Lebensdaten
1881 bis 1959
Geburtsort
Straßburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Althistoriker
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 119071304 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Laqueur, Richard
  • Laqueur, Ricardus
  • Laqueur, Richard A.

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Zitierweise

Laqueur, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119071304.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1839–1909), Prof. d. Augenheilkde. in St., S d. Kaufm. Joachim u. d. Johanna Wolf;
    M Marie (1851–1936), T d. Bankiers Rudolf Bamberger u. d. Bertha Seligmann;
    B August (* 1875), Prof., Dirig. Arzt d. Physikal. Inst. d. Rudolf-Virchow-Krankenhauses in Berlin (s. Rhdb.);| Verwandte Leopold (1857–1915), Dr. med., Psychiater in Frankfurt/M. (s. DBJ I, Tl.), Fritz Laquer (1888–1954), Prof. d. Physiolog. Chemie ebd. (s. Kürschner, Gel.-Kal.; Pogg. VI, VII a);
    - Straßburg 1909 Magda (1880–1967), T d. Kaufm. Ferdinand Schäffer u. d. Lina Jansohn;
    1 S, 1 T, u. a. Gert Ludwig (* 1912), Dr. med., Pathologe.

  • Leben

    Nach dem Maturum am Prot. Gymnasium 1898 studierte L. klassische Philologie und Geschichte in Straßburg, Bonn (1900/01) und wieder in Straßburg u. a. bei H. Usener, W. Windelband, R. Reitzenstein und Ed. Schwartz. Mit einer von Bruno Keil betreuten epigraphisch-papyrologischen Dissertation wurde er dort 1904 promoviert. Nachdem er als Assistent am Klassisch-Philologischen Seminar in Straßburg (1903–04) textkritische Untersuchungen veröffentlicht hatte, ging er auf Reisen, besonders in den Mittelmeerraum. Nach seiner Habilitation für Klassische Philologie und Hilfswissenschaften in Göttingen 1907, wirkte er dort, in Kiel (1908/09) und seit 1909 in Straßburg zunächst als ao., seit 1912 als o. Professor der Klassischen Philologie. 1912-30 war er als Nachfolger von M. L. Strack Ordinarius für Alte Geschichte in Gießen (1923/24 Rektor), dann in Tübingen und von 1932 bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung 1936 in Halle. Weil er Frontoffizier gewesen war, durfte er als einziger Althistoriker „nichtarischer“ Abkunft so lange im Dienst verbleiben. 1939 emigrierte er in die USA, wo er keine fachliche Verwendung fand, zeitweise als Packer arbeitete und schließlich nach 1945 in Washington in der Shakespeare Library tätig wurde. 1952 kehrte er, inzwischen von Tübingen aus emeritiert, zu Frau und Tochter zurück, die den Krieg in Hamburg überlebt hatten.

    Das wissenschaftliche Werk L.s galt vor allem der Geschichte der antiken Historiographie und der Urkundenlehre, darüber hinaus der Weltgeschichte der Antike und der röm.-german. Forschung. Bedeutendes leistete er mit seiner eigenen Art der Quellenanalyse, besonders hervortretend seit „Polybios“ (1913, Nachdr. 1974), wo er im Bestreben, den Text „aus der Geschichte des Autors heraus zu erklären“, mit der Annahme von 5 „Auflagen“ freilich zu weit ging. „Der jüd. Historiker Flavius Josephus“ (1920, Nachdr. 1970) wurde zu einer noch immer geschätzten Grundlage weiterer Literarkritik, und „Eusebius als Historiker seiner Zeit“ (1929) ist bis heute für die Spezialforschung unentbehrlich. Seine Methode befolgte er auch für „Epigraphische Untersuchungen zu den griech. Volksbeschlüssen“ (1927) und später für „Shakespeares dramatische Konzeption“ (1955). Weite Beachtung fand seine Rektoratsrede „Hellenismus“ (1925). Die Arbeit an den Quellen stand bei L. im Vordergrund. Quellenkritik und Textanalyse charakterisieren weitgehend auch seine kleinen Schriften.|

  • Auszeichnungen

    Honorarprof., Hamburg 1959.

  • Werke

    Weitere W Quaestiones epigraphicae et papyrologicae selectae, Diss. Straßburg 1904;
    Krit. Unterss. z. zweiten Makkabäerbuch, 1904;
    Unterss. z. Textgesch. d. Bibl. d. Diodor I, Nachr. d. Ges. d. Wiss. Göttingen, Phil.-hist. Kl., 1906, II, ebd., 1907;
    Die litterar. Stellung d. Anonymus Argentinensis, in: Hermes, 1908;
    Ephoros, in: ebd., 1911;
    Probleme d. Spätantike, 1930 (mit H. Koch u. W. Weber);
    Das Dt. Reich v. 1871 in weltgeschichtl. Beleuchtung, 1932;
    Forschungen zu Thukydides, in: Rhein. Mus., 1937;
    Diodorea, in: Hermes, 1958. -
    Zahlr. Art. f. Realenc. d. class. Altertumswiss. u. RGG. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Hamburg, Staats- u. Univ.bibl.

  • Literatur

    F. M. Heichelheim, in: Gießener Hochschulbll. 9, 1961, Nr. 2;
    J. Vogt, in: HZ 197, 1963, S. 789 f.;
    V. Losemann, Nat.sozialismus u. Antike, 1977, S. 39 f., 201 u. ö.;
    H. G. Gundel, in: Festschr. d. Univ. Gießen z. 350j. Bestehen, 1957, S. 239 ff.;
    ders., in: Mitt. d. Oberhess. Gesch.- ver. 42, 1957, S. 38;
    ders., in: Gießener Univ.bl. 10, 1977, H. 2, S. 29 ff. (P);
    ders., in: Lb. Gießener Gel. in d. 1. Hälfte d. 20. Jh., 1982 (W-Verz., P).

  • Autor/in

    Hans Georg Gundel
  • Empfohlene Zitierweise

    Gundel, Hans Georg, "Laqueur, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 634 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119071304.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA