Lebensdaten
1780 bis 1856
Geburtsort
Hanau
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118715380 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krafft, Peter
  • Krafft, Johann Peter
  • Krafft, Peter

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Zitierweise

Krafft, Johann Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118715380.html [26.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ignaz Peter (1745–1810), Emailmaler in H. (s. ThB), S d. Josef, Weinhändler u. Wirt in Straßburg, u. d. Maria Kamm;
    M Katharina (1756- n. 1816), T d. Tuchfabr. Bernhard Donné in H. u. d. Rahel Praconie;
    B Joseph (1786–1828), Email-, dann Porträtmaler in W. (s. ThB);
    - Wien 1815 Juliane (1790–1847), T d. herrschaftl. Meiers Sebastian Preisinger u. d. Anna Forstner;
    1 S, 3 T, u. a. Albrecht (s. Gen. 1), Marie (1812–85, Franz Troll), Miniaturmalerin, Julie (1821–1903, 1] Joh. Paul Kaltenbäck, 1861, Archivar u. Publizist [s. ADB 15, ÖBL], 2] Hofrat Ferdinand v. Litzelhofen), Bildnismalerin (beide s. ThB).

  • Leben

    K. besuchte in Hanau bis zu seinem 19. Lebensjahr die Zeichenschule, unter anderem als Schüler von Anton Tischbein. 1799 ging er als Schüler von H. F. Füger an die Akademie nach Wien. Aus dieser Zeit stammen einige Selbstporträts, die seine besondere Fähigkeit als Porträtist zeigen, sowie mythologische Szenen. 1802-04 war er zu einem Studienaufenthalt bei J. L. David und F. Gérard in Paris, wo er unter anderem im Auftrag Lucien Bonapartes im Louvre kopierte; 1808 folgte ein kurzer Aufenthalt in Rom. Die Zeit bei David war für den mit Monumentalität kombinierten Realismus von K.s Malerei ausschlaggebend. In Wien war dann sein erstes bedeutendes Werk das Bild „Erzherzog Karl ergreift die Fahne des Regiments Zach in der Schlacht bei Aspern“, das er 1812 für Herzog Albert von Sachsen-Teschen schuf (Wien, Heeresgeschichtliches Museum). 1813 entstand als Gegenstück dazu „Der Abschied des Landwehrmannes“ (ebenda). Hier kristallisieren sich die vaterländischen Tendenzen heraus; es sind klassizistische Monumentalgemälde im Sinne Davids, in denen das Genrehafte die Darstellung mitbestimmt. Das Thema „Landwehr“ war von anderen schon öfter, jedoch nie zuvor auf diesem Niveau behandelt worden. Seit diesem Auftrag war K. arriviert, er wurde zum Mitglied der Wiener Akademie ernannt und erhielt Aufträge vom Kaiserhaus. 1817 und 1819 entstanden zwei großformatige Szenen aus den Napoleonischen Kriegen, „Die Siegesmeldung nach der Schlacht bei Leipzig“ und „Erzherzog Karl mit seinem Stab in der Schlacht bei Aspern“ (Wien, Heeresgeschichtliches Museum). In beiden Werken dominiert die steife Aufreihung von Porträts der höchstrangigen Schlacht-Teilnehmer. Der Vordergrund wird jedoch von genrehaften Zügen in Form von Stilleben und Szenen mit gemeinen Soldaten bestimmt. Daneben malte K. viele Porträts, die sich durch Sparsamkeit der Umrißlinien, durch kühle, oft hart abgestufte Farbgebung und durch besondere Hervorhebung bestimmter physiognomischer Eigenheiten des Porträtierten auszeichnen. Das Arrangement zeigt mitunter Anlehnung an das barocke Repräsentationsporträt.

    Zwischen 1820 und 1825 entstand ein Monumental-Zyklus mit Themen aus der ungarischen Geschichte. Ein Höhepunkt in K.s Schaffen und in der österreichischen Malerei des 19. Jahrhunderts sind drei Wandbilder im Audienzsaal der Reichskanzlei der Wiener Hofburg mit Szenen aus dem Leben von Kaiser Franz I. Die Lichtmalerei des Wiener Biedermeier hat hier ihre Anfänge. Die damals moderne enkaustische Technik fördert noch das Leuchten der Farben. K. hat die Volksbegeisterung in der Bewegung der Menge, in den Gesichtern von Menschen aller Altersstufen und Stände deutlich gemacht. In den 30er Jahren bekam K. den Auftrag, Pendants zu den Szenen in der Hofburg zu malen; die drei kleinformatigen Ölbilder verdeutlichen die Liebe des Kaisers zu seinem Volk. Nicht der Herrscher steht hier im Vordergrund, sondern sein Volk.

    1823 erhielt K. die Professur für Historienmalerei an der Akademie, 1828 wurde er zum Direktor der Gemäldesammlungen Belvedere berufen. Daneben wurde K. auch als „Denkmalpfleger“ tätig, unter anderem restaurierte er|die Fresken des Andrea del Pozzo in der Universitätskirche. 1830 wurde er Mitbegründer des Wiener Kunstvereins. K.s Bedeutung liegt in mehreren Bereichen: Die Hofburgbilder sind ein Ausgangspunkt für die Genremalerei des Wiener Biedermeier. Darüber hinaus stehen sie als historische „Ereignisbilder“ im Rahmen der europäischen Malerei der Zeit einzig da. K.s Porträts haben ihren besonderen Reiz in der zurückhaltenden Schilderung des „inneren“ Menschen, während sie sich im Äußerlichen – ausgehend von J. L. David – durch ausgeprägten Realismus auszeichnen. Die vielen Zeichnungen, zumeist Vorstudien, sind oft sehr direkte Abbilder. Der Maler K. war ein „Kunstbeamter“, der als Galeriedirektor, als Gutachter über zeitgenössische Kunstwerke, als Restaurator und als Schöpfer von Bildern, die staatspolitische Ideen zum Ausdruck brachten, tätig war.

  • Werke

    Weitere W u. a. Kaiser Franz in Ungar. Uniform, 1816 (Budapest, Nat.mus.);
    Die Heimkehr d. Landwehrmannes, 1817 (Wien, Österr. Gal,);
    dass., 1820 (ebd., Heeresgeschichtl. Mus.);
    Zrinys Heldentod b. Szigeth 1566;
    Die Krönung Kaiser Franz' II. z. Kg. v. Ungarn, beide 1820/25 (beide Budapest, Nat.mus.);
    Die Rückkehr d. Kaisers v. Preßburger Reichstag 1809;
    Die Heimkehr d. Kaisers nach d. Pariser Frieden 1814;
    Die 1. Ausfahrt d. Kaiserpaares nach e. schweren Krankheit d. Kaisers 1826 (alle 3 Wien, Hofburg);
    Kaiser Franz erteilt e. allg. Audienz;
    Kaiser Franz rudert e. Mann üb. d. Laxenburger Teich;
    Kaiser Franz begleitet d. Sarg e. armen Mannes bei Baden, alle 3 n. 1830 (Privatbes.);
    Faust am Ostermorgen, 1856 (Wien, Privatbes.).

  • Literatur

    ADB 17;
    R. Eitelberger v. Edelberg, in: Dt. Kunstbl. 8, 1857, S. 4-7, wieder in: ders., Kunst u. Künstler Wiens in neuerer Zeit, 1879, S. 61-72;
    B. Grimschitz, Ein österr. Franz Krüger, in: Die Kunst 57, 1928, S. 161-68;
    Kat. d. 39. Wechselausstellung d. Österr. Gal. im Oberen Belvedere Wien, 1956 (Gedächtnisausstellung P. K.);
    S. Troll, P. K. u. d. Univ.kirche, in: Österr. Zs. f. Kunst u. Denkmalpflege 10, 1956, S. 134-39;
    P. Vasić, Die Kunst P. K.s, ebd. 14, 1960, S. 58-69;
    E. Vancsa, Zu d. „vaterländ. Historien“ P. K.s, in: Wiener Jb. f. Kunstgesch. 27, 1974, S. 158-76;
    ders., Überlegungen z. pol. Rolle d. Historienmalerei d. 19. Jh., ebd. 28, 1975, S. 145-58;
    H. Fuchs, Die österr. Maler d. 19. Jh. II, 1973;
    Wurzbach 13 (auch f. Fam.);
    ÖBL;
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnis, 1799 (Wien, Privatbes.);
    Lith. v. J. Krichuber, 1850 (ebd., Nat.bibl.), Abb. in: H. u. G. Aurenhammer, Das Belvedere in Wien, 1971.

  • Autor/in

    Marianne Frodl-Schneemann
  • Empfohlene Zitierweise

    Frodl-Schneemann, Marianne, "Krafft, Johann Peter" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 645-646 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118715380.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Krafft: Peter K., Geschichtsmaler, geb. am 17. Septbr. 1780 zu Hanau, am 28. Octbr. 1856 zu Wien, war der Sohn eines geschickten Emailleurs in Hanau und erhielt von der fürstlich hessischen Zeichenakademie, die er durch 10 Jahre besuchte, die erste künstlerische Bildung. Wiederholt durch Preise ausgezeichnet, reiste K. im März 1799 nach Wien, suchte sich unter H. Fügers Leitung in der Malerei zu vervollkommnen und reiste Anfangs des Jahres 1802 mit Schnorr von Karolsfeld nach Paris, wo ihn die Werke des Malers Louis David, die damals auf Künstler wie auf Napoleon gleich bezaubernd wirkten, in hohem Grade fesselten. Den dort gewonnenen Eindrücken gab sich K. vollständig hin und pflegte mit Begeisterung die classische Richtung des Meisters. Durch die Gunst des jüngsten Bruders des Kaisers, Lucian Bonaparte, für den er zahlreiche Bilder copirte, fand er ausreichend Beschäftigung und auch Gelegenheit mit der vornehmen Welt des ersten Kaiserreiches in Berührung zu treten. Die strenge, doctrinäre Schule David's, der sich der Künstler angeschlossen, wurde entscheidend für dessen ganze Richtung. Im J. 1806 nach Wien zurückgekehrt, widmete sich K. zunächst dem Porträtfache (in Oel und Miniatur), da den Wiener Kunstkreisen die französische Richtung nicht zusagte und der Künstler daher keine Anregung fand, sein bedeutendes Talent in größeren Aufträgen zu zeigen. K. fand hier nur an Erzherzog Johann einen warmen Gönner, in dessen Begleitung er wiederholt Reisen in die Alpen unternahm und zu dessen Popularität er dadurch nicht wenig beitrug, daß er den Prinzen als steirischen Schützen, einsam eine Alpenspitze erkletternd, darstellte: ein Bild, das durch Höfel's Grabstichel in weiteren Kreisen bekannt wurde. Erst im Jahre 1813 gelang es K. seinen Ruhm zu begründen. Unter dem mächtigen Eindruck der Befreiungskriege malte er das große, 9 Fuß hohe und 11 Fuß breite Bild „Abschied des österreichischen Landwehrmannes von seiner Familie“, gegenwärtig in der Belvedere-Gallerie und stellte dasselbe in einer eigenen Holzbude auf der Bastei aus. Die Wirkung des Bildes war eine außerordentliche. Bisher waren die akademischen Wiener Historienmaler jedem modernen Stoffe ängstlich aus dem Wege gegangen, und hatten sich nur für religiöse oder allegorische Stoffe begeistert. Dieser Griff in das moderne Leben, die Darstellung eines Momentes, das alle patriotischen Gemüther tief bewegen mußte sowie die Macht der Composition waren überwältigend, so gering auch der malerische Essect blieb, worauf eben die David'sche Schule kein Gewicht legte. Die Akademie der bildenden Künste ernannte K. in Folge dieses Bildes noch im J. 1813 zu ihrem Mitgliede. Angeeifert durch den großen Erfolg, versuchte sich der Künstler in anderen ähnlichen Stoffen. Er vollendete 1815: „ Erzherzog Karl in der Schlacht bei Aspern“ und den „Sieg bei Leipzig“, 1820 die „Rückkehr des Landwehrmannes aus dem Befreiungskriege“ (im Belvedere), 1822 die „Krönung des Kaisers Franz I.“ für das Pesther Nationalmuseum, später die drei Fresken mit Scenen aus dem Leben des Kaisers für den Audienzsaal der kaiserlichen Hofburg. Daneben schuf er in dieser Zeit auch Werke nach älteren, zum Theil antiken Stoffen und zahlreiche Porträts, die aber gegenüber den ersteren weit in den Hintergrund treten. Im J. 1823 wurde K. zum Professor an der Akademie der bildenden Künste und im J. 1828 aus der eigensten Initiative des Kaisers Franz I. zum Director der kaiserl. Belvedere-Gallerie ernannt. Auch in dieser Eigenschaft blieb der Künstler der von ihm eingeschlagenen Richtung treu und verherrlichte geschichtliche Ereignisse und Charakterzüge aus dem Leben des von ihm hochverehrten Kaisers. Zu diesen Gemälden gehören: „Graf Nikolaus Zriny v. Szigeth“, für das ungarische Nationalmuseum, „ Kaiser Franz empfängt eine Wittwe in der Audienz“ (1837), „ Erzherzog Karl mit seiner Suite in der Schlacht bei Aspern“ (1838), „Zusammenkunft der Alliirten nach der Schlacht bei Leipzig“ (1839), „Kaiser Franz fährt 1811 einen Mann auf dem Laxenburger Teiche“ (o. J.) und „Kaiser Franz begleitet die Leiche eines armen Mannes zu Baden bei Wien" (1854). Unter den übrigen Bildern sind in weiteren Kreisen bekannt geworden: „Ossian", „Manfred“, „Hermann und Dorothea“ und seine Scenen aus Tasso's befreitem Jerusalem. Eine große Zahl seiner Bilder wurde von Rahl, Scott, Stöber in Kupfer gestochen. Krafft's Bedeutung als Künstler beruht auf der Composition und der Wahl der Stoffe. Durch seine Anregung wandten die österreichischen Künstler auch der neueren Geschichte ihre Aufmerksamkeit zu und durch die Wahl der modernen Stoffe und ihre Darstellungsweise brach K. dem Wiener Genrebild die Bahn. Die größte Schwäche in Krafft's Bildern ist, daß sie trocken und kühl in der Behandlung und ohne großen Farbenreiz sind. Als Galleriedirector strebte er die Verbesserung des Katalogs an, dessen Herausgabe er seinem Sohne, dem Orientalisten Albrecht K. übertrug; in Folge von dessen frühzeitigem Tode besorgte R. v. Eitelberger die Redaction des ersten Bandes.

    • Literatur

      C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon XIII, 106. Rudolf v. Eitelberger's Ges. Kunsthistorische Schriften I, 61.

  • Autor/in

    K. Weiß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Karl, "Krafft, Johann Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 19-20 unter Krafft, Peter [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118715380.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA