Lebensdaten
1887 bis 1943
Geburtsort
Glogau
Sterbeort
Minsk
Beruf/Funktion
NS-Gauleiter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 128799536 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kube, Wilhelm

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Kube, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128799536.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Vorfahren stammten aus Frankfurt/Oder;
    V Richard, Sergeant in G., dann Steuerbeamter in Berlin;
    M Ida Kanach;
    Breslau 1914 Margarete Schmidt, T e. Staatsanwaltschaftssekretärs 2 S.

  • Leben

    K. besuchte 1899-1908 in Berlin das Gymnasium Zum Grauen Kloster und studierte bis 1912 Geschichte und Staatswissenschaften. Schon als Schüler bezog er die „Staatsbürgerzeitung“, das Organ der antisemitischen „Deutschen Reformpartei“. 1909 gehörte er zu den Mitbegründern des „Deutschvölkischen Studentenbundes“, 1911-14 gab er als dessen Vorsitzender die „Deutschvölkischen Hochschulblätter“ heraus. Seit 1912 war er Vorsitzender des völkischen Altakademikerverbandes. Nach dem Krieg, an dem er wegen eines Herzfehlers nicht teilgenommen hatte, trat er dem „Verein Deutscher Studenten“ bei und übernahm auch hier nach einigen Jahren den Vorsitz. Seit 1911 Mitglied der „Deutschsozialen Partei“, ging er im folgenden Jahr als Redakteur zur „Mecklenburg. Warte“ nach Wismar, bald darauf zur „Schles. Morgenzeitung“ nach Breslau; außerdem schrieb er für den „Schles. Boten“. 1919 trat K. der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) bei und wurde Generalsekretär des Landesverbandes Schlesien, 1920 des Landesverbandes Berlin; 1922/23 war er Stadtverordneter in Berlin. 1919 gründete K. den „Deutschen Bismarckbund“, aus dem Ende 1920 die „Bismarck-Jugend“ hervorging, zu deren Reichsführer er 1922 gewählt wurde. Als er im folgenden Jahr aus der DNVP austrat, da sie ihm als nicht kämpferisch genug erschien, errichtete er den „Bismarck-Orden“. Er schloß sich dem „Deutschen Herold“ an, dann der „Deutschvölkischen Freiheitspartei“, deren Reichsgeschäftsführer und Gauleiter (für Berlin) er wurde. Die Freiheitspartei bildete zusammen mit Mitgliedern der verbotenen NSDAP die „Nationalsozialistische Freiheitspartei“, für die K. im Mai und November 1924 in den Reichstag gewählt wurde. Drei Jahre später gründete er die „Völkischsoziale Arbeitsgemeinschaft“ (später „Völkisch-sozialer Bund“), die er den Mitgliedern der verbotenen NSDAP (z. B. Goebbels) als Forum öffnete. Anfang 1928 trat er mit seinen Anhängern zur inzwischen legalisierten NSDAP über und wurde im Mai 1928 in den Reichstag und den Preuß. Landtag gewählt. Er verzichtete auf das Reichstagsmandat und übernahm den Fraktionsvorsitz der NSDAP im Landtag. Im September wurde er Gauleiter des Gaues Ostmark (Frankfurt/Oder), dem damals nur 66, Anfang 1931 bereits über 10 000 und 1933 schließlich über 80 000 Mitglieder angehörten; bei den Wahlen im März 1933 lag der Stimmenanteil der NSDAP in der Ostmark bei 55 %. Die von K. seit 1925 herausgegebene Wochenzeitschrift „Der Märk. Adler“ wurde das Organ des Gaues. Von überregionaler Bedeutung für die Ausbreitung des Nationalsozialismus wurde K.s Wirken im Preuß. Landtag. Er gehörte zu den Abgeordneten, die am häufigsten das Wort ergriffen. Innenminister Grezesinski nannte K., der seine Fraktion überaus forsch, eloquent und schlagfertig vertrat, „die Provokation in Person“. K. erreichte, daß am 27.9.1928 in Preußen das Redeverbot für Hitler aufgehoben wurde. Waren es 1928 noch sechs nationalsozialistische Abgeordnete, so wurde die NSDAP im April 1932 mit 162 Abgeordneten zur stärksten Fraktion im Preuß. Landtag. Als im Mai 1933 unter Ministerpräsident Göring das preuß. Ermächtigungsgesetz in Kraft trat, wies K. im Landtag den Parteien der Weimarer Koalition die Aufgabe zu, „sich zu schämen und|zu schweigen“. Er half eifrig mit, das gesamte öffentliche Leben unter die Kontrolle der Nationalsozialisten zu bringen. Er selbst wurde Oberpräsident der Prov. Brandenburg und von Berlin (25.3.1933) sowie Gauleiter des aus den Gauen Ostmark und Brandenburg zusammengefügten Gaues Kurmark (1.6.1933). Er förderte die Glaubensbewegung der Deutschen Christen und die Ansiedlung von Bauern in den Ostprovinzen. 1936 bezichtigte er in einem anonymen Schreiben an den Parteirichter Walther Buch dessen Frau fälschlich der jüdischen Abstammung und griff damit indirekt auch ihren Schwiegersohn Martin Bormann an. Als die Autorschaft durch die Gestapo aufgedeckt worden war, wurde K. auf Betreiben Bormanns und Himmlers seines Amtes enthoben, durfte aber den Titel eines Gauleiters behalten. Hitler stellte ihm ein neues Amt in Aussicht; er wollte ihn zum Reichskommissar in Moskau ernennen. Auf Vorschlag Rosenbergs wurde K. am 17.7.1941 zum Generalkommissar für Weißruthenien (mit Sitz in Minsk) bestellt, das mit den drei Baltenstaaten dem Reichskommissariat Ostland (mit Sitz in Riga) zugeteilt worden war. Hier wurde der überzeugte Antisemit mit der brutalen Wirklichkeit der Judenvernichtung konfrontiert. Gegen die Liquidierung der russ. und poln. Juden erhob K. keinen Protest, wohl aber gegen die „Einfuhr“ und Ermordung deutscher Juden, „die aus unserem Kulturkreis kommen“ und zum Teil Frontkämpfer gewesen seien. Das Vorgehen der SS gegen diese Juden sei „eines deutschen Menschen und eines Deutschlands Kants und Goethes unwürdig“. Er versuchte, Juden in kriegswichtiger Produktion zu verstecken, indem er mit ihnen eine Panjewagenfabrik aufzog; dieses Projekt scheiterte jedoch im Sommer 1943. Die weißruss. Bevölkerung versuchte er durch Konzessionen und das Versprechen, einen eigenen Nationalstaat bilden zu dürfen, für sich zu gewinnen. Der Kommandeur der Sicherheitspolizei von Minsk bezichtigte K. der Unfähigkeit und „Judenhörigkeit“ und forderte seine Ablösung. Hitler hielt jedoch an seinem treuen Gefolgsmann fest, der ihm in so entscheidendem Maße den Weg in Preußen geebnet hatte. K. fiel schließlich dem Attentat einer russ. Partisanin zum Opfer, die eine Bombe unter seinem Bett gezündet hatte.

  • Werke

    u. a. Wie organisieren wir uns? 1919;
    Dt.nat. Volkspartei u. Auslandspol., 1920;
    Totila, Hist. Schauspiel, 1920, wieder 1933;
    Die Verdummung d. Dt. Volkes durch d. Soz.demokratie, 1929;
    Volksfeind Soz.demokratie, 1932;
    Nach d. Aufrichtung d. Dritten Reiches, Nat.sozialist. Aufsätze, ausgew. u. eingel v. Müller-Rüdersdorf, 1933;
    Alm. d. nat.sozialist. Rev., 1933 (P).

  • Literatur

    G. Altensteig, W. K., 1933 (P);
    H. Barth, K., 1933 (P);
    G. Rühle, Kurmark, Die Gesch. e. Gaues, 1934;
    H. Heiber, Aus d. Akten d. Gauleiters K., in: Vj.Hh. f. Zeitgesch. 4, 1956, S. 67-92;
    A. Dallin, Dt. Herrschaft in Rußland 1941–45, 1958 (P);
    P. Hüttenberger, Die Gauleiter, Studie z. Wandel d. Machtgefüges in d. NSDAP, 1969;
    A. Tyrell, Führer befiehl…, 1969.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Kube, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 156 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128799536.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA