Dates of Life
1894 - 1944
Place of birth
Barmen
Place of death
Berlin
Occupation
Arbeiterführer ; Politiker ; Funktionär ; Widerstandskämpfer ; Textiltechniker
Religious Denomination
katholisch
Authority Data
GND: 124739393 | OGND | VIAF: 13250385
Alternate Names
  • Letterhaus, Bernhard
  • Lettherhaus, Bernhard

Places

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Citation

Letterhaus, Bernhard, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124739393.html [23.01.2022].

CC0

  • Genealogy

    V Joh. Bernhard (1859–1939), Schuhmacher In Barmen, S d. Bernhard Gregor u. d. Maria Katharina Fiehoff;
    M Regina Emilie (1863–1942), T d. Deckenwebers Joseph Dessel in Burg/Wupper u. d. Wilhelmine Maria Catharina Herkenrath;
    1929 Grete (1902–75), T d. Beamten Wilhelm Thiel in Wiera (Hessen) u. d. Maria Elisabeth Lecher.

  • Life

    Nach einer Lehre als Bandwirker besuchte L. die Höhere Textilfachschule in Barmen. Aus dem 1. Weltkrieg kehrte er, mehrfach verwundet und mit dem EK I ausgezeichnet, als Unteroffizier zurück. Einer kurzen Tätigkeit für die Zentrumspartei in Barmen folgte 1920 der Wechsel zum Zentralverband christlicher Textilarbeiter nach Düsseldorf, wo L. für die christliche Gewerkschaftspresse tätig war und sich besonders der Arbeiterbildung widmete. Otto Müller, der Präses des Verbandes der Kath. Arbeiter- und Knappenvereine Westdeutschlands, berief ihn 1927 zum Verbandssekretär dieser größten konfessionellen Arbeiterorganisation, die sich die Weiterbildung der kath. Arbeiter sowie ihre politische und soziale Emanzipation zum Ziel gesetzt hatte. Seit 1928 für den Wahlkreis Düsseldorf-Ost als Zentrums-Abgeordneter Mitglied des Preuß. Landtages (1933 Mitglied des Fraktionsvorstandes), machte L. schon frühzeitig auf die Notwendigkeit der Bekämpfung des Nationalsozialismus aufmerksam. Er unterstützte das Präsidialkabinett des Reichskanzlers Brüning, stand jedoch in schroffer Opposition zu dessen Nachfolger Papen. Nach Hitlers Machtergreifung wandte sich L. gegen das Ermächtigungsgesetz. Kritisch stand er auch dem Reichskonkordat gegenüber. Obwohl die Arbeitervereine in ihren Möglichkeiten eingeengt und ihre Mitglieder existentiell bedroht wurden (u. a. durch das Doppelmitgliedschaftsverbot der Deutschen Arbeitsfront), gelang es unter maßgeblicher Mitarbeit L.s, den Verband bis in die Kriegszeit aufrechtzuerhalten. Schon vorher bestanden enge Kontakte der Kath. Arbeiterbewegung zu verschiedenen Gegnern des Regimes, die im wesentlichen L. hergestellt hatte. 1939 einberufen, wurde er nach Einsätzen an der West- und Ostfront 1942 zum Hauptmann befördert und in das Oberkommando der Wehrmacht nach Berlin versetzt. In seiner neuen Funktion vermittelte er Kontakte zwischen Goerdeler, Delp und anderen führenden Köpfen des Widerstandes sowie der Verbandsspitze der Kath. Arbeiterbewegung. Nach dem 20. Juli 1944 wurde L. verhaftet, am 13. November vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und tags darauf in Berlin-Plötzensee hingerichtet. – Auf der Basis einer christlichen und demokratischen Grundeinstellung arbeitete L., der unter den Arbeitern große Beliebtheit genoß, für die Idee der sozialen Gerechtigkeit und des gesellschaftlichen Ausgleichs. Dadurch bereitete er mit anderen den Boden für die Gründung der Einheitsgewerkschaft und die Bildung einer christlich-demokratischen Volkspartei im Nachkriegsdeutschland.

  • Works

    Größenordnungen in Volk u. Wirtsch., 1928 (mit F. Röhr);
    Die kath. Arbeiter u. d. Sozialismus unserer Tage, 1930;
    Die kath. Arbeiterbewegung Westdtld.s, 1931;
    Zur Frage d. soz. Gliederung d. kath. Volksteils in Dtld., 1934.

  • Literature

    . J. Joos, Am Räderwerk d. Zeit, 1950;
    ders., So sah ich sie, 1958, S. 47 ff.;
    F. Kloidt, Verräter od. Märtyrer?, 1962, S. 57 ff.;
    E. Kock, B. L., in: Arbeit u. Opfer, 1972, S. 17 ff.;
    J. Aretz, B. L., in: R. Morsey (Hrsg.), Zeitgesch. in Lb. II, 1975, S. 11 ff. (P);
    ders., Kath. Arbeiterbewegung u. Nationalsozialismus, 1978.

  • Author

    Jürgen Aretz
  • Citation

    Aretz, Jürgen, "Letterhaus, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 357-358 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124739393.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA