Lebensdaten
um 1552 - 1587
Geburtsort
Havelberg (Mark Brandenburg)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Liedkomponist ; Kantor ; Tonsetzer
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 120987562 | OGND | VIAF: 79733685
Namensvarianten
  • Langius, Gregor
  • Lange, Hieronymus (nicht!)
  • Lange, Gregor
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lange, Gregor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120987562.html [22.06.2021].

CC0

  • Leben

    Nach dem Besuch der Havelberger Domschule studierte L. seit 1573 an der Univ. Frankfurt/Oder. Der Hilfe des Theologen Andreas Musculus verdankte er bereits 1574 das Kantoramt an der schola senatoria, das er jedoch infolge eines Unglücksfalles 1580 aufgeben mußte. Er lebte dann als freier Musikus, gefördert und unterhalten von Freunden 1583 zog er nach Breslau, wo ihn besonders der dortige Kaufmann A. Zehenter unterstützte. Seine letzte Lebenszeit nach 1585 verbrachte L. im Hieronymus-Hospital der Stadt Breslau. – Aus L.s Tätigkeit im Kantoramt, dessen Bedeutung die Namen seiner Amtsnachfolger F. Pittan, Barth. Gesius und Steph. Höpner zeigen, liegt gedruckt nur eine Hochzeitskomposition von 1574 vor. Hingegen erschienen von ihm seit 1580 78 lat. Gesänge zu 6 bis 10 Stimmen, wobei L.s Hauptbegabung bei den lat. Texten, der lat. Messe zu 4 bis 8 Stimmen lag. Strukturell äußerst lebendig und an Kontrasten reich, auch zur Modulation geneigt, zeigt sich darin L., unbeschadet öfterer Archaismen, in der Nachfolge Lassos und als Vorbote von Gallus und Hassler, ohne über des letzteren klare Architektonik zu verfügen. Die stärkste und weit bis ins 17. Jh. anhaltende Wirkung hatten seine dreistimmigen deutschen Kunstlieder. Demantius setzte L.s deutsche Lieder fünfstimmig (1615). Vier dieser viel auf der Laute gespielten Lieder brachte neben zwei Motetten L.s der Frankfurter Lautenist Gregor Krengel in seiner „Tabulatura nova“ (1584).

  • Werke

    Gamedion Adam Bolfras/Sara Cuno: „Audi dulcia amica mea“, 5stg., 1574 (voller Titel nur im Tenorbd.);
    Cantiones aliquot novas 5 et 6 voc., 1580, 1586;
    Epithalamia Laz. Opilio/Anna Trost, 5stg., 1581 (mit J. Belitz);
    Media Vita, 5stg. Motette (zum Tode v. Musculus);
    Cantiones Duae, 6 voc. (Martin Nosler/Eva Melhorn z. Hochzeit), 1582;
    Cantio gratulationis, 1584;
    Liber secundus cantionum sacrar., 4-10stg., 1584;
    Newe deudsche Lieder mit dreyen Stimmen, 1584, 1588, 1592, 1593, 1598;
    Symbolum Francisci Virlingi, 5stg., 1585;
    Bekenntnis d. Sünden vnd Gebet, 4stg., 1585;
    Der ander Theil newer deudscher Lieder, 3stg., 1586, 1590, 1597;
    Epithalamion, 5stg., 1586. -
    Ausgg.: F. Bose, Neue dt. Lieder mit 3 Stimmen, 1968.

  • Literatur

    ADB 17;
    Goedeke II, S. 55;
    R. Starke, in: Mhh. f. Musikgesch. 31, 1899, S. 101-10, 113-23 (Verz. d. Hss.);
    H. J. Moser, Gesch. d. dt. Musik I, 51930;
    N. Hampel, Dt.sprachige prot. Kirchenmusik Schlesiens b. z. Einbruch d. Monodie, Diss. Breslau 1937;
    H. Grimm, Meister d. Renaissancemusik a. d. Viadrina, 1942, S. 191-95 u. ö.;
    W. Boetticher, Orlando di Lasso und seine Zeit I, 1958;
    I. Gallwitz, Die neuen dt. Lieder von 1584 u. 1586 d. G. L., Diss. Breslau 1960;
    R. Caspari, Liedtradition im Stilwandel um 1600, 1971;
    MGG VIII.

  • Autor/in

    Heinrich Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Heinrich, "Lange, Gregor" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 558 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120987562.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lange: Gregor L. (Langius), ein fleißiger Componist des 16. Jahrhunderts, aus Havelberg in Brandenburg gebürtig, der um 1574 Cantor an der Schule in Frankfurt a./O. war und gegen 1584 sich „Musicus in Breslau“ zeichnet. Seine letzte Dedicationsunterschrift rührt vom Jahre 1586 her und klagt er dort dem Rathe von Breslau, daß er contract an Händen und Füßen seinen Dienst aufgeben müsse. Ein baldiger Tod am 1. Mai 1587 erlöste ihn von den Leiden. Wie beliebt er bei seinen Zeitgenossen war und sein Andenken noch lange erhalten blieb, beweisen die bis 1615 immer neu aufgelegten Drucke seiner deutschen Lieder und ein Ausspruch in einem lateinischen Gedichte, welches sich in einem Liederbuche von Christoph Demantius von 1595 befindet. Dort heißt es: „Orlandus (scil. Lassus) valuit permultum cantibus olim, Langius et Lechner non valuere minus.“ Seine bis heut erhaltenen Compositionen bestehen in vier- bis zehnstimmigen Motetten, dreistimmigen deutschen Liedern, die ganz besonders das Interesse der Zeitgenossen erweckt hatten, und in Gelegenheitsgesängen zu Hochzeiten und Trauerfeierlichkeiten. Sie tragen mehr oder weniger den Stempel der erworbenen Kunstfertigkeit in seiner damaligen Vollendung. Eine Errungenschaft, die mit der Kunstfertigkeit heutiger Zeit eine große Aehnlichkeit hat nur in anderer Weise. Die meisterhafte leicht contrapunktische Weise der Verschlingung der Stimmen, in Verbindung mit einer wahrhaft berückenden Klangfarbe, ist den Componisten der letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts so eigen, daß man dieselbe selbst bei den Meistern untergeordneten Ranges findet, sowie heute die harmonische Beherrschung des Tonmaterials nebst der meisterhaften Benutzung des Klangmaterials der Instrumente Allgemeingut geworden ist und selbst der Tanzcomponist Gebrauch davon macht. Lange's Werke findet man reichlich auf allen öffentlichen Bibliotheken vertreten, doch hat die neuere Zeit noch wenig Notiz von ihm genommen und keiner seiner Gesänge ist in neuerer Auflage erschienen, daher ein sicheres Urtheil über ihn noch künftiger Zeit harrt.

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Lange, Gregor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 632 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120987562.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA