Lebensdaten
um 1500 bis 1559
Geburtsort
Braunschweig
Sterbeort
Halberstadt
Beruf/Funktion
Musiker ; Sänger ; Komponist ; Theologe
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 131935860 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lampe, Auctor
  • Lampe, Autor
  • Lampadius, Autor
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Lampadius, Auctor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131935860.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    N. N.;
    K.

  • Leben

    L. wurde um 1532 von Goslar aus als Kantor an die Johannisschule in Lüneburg berufen. Nachdem er 1537 zwei Kinder durch die Pest verloren hatte, entfloh er mit seiner Frau im selben Jahr nach Wernigerode, wo er das Amt des Schulmeisters sowie des Hofpredigers der Grafen zu Stolberg übernahm. Von 1541 bis zu seinem Tode war er Pfarrer an der Martinikirche in Halberstadt. Zum Winter 1541/42 immatrikulierte er sich an der Univ. Leipzig. Hier erwarb er im Juni die theologische Licentiatur, die Vorstufe zur Promotion, welche ihm 1546 angeboten wurde, aber unterbleiben mußte, da L. die Kosten nicht aufbringen konnte. In den 50er Jahren nahm er engagiert Anteil an den Auseinandersetzungen der führenden ev. Theologen; er bezog, wie im prot. Norddeutschland üblich, Stellung gegen das Augsburger Interim (1548). Mit Flacius Illyricus stand er im Briefwechsel. Einige Quellen deuten darauf hin, daß er auch später im geistlichen Amt musikalisch tätig war; noch 1556 bezeichnete er sich in einem Brief als „Musicus und Bekenner Christi“. Seine eigentliche Bedeutung liegt auf dem Gebiet der Musiktheorie. L. verfaßte während seiner Amtszeit als Kantor in Lüneburg ein „Compendium Musices“, eine weitgehend konventionelle Sing-Unterweisung, die jedoch als Anhang eine kurzgefaßte Kompositionslehre enthält. Diese gehört zu den wenigen Quellen, die etwas über den technischen Vorgang der Ausarbeitung eines mehrstimmigen Tonsatzes im 16. Jh. aussagen. Neben dem auch anderweitig bezeugten Zehnliniensystem, das den gesamten Kompositions-Entwurf aufnahm, teilt L. in einem Beispiel auch erstmals die moderne Partituraufzeichnung mit: vier Fünflinien-Systeme mit durchgezogenen Taktstrichen ermöglichten es, die einzelnen Stimmen voneinander zu trennen. In seinem Traktat äußert sich L. auch über sein ästhetisches Ideal; er sieht es in der „suavitas“, „subtilitas“ und „simplicitas“ der Werke Josquins verwirklicht.

  • Werke

    Compendium Musices tam figurati quam plant cantus, 1537, 51554;
    Oratio de conciliatione veteris et novi Adami, 1543;
    Ein fein Christl, undt tröstl. Unterweisung, 1548. Kompositionen: Zwei Bicinien, in: Diphona amoena et florida, 1549.

  • Literatur

    ADB 17;
    E. Jacobs, Zwei harz. Musiktheoretiker d. 16. u. 17. Jh., in: Vj.schr. f. Musikwiss. 4, 1890, S. 91-111;
    E. Lowinsky, On the Use ot Scores by Sixteenth-Century Musicians, in: Journal of the American Musicological Society 1, 1948, S. 17-23;
    M. Bukofzer, Nachwort z. Faks.-Neudr. v. A. P. Coclico, Compendium Musices, 1954;
    S. Hermelink, Dispositiones modorum, 1960;
    MGG VIII.

  • Autor/in

    Thomas Röder
  • Empfohlene Zitierweise

    Röder, Thomas, "Lampadius, Auctor" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 454 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131935860.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lampadius, nach W. Junghans „Autor“ L. (fast scheint es, als wenn sich Professor Junghans durch den Wortlaut des weiter hin angezeigten Titels hat verleiten lassen, das Wort „auctor“ als den Vornamen des Verfassers aufzufassen, denn es heißt dort in allen drei Ausgaben „Ab Auctore Lampadio elaborata"), um 1532—1537 Cantor in Lüneburg, der in letztgenanntem Jahre ein „Compendium musices, tam figurati quam plani cantus“ in drei Abtheilungen: 1. de cantu plano, 2. Musicae figuralis compendium, 3. de compositione cantus compendium herausgab. Professor W. Junghans theilt in dem Osterprogramm des Johanneums zu Lüneburg im J. 1870 interessante Nachrichten über ihn mit, die er dem biographischen Artikel „Johann Sebastian Bach als Schüler der Partikularschule zu St. Michaelis zu Lüneburg“ in einer Anmerkung S. 21 beigegeben hat. Er schreibt dort: Die Dedication obigen theoretischen Werkes ist 1537 in Lüneburg geschrieben. Aus anderen aufgefundenen Schreiben Lampadius' erfahren wir, z. B. 1537 nach Catharinen, wo er von Wernigerode aus sich an den Rath wendet, daß er der Pestilenz wegen, in welcher er seine ganze Familie verloren und an welcher er selbst darnieder gelegen, um die Schüler (in Lüneburg) nicht anzustecken, lieber selber gewichen sei. In einem anderen Schreiben, aus Halberstadt datirt, in welchem er sich Prediger und Licentiat unterschreibt, erwähnt er, daß er bei seiner Anstellung in Lüneburg Reisekosten von Goslar bis Lüneburg vom Rathe erhalten habe, so daß man daraus ersieht, daß er vor der Anstellung in Lüneburg, die 1532 erfolgte, in Goslar thätig war, dann von Lüneburg nach Braunschweig der Pest wegen floh, von da sich nach Wernigerode wandte und endlich in Halberstadt festen Wohnsitz faßte, wo er im J. 1559 nach Büttner's handschriftlichen Aufzeichnungen starb. Ein Exemplar obigen theoretischen Weites besitzt die Staatsbibliothek in München und die königliche Bibliothek in Brüssel, fonds Fétis unter Nr. 5311—5313 Ausgaben von 1537, 1539 und 1546.

    • Korrektur

      S. 574. Z. 1 v. o.: Ueber Autor Lampadius vgl. Ed. Jacobs in Vierteljahrschr. f. Musikw. Bd. 6 (1890) S. 91 f.

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert; Jacobs, Eduard, "Lampadius, Auctor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 574 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131935860.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lampadius (Lampe): Auctor oder Autor (einem Braunschweiger Schutzpatron entlehnter, in dortiger Gegend nicht seltener Rufname) L., Lic., Theologe und Musiker, geboren zu Braunschweig zu Anfang des 16. Jahrhunderts, Ende 1559 zu Halberstadt (vgl. A. D. B. XVII, 574). Wahrscheinlich ohne die Universität besucht zu haben, gut vorgebildet, ist er bis gegen Ende 1532 an der evangelischen Stadtschule zu Goslar thätig, dann bis Ende 1537 der erste Rector der S. Johannisschule zu Lüneburg. Seit November des letzteren Jahres bis Ostern 1541 entfaltet er in Wernigerode eine umfangreiche Thätigkeit als erster bekannter evangelischer Rector der Stadtschule, als Lehrer Graf Christoph's zu Stolberg in der Figuralmusik und als Prediger. In letzterer Eigenschaft war er für den Ausbau der Reformation von Bedeutung. Eine viel umfassendere mit vielen Kämpfen verbundene Wirksamkeit war ihm in Halberstadt beschieden. Auch hier ist er wieder evangelischer Rector, und zwar an der Martinischule. Aber mehr noch als in Wernigerode lag hier, und bald ausschließlich, der Schwerpunkt seines Wirkens auf dem kirchlich-theologischen Gebiete. Hamelmann rühmt von ihm, daß er mit seinem Amtsbruder Otto in Halberstadt den zerstörten Weinberg des Herrn wiederhergestellt, ja daß beide ihn von Grund aus als neue Evangelisten gepflanzt und eingerichtet hätten. Einige Nachricht von diesen Kämpfen gewinnen wir aus seinen Briefen und Schriften. Geistig strebsam wie er war, erwarb er im Juni 1542 zu Leipzig, wo er im vorhergehenden Wintersemester noch einmal den Studien obgelegen hatte, die theologische Licentiatenwürde und nur Mangel an Geldmitteln verhinderte ihn daran, vier Jahre später der Aufforderung der dortigen theologischen Facultät entsprechend die theologische Doctorwürde zu erwerben. Seine Kämpfe hatten es theils mit der furchtbar entsittlichten altkirchlichen Geistlichkeit, theils mit den übeln Zuständen unter den Reformations-Verwandten zu thun. Seit 1548 kämpfte er eifrig wider das Interim und stand als entschiedener Vertreter und Vertheidiger der reinen lutherischen Lehre auf Seiten eines Flacius, Mörlin und Aepinus. Endlich trat er auch noch Ende 1559 durch Befürwortung einer Schrift des Johann Winnigstedt kühn gegen die Verwendung von Kirchen- und Schulgütern zu weltlich-persönlichen Zwecken auf. Besonders sind es einige von ihm erhaltene Schriften, die uns hiervon Zeugniß geben.

    Trotz dieser umfangreichen kirchlichen Thätigkeit, war und fühlte er sich auch noch in späteren Jahren als Freund und Meister der Tonkunst. Von seinem „Compendium musices“ kennen wir außer den A. D. B. XVII, 574|angeführten drei Ausgaben von 1537, 1539 und 1546 noch solche von 1541 und 1554. Wir hören von seiner Thätigkeit als Sänger und Componist von Liedern und Messen, doch ist von seiner praktischen Tondichtung nichts erhalten.

    • Literatur

      Vierteljahrsschrift f. Musikwissensch., VI. Jahrg. (1890), S. 91—111; Briefe von 1537—1550 in d. Zeitschr. d. Harzver. f. Gesch. u. Alterth.-K. 23 (1890), S. 342—351. — Erler, Matrikel d. Univ. Leipzig.

  • Autor/in

    Ed. Jacobs.
  • Empfohlene Zitierweise

    CC-BY-NC-SA