Lebensdaten
1713 bis 1763
Geburtsort
Schloß Thun (Kärnten)
Sterbeort
Mattighofen (Oberösterreich)
Beruf/Funktion
Bischof von Gurk ; Bischof von Passau ; Graf von Thun-Hohenstein
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129344567 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Joseph Maria von Thun-Hohenstein
  • Thun-Hohenstein, Joseph Maria Graf von
  • Johann Joseph Maria
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Joseph Maria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129344567.html [20.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob Joseph Anton Gf. v. Th.-H. ( 1728), S d. Alphons Franz u. d. Barbara Gfn. v. Thun a. d. H. Caldes;
    M Margarethe Veronica ( 1762), T d. Joh. Vigil Gf. v. Thun (1650–1730, Südtiroler Linie) u. d. Johanna Gfn. v. Wolkenstein;
    Groß-Om Rudolf Joseph ( 1702), Bischof v. Seckau (seit 1687); Vt d. Gvm Sigmund Alphons (1621–77), Bischof v. Brixen (seit 1663) u. v. Trient (seit 1668); Vt d. V Jakob Max (1681–1741), Domherr v. P. (1704), Bischof v. Gurk (seit 1709);
    Om Dominik Anton (1685–1758), Bischof v. Trient (1730–48);
    Groß-N Emanuel (1763–1818), Bischof v. Trient (seit 1800).

  • Leben

    J., Domherr in Salzburg (bereits 1729) und in Passau (1731), Vertrauter Karls VI. und Maria Theresias, spielte 1739-44 als kaiserl. Minister und Auditor Rotae in Rom bei der Wahl Benedikts XIV. und in dessen ersten|Jahren eine bedeutende diplomatische Rolle. 1741-61 war er Bischof von Gurk, seit 1761 Fürstbischof der damals noch ausgedehnten Diözese Passau. Als Fürst ist J. einer der frühen Vertreter der merkantilistischen Gedankenwelt. Mit ungewöhnlicher Energie widmete sich „dieser merkwürdige Mann“ (Ott) der Verbesserung der Land- und Forstwirtschaft (das Volk nannte ihn den „Klee-Bischof“), förderte Handel und Gewerbe, errichtete Manufakturen für Spinnereien und Leinwanderzeugung und zog dafür geeignete Fachleute ins Land. Er sorgte für die Verkehrswege (Durchbruch durch den Oberhausberg). Er kämpfte an gegen Müßiggang und Bettelwesen durch Errichtung von Arbeitshäusern und gründete zur Beseitigung der Armut die „christliche Liebesvereinigung“. Von großer Bedeutung ist seine geplante Schulreform, die erst sein 2. Nachfolger verwirklichen konnte. – Als Bischof war J. ein früher Vertreter der Aufklärung im kirchlichen Geiste und visitierte streng in den Pfarreien. Durch Gründung eines Priesterseminars, Aufstellung eines genauen Studienplanes, besonders durch Verbreitung neuer theologischer Literatur hat er auf den Geist der Studierenden und die Haltung des Klerus einzuwirken versucht (auch gegen das Bildungsmonopol der Jesuiten). – J. war ein großer Gelehrter. Seine umfangreiche Bibliothek ist das testamentarische Geschenk an das Bistum Passau. Sein Werk ist die ausgezeichnete Übersetzung der Evangelien und der Apostelgeschichte aus dem Urtext. Nur sein früher Tod verhinderte die Übersetzung der ganzen Bibel. Ein Zeitgenosse (Wittola) behauptet, daß er „seit 200 Jahren der gelehrteste Bischof von Deutschland gewesen ist“. Mit Recht rühmt die Inschrift auf seinem Denkmal im Dom ihn „multifaria et praecellenti doctrina mulli secundus“ und nennt ihn einen „episcopus verbo potens et opere“.

  • Werke

    Verb. u. mit Anm. erl. Übers. d. NT, 1. T., 1762. -
    Viele Verordnungen u. Mandate im Hauptstaatsarchiv München, Hochstift Passau, Literalien, 712, 739, 1097.

  • Literatur

    ADB 28 (unter Thun);
    L. H. Krick, 212 Stammtafeln Adeliger Familien, denen geistl. Würdenträger d. Bistums Passau entsprossen sind, 1924, S. 405 ff.;
    F. X. Eggersdorfer, Die phil.-theol. Hochschule Passau, 300 J. ihrer Gesch., 1933, S. 151 ff.;
    F. Auer, Fürstbischof J. M. v. T. als Bibelübersetzer, in: Ostbair. Grenzmarken - Passauer Jb. V, 1961;
    G. M. Ott, Das Bürgertum d. geistl. Residenzstadt Passau in d. Zeit d. Barock u. d. Aufklärung, 1961, S. 321 ff. -
    s. a. Wurzbach 45;
    Bruderschaftbuch d. christl. Liebesverslg. im Stadtarchiv Passau, Bände u. Akten, 1773.

  • Portraits

    Gem. (Passau, Residenz);
    Marmordenkmal (Passau, Dom).

  • Autor/in

    Franz Auer
  • Empfohlene Zitierweise

    Auer, Franz, "Joseph Maria" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 623-624 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129344567.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Thun-Hohenstein: Josef Maria Graf Th.-H., Fürstbischof von Passau, geboren am 24. Mai 1713, zu Mattighofen in Oberösterreich am 15. Juni 1763. Er erhielt 1739 bezw. 1741 Kanonikate zu Salzburg und zu Passau und ging dann als Auditor der Rota und Gesandter des Königs von Ungarn nach Rom. 1742 wurde er (von dem Erzbischof von Salzburg) zum Bischof von Gurk ernannt und am 18. Februar von Benedict XIV. consecrirt. Einige Tage später hatte er dem Cardinal-Staatssecretär im Auftrage Maria Theresia's eine Remonstration gegen ein Breve zu überreichen, worin der Papst Karl VII. als Kaiser anerkannt hatte. In der Diöcese Gurk wirkte er als eifriger Bischof, errichtete namentlich ein Priesterseminar zu Straßburg, dessen erster Vorsteher der Benedictiner Gregor Zallwein wurde. Am 10. November 1761 wurde er von dem Domcapitel zu Passau einstimmig zum Bischof gewählt. Am 23. Mai 1762 wurde er dort inthronisirt. Während seiner kurzen Regierung bemühte er sich namentlich um die Verbesserung des Schulwesens, auch um die Errichtung eines Priesterseminars, 1762 veröffentlichte er den ersten Band einer Uebersetzung des Neuen Testamentes mit Anmerkungen.

    • Literatur

      Wurzbach 45, 30. — Werner, Gesch. der kath. Theologie, S. 272.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Joseph Maria" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 178 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129344567.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA