Lebensdaten
1909 bis 1973
Geburtsort
Bernburg/Saale
Sterbeort
Sankt Moritz (Schweiz)
Beruf/Funktion
Chemiker ; Unternehmer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 125533926 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ley, Hellmut

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Zitierweise

Ley, Hellmut, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd125533926.html [19.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Nikolaus Josef (1868–1920), Dr. med., Oberstabsarzt, S d. Landwirts Bartholomäus Joseph in Bürvenich b. Düren u. d. Thekla Nagelschmidt;
    M Petronella (1878–1932), T d. Landwirts Heinrich van de Sandt in Brienen b. Kleve u. d. Johanna Mathysen;
    Neuß 1939 Clara (* 1915), T d. Landrichters Dr. Heinrich Straaten u. d. Helene Werhahn;
    5 S (1 früh †).

  • Leben

    L. legte 1928 in Kleve das Abitur ab, studierte dann Chemie an der Univ. Innsbruck und an der TH Darmstadt und wurde 1935 bei Eduard Zintl mit einer Arbeit über „Hydridverschiebungssatz und Kristallstruktur“ promoviert. Nach einer Assistententätigkeit am Chemischen Institut der TH Darmstadt trat er im Frühjahr 1936 in das chemische Laboratorium der Metallgesellschaft AG (MG) in Frankfurt/M. ein. Seiner physikalisch-chemischen Ausbildung entsprechend, befaßte er sich zunächst mit den Grundlagen des Phosphatierverfahrens für Metalloberflächen und förderte dieses Geschäft der MG durch eigene Erfindungen und Patente. Im Rahmen einer Neuorganisation der Forschungsarbeit wurde er Anfang 1944 zum Leiter der Abteilung Verfahrensentwicklung im chemisch-metallurgischen Laboratorium ernannt; 1949 wurde ihm die Leitung des gesamten chemischen Laboratoriums übertragen. 1956 wurde er in den Vorstand der MG berufen; es wurden ihm die Referate Forschung, chemische Produktion und Chemieanlagenbau übertragen; 1961 wurde er zum Vorsitzenden dieses Gremiums ernannt.

    Hiermit begann die entscheidende Phase seines Wirkens. Die Zeit des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit und der Konsolidierung des Geschaffenen war abgeschlossen; es galt, die Zukunft des Unternehmens zu sichern, d. h. mitzuhalten mit den strukturellen Veränderungen auf dem Sektor der Metallwirtschaft; es galt, sich von veralteten Organisationsformen, Verfahren und Produkten zu trennen und den sich anbahnenden Veränderungen in den Bereichen der Rohstoff- und Energieversorgung aktiv zu begegnen. Gemeinsam mit seinen Kollegen im Vorstand machte sich L. an die Umstrukturierung des konzerneigenen Bergbaus, insbesondere im sauerländischen Meggen; er ergänzte das alte Lithopone-Geschäft bei der Sachtleben-Gesellschaft in Homberg/Niederrhein durch die Titandioxydproduktion der Pigmentchemie GmbH; er schuf die modernen Schwefelsäureanlagen bei Sachtleben und reorganisierte die gesamte Zinkerzeugung im MG-Konzern. In die Zeit seiner Vorsitzendentätigkeit fiel die Errichtung des IS-Ofens zur Blei/Zinkerz-Verhüttung bei Berzelius in Duisburg, die Errichtung der Zinkelektrolyse der Ruhrzink in Datteln und der angeschlossenen Rheinzink-Walzwerke der Vereinigten Deutschen Metallwerke. Gemeinsam mit der schweizer. Alusuisse wurde in Essen eine Aluminiumelektrolyse erbaut und betrieben, die allerdings später ganz von der Alusuisse übernommen wurde.

    Daneben wirkte L. ehrenamtlich in den führenden wissenschaftlichen und technischen sowie unternehmerischen Gesellschaften und Verbänden der Bundesrepublik. Er war Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (1966/67), Vorsitzender der Dechema, Deutsche Gesellschaft für chemisches Apparatewesen (1970–73), und des Vorstands des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft (seit 1970). Er entwickelte ein neues Konzept für die wirtschaftliche Standortwahl zur Rohstoffverarbeitung, das mit dem Begriff „Hütte am Markt“ gekennzeichnet ist und das dem Bedürfnis nach Recycling der Metalle entgegenkommt; er erkannte sowohl die nationale Bedeutung der Rohstoffsicherung als auch die Notwendigkeit weltweiter Forschung für die Zukunftssicherung. Als Vorsitzender des Stifterverbandes ergriff er neue Initiativen in der Erkenntnis, daß nicht allein der Staat zur Förderung von Wissenschaft und Bildung berufen sei, sondern auch Wirtschaft und Unternehmertum verpflichtet seien, eigene Vorstellungen in die Fortentwicklung wissenschaftlicher und technischer Strukturen einzubringen. So wurden unter seinem Vorsitz das treuhänderische Stiftungswesen gefördert und neue Stiftungsfonds gegründet; die Vergabepolitik der globalen Zuwendungen wurde umgestellt auf gezielte Finanzierung ausgewählter Schwerpunkte. L. gehörte zu den Unternehmensführern der 60er und des Beginns der 70er Jahre, die richtungsweisend das Schicksal der deutschen Wirtschaft beeinflußt haben.|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E.h. (Clausthal 1970); Agricola-Gedenkmünze (1972).

  • Werke

    u. a. Industrielle Forschung im Bereich d. Metallges., in: Mitt. aus d. Arbeitsbereich d. Metallges., NF, H. 4, 1962;
    Wirtsch. u. Wiss., ebd. H. 7, 1964;
    Wiss. als Grundlage d. modernen Ges., ebd. H. 10, 1967;
    Zur Eröffnung d. Zinkelektrolyse in Datteln, ebd. H. 12, 1969;
    Nichteisenmetalle in Wiss., Wirtsch. u. Technik, ebd. H. 13, 1970: Nichteisenmetalle - v. Erz zum fertigen Metall, in: Chemie in unserer Zeit 4, 1970, Nr. 1, S. 17-25. -
    Über 30 Patente auf d. Gebiet d. techn. Chemie u. d. Metallhüttenkunde.

  • Literatur

    Nachr. aus Chemie u. Technik 15, 1967, S. 324 (P);
    Gedenkschr. z. Tode v. Dr. Dr. E.h. H. L., 1974.

  • Portraits

    Phot. im Archiv d. Metallges. AG, Frankfurt/M.

  • Autor/in

    Ernst Henglein
  • Empfohlene Zitierweise

    Henglein, Ernst, "Ley, Hellmut" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 422 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd125533926.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA