Lebensdaten
1838 bis 1897
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Chemieindustrieller ; italienischer Konsul ; Kommerzienrat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117555061 | OGND | VIAF: 74633271
Namensvarianten
  • Kunheim, Hugo
  • Cunheim, Hugo

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Zitierweise

Kunheim, Hugo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117555061.html [02.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Louis (1808–78, isr., seit 1837 ev.), Dr. phil., KR, Chemiker u. Industrieller, seit 1848 Leiter d. Unternehmens, erwarb 1850 d. fiskal. Alaunwerk Freienwalde/Oder, erweiterte d. Fabrik u. verlegte sie n. 1870 nach Niederschöneweide, Mitbegr. u. bis 1875 Vorstandsmitgl. d. Dt. Chem. Ges. (s. L), S d. Heinrich (s. 1);
    M Renate (1818–87), T d. Pfarrers Störig in Magdeburg, d. sich, mit e. größerem Kapital an d. K.schen Fabrik beteiligt hatte;
    ⚭ Elwira Detroit (1850–1924); mehrere K, u. a. Erich (1872–1921), Chemieindustrieller in B., übernahm 1901 als Alleininh. d. Unternehmen, kaufte 1903 d. AG f. Chemie in Mannheim u. dehnte damit d. Wirkungsbereich d. Firma auf Süddtld. aus, Präs. d. Dt. Handelstags, Mitgl. d. preuß. Abgeordnetenhauses.

  • Leben

    K. studierte nach dem Abitur Chemie in Berlin und Heidelberg und wurde in Göttingen zum Dr. phil. promoviert. 1864 trat er in die väterliche Fabrik ein, übernahm 1877 deren technische und wenig später die Gesamtleitung. Er führte den Deacon-Prozeß in Deutschland ein, den er zur Gewinnung von chlorsaurem Kali benutzte. Seinem Wirken ist es zuzuschreiben, daß die Firma bis zum Aufkommen der technischen Ammoniaksynthese der größte Ammoniakproduzent Deutschlands war und ihre Produkte in der ganzen Welt absetzte. Da K. als erster im großen mit der Druckverflüssigung von Kohlensäure hervortrat, die er in stählernen, durch selbsterfundene Sicherheitsventile (DRP 129 118) explosionssicheren Zylinderflaschen besonders für die Herstellung von künstlichem Mineralwasser und für den Bierausschank komprimiert in den Handel brachte, kann er als Bahnbrecher der Industrie der flüssigen Gase in Deutschland gelten. Die für die industrielle Produktion grundlegenden Patente hatte er von Dr. Wilhelm Raydt erworben. Da der Absatz dieses neuartigen Produktes eine eigene Organisation erforderte, gründete er 1883 als Vertriebsgesellschaft die „AG für Kohlensäure-Industrie“. Unter seiner Leitung wuchs das Unternehmen beträchtlich infolge des Ankaufs des fiskalischen Alaunwerks in Freienwalde/Oder sowie durch Gründung von Zweigfabriken in Berlin-Niederschöneweide (Werk „Kanne“) und in „Grube Ilse“ bei Senftenberg (Niederlausitz), die für den deutschen Braunkohlenbergbau bedeutsam wurde. Bei K.s Tod beschäftigte die Firma, trotz der 1888 erfolgten Ausgliederung der „Ilse-Bergbau-AG“, über 1000 Arbeitnehmer. 1922 wurde die zuletzt von K.s Sohn Erich geleitete OHG Kunheim & Co., das letzte große Unternehmen der deutschen|chemischen Industrie, das sich noch in Privathand befand, in die Chemischen Fabriken Kunheim & Co. AG umgewandelt. Seit 1925 lautete der Firmenname Rhenania-Kunheim Vereinigte Chemische Fabriken AG. – Dieser Firmenverband wurde 1927/28 vom Kaliwerk Neustaßfurt-Friedrichshall AG übernommen. Die Firma wurde in „Kali-Chemie AG“ geändert. Das Unternehmen verlegte seinen Sitz nach Berlin, danach von Ostberlin (1947) nach Sehnde und 4 Jahre später nach Hannover.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ältestenrates d. Berliner Kaufm.schaft;
    ital. Konsul;
    KR.

  • Literatur

    C. Liebermann, in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. 30, 1897, S. 789-92;
    Die chem. Industrie, 1897, S. 149;
    Pharmazeut. Ztg., 1901, S. 868;
    N. Wender, Die Kohlensäureindustrie, 1901 (P);
    G. Bugge, Das Buch d. großen Chemiker I/II, 1929. - Zu V Louis:
    Verhh. d. Ver. z. Beförderung d. Gewerbefleißes in Preußen 57, 1878, S. 254 f.;
    B. Lepsius, Festschr. z. Feier d. 50j. Bestehens d. Dt. Chem. Ges. u. d. 100J. Geb.tag ihres Begründers A. W. v. Hofmann, 1918;
    C. Matschoß, Preußens Gewerbeförderung u. ihre gr. Männer, 1921. - Zum Gesamtart.:
    Dt. Industrie - Dt. Kultur, hrsg. v. J. Eckstein u. J. J. Landau, 1900;
    J. Kaeber u. I. Spiel, 100 J. Kunheim 1826-1920, 1926 (P);
    F. Rüsberg, 50 J. Kali-Chemie AG, 1949;
    Chem. Industrie, 1955, S. 164-67;
    L. F. Haber, The chemical industry during the nineteenth century, 1958.

  • Autor/in

    Hans-Henning Zabel
  • Empfohlene Zitierweise

    Zabel, Hans-Henning, "Kunheim, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 295 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117555061.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA