Lebensdaten
um 1360 - 1410
Geburtsort
wohl Neu-Hohenfels bei Konstanz
Sterbeort
Tannenberg (Ostpreußen)
Beruf/Funktion
Hochmeister des Deutschen Ordens
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119282623 | OGND | VIAF: 32803184
Namensvarianten
  • Jungingen, Ulrich von
  • Ulrich
  • Ulrich von Jungingen
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Zitierweise

Ulrich von Jungingen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119282623.html [09.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus 1501 mit Ulrich (IV.) im Mannesstamm erloschener oberschwäb. Edelherrenfam., deren Stammsitz n. 1352 Neu-Hohenfels war;
    V Wolfgang v. J. (erw. 1346–94), 1390 österr. Landvogt, wohl 1392 Rr. v. St. Georgen-Schild, S d. Burkard d. Alten u. d. Margarete v. Klingenberg;
    M Ursula, T d. Konrad v. Hohenfels; mind. 5 B u. a. Konrad v. J. (um 1355–1407), 1393 Hochmeister d. Dt. Ordens (s. L), mind. 2 Schw.

  • Leben

    U., der wie sein älterer Bruder Konrad in den Dienst des Dt. Ordens trat, erscheint erstmals 1383 als Fischmeister und Pfleger in der Komturei Christburg. 1387 war er Kumpan des Obersten Marschalls Konrad v. Wallenrode, 1387–91 des Obersten Marschalls Engelhard Rabe, 1391–92 Kumpan des nunmehrigen Hochmeisters Konrad v. Wallenrode und 1393–96 Vogt von Samland. Es folgten die Ämter des Komturs von Balga und des Vogts von Natangen (1396–1404) sowie das des Obersten Marschalls (1404–07); am 26. 6. 1407 wurde U. zum Nachfolger seines verstorbenen Bruders als Hochmeister gewählt.

    Die ihn prägende Zeit vor seiner Wahl hat U. demnach fast ausschließlich in den östlichen Komtureien des Ordenslandes verbracht. Es waren Jahre wichtiger politischer und kriegerischer Ereignisse, angefangen mit der Entstehung der poln.-litau. Union 1386. U. war beim Friedensschluß von Sallinwerder mit dem Großfürsten Vytautas (poln. Witołd) 1398 und dem Bündnis mit diesem von Ritterswerder 1404 anwesend. Ebenso nahm U. an den Gotlandfeldzügen des Ordens (1398 u. 1404)|teil und führte 1404 die Verhandlungen in Wisby. Hinzu kamen die fast jährlich wiederkehrenden Kriegsreisen nach Litauen oder Samaiten (Samogitien, litau. Žemaitija). Bekannt ist auch die Unterstützung, die der Orden Vytautas bei dessen Feldzügen gegen Nowgorod und Moskau (1404, 1408) zukommen ließ. U.s erfolgreiches friedliches Wirken beim Landesausbau, sein Verwaltungsgeschick und Organisationstalent haben ebenfalls Spuren in den Quellen hinterlassen.

    Wichtig erschien U. die Niederschlagung des im Mai 1409 ausgebrochenen Aufstands in Samaiten, der von Vytautas geschürt und vom poln. Kg. Władysław II. Jagiełło (litau. Jogaila) zumindest geduldet worden war. Damit begannen die für den Orden verhängnisvollen Ereignisse, die am 15. 7. 1410 in die Schlacht von Tannenberg (poln. Grunwald, litau. Žalgiris) mündeten.

    Als U. von poln. Unterhändlern keine Zusicherung erhalten konnte, daß sich ihr König im Falle eines Krieges des Ordens mit Litauen neutral verhalten würde, faßte er den Entschluß, zunächst Polen zu bezwingen. Die im Aug. 1409 eröffneten Kampfhandlungen wurden im Febr. 1410 durch einen Schiedsspruch Kg. Wenzels IV. von Böhmen beendet, der jedoch von den poln. Gesandten nicht angenommen wurde. U. fühlte sich deshalb legitimiert, einen Überraschungsangriff auf Polen am 1. Juni, also vor dem Ende des vereinbarten Waffenstillstands, zu unternehmen. 1800 Söldner wurden unter strenger Geheimhaltung angeworben und nach Preußen gebracht. Ein Ende Dez. 1409 mit dem ungar. Kg. Sigmund geschlossener Vertrag schien zu garantieren, daß Polen auch vom Süden her angegriffen werden würde. Ein Krieg paßte jedoch nicht in die Pläne Sigmunds, der bei Verhandlungen mit Vytautas (und indirekt auch mit Jagiełło) in der ungar. Grenzstadt Käsmark Mitte April 1410 neue Friedensgespräche in Thorn mit ihm als Vermittler forderte. U. mußte daher im Mai die weit fortgeschrittenen Angriffsvorbereitungen abbrechen und die Söldnerwerbungen einstellen. Die geplanten Friedensgespräche am 17. Juni („Thorner Tag“) fanden jedoch nicht statt, weil weder Sigmund, noch Jagiełło und Vytautas erschienen. Für U. war dies eine schwere diplomatische Niederlage.

    In der Schlacht selbst wurden U. dann eine Reihe von unvorhersehbaren Faktoren zum Verhängnis: u. a. ungünstiges Schlachtengelände südlich und südöstlich des Dorfes Grünfelde und die taktisch motivierte erfolgreiche Scheinflucht eines Teils des litau. Heeres. Der Hochmeister und über 200 Ordensbrüder fanden den Tod, ebenso Tausende von Kriegern, Knappen, Troß- und Pferdeknechten aus dem Ordensheer, während die Mehrzahl der rund 6400 Ordenssöldner gefangengenommen wurde. 1411 errichtete der neue Hochmeister Heinrich von Plauen eine Marienkapelle für die gefallenen Christen beider Seiten an der Stelle, wo sich die Feldkapelle des Ordens während der Schlacht befunden hatte.

    1901 wurde inmitten der Ruine der Marienkapelle ein Gedenkstein für U. aufgestellt, weil vermutet wurde, er sei an dieser Stelle gefallen. Neuere Forschungen zeigen, daß dies nicht der Fall sein kann. Eine wissenschaftliche Biographie über U. steht noch aus.

  • Quellen

    Qu Geh. StA Preuß. Kulturbes., Berlin (Ordensbriefarchiv, Pergamenturkk., Ordensfolianten), hierzu: E. Joachim u. W. Hubatsch (Hg.), Regesta historicodiplomatica Ordinis S. Mariae Theutonicorum 1198–1525, Pars I-II u. Registerbde., 1948–73, Findbücher 25, 65 u. 66; Th. Hirsch u. a. (Hg.), SS rer. Pruss. III, 1866, Nachdr. 1965; M. Toeppen (Hg.), Akten d. Ständetage Preußens I, 1878, Nachdr. 1973; E. Joachim (Hg.), Das Marienburger Tresslerbuch d. J. 1399–1409, 1896, Nachdr. 1973; E. Weise (Hg.), Die Staatsverträge d. Dt. Ordens in Preußen im 15. Jh., I (1398–1437), 1939, 2. verbesserte Aufl. 1970; S. Ekdahl (Bearb.), Das Soldbuch d. Dt. Ordens 1410/1411, I-II, 1988, 2010.

  • Literatur

    L ADB 14, S. 720 f.;
    G. Conrad, Der Gedenkstein f. […] U. v. J., in: Oberländ. Gesch.bll. V, 1903, S. 100–03;
    F. Eisele, Die Herren v. J., in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. u. Altertumskde. in Hohenzollern 62, 1931, S. 1–52 u. 63, 1932, S. 1–29;
    T. Rosłanowski, Uwagi na temat pochodzenia oraz posiadłos ´ci i przynalez ˙ nos ´ci stanowej rodu von Jungingen (Bemm. über Ursprung, Bes. u. Standeszugehörigkeit d. Geschl. v. Jungingen), in: Zapiski Historyczne 28, 1963, S. 135–57;
    S. Ekdahl, Die Schlacht b. Tannenberg 1410, Quellenkrit. Unterss., Bd. 1: Einf. u. Quellenlage, 1982;
    ders., Tannenberg/Grunwald – ein pol. Symbol in Dtld. u. Polen, in: Journ. of Baltic Studies 22, 1991, S. 271–324;
    ders., Diplomatie u. Söldnerwerbung vor d. Schlacht b. Žalgiris, in: Lietuvos istorijos studijos 25, 2010, S. 48–61;
    ders., Politics, Diplomacy and the Recruitment of Mercenaries before the Battle of Tannenberg-Grunwald-Žalgiris in 1410, in: The Military Orders 5: P. W. Edbury (Hg.), Politics and Power, 2012, S. 329–36;
    ders., Quellenaussagen über d. Taktik in d. Tannenbergschlacht, in: W. Paravicini, R. Petrauskas u. G. Vercamer (Hg.), Tannenberg-Grunwald-Žalgiris 1410, Krieg u. Frieden im späten MA, 2012, S. 285–300;
    ders., U. v. J., in: U. Arnold (Hg.), Die Hochmeister d. Dt. Ordens 1190–2012, 2 2014, S. 106–17;
    ders., Der „Thorner Tag“ am 17. Juni 1410, Eine dipl. Niederlage d. Dt. Ordens vor d. Schlacht b. Tannenberg, in: Rocznik Działdowski IX, 2014, S. 15–58 (Qu);
    K. Neitmann, Die Staatsverträge d. Dt. Ordens in Preußen 1230–1449, Stud. z. Diplomatie e. spätma.|dt. Territorialstaates, 1986;
    C. Bumiller u. M. Wulfmeier, Konrad u. U. v. J., 1995;
    Altpreuß. Biogr. I, S. 313 f.;
    LexMA;
    zu Konrad: B. Jähnig, Konrad v. J., in: U. Arnold (Hg.), Die Hochmeister d. Dt. Ordens 1190–2012, 22014, S. 97–104; NDB XII

  • Autor/in

    Sven Ekdahl
  • Empfohlene Zitierweise

    Ekdahl, Sven, "Ulrich von Jungingen" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 588-590 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119282623.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA