Lebensdaten
1861 bis 1938
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Althistoriker ; Orientalist
Konfession
evangelisch Augsburger Bekenntnisses
Normdaten
GND: 116872381 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lehmann, Carl (bis 1905)
  • Lehmann-Haupt, Carl Ferdinand Friedrich
  • Lehmann-Haupt, Carl
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Zitierweise

Lehmann-Haupt, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116872381.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Emil L. (1823-87), Dr. iur., Bibliothekar d. Kommerzbibl., Schriftsteller, Dickens-Übers., S d. Leo L. (s. Einl.) u. d. Friederike Dellevie;
    M Amalie (1837–1906), T d. Kaufm. Martin Theodor Leo (1785–1825) u. d. Marianne Charlotte Oppert;
    Ov Heinrich L., Rudolf L. (beide s. Einl.);
    Om Carl Leo (1828–99), Syndikus d. Hamburger Senats (s. L);
    Vt Gustav Heinrich Leo (1865–1944), Dr.-Ing. E. h., Oberbaudir. d. Ing.wesens in H. (s. Rhdb.);
    - Stettin 1901 Therese (1864–1938), Schriftstellerin, T d. Dr. Otto Haupt, Schulrat, Lyceumsdir. in Stettin, u. d. Therese Piper;
    1 S, 1 T Hellmut (* 1903), Kunsthistoriker, Buchwiss., Miriam (1904–81), Schauspielerin.

  • Leben

    L. absolvierte zunächst das Studium der Rechte in Berlin (1. Staatsprüfung) und Göttingen (Promotion 1883). Sein eigentliches Interesse galt jedoch mehr und mehr der Geschichte der alten Kulturen. Maßgeblich dafür war der Eindruck, den Historiker wie Mommsen und O. Hirschfeld auf ihn machten, vor allem aber die Vertreter der damals noch jungen Orientalistik, F. Delitzsch und Paul Haupt. Die Dissertation von 1886 über die Keilinschriften Šamaššumukins, Assurbanipals Bruder und Vizekönig in Babylon, zeigt die Breite des Bildungsgangs, den L. mit dem zweiten Doktorat abschloß. 1887 fand er ein Tätigkeitsfeld am Kgl. Museum in Berlin, 1893 wurde er Privatdozent. R. Virchow, selbst ein Kenner des Kaukasusgebiets, regte eine Expedition an, die L. mit dem Chemiker und Amateurarchäologen Waldemar Belck 1898/99 nach Armenien führte. Die Aufarbeitung des gesammelten Materials beschäftigte L. bis ins hohe Alter und wurde zugleich seine Hauptleistung: Er führte umfangreiche Grabungen in Van/Toprakkale durch, sammelte und kopierte Keilschrifttexte und konnte als erster ein recht genaues Bild von der Kultur eines bis dahin fast unbekannten Volkes entwerfen, das vom 9. bis zum 7. Jh. v. Chr. ein Großreich beherrschte. L. bezeichnete es nach seinem Hauptgott als Chaldäer, heute ist es unter dem Namen Urartäer bekannt.

    Mit den einschlägigen Publikationen entwickelte sich die berufliche Karriere: Auf die ao. Professur für Alte Geschichte in Berlin 1901 folgte die ordentliche in Liverpool 1911. auf den freiwilligen Kriegsdienst 1914/15 eine Berufung nach Konstantinopel; wegen des Kriegsverlaufs nahm L. 1918 einen Ruf nach Innsbruck an, wo er bis 1935 lehrte. In dieser Zeit arbeitete er ständig über Armenien bzw. Urartu; daneben bevorzugte er Berührungszonen zwischen dem Alten Orient und der Antike, z. B. die Geschichte der Maße und Gewichte (Metrologie) und des Kalenders, Israels Entwicklung oder Semiramis als antike Sagengestalt. Prinzipiell wollte er von der mythischen Überlieferung der Griechen und Israeliten nur direkt widerlegbare Details abstreichen. Damit stand er im Gegensatz zur tiefergehenden Kritik eines J. Beloch oder Ed. Meyer. Dem Fach Alte Geschichte schuf er in der Zeitschrift „Klio“ (1901 ff.) ein noch heute angesehenes Organ, das er bis 1936 selbst redigierte.

    Seine Ansichten über Namen, Herkunft und kulturgeschichtliche Schlüsselstellung der Urartäer wurden von der Forschung überholt, die Erschließung zahlreicher Quellen ist aber sein bleibendes Verdienst; dazu kommt seine Bedeutung für die armen. Volkskunde. Politisch engagierte sich L. in Reden und Publikationen in deutschnationalem Sinn, insbesondere während des 1. Weltkriegs.

  • Werke

    Šamaššumukin, Kg. v. Babylonien, 1892;
    Armenien einst u. jetzt, 3 Bde., 1910-31;
    Israel, Seine Gesch. im Rahmen d. Weltgesch., 1911;
    Griech. Gesch. b. z. Schlacht v. Chaironeia, in: Gercke-Norden, Einl. in d. Altertumswiss. III, 1912.

  • Literatur

    C. F. L.-H. z. 70. Geb.tag, 1931 (W-Verz., P n. Medaille);
    E. F. Weidner, in: Archiv f. Orientf. 12, 1937/39, S. 310 (P);
    G. Oberkofler, Die gesch. Fächer an d. Phil. Fak. d. Univ. Innsbruck 1850-1945, 1969 (P);
    Enc. Jud. - Zu Carl Leo:
    Hamburger Grundeigenthümer-Ztg. v. 25.2.1898.

  • Portraits

    Medaille, 1931 (Univ.-Archiv Innsbruck);
    Phot. (ebd. u. Bildarchiv d. Nat.bibl. Wien).

  • Autor/in

    Günther Lorenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenz, Günther, "Lehmann-Haupt, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 98-99 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116872381.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA