Lebensdaten
1499 oder 1500 bis 1557
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Karmeliter ; Reformtheologe ; Karmeliter-Provinzial
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 12956320X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Billick, Eberhard
  • Billicus, Everhardus
  • Billick Lapicida, Eberhard (Zuname)
  • mehr

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Zitierweise

Billick, Eberhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12956320X.html [26.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus angesehener Kölner Bürgerfamilie stammend, Eltern oder Großeltern vermutlich aus Bilk bei Düsseldorf zugezogen;
    Ov Brocard ( 4.12.1527), Karmeliterprior und bekannter Prediger in Köln.

  • Leben

    B. trat 1513 in das Kölner Karmelitenkloster ein. Nach philosophischen und theologischen Studien im Kloster und an der Universität Köln begegnet er uns 1525 als Studienpräfekt, 1528 als erster Lektor seines Klosters und wurde 1536 zum Prior gewählt. Er war eifrig für Reform des Ordenslebens tätig, besonders seit er 1542 zum Provinzial der niederdeutschen Provinz gewählt worden war. Vorübergehend war er auch mit der Leitung der oberdeutschen Provinz betraut (1546/47), deren schwierige Lage er angesichts des Vordringens der Reformation nicht beheben konnte. Für die allgemeine Reform der Kirche, von deren Notwendigkeit er sehr überzeugt war, suchte er in katholischen Sinne zu wirken. Er nahm an den Religionsgesprächen von Hagenau (1540), Worms (1540/41), Regensburg (1541 und 1546) und Augsburg (1547/48) sowie am Konzil von Trient (1551/52) teil. Beim Reformationsversuch des Kölner Erzbischofs Hermann von Wied (seit 1543) stand er in der vordersten Reihe der von Johann Gropper geführten Gegner Hermanns, bestärkte (seit 1540 ordentlicher Universitätsprofessor) die Universität in ihrem Widerstand und trat mit mehreren Streitschriften, u. a. mit dem Antididagma (Köln 1544), und mit volkstümlichen Predigten in der Öffentlichkeit hervor. Anton von Schaumburg, der zweite Nachfolger Hermanns, ernannte B. wenige Wochen vor dessen Tod zum Weihbischof von Köln.

  • Literatur

    ADB II;
    A. Postina, Der Karmelit E. B., 1901 (W-Verz.);
    E. Rick, Everhardus Billicus, in: Analecta Ord. Carm. 3, Rom 1914, S. 115 ff., 131 ff. u. ö.;
    H. Keussen, Matrikel d. Univ. Köln II, 1919, S. 898 (L);
    H. Foerster, Reformbestrebungen Antons III. v. Schaumburg in d. Kölner Kirchenprov., 1925, S. 11 u. ö.;
    H. Vogts, Zur Bau- u. Kunstgesch. d. Kölner Karmelitenklosters, in: Jb. d. Köln. Gesch.-Ver. 14, 1932, S. 148 ff., bes. 174 ff.;W.
    Lipgens, Kard. Joh. Gropper, 1951, S. 118 u. ö.;
    LThK;
    Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques VIII, 1935, Sp. 1480 f. (auch f. O Brocard B.).

  • Autor/in

    Robert Haaß
  • Empfohlene Zitierweise

    Haaß, Robert, "Billick, Eberhard" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 238 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12956320X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Billick: Eberhard B., Carmeliter-Provinzial in Köln, geb. zu Billick bei Düsseldorf, 11. Jan. 1557. Sein Familienname war Steinberger. Frühe trat er in den Carmeliter-Orden und schon im J. 1526 finden wir ihn als Prior des Kölner Carmeliter-Convents. Als solcher hielt er im J. 1526 auf der Provincial-Synode die Synodal-Rede, in welcher sich eine schwache Neigung zur Bewilligung der nöthigsten Reformen kund gibt. Am 18. November 1528 wurde er in der theologischen Facultät immatriculirt. Bald darauf wurde er in derselben Facultät öffentlicher Professor. Mit Eck und andern Theologen betheiligte er sich 1540 an dem Religionsgespräch zu Worms. Hier begann er im Auftrage des Nuntius Morone eine Widerlegung der Augsburger Confession auszuarbeiten, kam damit aber nicht zu Ende. Im J. 1542 wurde er auf dem Provincial-Capitel zu Aachen zum Provincial seines Ordens für ganz Deutschland gewählt. In dieser Zeit, in welcher der Erzbischof Hermann von Wied entschieden in reformatorischer Richtung vorzugehen begann, trat er neben dem Official Bernhard Georgii von Paderborn, dem Propste Johann Gropper, dem Regens Heinrich Buscher von Tongern, dem Pfarrer Dietrich Hake und dem Weihbischof Johann Nopelius an die Spitze der conservativen, antireformatorischen Bewegung unter der Kölner Geistlichkeit und den Mitgliedern der Universität. Er war der Verfasser der 1543 veröffentlichten Streitschrift: „Judicium deputatorum universitatis et secundarii cleri Coloniensis de vocatione et doctrina Martini Buceri ad Bonnam“. In dieser Schrift bewährte er sich als einen gewandten und schlagfertigen Polemiker. Für die Folge trat er in den Streitigkeiten zwischen dem Erzbischof Hermann und den Freunden der alten Richtung immer in den Vordergrund, wenn es galt, durch eine Streitschrift die Grundsätze der Kölner Reformatoren zu bekämpfen. Er war es hauptsächlich, der von der Kanzel in populären Predigten den großen Haufen in seiner Anhänglichkeit an das alte Kirchenthum bestärkte und der dem jungen Jesuitenorden seinen Einzug in die Stadt Köln ermöglichte. Der Coadjutor Adolf von Schauenburg, der in dem vollständigen Siege des alten Kirchenwesens die Krönung seiner ehrgeizigen Absichten erkannte, verstand es, die Kräfte an sich heranzuziehen, welche in dem Kampfe gegen die Neuerer von durchschlagender Wirksamkeit zu sein versprachen. Zu diesen gehörte vor allen der Carmeliter-Provincial. Aus seiner Feder floß die gegen die Bestrebungen Hermanns gerichtete Streitschrift: „Judicium universitatis et cleri Coloniensis adversus calumnias Philippi Melanthonis, Martini Buceri etc.“, 1545. In demselben Jahr ließ er bei Caspar Gennep eine Vertheidigung dieses von Bucer und Melanchthon so heftig angegriffenen Gutachtens drucken. Vom Rathe erhielt er für diese Arbeit ein Kerb Wein. Am Schlusse dieser defensio stellte er einen zweiten Band in Aussicht, in welchem er alle die Puncte zu behandeln versprach, die in dem ersten Bande wegen allzugroßer Eile hatten übergangen werden müssen. In derselben Sache ließ er gegen eine an allen Kirchthüren angeschlagene Satire eine scharfe Entgegnung in siebenzig Versen ankleben. In dem heißen Kampfe zwischen der alten und neuen|Richtung wurde er vom Coadjutor, der Universität und dem Clerus viel zu diplomatischen Sendungen an den Kaiser, auf Reichstage und Religionsgespräche verwandt: alle Kräfte bot er auf, um Hermanns Absetzung zu bewirken. Seinem Einflusse hauptsächlich ist die Conversion Theobald Thamer's zuzuschreiben. Auf dem Religionsgespräch zu Regensburg saß er als Colloquent neben dem Spanier Malvenda und dem Theologen Johannes Cochläus. In den J. 1545 und 1546 gab er sich große Mühe um die Einführung einer neuen Inquisition, die sich als gefügiges Rüstzeug des römischen Geistes bewähren sollte. Sein Einfluß in Köln stieg noch, als Adolf nach Hermanns Entsetzung den erzbischöflichen Stuhl bestieg. Bei der Synode des Jahres 1549 spielte er eine wichtige Rolle; er leitete die Verhandlungen wegen Reform der Universität. Als Erzbischof Adolf 1551 sich zum Concil nach Trient begab, hatte er den B. als theologischen Beirath zur Seite. In einem aus Trient an den Kölner Prior Pater Caspar Doroler geschriebenem Briefe rühmt er die Gewissenhaftigkeit und den Fleiß der Concils-Väter in Untersuchung und Prüfung der Streitpunkte. Zweimal predigte er vor den versammelten Mitgliedern des Concils. Im Jahre 1556 betrieb er mit brennendem Eifer den Proceß gegen den als Sacramentirer verschrieenen Professor Justus Velsius. In Anerkennung seiner Verdienste um die Erhaltung des alten kirchlichen Zustandes in der Kölner Diöcese bestimmte ihn Erzbischof Adolf zu seinem Generalvicar in pontificalibus und Papst Paul IV. designirte ihn zum Bischof von Cyrene. Ehe er aber consecrirt wurde, starb er. Seine Ruhestätte fand er bei den Carmelitern. Im J. 1547 hatte er den Umgang in diesem Kloster mit Darstellungen aus dem neuen Testamente schmücken lassen. „Es waren dieß köstliche Gemälde. Barthel Brun von St. Alban ist der erste Meister gewesen, nach ihm seine Söhne, die es vollendet haben. Der Provincial Eberhard hat unter jedes Gemälde die Carmina gemacht, und der erste Buchstabe an jeder Tafel ist roth, und wenn die allerersten Lettern an allen Tafeln zu einander gestellt werden, so bilden sie seinen Namen und Titel. Er hat von vielen Kur- und Fürsten, Bischöfen, Prälaten, Grafen, Rittern, Doctoren, Bürgern viele Tafeln geschenkt bekommen. Dieser Provincial hat auch ein kostbares silbernes Marienbild in sein Kloster gegeben, welches er von goldenen Pokalen und silbernem Geschirre, was ihm von Fürsten und Herren geschenkt worden, gemacht hat.“ Von Billick's Schriften sind außer den beiden schon genannten noch zu nennen: „Epistel Eberhardi Billiki Carmeliten zu Köln“, 1546; „Oratio habita die festo circumcisionis domini in concilio oecumenico Tridentino“, 1552. 1557; „De ratione summovendi praesentis temporis dissidia“, 1557; „De dissidiis ecclesiae componendis“, 1559. Zu einer Geschichte der Stadt Köln hatte er im Verein mit Johann Helmann vieles Material gesammelt. In Manuscript hinterließ er eine Geschichte des Trienter Concils bis auf seine Zeit; dieses Manuscript ist verloren gegangen. Ein Band handschriftlicher Predigten, Synodalreden und anderer kleiner Schriften von ihm ist vor einigen Jahren öffentlich verkauft worden. Callidius Loos bezeichnet den B. als einen klugen, humanen Mann, Allen ehrwürdig durch Sittenreinheit und Biederkeit; Melanchthon dagegen sagt von ihm, daß er dem Wein und der Liebe ergeben gewesen sei.

    • Literatur

      Hartzheim, Bibl. Col., Meshovius. Viel Handschriftliches.

  • Autor/in

    Ennen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ennen, Leonhard, "Billick, Eberhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 639-640 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12956320X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA