Lebensdaten
1713 bis 1793
Geburtsort
Opatow (Polen)
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
Oberrabbiner von Prag und Böhmen
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 13164145X | OGND | VIAF: 122195027
Namensvarianten
  • Landau, Ezechiel
  • Jeḥezqel Ben-Jehuda Landa
  • Jeḥezqel ha-Lewi Landa
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Zitierweise

Landau, Ezechiel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13164145X.html [01.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Jehuda ( 1737), Gemeindevorsteher in O., Deputierter d. Vierländersynode u. Landesältester v. Kleinpolen;
    M N. N.;
    Ov Isaak ( 1767), Rabbiner u. Talmudist in Krakau;
    Vt Josef ( 1752), Rabbiner, Vorsitzender d. Vierländersynode, Jakob ( 1777), Rabbiner in Tarnopol;
    - Dubno 1732 N. N., T d. Kaufm. Jakorke in Dubno;
    3 S, mehrere T, u. a. Jakob (1745–1822), Kaufm. in Hamburg b. s. Schwieger-V Isaak Horowitz (1715–67), Oberrabbiner (s. Enc. Jud. VIII), dann in Brody, Samuel (s. Einl.), Israel (s. Einl.);
    E Moses (s. 3).

  • Leben

    L. studierte in seiner Heimatstadt, seit seinem 14. Lebensjahr in Brody den Talmud. Hier gehörte er mit dem nachmaligen Hamburger Rabbiner und Schwiegervater seines Sohnes Jakob, Isaak Horowitz, und dem Kabbalisten C. Zanser zu den „Gelehrten der Klaus“. Als 21jähriger wurde er Vorsitzender eines Rabbinatgerichts, 1745 Rabbiner in Jampol (Podolien). 1752 griff er mit einem vielbeachteten Sendschreiben in den Altonaer Amulettenstreit zwischen Jakob Emden und Jonathan Eibeschütz ein, wobei er Eibeschütz gegen den Vorwurf verteidigte, er sei Anhänger des Sabbatianismus. Dieser Vorstoß trug dazu bei, daß L. 1754 in eines der höchsten jüd. Ämter jener Zeit berufen wurde: Er wurde Oberrabbiner von Prag und Böhmen und Leiter der Prager Jeschiba. Durch seine Gelehrsamkeit, seinen unbeirrbaren Gerechtigkeits- und Realitätssinn und sein diplomatisches Geschick, aber auch durch sein Ehrfurcht einflößendes Auftreten und Aussehen – man nannte ihn „Frauengott“ –, erwarb er sich in ganz Europa hohes Ansehen. Maria Theresia gewährte ihm, der schon 1757 vom „lieben Vaterland“ sprach und Lobreden auf das Herrscherhaus hielt, zwei Audienzen. Joseph II. mißtraute dem „Pragerjudenpapst“, der zwar in praktischen Fragen konzessionsbereit war, nicht aber in prinzipiellen Fragen des Judentums. Als 1776 das Normalinstitut eingeführt werden sollte, wehrten sich die Prager Juden gegen die deutsche Unterrichtssprache. In den folgenden Jahren trat jedoch, begünstigt durch das Toleranzpatent für Böhmen (1781), ein Stimmungsumschwung ein. Noch 1781 wurde die Errichtung einer Schule unter Leitung des Schulrats Ferd. Kindermann v. Schulstein beschlossen. L. zensierte die deutschen Schulbücher. Im Mai 1782 wurde unter großen Feierlichkeiten die deutsch-jüd. Hauptschule für Knaben, drei Jahre später eine solche für Mädchen eröffnet. Es wurden nur profane Gegenstände unterrichtet. Fragen des Glaubens und der Weltanschauung sollten weiterhin in jüd. Schulen – im Cheder und in der Jeschiba – oder bei einem Privatlehrer behandelt werden. 1784 wurde das autonome jüd. Gerichtswesen aufgehoben, seit 1788 mußten die Vor- und Familiennamen dem deutschen Gebrauch angeglichen werden. Besonders einschneidend war die Einführung des Militärdienstes 1788 auch für die Juden, die sich bisher hiervon loskaufen konnten. L. gab nach, erhoffte sich jedoch als Gegenleistung deutliche Fortschritte in Fragen der Gleichberechtigung. Im Mai 1789 verabschiedete er die ersten jüd. Rekruten. Er ermahnte sie, am Glauben festzuhalten, aber auch ihren Pflichten als Soldaten nachzukommen. Allerdings unterschätzte er den Widerstand in den Gemeinden. Seit 1790 bemühte er sich daher wieder um Befreiung der Juden vom Militärdienst, zumal auch die Toleranzpatente der 80er Jahre in ihren Auswirkungen hinter den Erwartungen zurückblieben.

    L.s Responsen nehmen in der Dezisorenliteratur eine überragende Stellung ein. Sie erreichten hohe Auflagen und trugen dazu bei, die Autorität des Prager Oberrabbiners|in Streitfragen des Glaubens zu festigen. Sein Hauptwerk „Noda bi-Jehuda“ erschien in zwei Folgen 1776 und 1811. Bei seinen religionsgesetzlichen Entscheidungen ging L. stets auf die talmudischen und frührabbinischen Quellen zurück. Den Sabbatianismus lehnte er ab und erneuerte jedes Jahr den Bann gegen die geheimen Anhänger dieser Sekte. Ebenso bekämpfte er die Anhänger Jakob Franks und die chassidische Bewegung. Religionsphilosophischer Forschung begegnete er mit Mißtrauen, da er durch sie eine Gefährdung der schlichten Frömmigkeit befürchtete. Er verwarf Mendelssohns Pentateuch-Übersetzung, weil sie die Thora zur Sklavin der deutschen Sprache erniedrigt habe, scheute sich jedoch, ein Verbot auszusprechen, zumal sein Sohn Samuel zu den Subskribenten der Übersetzung zählte. Mit dem Vater der Prager Aufklärung, Dr. Jonas Jeitteles, und mit dessen Sohn Baruch, der sein Schüler gewesen war, verkehrte er freundschaftlich, ohne ihren Ideen zuzustimmen. Die Berliner Aufklärung verurteilte er hingegen völlig. N. H. Weisel, der durch sein Sendschreiben „Worte des Friedens und der Wahrheit“ (1781) hervorgetreten war, warf er vor, er wolle im Unterricht „die Lehre vom Menschen“ vor „die Lehre von Gott“ stellen. – Wich er in Glaubensfragen um kein Jota von der orthodoxen Lehre ab, so hat sich L. doch im praktischen Leben mit Erfolg darum bemüht, Brücken zur christlichen Umwelt und zum Deutschtum zu schlagen. Bei seinem Tod waren sich die Zeitgenossen des Verlusts einer überragenden Persönlichkeit bewußt und besetzten das Amt des Oberrabbiners nicht mehr. Die geistliche Autorität besaß nun der Erste Oberjurist, zu dem bald L.s treuester Schüler, Eleazar Fleckeles, avancierte, später sein Sohn Samuel.

  • Auszeichnungen

  • Literatur

    E. Fleckeies, Geist d. Judentums, 1813;
    J. Wannicžek, Gesch. d. Prager Haupt-, Trivial- u. Mädchenschule d. Israeliten, 1832;
    M. H. Friedlaender, Materialien z. Gesch. d. Juden in Böhmen, 1888;
    ders., Das Leben u. Wirken d. hervorragendsten rabbin. Autoritäten Prags, 1902;
    A. Stein, Die Gesch. d. Juden in Böhmen, 1904;
    L. Singer, Zur Gesch. d. Toleranzpatente in d. Sudetenländern, in: Jb. d. Ges. f. Gesch. d. Juden in d. Tschechoslowakei 5, 1933, S. 231-311;
    ders., Zur Gesch. d. Juden in Böhmen in d. letzten J. Josephs II. u. unter Leopold II, ebd. 6, 1934, S. 193-284;
    V. Zéček, Zu d. Anfängen d. Militärpflichtigkeit d. Juden in Böhmen, ebd. 7, 1935, S. 265-303;
    H. Gold, Die Juden u. Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit u. Gegenwart, 1934;
    Wind, in: Jewish Leaders 1750-1940, hrsg. v. L. Jung, 1953, S. 77-98;
    R. Kestenberg-Gladstein, Neuere Gesch. d. Juden in d. böhm. Ländern I, 1969 (P);
    Wurzbach 14;
    Enc. Jud. X, 1934 (W, L, P);
    Enc. Jud. X, 1971 (W, L, P).

  • Portraits

    Kupf. v. M. Klauber, Abb. in: Kestenberg-Gladstein u. Enc. Jud., s. L.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Landau, Ezechiel" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 478-479 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13164145X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA