Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Reichsdienstmannengeschlecht ; Reichsministeriale
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123286468 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bolanden, Herren von

Zitierweise

Bolanden, Herren von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123286468.html [26.05.2020].

CC0

  • Leben

    Seit 1128 mit Werner (I.) nachweisbares Reichsdienstmannengeschlecht, in der Hauptlinie 1376 mit Philipp (VII.) im Mannesstamm ausgestorben. Seitenlinien: 1199-1602 Hohenfels, 1242-1407 Falkenstein-Münzenberg.

    Die B., ein vermutlich aus der Mainzer Dienstmannschaft hervorgegangenes, für die Reichspolitik des 12. und 13. Jahrhunderts sowie für die Territorialentwicklung des nordpfälzisch mittelrhein Kerngebietes des mittelalterlichen Reiches hochbedeutsames Reichsdienstmannengeschlecht, traten mit Werner (II.) ab 1165 in Verbindung mit dem staufischen Kaisertum, um danach maßgebenden Einfluß auf die Zentralregierung zu gewinnen; Werner (II.), nach 1170 fast regelmäßig auf den westdeutschen Hoftagen im Gefolge König Friedrichs I. anwesend und 1182 als Prokurator (des Reichsgutes am Mittelrhein?) erwähnt, hat als Verfechter der staufischen Reichspolitik am Mittelrhein gegen die Mainzer Territorialbestrebungen zugleich geschickt sein eigenes Territorium mit dem Kern aus altem Reichsgut um den Donnersberg und Ausläufern bis Speyer und Andernach vor allem durch zahlreiche Lehen ausgebaut (45 Lehensherren!). Dieser enorme Besitz ließ bald ständische Unterschiede zurücktreten, so daß bei den B., für Ministerialen erstmalig, Verschwägerungen mit Dynasten möglich wurden. Werner (III.) (s. u.), Enkel Werners (II.), und sein Sohn Werner (IV.) waren Inhaber des Reichstruchsessenamtes unter Friedrich II. Von ca. 1240 ab traten Glieder der Nebenlinien mehr in den Vordergrund, so Philipp von Falkenstein, Bruder Werners (IV.), als dessen Nachfolger im Truchsessenamt und als Hüter der Reichskleinodien auf dem Trifels, dann, ab 1257 als Reichskämmerer und ab 1258 als Prokurator in der Wetterau ein vielverwendetes Werkzeug der Königspolitik, der seinem Haus durch die Einheirat in die Münzenberger Familie deren reiche wetterauische Besitzungen erwarb, sowie Philipp von Hohenfels, der ab 1257 Prokurator des Reichsgutes am Mittelrhein war. Durch ständige Erbteilungen sank das Geschlecht im 14. Jahrhundert zu Bedeutungslosigkeit und Armut herab; das alte Kerngebiet um den Donnersberg gelangte größtenteils über die Grafen von Sponheim-Dannenfels 1393-1431 in nassauischen Besitz.

  • Autor/in

    L. Anton Doll
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Doll, L. Anton, "Bolanden, Herren von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 428 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123286468.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA