Lebensdaten
1824 bis 1907
Geburtsort
Rothenburg/Tauber
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Kaufmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 13666850X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leybold, Ernst

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Zitierweise

Leybold, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13666850X.html [25.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Sebastian (1791–1876), Großhändler f. Landbedarf in R., S d. Kolonialwarenhändlers Georg Bernhard (1747–1832) u. d. Susanne Choressel;
    M Sabine (1790–1866), T d. Hauptm. David Wilhelm Renger (1743–94) u. d. Sophia Sabina Eleonora Renger;
    - Köln 1854 Marie ( 1890), T d. Carl August Voelcker, Kaufm. u. Fabrikbes. in K., u. d. Friederike Bemberg;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    L., der wie sein Vater und sein Großvater den Kaufmannsberuf ergriffen hatte, verließ 1846 das ihm zu eng gewordene Kleinstadtmilieu Rothenburgs und trat in Köln eine Kommis-Stelle in dem Speditionsgeschäft Böcker an. Schon 1850 konnte er sich mit einer Agentur für Kaffee-Importe selbständig machen. Als 1851 sein Wohnungsvermieter Martin Kothe, Kommissionär und Spediteur in ausländischen Weinen und diversem Apothekenbedarf, plötzlich verstarb und eine geschäftsunerfahrene Ehefrau hinterließ, sprang L. hilfreich ein. Zunächst führte er die Geschäfte weiter, dann beteiligte er sich auch finanziell und übernahm schließlich 1863 die Firma unter dem Namen E. Leybold (vorher Leybold & Kothe). Nach Abfindung der Erben Kothe erweiterte L. vor allem den Geschäftszweig Apothekenbedarf. Diese Entscheidung erwies sich als richtig. Das Geschäft mit physikalischen und pharmazeutischen Apparaten nebst Zubehör nahm einen solchen Aufschwung, daß L. bald eigenen Haus- und Grundbesitz erwerben konnte. 1864 eröffnete er sein Hauptgeschäft in einem Neubau in der Schildergasse/Brüderstraße; zu dieser Zeit begann er auch mit einer bescheidenen Eigenfertigung. Trotz wirtschaftlicher Erfolge – 1865 hatte L. zusammen mit Julius v. Holleben die ein Jahr zuvor gegründete Glashütte in Ehrenfeld erworben (seit 1872 Rhein. Glashütten AG) – entschied er sich 1870 für den Verkauf der Firma an seinen Teilhaber Otto Ladendorff und den Kaufmann Emil Schmidt. Diese führten sie als „E. Leybold's Nachfolger“ erfolgreich weiter. 1967 fusionierte das inzwischen weltbekannte Unternehmen mit der Heraeus Hochvakuum GmbH (Hanau) zur Firma Leybold-Heraeus.

    L. hatte schon zu Beginn der 1860er Jahre seine Neigung zu Grundstücksspekulationen entdeckt und war mit diversen Immobiliengeschäften erfolgreich gewesen. Nun wandte er seine ganze Energie einem spektakulären städteplanerischen Projekt zu, dem Bau der Villenkolonie Marienburg im Süden Kölns. Er hatte das Gut Marienburg nebst Herrensitz und weiteren 500 Morgen Land günstig erstanden. Den Herrensitz bezog er 1873|selbst, die Landwirtschaft verpachtete er. L. beschränkte sich nicht auf den Verkauf des parzellierten Terrains, welches etwa das Gebiet zwischen den heutigen Kölner Verkehrsadern Bayenthalgürtel, Gustav-Heinemann-Ufer, Militärringstraße und Bonner Straße ausmachte, sondern bemühte sich vor allem um die Steigerung des Wohnwerts der von ihm angebotenen Grundstücke. Dazu gehörten Straßenbaumaßnahmen innerhalb der Kolonie, wobei er einen festen Unterbau, Kanalisation und Gasanschlüsse vorsah, sowie Verhandlungen mit den Behörden um eine bessere verkehrsmäßige Anbindung an Köln (z. B. Straßenbahn). Verkauf und Bebauung der Parzellen verliefen jedoch so schleppend, daß L. in arge finanzielle Bedrängnis geriet. Er verpachtete 1880 sein Haus als Ausflugslokal und zog selbst in ein Kölner Mietshaus um. Zusammen mit Rudolf Schulz gründete er die Immobiliengesellschaft Leybold & Cie. Dieses Unternehmen wurde im gesamten Kölner Raum tätig und arbeitete sehr erfolgreich. Hingegen wurde das Projekt „Marienburg“ zunächst von der „Actiengesellschaft Marienburg-Cöln“ weiterbetrieben, die L. gegründet hatte, weil er dringend Kapital benötigte. Erst Ende 1891 ging das Marienburger Grundeigentum an die inzwischen aus Leybold & Cie. hervorgegangene „Kölnische Immobiliengesellschaft“ über, eine Aktiengesellschaft, in der L. einer von zwei Direktoren war. Nachdem sich die Voraussetzungen für Marienburg günstiger gestaltet halten (1888 Eingemeindung nach Köln, 1896 Bebauungsplan, Verkehrsanbindung), beschleunigte sich der Ausbau des Villenvororts. Die Immobiliengesellschaft baute auch schlüsselfertige Häuser, die Regel waren jedoch Individualbauten der meist wohlhabenden Kunden. L., der nicht wieder nach Marienburg zog, blieb bis zu seinem Tode Direktor der Gesellschaft. Die Kolonie Marienburg ist bis heute ein inselartiges Wohngebiet geblichen, geprägt durch prachtvolle Bauten der Jahrhundertwende, ausgedehnte Gärten, Alleen und Parks.

  • Literatur

    Alfr. Schmidt, Gesch. d. Fa. E. Leybold's Nachf. 1850-1925, Festschr. z. 75j. Jubiläum, 1926 (P);
    M. Leybold, Gesch. d. Fam. Leybold, 1931 (Privatdr.);
    W. Gaede, Eine Schrift aus d. Nachlaß, aus Anlaß d. 100j. Jubiläums v. E. Leybold's Nachf., 1950, S. 95-111;
    E. Hamel, E. L., Ein Mann u. s. Weg, 1968 (P);
    H. Kellenbenz u. K. van Eyll, Die Gesch. d. Unternehmer. Selbstverwaltung in Köln 1797-1914, 1972, S. 70, 71, 156, 160;
    M. Dunkel, Gesch. d. Fa. E. Leybold's Nachf. 1850-1966, 1973 (P);
    Festschr. z. 125j. Jubiläum (1850–1975) v. Leybold-Heraeus, 1975;
    Zwei J.tausende Kölner Wirtsch., hrsg. v. Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv zu Köln, Bd. 2, 1975, S. 192, 194;
    K. van Eyll, In Kölner Adreßbüchern geblättert, 1978, S. 118 f. |

  • Quellen

    Qu.: Hist. Schriftgut d. Fa. Leybold-Heraeus GmbH, Köln, 1869-1967 (Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv zu Köln e. V., Abt. 35); E. Maruhn, Der Kölner Stadtteil Marienburg, in: Jb. d. Köln. Gesch.ver. 52, 1981, S. 131-90.

  • Autor/in

    Jürgen Weise
  • Empfohlene Zitierweise

    Weise, Jürgen, "Leybold, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 426 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13666850X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA