Lebensdaten
1898 - 1977
Geburtsort
Brustow (Provinz Posen)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 124550282 | OGND | VIAF: 40315096
Namensvarianten
  • Kraft, Waldemar

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Kraft, Waldemar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124550282.html [07.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav Robert (1858–1945), Gutsverwalter, S d. Gutsverwalters Christoph u. d. Anna Susanna (Kraft);
    M Helene Clara (1868–1955), T d. Mühlenbes. Adolf Karl Unger u. d. Amalie Charlotte (Unger); ledig.

  • Leben

    K. besuchte die Oberrealschule in Posen bis zur Mittleren Reife (1914). Anschließend kam er in die landwirtschaftliche Lehre. Als Kriegsfreiwilliger kämpfte er seit Mitte 1915 bis zu seiner schweren Verwundung im Juni 1918 an der Westfront. 1919 nahm er an den Grenzschutzkämpfen in Südposen und Oberschlesien teil. 1920 wurde er als Reserveoffizier entlassen und trat als Mitarbeiter in den Hauptverein der deutschen Bauernvereine in Posen ein. 1922 wurde er Hauptgeschäftsführer dieser Organisation. Ein Jahr später wurde der Hauptverein – er war 1919 nach der Abtrennung der Provinz Posen vom Deutschen Reich gegründet worden, da die|Unterstützung der polnisch gewordenen Landwirtschaftskammer für die deutschen Bauernvereine fortgefallen war – von den polnischen Behörden aufgelöst. Eine Neugründung der Berufsorganisation deutscher Landwirte in der nunmehrigen Woiwodschaft Posen erfolgte 1923 in Gestalt der Westpoln. Landwirtschaftlichen Gesellschaft, deren Hauptgeschäftsführer K. wurde und bis zu ihrer Auflösung 1939 blieb. Seit 1925 hatte er auch das Amt eines Direktors des deutschen Landwirtschaftlichen Zentralverbandes in Polen inne. Nach kurzer Tätigkeit 1939/40 als kommissarischer Präsident der Landwirtschaftskammer Posen, deren Aufgaben mit der Errichtung des Reichsnährstandes für den Reichsgau Wartheland erloschen, war er 1940-45 Geschäftsführer der Reichsgesellschaft für Landbewirtschaftung in Berlin. Gegen Kriegsende kam K. mit der Verlegung dieser Institution nach Ratzeburg und wurde nach dem Zusammenbruch von den Engländern 2½ Jahre lang interniert. Hiernach widmete er sich den Belangen der Heimatvertriebenen. Eine Kandidatur für den 1. Bundestag als Unabhängiger – eine überregionale Flüchtlings- oder Vertriebenenpartei existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht – blieb allerdings erfolglos. Anfang Januar 1950 gründete er den Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) in Schleswig-Holstein. K.s politisches Ziel war die wirtschaftliche Eingliederung der Vertriebenen; in ihren Reihen sollten weder Resignation noch Radikalismus aufkommen. Der BHE errang bei den schleswig-holsteinischen Landtagswahlen im Juli 1950 einen sensationellen Erfolg: er wurde mit 23,4% zweitstärkste Partei. K. übernahm in der Landesregierung das Amt des Finanzministers und wurde stellvertretender Ministerpräsident, seit Oktober 1951 war er auch Justizminister. In der Folgezeit dehnte er seine Organisation durch Zusammenschlüsse mit anderen Flüchtlingsverbänden auf das gesamte Bundesgebiet aus. 1952 wurde K. Vorsitzender der nun unter der Bezeichnung „Gesamtdeutscher Block/BHE“ auftretenden Partei. Bei den Bundestagswahlen von 1953 erhielt sie 5,9% der abgegebenen Stimmen und stellte 27 Abgeordnete. K. und Th. Oberländer wurden Mitglieder der Bundesregierung, K. als Minister für Sonderaufgaben (Wasserwirtschaft). Er repräsentierte die gemäßigte Richtung innerhalb des GB/BHE. Nach anfänglichen kritischen Einwänden stellte er sich hinter die Außenpolitik Adenauers. Damit geriet er in Gegensatz zu Teilen seiner Partei. Zwar wurde er 1954 zum Parteivorsitzenden wiedergewählt, wegen der seiner Meinung nach zu schmalen Vertrauensbasis verzichtete er jedoch auf das Amt. Sein Nachfolger wurde Vertriebenenminister Oberländer. Der NATO-Beitritt der Bundesrepublik und die Saarfrage verschärften die Krise im GB/BHE; Mitglieder der Bundestagsfraktion verlangten den Wechsel in die Opposition. Den Höhepunkt der Auseinandersetzungen stellte der Austritt K.s, Oberländers und anderer Abgeordneter im Juli 1955 aus der Partei dar. Sie bildeten die parlamentarische Gruppe „Kraft-Oberländer“ und unterstützten die CDU/CSU-Fraktion; im März 1956 wurde K. Mitglied der CDU. Bei einer Kabinettsumbildung im Oktober 1956 schied er aus der Bundesregierung aus. Dem Bundestag gehörte er bis 1961 an; 1960/61 war er Vorsitzender des Lastenausgleichsausschusses des Bundestages. K.s politische Leistung bestand vor allem in der erfolgreichen gesellschaftlichen Eingliederung der Vertriebenen in die Bundesrepublik.|

  • Auszeichnungen

    Großkreuz d. Bundesverdienstordens (1956).

  • Werke

    Der Gesamtdt. Block u. d. Probleme d. J. 1954, o. J.;
    „Up ewig ungedeelt“. Ein Btr. zu grundsätzl. u. aktuellen außenpol. Fragen, 1952;
    Weiß man, was man, wen man wählt: Die Parteien CDU, SPD, FDP, Z, DP, BP, BHE beantworten Ihnen zehn Fragen, welche die widrigsten Gebiete d. öffentl. Lebens betr., 1953, S. 41-45;
    Das Saarabkommen, Grundlegender Unterschied z. Oder-Neiße-Abkommen - Erster Schritt z. Wiedererlangung, in: Bull. d. Presse- u. Informationsamtes d. Bundesregierung v. 12.2.1955;
    Wissenswertes aus d. Entwurf e. Gesetzes z. Ordnung d. Wasserhaushaltes, in: Kommunalpol. Bll. 9, 1956, H. 9;
    Emigranten-Schulen sind notwendig, in: Der Europ. Osten 7, 1961, Nr. 75.

  • Literatur

    W. Henkels, Zeitgenossen, 50 Bonner Köpfe, 1953, S. 127-31 (P);
    F. Neumann, Der Block d. Heimatvertriebenen u. Entrechteten 1950–60, 1968.

  • Autor/in

    Rainer Salzmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Salzmann, Rainer, "Kraft, Waldemar" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 655-656 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124550282.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA