr Leben beschrieb etwa im J. 843 Rudolf, der bekannte Geschichtsschreiber Fuldas, auf Veranlassung Rhaban's und auf Grund älterer Aufzeichnungen. Ergänzungen dazu findet man in der Briefsammlung des Bonifaz.

    • Literatur

      Quellen: Rudolfi vit. Liobae (Mabillon A. SS. III, 2, 245; Bolland., A. SS. Sept. VII, 748; vgl. Wattenbach, G. O. I3, 179, Ebert, Litt. d. M. A. II, 332), Uebersetzung mit Einleitung von Arndt (Geschichtschreiber d. deutschen Vorzeit) 1863, und Jaffé, Mon. Mog. ep. Bonif. Nr. 23, 91, 93, 97, 139 (vgl. Forsch. z. D. Gesch. XXI, 392 f.). — Rettberg, Kirchengesch. Deutschl. II, 336 f. und K. Zell, Lioba u. s. w. 1860. — H. Hahn, Bonifaz und Lul, 1883, S. 132 ff.

  • Autor/in

    H. Hahn.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hahn, H., "Lioba" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 725 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728482.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA